Heinrich Hansen (Architekt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Heinrich Hansen (* 2. April 1881 in Aachen; † 3. Dezember 1955 in Kiel) war ein deutscher Architekt.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Hansen war ein Sohn des in Aachen geborenen Tischlermeisters Joseph Hansen († 1928 ebenda) und dessen Ehefrau Josephine Hansen geborene Kuck († 1899 in Aachen). Der Vater hatte in der Stadt eine Fabrik für Holzbearbeitung gegründet. Hansen besuchte eine Aachener Realschule und absolvierte eine Berufsausbildung bei einem Architekten.

Bei seinem anschließenden Architekturstudium an der Technischen Hochschule Aachen gehörte sein Lehrer Karl Henrici zu seinen Förderern. Er stellte den Kontakt zu Wilhelm Voigt her, der Hansen eine erste Stelle gab. Ab 1903 arbeitete er überwiegend beim Bau der Kieler St.-Jürgen-Kirche mit und für kurze Zeit bei der Fortifikation. Ein Frühwerk Hansens war das Kontorhaus der Firma Chr. Sieck in Eckernförde, das er zusammen mit dem Eckernförder Architekten Wilhelm Kruckau 1898 im Stil der Neorenaissance entwarf.[1]

Ab 1907 arbeitete Hansen als selbstständiger Architekt. Sein erster Auftrag war der Neubau eines größeren Wohnhauses in Gaarden. Danach erstellte er Pläne für zahlreiche weitere Bauten, deren Ausführungen er selbst bis kurz vor Lebensende betreute. Er nahm an vielen Architektenwettbewerben teil.

Hansen sagte über sich selbst, dass er lieber Bauten plane, als deren Ausführungen zu begleiten. Er hielt an eigenen Vorstellungen fest, was mitunter zu Problemen mit Geschäftspartnern führte. Aufgrund seiner zielgerichteten Ratschläge und Anleitung sagte jedoch einer seiner Bauherren Jahrzehnte später: „Die Jahre dieser Zusammenarbeit bedeuten für mich eine ungewöhnliche Bereicherung in persönlicher und fachlicher Beziehung“. Bei seiner Teilnahme am Ideen-Wettbewerb zur Neugestaltung der Innenstadt Kiel urteilte Richard Sedlmaier 1948, dass Hansen über „intime Kenntnisse der lokalen Verhältnisse“ verfüge, sein Entwurf jedoch eine „vielleicht etwas allzu-sehr zurückhaltende Auseinandersetzung mit dem Gegebenen“ sei.

Von 1946 bis zu seinem Lebensende gehörte Hansen dem wiedergegründeten Bund Deutscher Architekten an.

Hansen war seit dem 18. November 1921 verheiratet mit Dora geb. Wagner (* 12. August 1888 in Wellingdorf), deren Vater Heinrich Wagner Bauunternehmer war.

Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1898: Kontorhaus der Fa. Chr. Sieck in Eckernförde, Langebrückstraße 1 (zusammen mit Wilhelm Kruckau)
  • 1907: Wohnhaus für Dr. Kattein in Gaarden
  • 1915–1916: Maschinenfabrik Bohn & Kähler, Wohnhaus Boninstraße (Backstein mit Haustein)
  • 1921–1922: Wohnhäuser Sandkuhle 1–3 und Schülperbaum 2–14
  • 1924–1925: Wohnungsbauten an der Zastrowstraße (geschlämmter Kalksandstein), Werkhallen für Gebr. Andersen in Hassee
  • 1926–1927: Wohnhäuser Schülperbaum 9–11 und Wichmannstraße 2–6
  • 1929: Geschäftshaus der Provinzial-Versicherungsanstalt in Kiel, Sophienblatt
  • zwischen 1930 und 1939:
    • Landwirtschaftliche Winterschule in Eckernförde
    • Rundsilo der Firma Chr. Sieck am Hafen in Eckernförde
    • Zwei Silos in Kappeln die für Sieck und Getreide AG
    • Zwei Silos für G. W. Löwe und die Firma Ohlerich in Wismar
    • Bürogebäude der Firma Sieck in Gettorf
  • 1935–1937: Katholisches Kloster Krusenrott in Kiel
  • 1935–1937: Wohn- und Geschäftshause für die Fleischfabrik Ehlers & Co.
  • 1947–1948: Lagerhäuser für die Firma Langness in Kiel
  • ab 1948: Wiederaufbau des Kieler Stadttheaters (gemeinsam mit Guido Widmann und Werner Kallmorgen)
  • 1949: Wiederaufbau der Sandkuhle für Kieler Wohnungsbau, Wohnungsbauten Dietrichsdorfer Höhe (gemeinsam mit Karl Doormann)

Wettbewerbsentwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1914: Landwirtschaftliche Winterschule in Bad Oldesloe (gemeinsam mit Heinrich Speck, prämiert mit dem 3. Preis)
  • 1920–1921: Museumsbauten in Dresden
  • 1924: Ludwig-Nissen-Haus in Husum (prämiert mit dem 2. Preis)
  • 1939: Ausbau einer Marinesiedlung für 75.000 Einwohner in Wilhelmshaven (gemeinsam mit den Architekten Suhr und Delz, prämiert mit dem 1. Preis)
  • 1940: Rathaus und Stadttheater in Schleswig
  • 1948: Ideenwettbewerb zur Neugestaltung der Kieler Innenstadt (4. Ankauf)
  • 1953: Neubau eines Verwaltungsgebäudes für die Oberpostdirektion Kiel und das Postamt 1 (gemeinsam mit Bernhard Voss)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Jaeger: Hansen, Heinrich. In: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon. Band 4, Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1976, S. 79–80.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Museumsverein Eckernförde e.V., Stadt Eckernförde (Hrsg.): Eckernförde. Ein Stadtrundgang. 2015, Seite 38.