Heizkraftwerk Reuter West

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Heizkraftwerk Reuter West
Heizkraftwerk Reuter West, Haupteingang
Heizkraftwerk Reuter West, Haupteingang
Lage
Heizkraftwerk Reuter West (Berlin)
Heizkraftwerk Reuter West
Koordinaten 52° 32′ 7″ N, 13° 14′ 34″ OKoordinaten: 52° 32′ 7″ N, 13° 14′ 34″ O
Land Deutschland
Daten
Typ Heizkraftwerk
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Steinkohle
Leistung elektrische Leistung: 564 MW,
thermische Leistung: 758 MW
Betreiber Vattenfall Europe Wärme AG
Betriebsaufnahme 1987
Schornsteinhöhe 122 m
Eingespeiste Energie pro Jahr 2570 GWh (Durchschnittswert) GWh
Website kraftwerke.vattenfall.de/reuter-west
f2

Das Heizkraftwerk Reuter West ist ein kohlebetriebenes Heizkraftwerk (HKW) im Berliner Ortsteil Siemensstadt. Es befindet sich in Nachbarschaft des HKW Reuter und wurde als Grundlast-Kraftwerk erbaut. Die beiden 300-MW-Blöcke gingen 1987 und 1988/89 in Betrieb. Das HKW Reuter West ist das leistungsstärkste Kraftwerk des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall in Berlin. Es kann fast eine halbe Million Haushalte mit Fernwärme und eine Million Haushalte mit Strom versorgen. Betrieben wird das Kraftwerk von der zum deutschen Teilkonzern gehörenden Tochtergesellschaft Vattenfall Europe Wärme.

Eckdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Planungen für ein neues Kraftwerk in West-Berlin sahen dieses im Bereich des vorhandenen Kraftwerks Oberhavel vor. Ende 1976 änderte der Senat die Planungen und sah das Kraftwerk nun am Oberjägerweg in Hakenfelde, unmittelbar an der Grenze zur DDR, vor. 1977 wurde auch diese Planung wieder aufgegeben und 1978 der Standort neben dem Heizkraftwerk Reuter festgelegt. Der Nachteil dieses Standortes war die Begrenzung der Bauhöhe auf Grund der Nähe zum Flughafen Tegel. Im äußersten Fall wäre eine Bauhöhe von 122 m über dem Gelände möglich.[1] Die ursprüngliche Planung für den Bau des Kraftwerkes sah eine Bauhöhe für Kesselhäuser und Kühlturm von mehr als 100 m vor. Der Kühlturm erhielt nun eine Höhe von 100 m und der Schornstein die Maximalhöhe von 122 m. Ein Gutachten von 1979 ergab jedoch, dass durch die gekürzte Schornsteinhöhe (im Vergleich zur Ursprungsplanung) Störungen in der Rauchgasabführung auftreten können. Erst mit umfangreichen Modellversuchen im Windkanal für verschiedene Anordnungen der Baukörper wurde eine befriedigende Lösung gefunden.[2]

Die Baupläne für die Kesselhäuser wurden angepasst, wobei die Grundflächen unverändert blieb. Die Kessel wurden in ihrer Höhe auf 74 m reduziert, was durch einen größeren Querschnitt ausgeglichen wurde. Das hatte zur Folge, dass die Langrohrbläser auf mittlerer Höhe länger wurden. An diesen Stellen erreichten sie fast die Kesselhausinnenwände und ein Passieren der Bläser wäre nicht mehr möglich gewesen. Deswegen wurde in diesen Bereichen ein Anbau von etwa 1,50 m Breite vorgenommen.

Bei dem Kühlturm handelt es sich um einen Naturzugkühlturm, der ebenfalls gegenüber der ursprünglichen Planung in der Höhe reduziert ausgeführt werden musste. Das hatte zur Folge, dass nicht der gewünschte Wirkungsgrad erzielt wurde.

Dem Kesselhaus ist ein Katalysator (DeNOx) zur Reduzierung der Stickoxide nachgeschaltet. Dieser wird von zwei Betonstützen getragen, in denen sich je ein Aufzug und ein Treppenhaus befinden.

Ein Elektrofilter wurde dem Katalysator nachgeschaltet. Dieser filtert Flugasche (vom Gesetzgeber auch als Staub bezeichnet) aus den Rauchgasen.

Anschließend befinden sich die Saugzuggebäude, die Rauchgasentschwefelungsanlage und der 122 m hohe Schornstein.

Der Netzanschluss erfolgt auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Netz von 50Hertz Transmission.[3] Der erste Mast der von der Schaltanlage ausgehenden 380-kV-Freileitung ist aus ästhetischen Gründen als schornsteinähnlicher 66 m hoher Betonmast (mit Stahlfachwerktraversen) ausgeführt worden.

