Johannes Molzahn

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Johannes Ernst Ludwig Molzahn (* 21. Mai 1892 in Duisburg; † 31. Dezember 1965 in München) war ein deutsch-US-amerikanischer Maler und Grafiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in Duisburg geborene Molzahn zog bereits im Jahr seiner Geburt nach Weimar und absolvierte dort eine Berufsausbildung zum Fotografen und befand sich anschließend von 1908 bis 1914 in der Schweiz.

Er begann bereits früh mit der Malerei, so dass ihm bereits 1914 eine Ausstellung in Weimar gewidmet war, die von Karl Peter Röhl organisiert worden war. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er zu den Unterstützern des zwischen 1918 und 1921 bestehenden Arbeitsrats für Kunst, einem Zusammenschluss von Architekten, Malern, Bildhauern und Kunstschriftstellern, und stellte seine Werke auch für Ausstellungen dieses Zusammenschlusses zur Verfügung. Daneben folgten Ausstellungen in der Galerie Der Sturm, einer nach der gleichnamigen Zeitschrift benannten und von Herwarth Walden gegründeten Kunstgalerie in Berlin, in der unter anderem auch Kurt Schwitters ausstellte.

Außerdem gründete Molzahn im Jahr 1918 mit Rudolf Jahns und Thilo Maatsch die „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“ in Braunschweig. Zu deren Mitgliedern gehörten auch Lyonel Feininger und Paul Klee. Zudem entwarf Wassily Kandinsky das Signet der Gruppe. Ebenfalls 1918 wurde er Mitglied der in Berlin gegründeten Novembergruppe.

Er stand danach dem 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründeten Bauhaus nahe, ehe er mit Beginn der 1920er Jahre der Abstrakten Malerei annäherte, wobei seine Bilder oft figurale Elemente und Motive zeigen. 1921 fand in der Düsseldorfer Galerie von Alfred Flechtheim eine kleine „Collection utopisch-phantastischer Maschinen & Apparate“ mit dem Titel Zeit Taster statt.

Auf Empfehlung von Bruno Taut wurde Molzahn 1923, gegen den Willen des Schulvorstandes und auch des Ministeriums, durch den Magistrat der Stadt zum Leiter der Klasse für Gebrauchsgrafik der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg berufen. Molzahn wurde mit seiner sehr modernen Kunstauffassung zu einer prägenden Kraft. Er sah im Ingenieur den Künstler seiner Zeit. Er nahm auch programmatisch Einfluss und forderte mit geringstem Aufwand eine materiell größtmögliche Wirkung in der Produktion zu erreichen.

1925 fand eine Ausstellung mit dem Titel „Das moderne Aquarell“ zusammen mit Arbeiten von Künstlern der Gruppe 1922 wie Otto Mueller, Konrad von Kardorff und Oskar Moll statt. Im selben Jahr die „Gesellschaft der Freunde junger Kunst“ zusammen mit Thilo Maatsch und Rudolf Jahns.

Später war er von 1928 bis 1933 Lehrer an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau, an der der Metallbildhauer Hermann Diesener zu seinen Schülern gehörte. Während dieser Zeit leitete er 1929 auch die Ausstellung der Werkbundsiedlung Breslau.

Mit dem Beginn der Zeit des Nationalsozialismus und der Diffamierung seiner Werke als „Entartete Kunst“ ging Molzahn ins Ausland und lebte seit 1938 im US-amerikanischen Exil, aus dem er erst 1959 in die Bundesrepublik Deutschland zurückkehrte.

Ausstellungen und Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige seiner expressionistischen Werke sind heute im Lehmbruck-Museum seiner Geburtsstadt Duisburg ausgestellt. Bereits 1964 fand im neugebauten Gebäude des Lehmbruck-Museums eine erste Ausstellung seiner Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken statt. Zwischen 1976 und 1977 folgte eine Ausstellung von Bildern, die zwischen 1943 und 1957 in den USA entstanden sind, in der Kunsthalle Nürnberg mit dem Titel Johannes Molzahn : Melodie einer Landschaft, sowie 1977 eine weitere Ausstellung des druckgrafischen Werkes im Lehmbruck-Museum. Zu seinem 120. Geburtstag soll am 12. Mai 2012 im Schlesischen Museum zu Görlitz eine Ausstellung mit dem Titel Ungeliebte Avantgarde eröffnet werden.[1]

Zu seinen bekannteren Bildern gehören[2] Schöpfung I (1916), Schöpfung II (1916), Pulsender Stern (1919), Masculine Curves (1927) und Gedächtnis Otto Mueller (1930). Auf dem Kunstmarkt sind Werke Johannes Molzahns eher selten zu finden. Wenn allerdings ein Werk auf den Markt kommt, werden hohe Preise dafür bezahlt. Am 6. Juni 2012 wurde Molzahns Gemälde Musik, welches 1917 in der ersten Einzelausstellung in Herwath Waldens Galerie Der Sturm ausgestellt wurde, für rund 146.000 Euro bei Van Ham Kunstauktionen versteigert.[3]

Ihm zu Ehren wurde in Duisburg die Johannes-Molzahn-Straße benannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf dem Wege zur stahlzeitlichen Theatergestalt. In: Die Form, Jg. 1, 1925/26, Heft 5, S. 98–101 (Digitalisat).
  • Ökonomie der Reklame-Mechane. In: Die Form, Jg. 1, 1925/26, Heft 7, S. 141–145 (Digitalisat).
  • Breslau nach dem Kriege, 1928

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Gries: Johannes Molzahn (1892–1965) und der „Kampf um die Kunst“ im Deutschland der Weimarer Republik. Dissertation Universität Augsburg, 1997.
  • Babette Küster / Hans Peter Reisse: Johannes Molzahn (1892–1965): Sein Karrierestart als Maler, Grafiker und Lehrer 1918. In: Martina Lüdicke u. a. (Hgg.): 1918. Zwischen Niederlage und Neubeginn, Petersberg: Imhof 2019, ISBN 978-3-7319-0886-9, S. 176–189.
  • Barbara Lepper: Johannes Molzahn. Das malerische Werk. Einführung in die Ausstellung und Katalog. Ausstellung: Christoph Brockhaus und Barbara Lepper, K.d.A. Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg 1988, ISBN 3-923576-44-7.
  • Marianne Reuter: Johannes Molzahn-Letzte Werke, ISBN 3-7954-0635-8, 1985.
  • Siegfried Salzmann: Molzahn, Johannes. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 21 (Digitalisat).
  • Herbert Schade: Johannes Molzahn : Einführung in das Werk und die Kunsttheorie des Malers, ISBN 3-7954-0405-3, 1972.
  • Dieter Scholz: Eine Lehre des „Optischen Minimals“. Johannes Molzahn in Breslau 1928 bis 1933. In: Dagmar Schmengler u. a. (Hrsg.): Maler. Mentor. Magier. Otto Mueller und sein Netzwerk in Breslau. Heidelberg u. a.: Kehrer 2018. ISBN 978-3-86828-873-5, S. 224–234.
  • Meyers Großes Personenlexikon, Mannheim 1968, S. 909.

Weblinks und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage des Schlesischen Museums zu Görlitz
  2. Johannes Molzahn (artnet.de)
  3. [1]