Heinz Bienefeld

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Heinz Bienefeld
Gemeindezentrum St.Bonifatius Wildbergerhütte-Reichsdorf (1974)

Heinz Bienefeld (* 8. Juli 1926 in Krefeld; † 28. April 1995 in Swisttal-Ollheim) war ein deutscher Architekt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Bienefeld wuchs als Sohn eines Malermeisters in Krefeld auf. Nach dem Arbeits-, Kriegsdienst und -gefangenschaft in Großbritannien von 1943 bis 1948 studierte ab 1948 an den Kölner Werkschulen bei Dominikus Böhm Sakral- und Profanbau. 1952 wurde er dessen Meisterschüler und war bis 1954 dessen Assistent. 1954 machte Bienefeld eine Studienreise durch die U.S.A., war anschließend von 1955 bis 1958 Mitarbeiter von Gottfried Böhm und von 1958 bis 1963 Mitarbeiter im Bauatelier von Emil Steffann.[1] Hier lernte er 1961 Gisberth Hülsmann kennen, mit dem er sich fachlich austauschte und befreundete. 1963 machte sich Bienefeld als Architekt selbstständig und wirkte bis zu seinem Tod 1995 freischaffend. 1984 vertrat er den Lehrstuhl von Georg Solms an der Architekturfakultät der Bergischen Universität Wuppertal und war von 1986 bis 1987 Lehrbeauftragter an der Hochschule Trier. Der Architekt und Hochschullehrer Nikolaus Bienefeld ist sein Sohn.

Werk (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St.Bonifatius Wildbergerhütte-Reichsdorf, Konche (Tabernakel)
Haus Heinze-Manke, Gartenseite

Material- und Werkgerechtigkeit des Bauens waren für Bienefeld Grundlagen, die er in seiner Zusammenarbeit mit Dominikus Böhm und Emil Steffann kennen- und schätzen gelernt hatte, zu Maximen seines eigenen Bauschaffens erklärte, sich aneignete und weiterentwickelte. Er ließ sich von der Baukunst Italiens anregen, studierte dort Zeit seines Lebens die Ruinen der Antike, die Bauwerke der Renaissance (Andrea Palladio) und der zeitgenössischen Moderne (Carlo Scarpa). Er baute Wohnhäuser und Kirchen. Die Anlage und der Bau des Haus Nagel begründeten seinen Ruf als einen Architekten, der es verstand, die Körper und Räume seiner Bauwerke ausgewogen zu gliedern und in die Umgebung einzufügen, vielfältige Raumeindrücke zu bilden, Baustoffe bis ins Kleinste auszubilden und zu fügen, lebendige Oberflächen zu schaffen.

Haus Heinze-Manke, Skizze Grundriss

„Die Bauten Heinz Bienefelds zählen zu den wichtigsten der Architekturgeschichte. Zu dieser Erkenntnis wird jeder gelangen, der sich einmal in ihnen aufgehalten, sie genutzt, in ihnen gelebt hat,“[2] stellte Wilfried Wang 1999 als Direktor des Deutschen Architekturmuseums fest, das den Nachlass Bienefelds erwarb.[3]

Häuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Babanek, Modell (1991)
  • Haus Nagel (1966–1968), Wesseling-Keldenich
  • Haus Faber (1970–1971), Krefeld- Fischeln[4]
  • Haus Pahde (1972), Köln-Rodenkirchen
  • Haus Heinze-Manke (1984–1988), Köln-Rodenkirchen
  • Haus Stein (1976), Wesseling
  • Haus Schütte (1978), Köln-Müngersdorf
  • Haus Derkum (Bienefeld) (1978), Swisttal-Ollheim
  • Haus Stupp (1978), Köln-Rodenkirchen
  • Haus Babanek (1991), Brühl
  • Haus Duchow (1983), Bonn-Witterschlick[5]
  • Haus Bähre (1984), Algermissen
  • Haus Groddeck (1984), Bad Driburg
  • Haus Strecker (1988), Delligsen
  • Haus Holtermann (1988), Senden
  • Haus Kühnen (1989), Kevelaer
  • Haus Babanek (1991–1995), Brühl bei Köln
  • Haus Kortmann (1994), Köln-Lindenthal
  • Haus Ute und Kaspar Bienefeld (1995), Hohen-Neuendorf bei Berlin
  • Evangelischer Kindergarten Allerheiligenberg, Lahnstein (1991)

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindezentrum St. Katharina von Siena Köln-Blumenberg

„Bienefelds Wohnhäuser haben im Vergleich zu der Kirche viel ‚sakralere‘ Räume“,[6] sagte Manfred Speidel über St. Willibrord Waldweiler (Hunsrück).