Geplanter Fernwärmespeicher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teile dieses Artikels scheinen seit 2016 nicht mehr aktuell zu sein.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Ab Anfang 2014 wird auf dem Kraftwerksgelände ein Fernwärmespeicher errichtet, der Anfang 2016 in Betrieb genommen werden soll. Bei einer Höhe von 45 Metern und einem Durchmesser von 44 Metern soll er 60.000 Kubikmeter Wasser mit einer Speicherfähigkeit von 2500 MWh thermisch fassen und somit ermöglichen, Produktion und Lieferung von Wärme zu entkoppeln. Damit soll das in Kraft-Wärme-Kopplung betriebene Heizkraftwerk (HKW) bei hohem Strompreis unabhängig von der Wärmenachfrage betrieben werden können. Andererseits kann es in bestimmten Zeiten auch vollständig abgeschaltet werden, beispielsweise wenn aufgrund geringen Strombedarfes oder hoher Einspeisung regenerativer Erzeuger das HKW nicht benötigt wird. Durch die bessere Auslastung des bestehenden Kraftwerksparks sollen die jährlichen Kohlendioxidemissionen um rund 100.000 Tonnen gesenkt werden können.[4][5]

Emissionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohlekraftwerke stehen aufgrund ihres Schadstoffausstoßes in der Kritik. Auch nach dem Einbau von Filteranlagen in den 1980er-Jahren, die den Großteil des Schwefels aus den Abgasen entfernen, stoßen Kohlekraftwerke weiterhin relevante Mengen Schwefeldioxid aus. Neben Schwefeldioxid gelangen umwelt- und gesundheitsschädliche Stickstoffoxide sowie gesundheitsschädliche Feinstäube, darin enthaltene Schwermetalle und PAK in die Umwelt. In Deutschland trug die Energiewirtschaft 2010 mit 71 % (6,571 Tonnen) zur Gesamt-Quecksilberemission bei.[6]

Die Schadstoffemissionen aller großen Kohlekraftwerke und Industrieanlagen sind im Europäischen Schadstoffemissionsregister (via deutschem Portal www.Thru.de) veröffentlicht.

Emissionen unterhalb der berichtspflichtigen Mengenschwelle sind in der Tabelle mit „<“ neben dem Grenzwert aufgeführt.

Luftschadstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohlendioxid und Luftschadstoffe (Berichtsjahr 2012)[7]
Produzierte Strommenge Kohlendioxid (CO2) Stickoxide (NOx/NO2) Schwefeloxide (SOx/SO2) Kohlen-monoxid (CO) NMVOC (Flüchtige organische Verbindungen) Feinstaub (PM10) Anorganische Fluor-verbindungen als HF Distickoxid (N2O) Benzol (C6H6) Blei (Pb) Chrom (Cr) Nickel (Ni) Queck-silber (Hg) Arsen (As) Cadmium (Cd)
2.570 GWh 2.560.000.000 kg 1.790.000 kg 752.000 kg <500.000 kg <100.000 kg <50.000 kg 19.300 kg 13.400 kg <1000 kg <200 kg <100 kg 71,5 kg 24,4 kg 29,2 kg <10 kg

Wasserschadstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserschadstoffe (Berichtsjahr 2012)[8]
Produzierte Strommenge Chloride –Abwasser– Fluoride (als Gesamt-F) –Abwasser– Zink(Zn) –Abwasser– Kupfer(Cu) –Abwasser–
2.570 GWh <2.000.000 kg <2.000 kg <50 kg <50 kg

Feste Schadstoffe (Verbringung gefährlicher Abfälle)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feste Schadstoffe (Verbringung gefährlicher Abfälle) (Berichtsjahr 2012)[9]
Produzierte Strommenge Gesamtabfallmenge Abfall zur Beseitigung Abfall zur Verwertung
2.570 GWh 3.850 t 3.220 t 628 t

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bewag: Musteranlagen der Energiewirtschaft: Heizkraftwerk Reuter West. Energiewirtschaft und Technik Verlagsgesellschaft, Berlin 1989.
  • Hilmar Bärthel: Anlagen und Bauten der Elektrizitätserzeugung. In: Berlin und seine Bauten, Teil X, Band A (2) Stadttechnik. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2006, ISBN 3-86568-012-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heizkraftwerk Reuter West – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bewag 1989, S. 15
  2. bewag 1989, S. 20
  3. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 02.07.2012. (Microsoft-Excel; 1,6 MB) Archiviert vom Original am 22. Juli 2012; abgerufen am 21. Juli 2012.
  4. Vattenfall baut an allen Ecken in Berlin. In: Tagesspiegel, 2. Dezember 2013. Abgerufen am 27. Dezember 2013.
  5. Wärmespeicher für Berlin. (Memento des Originals vom 12. September 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/corporate.vattenfall.de Vattenfall; abgerufen am 27. Dezember 2013.
  6. Emissionsentwicklung 1990–2010, Schwermetalle. Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen seit 1990, Umweltbundesamt (Excel-Tabelle), 2012
  7. Daten zum Kraftwerk Reuter West
  8. Daten zum Kraftwerk Reuter West
  9. Daten zum Kraftwerk Reuter West