Klaus Herding

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Klaus Herding, 2005

Klaus Herding (* 27. Dezember 1939 in München; † 26. August 2018 in Frankfurt am Main[1]) war ein deutscher Kunsthistoriker sowie Professor für europäische Kunstgeschichte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Herding war der Sohn des Historikers und Humanismusforschers Otto Herding. Er studierte in Tübingen, München, Lille, Aix-en-Provence, Paris und Münster Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Philosophie. 1968 wurde er an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster im Fach Kunstgeschichte mit einer Dissertation über Pierre Puget, den Bildhauer König Ludwigs XIV., promoviert.[2] Danach wurde Herding Assistent an der Technischen Universität Berlin und war dort maßgeblich an der „…Überwindung einer formalistischen Kunstgeschichte“ beteiligt.[3] Die Habilitationsschrift verfasste er 1977 in Hamburg über den Kyniker Diogenes von Sinope („Diogenes in der Tonne“) als Symbolfigur der Aufklärung.

Nach einer Stelle als Direktorialassistent an den Staatlichen Museen Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin war er Wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Berlin (1971–1974). Einer Assistenz-Professur an der Freien Universität Berlin (1974) folgte eine Professur an der Universität Hamburg (1975–1993). Herding vertrat in seiner Hamburger Zeit neben Horst Bredekamp, Martin Warnke und Franz-Joachim Verspohl eine Forschungsrichtung, die sich besonders der Sozialgeschichte der Kunst zuwandte.

Ab 1993 hatte Herding einen Lehrstuhl für europäische Kunstgeschichte am Kunstgeschichtlichen Institut der Universität Frankfurt am Main inne. Herding wurde zum Ende des Wintersemesters 2004/2005 emeritiert.

Ferner war Herding Mitglied in zahlreichen Instituten, Wissenschaftlichen Beiräten und Gesellschaften, so etwa Mitarbeiter in deutschen und internationalen Editorial Boards; er war Begründer und ab 1995 Sprecher des Graduiertenkollegs „Psychische Energien bildender Kunst“; Mitdirektor des Instituts zur Erforschung der frühen Neuzeit in Frankfurt am Main; Vorstandsmitglied der Guernica-Gesellschaft; Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Centre allemand d’histoire de l’art in Paris; Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Wissenschaftlichen Stiftung Bibliothek Werner Oechslin in Einsiedeln; Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Hessischen Kulturstiftung; langjähriges Mitglied des Denkmalrats der Freien und Hansestadt Hamburg und zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften (u. a.: Deutsche Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts (DGEJ), Lichtenberg-Gesellschaft, Société de l’Histoire de l’Art Français). Er hatte Gastprofessuren in Europa und den USA, war Research Fellow am Getty Institute in Los Angeles und bei der Siemens Stiftung in München.

Herding war seit 1980 mit Helga Reichardt-Herding verheiratet und hatte eine Tochter. Er starb im August 2018 im Alter von 78 Jahren nach einem Fahrradunfall im Frankfurter Westend.

Forschung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet seiner Forschung und Lehre bildete die europäische Kunstgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, insbesondere Skulptur, Malerei und Graphik sowie die Fotografie. Schwerpunkte waren die Kunst im Zeitalter des Absolutismus; französische Malerei und Graphik des 19. Jahrhunderts, zahlreiche Bücher und Aufsätze zu Kunst und Kunsttheorie, Karikatur, Industrie- und Revolutionsgraphik des 16.–20. Jahrhunderts; einzelne Aspekte der internationalen Avantgarde im 20. Jahrhundert sowie Untersuchungen zur Geschichte der Emotionen. Herding stellte interdisziplinäre Verknüpfungen her zu Philosophie, Literaturwissenschaften, Psychoanalyse. Weiter wirkte Klaus Herding an Filmen über Courbet und Magritte mit.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität wurde Herding 2007 mit dem Hessischen Kulturpreis ausgezeichnet.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt sind von Klaus Herding etwa 340 Publikationen zur Kunstgeschichte und Kunsttheorie erschienen. Eine umfangreiche Auswahl an Aufsätzen ist auf der Homepage des Kunstgeschichtlichen Instituts in Frankfurt am Main angegeben, und eine komplette Bibliographie ist unter dem Klaus Herding Forum zu finden (siehe Weblinks).

Auswahl der Buchpublikationen:

  • Pierre Puget. Das bildnerische Werk. Inauguraldissertation. Berlin 1970
  • (Mitarb.): Propyläen Kunstgeschichte des 16. Jhs. Berlin 1970
  • mit Hans-Ernst Mittig: Kunst und Alltag im NS-System. Gießen 1975
  • (Mithrsg.): Courbet und Deutschland. Hamburg/Frankfurt am Main/Köln 1978
  • (Hrsg.): Realismus als Widerspruch. Frankfurt am Main 1979 und 1984
  • (Mithrsg.): Karikaturen. Gießen 1980
  • (Hrsg., Kommentar u. Übers.): Pierre-Joseph Proudhon: Von den Grundlagen der Kunst und ihrer sozialen Bestimmung. Berlin 1988
  • Im Zeichen der Aufklärung. Frankfurt am Main 1989
  • mit Rolf Reichardt: Die Bildpublizistik der Französischen Revolution. Frankfurt am Main 1989
  • Courbet. To Venture Independence. New Haven/London 1991
  • Pablo Picasso: Les Demoiselles d’Avignon. Fischer, Frankfurt am Main, 1992 ISBN 3-596-10953-1
  • (Hrsg.): Aufklärung anstelle von Andacht. Kulturwissenschaftliche Dimensionen bildender Kunst. Frankfurt am Main 1997
  • Freuds Leonardo. Eine Auseinandersetzung mit psychoanalytischen Theorien der Gegenwart. München 1998
  • (Mithrsg.): Pathos – Affekt – Gefühl. Die Emotionen in den Künsten. Berlin 2004

Begründer und langjähriger Herausgeber der Reihe kunststück (seit 1984, 103 Bände).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Traueranzeige Klaus Herding, FAZ vom 31. August 2018
  2. Pierre Puget: Das bildnerische Werk, Mann, Berlin 1970, ISBN 978-3-78614041-2.
  3. Stefan Trinks: Psychoenergien der Kunst und Geschichte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. August 2018, S. 11