Henry Keazor

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Henry Keazor, 2016

Henry Keazor (* 4. März 1965 in Heidelberg[1]) ist ein deutscher Kunsthistoriker und Hochschullehrer.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keazor studierte Kunstgeschichte, Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Sorbonne in Paris. Im Jahr 1996 wurde er dort mit einer Forschungsarbeit über das Werk des barockzeitlichen Malers Nicolas Poussin promoviert. Von 1996 bis 1999 war er Stipendiat und Wissenschaftlicher Assistent am Kunsthistorischen Institut in Florenz, darauf von 1999 bis 2005 Wissenschaftlicher Assistent am Kunstgeschichtlichen Institut der Universität Frankfurt am Main, wo er sich im Jahr 2005 auch habilitierte mit einer Forschungsarbeit über das Werk der barockzeitlichen Malerfamilie Carracci aus Bologna. Dem schloss sich eine Gastprofessur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz an. Ab 2006 war Keazor Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft, bevor er im September 2008 eine Berufung auf den Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität des Saarlandes annahm.

Zum 1. September 2012 wechselte Keazor an das Institut für Europäische Kunstgeschichte der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, wo er als Nachfolger von Raphael Rosenberg die seit 2009 vakante Professur für Neuere und Neueste Kunstgeschichte antrat.[2] Dort wirkt er darüber hinaus auch im Leitungsgremium des Kunstvereins mit.[3] Seit 2015 ist er ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.[4]

In dem 2014 veröffentlichten Dokumentarfilm Beltracchi – Die Kunst der Fälschung von Arne Birkenstock[5] erscheint Keazor zu Beginn und am Ende als Interviewpartner des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi – er entlockt ihm dabei die Aussage, dass in den Werken des Fälschers „kein Herzblut“ stecke. Dies steht im Widerspruch zu Beltracchis Statement bei seiner Verurteilung, eigentlich habe er immer nur malen wollen, Geld habe ihn nie interessiert.[6] 2015 kuratierte Keazor die Ausstellung Fake: Fälschungen, wie sie im Buche stehen in der Universitätsbibliothek Heidelberg, in der u.a. erstmals eine Fälschung Beltracchis nach Johannes Molzahn mit einem Original des Künstlers in direktem Vergleich gezeigt wurde.[7]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keazors Forschungsschwerpunkte bilden neben französischer und italienischer Barockmalerei auch die zeitgenössische Illustration der Entdeckung Amerikas (vor allem durch den belgischen Künstler Theodor de Bry), zeitgenössische Architektur (insbesondere die Jean Nouvels), Bildende Kunst und deren Rezeption z. B. in Literatur und Medien (z.B. in der Serie Die Simpsons), Musikvideos sowie das Phänomen der Kunstfälschung.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Poussins Parerga: Quellen, Entwicklung und Bedeutung der Kleinkompositionen in den Gemälden Nicolas Poussins. Schnell und Steiner, Regensburg 1998, ISBN 3-7954-1146-7 (Buchfassung der Dissertation).
  • Distruggere la maniera? Die Carracci-Postille. Rombach Verlag, Freiburg im Breisgau 2002, ISBN 3-7930-9307-7.
  • Als Herausgeber: Psychische Energien bildender Kunst: Festschrift für Klaus Herding. DuMont Literatur- und Kunstverlag, Köln 2002, ISBN 3-8321-7225-4.
  • Mit Thorsten Wübbena: Video thrills the radio star: Musikvideos: Geschichte, Themen, Analysen. Transcript, Bielefeld 2005, ISBN 3-89942-383-6 (2011, 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, ISBN 978-3-89942-728-8).
  • Nicolas Poussin: 1594–1665. Taschen, Köln 2007, ISBN 978-3-8228-5319-1.
  • „Il vero modo“. Die Malereireform der Carracci. Gebrüder Mann Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-7861-2561-7 (Buchfassung der Habilitationsschrift).
  • Mit Thorsten Wübbena als Herausgeber und Autor: Rewind, play, fast forward: the past, present and future of the music video. Transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1185-4.
  • Mit Fabienne Liptay und Susanne Marschall: Filmkunst: Studien an den Grenzen der Künste und Medien. Schüren Verlag, Marburg 2011, ISBN 978-3-89472-666-9.
  • Mit Thomas Mania und Thorsten Wübbena als Herausgeber und Autor: Imageb(u)ilder: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Videoclips. Ausstellungskatalog rock'n'popmuseum Gronau, Münster 2011, ISBN 978-3-933060-36-5.
  • Mit Hans Giessen und Thorsten Wübbena: Zur ästhetischen Umsetzung von Musikvideos im Kontext von Handhelds. ART-Dok, Publikationsplattform Kunstgeschichte, 2012 (online).
  • Als Herausgeber und Autor: Hitchcock und die Künste. Schüren, Marburg 2013, ISBN 978-3-89472-828-1.
  • Mit Tina Öcal: Der Fall Beltracchi und die Folgen. Interdisziplinäre Fälschungsforschung heute. De Gruyter, Berlin 2014, ISBN 978-3-11-031589-9
  • Täuschend echt! Eine Geschichte der Kunstfälschung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft/Theiss, Darmstadt 2015, ISBN 9783806230321
  • Als Autor und zusammen mit Maria Effinger als Herausgeber: FAKE: Fälschungen, wie sie im Buche stehen (Ausstellungskatalog UB Heidelberg). Winter Verlag, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-8253-6621-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. 22. Ausgabe (2009), Bd. 2, S. 1954.
  2. Aktuelle Nachrichten und Veranstaltungen: Nachfolge Prof. Rosenberg, auf der Website des Instituts für Europäische Kunstgeschichte der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, abgerufen am 15. August 2012.
  3. Vorstand und Beirat des HKV
  4. Mitglieder der HAdW seit ihrer Gründung im Jahr 1909. Henry Keazor. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 27. Juni 2016.
  5. Beltracchi. Die Kunst der Fälschung in der International Movie Database
  6. Anke Rebbert: Dokumentation Der große Bluff. Wie man mit Kunst kassiert, Erstausstrahlung: WDR, 25. Mai 2012
  7. UB Heidelberg: Ausstellung Fake: Fälschungen, wie sie im Buche stehen vom 25. Mai 2016 – 26. Februar 2017