  • Umbau und Erweiterung der Pfarrkirche St. Andreas Wesseling-Keldenich (1964)
  • St. Willibrord Mandern- Waldweiler im Hunsrück (1968)
  • Gemeindezentrum St. Bonifatius Wildbergerhütte-Reichshof (1974)
  • Gemeindezentrum St. Katharina von Siena Köln-Blumenberg (1991, Wettbewerb 1. Preis, errichtet von Nikolaus Bienefeld)

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kölner Architekturpreis (ältester deutscher Architekturpreis) mehrfach
  • Architekturpreis NRW wiederholt
  • Großer Preis des Bund Deutscher Architekten (BDA), posthum 1996
  • Preis der Mies-van-der-Rohe-Stiftung in Barcelona, posthum 1997

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Weisner: Neue Architektur im Detail. Heinz Bienefeld. Gottfried Böhm. Karljosef Schattner. Karl Kerber Verlag, Bielefeld 1989.
  • Manfred Speidel, Sebastian Legge: Heinz Bienefeld. Bauten und Projekte. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1991.
  • Wolfgang Pehnt: Der Rhein fließt in das Mittelmeer. Wolfgang Pehnt zu den Häusern Heinz Bienefelds. In: db (deutsche bauzeitung). Fachzeitschrift für Architekten und Bauingenieure. 126. Jahrgang, September 1992.
  • Gerhard Ullmann: Reduktion auf Grundformen. Annäherungsversuche an die Wohnbauten Heinz Bienefelds. In: db 126 (September 1992), S. 32–61.
  • Konstruktive Wahrheit / Constructive Truth. In: Arno Lederer, Jorunn Ragnarsdottir: Wohnen heute. Housing today. Karl Krämer Verlag, Stuttgart/Zürich 1992, S. 66–71.
  • Manfred Speidel: Heinz Bienefeld: Die Kunst der Räume. In: Der Architekt 1995, H. 12, S. 727–730.
  • Hansjörg Göritz: Hommage – Nachruf auf Heinz Bienefeld 1926–1995. AIT 130 7–8 1995, ISSN 0173-8046Wolfgang Voigt (Hrsg.): Heinz Bienefeld 1926–1995. Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen / Berlin 1999 (Katalogbuch Deutsches Architektur-Museum).
  • Werner Strodthoff: Die Architektur von Heinz Bienefeld (1926–1995). In: Bauwelt 90 (1999), 14, S. 736 f.
  • Christian Thomas: Rückkehr in die Räume, hinter der Zeit. Eine Ausstellung im Deutschen Architektur-Museum (DAM) erlaubt eine Exkursion in die Welt Heinz Bienefelds. In Frankfurter Rundschau. 24. März 1999.
  • Corinne Elsesser: Das Konkrete in der Architektur. Heinz Bienefeld im Deutschen Architektur-Museum Frankfurt. In: Neue Zürcher Zeitung. 9. April 1999
  • Wolfgang Voigt: Heinz Bienefeld. In: Neue Deutsche Architektur. Eine Reflexive Moderne, hrsg. von Ullrich Schwarz. – Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2002, S. 224–229.
  • Institut für Auslandsbeziehungen: Zwei deutsche Architekturen 1949–1989. Eine Ausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen. Stuttgart 2004, S. 112.
  • Gert Ressel: War Heinz Bienefeld ein Grieche? In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 2 (2/2010), 259–266.
  • Wolfram Hagspiel / Hans-Georg Esch (Fotografien): Villen im Kölner Süden. Rodenkirchen, Sürth, Weiss und Hahnwald. J.P. Bachem Verlag, Köln 2012, S. 106–119; Umschlagseite IV.
  • Oliver Elser: Pomo Rising. Haus Nagel by Heinz Bienefeld. In: Uncubemagazine vom 2. Dezember 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Sundermann: Holz und Stein werden Dich lehren ... Schule des unbefangenen Bauens: Emil Steffann, Mitarbeiter, Schüler. In: Conrad Lienhardt, Kunstreferat Linz (Hrsg.): Emil Steffann (1899 - 1968) Werk,Theorie, Wirkung. Reihe Kirchenbau, Nr. 2. Schnell & Steiner, Regensburg 1999, ISBN 3-7954-1227-7, S. 83 - 87.
  2. Wilfried Wang in: Wolfgang Voigt (Hrsg.): Heinz Bienefeld 1926–1995. – Ernst Wasmuth Verlag Tübingen/Berlin 1999 (Katalogbuch Deutsches Architektur-Museum), S. 8.
  3. Frank Druffner: Vitruvs stiller Jünger. Kulturstiftung der Länder, abgerufen im 1. Juni 2018.
  4. baukunst-nrw.de: Haus Faber
  5. deu.archinform.net: Heinz Bienefeld
  6. Manfred Speidel: Die heilige Stadt unter den Menschen. Die Pfarrkirche St. Willibrord, Mandern-Waldweiler, 1968. In: Wolfgang Voigt (Hrsg.): Heinz Bienefeld 1926-1995, S. 76.