Henckel von Donnersmarck

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Henckel von Donnersmarck (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stammwappen der Henckel von Donnersmarck
Wappen der Grafen Henckel von Donnersmarck
Wappen der preußischen Fürsten Henckel von Donnersmarck 1901

Henckel von Donnersmarck ist eine österreichisch-deutsche Adelsfamilie. Sie hat ihren Ursprung in der früher oberungarischen Landschaft Zips (heute slowakisch Spiš), wo die Familienangehörigen einst als deutsche Siedler ansässig waren. Stammvater der Familie ist Henckel de Quintoforo (14./15. Jahrhundert), Stammsitz der Familie ist Donnersmark in der heutigen Slowakei. Die briefadelige Familie stieg durch Handel und Bergbau in Oberschlesien und Österreich zu großem Reichtum auf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche und ungarische König Sigismund von Luxemburg verlieh den Brüdern Peter, Jakob und Nikolaus Henckel de Quintoforo am 1. August 1417 in Konstanz, zur Zeit des dort stattfindenden Konstanzer Konzils, ein Wappen. Die ungarische Adelsbestätigung für das Gesamtgeschlecht mit „de Quintoforo, aliter von Donnersmarckh“ erfolgte am 27. April 1593.

Lazarus Henckel I. von Donnersmarck „der Ältere“ (1551-1624) bekam 1608 das Böhmische Inkolat. Er war Großhändler, Bankier und Bergbauunternehmer und legte als Finanzier Kaiser Rudolf II. die eigentliche Basis für den Aufstieg der Familie Henckel von Donnersmarck. Er erhielt am 26. Februar (in welchem Jahr? Quelle?) zu Prag die erbländisch österreichische Wappenbestätigung im Adelsstand. Kurz vor seinem Tod belehnte Kaiser Ferdinand II. ihn 1623 mit den schlesischen Herrschaften Beuthen und Oderberg.

Lazarus II., genannt Lazy (1573–1664) wurde am 18. Dezember 1636 in Regensburg von Kaiser Ferdinand II. in den Reichsfreiherrnstand und zum erbländisch-österreichischen Freiherren erhoben mit (Henckel-) "von Donnersmarck auf Gfell und Wesendorf. Am 29. Juli 1651 in Innsbruck vom Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand Karl in den erbländisch-österreichischen Grafenstand erhoben. Am 5. März 1661 wurde ihm von Kaiser Leopold I. in Wien auch der böhmische Grafentitel verliehen.

1670 teilte sich die Familie in die Linie Beuthen-Siemianowitz und die protestantische Linie Tarnowitz-Neudeck. Am 14. November 1697 in Wien folgte die „Erhebung“ von Beuthen zur „Freien Standesherrschaft“, also keine Erhebung in den Hochadel sondern die Bestätigung der niederadeligen Qualität der Familie, an der auch die Erhebung in den preußischen Fürstenstand 1901 (Kaiser Wilhelm II.) nichts änderte und weshalb sie auch im Hofkalender von 1917 korrekt in der „Dritten Abteilung“ der nicht-souveränen fürstlichen Häuser Europas geführt wird.

Graf Carl Lazarus aus Neudeck (1772–1864) betrieb auf seinem Grundbesitz Steinkohlenbergbau und errichtete Eisen- und Zinkhütten sowie Walzwerke. Sein Sohn Guido erbte diese, übernahm die zuvor verpachteten Unternehmen in Eigenregie und weitete sie durch Gründung von Aktiengesellschaften erheblich aus. Er besaß 27.500 ha Land und war 1913 mit einem geschätzten Vermögen von 254 Millionen Mark die zweitreichste Person in Preußen nach Gustav Krupp von Bohlen und Halbach.[1] Graf Guido erhielt am 18. Januar 1901 in Berlin vom deutschen Kaiser Wilhelm II. den preußischen Fürstentitel. Er errichtete am 8. Mai 1916 in einem notariellen Akt die Fürst-Donnersmarck-Stiftung zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung, damals als „Stiftung Fürst-Donnersmarck-Institut zu Berlin“. Nach Fürst Guido ist das Bergwerksmuseum Guido benannt.

Florian Graf Henckel von Donnersmarck wurde 2007 für seinen Spielfilm Das Leben der Anderen mit dem Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet.

Besitzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lazarus I. Henckel von Donnersmarck erwarb 1591 das niederösterreichische Weingut Nußdorf ob der Traisen und begann mit einem umfangreichen Weinhandel. Auch die Güter und Herrschaften Gföll (Gföhl), Wesendorf und Weißenkirch kamen zunächst als Pfand und schließlich ganz in den Besitz Lazarus' I. 1623 vergab Kaiser Ferdinand II. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen die Herrschaft Beuthen pfandweise an ihn, sein Sohn Lazarus II. erwarb sie 1629 zu Eigentum. Ab 1697 wurde das vormalige Herzogtum Beuthen dann in eine Freie Standesherrschaft für den Grafen Leo Ferdinand umgewandelt, die nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 wie fast ganz Schlesien von Österreich an Preußen fiel.

Ebenfalls 1623 erhielt Lazarus I. Henckel von Donnersmarck die Herrschaft und das Schloss Neudeck in Oberschlesien zunächst als Pfand, die sein Sohn Lazarus II. 1629 kaufte. 1670 wurden das Familienerbe in die Fideikommisse Beuthen sowie Tarnowitz-Neudeck geteilt. Der erste Vertreter der protestantischen Tarnowitz-Neudecker Linie war Carl Maximilian Graf Henckel von Donnersmarck, der die alte Burg zwischen 1670 und 1680 im Renaissancestil umgestalten ließ; im 18. Jahrhundert wurde es barockisiert und im 19. Jahrhundert im Tudorstil erweitert. 1868 ließ Fürst Guido ein neues, zweites Schloss erbauen. 1945 wurde der Besitz enteignet, die Schlösser zerstört.

Zum oberschlesischen Besitz gehörten auch Tarnowitz, Siemianowitz, Annaberg, Polnisch Krawarn, Nakło Śląskie und Grambschütz, ferner das mährisch-schlesische Oderberg und das niederschlesische Romolkwitz sowie Schloss Hirschhügel in Thüringen. Seit 1846 ist Schloss Wolfsberg (Kärnten) im Besitz der Familie.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in geteiltem Schild oben in Gold einen wachsenden gold-gekrönten blauen Löwen, unten in Rot drei (2:1) silberne Rosen. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken der Löwe wachsend.

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guido Graf Henckel, Fürst von Donnersmarck (1830–1916), Bergwerks-, Eisenhütten- und Großgrundbesitzer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Henckel von Donnersmarck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre im Königreich Preußen. 2. Bde., Berlin 1913, zitiert nach: Rudolf Vierhaus, Bernhard vom Brocke (Hg.): Forschung im Spannungsfeld von Politik und Gesellschaft. Geschichte und Struktur der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft. DVA, Stuttgart 1990, ISBN 3-421-02744-7, S. 45.