Heraeus (Unternehmen)

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Heraeus Holding GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1851
Sitz Hanau, Deutschland

Leitung

  • Jan Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung[1]
  • Roland Gerner, Mitglied der Geschäftsführung
  • Rolf Najork, Mitglied der Geschäftsführung
  • Rolf Wetzel, Mitglied der Geschäftsführung
  • Jürgen Heraeus, Vorsitzender des Aufsichtsrats
Mitarbeiter 12.600 (Ende 2014)
Umsatz 15,589 Mrd. Euro (2014)
Branche Edelmetall, Technologie
Website heraeus.de

Die Heraeus Holding GmbH ist ein deutscher Technologiekonzern mit den Schwerpunkten Edel- und Sondermetalle, Medizintechnik, Quarzglas, Sensoren und Speziallichtquellen. Das Unternehmen wurde 1851 in Hanau gegründet und zählt nach Umsatz zu den größten Familienunternehmen in Deutschland.[2]

Nach eigenen Angaben erwirtschaftet die Heraeus Holding mit 12.600 Mitarbeitern in 100 Gesellschaften einen Produktumsatz von 3,4 Mrd. € und einen Edelmetallhandelsumsatz von 12,2 Mrd. €.[3] Die Heraeus Holding gehört 188 Gesellschaftern.

Im Ranking der 500 größten Familienunternehmen der Zeitschrift Wirtschaftsblatt nimmt das Unternehmen den fünften Platz ein.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

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Ab 1851[Bearbeiten]

Haus Einhorn-Apotheke in Hanau

Im Jahr 1851 übernahm der Apotheker und Chemiker Wilhelm Carl Heraeus im Alter von 24 Jahren die väterliche Einhorn-Apotheke in Hanau, die sich seit 1660 als gräfliche Hofapotheke im Besitz der Familie Heraeus befand. Wilhelm Carl Heraeus legte damit den Grundstein für das Familienunternehmen. Hanau war eine Goldschmiedestadt, in der seit Ende des 18. Jahrhunderts Platin für die Herstellung von Schmuck verwendet wurde. Jedoch war für die Goldschmiede der damaligen Zeit das Edelmetall äußerst schwierig zu bearbeiten, da es eine große Zähigkeit besitzt und der Schmelzpunkt bei 1770 Grad Celsius liegt. Platin konnte deshalb, solange es kein Schmelzverfahren gab, nur in aufwendigen Weißglut-Schmiedeprozessen bearbeitet werden.

Wilhelm Carl Heraeus hatte Chemie und Pharmazie studiert und wusste von dem Problem der Goldschmiede. Nach Experimenten gelang es ihm erstmals 1856 mit einem selbst entwickelten Knallgas-Gebläsebrenner Platin in größeren Mengen zu schmelzen und hochrein zu gewinnen. Zwar war bereits bekannt, dass Platin in einer Knallgasflamme – einem Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff – schmilzt, jedoch gelang dies im Labor nur in geringen Mengen. Mit seiner Gas-Gebläseapparatur konnte Heraeus ausreichend Knallgas erzeugen und mit einer entsprechend großen Flammenfront mehrere Kilogramm an platinhaltigen Materialien schmelzen.

Auf Basis dieser Pionierleistung gründete Heraeus die „Erste Deutsche Platinschmelze W. C. Heraeus“. Zu den Kunden seines Unternehmens zählten Goldschmiedewerkstätten und Schmuckfabriken in aller Welt, aber auch Zahnfabriken, chemische Laboratorien und weitere Industriezweige. Im Jahr 1857 produzierte W.C. Heraeus rund 30 Kilogramm reines Platin, 1896 wurden bereits mehr als 1000 Kilogramm Platin erschmolzen und verarbeitet.

Ab 1896[Bearbeiten]

Tiegel aus Platin und Quarzglas

Weitere Experimente im Labor der Platinschmelze führten zu zahlreichen Erfindungen und grundlegend neuen Produktionsprozessen, wie zum Beispiel der Herstellung von pharmazeutischen Eisenpräparaten, von chemisch reiner Flusssäure, Rubidium und Caesium.

Den Schwerpunkt der Produktion bildete weiterhin das Platin, das aufgrund seiner chemischen und physikalischen Eigenschaften für immer neue Anwendungsgebiete eingesetzt wurde. Wegen seiner Widerstandsfähigkeit gegen Säuren und Hitze wurde Platin unter anderem für wissenschaftliche Geräte, Tiegel und Schalen in der Chemie und Physik verwendet. Außerdem nutzte man bereits im 19. Jahrhundert das Edelmetall für Haltestifte zum Fixieren von künstlichen Zähnen. Auch Leuchtdrähte in Glühlampen und nichtkorrodierende elektrische Kontakte in Telefonen wurden aus Platin hergestellt. Auf Grund des stetigen Wachstums des Unternehmens war ein Umzug nötig. Im Jahr 1896 bezog die Platinschmelze W.C. Heraeus mit 40 Mitarbeitern die neuen Werksräume vor den Toren Hanaus.

Zwei Jahre später übernahmen die beiden Söhne des Firmengründers, Wilhelm und Heinrich Heraeus, die Geschäftsführung. Sie trieben Forschung und Entwicklung voran und holten einen ehemaligen Schulfreund, den Physiker und Chemiker Richard Küch, in das Unternehmen. Küch, der ab 1909 als Geschäftsführer tätig war, stand in engem Kontakt zur Wissenschaft und betrieb weiterhin Grundlagenforschung, die ausschlaggebend war für das weitere Wachstum des Unternehmens. Unter anderem entwickelte er ein Verfahren, bei dem durch Schmelzen von Bergkristall bei rund 2000 °C Quarzglas gewonnen werden konnte. Dieses nahezu blasenfreie Quarzglas war von höchster Reinheit und ist bis heute in der Medizin wie auch in der Industrie ein geschätzter Werkstoff, da er sowohl lichtdurchlässig als auch temperatur- und säurestabil ist.

In dieser Epoche wuchs die ehemalige Platinschmelze zu einem der bedeutendsten Unternehmen seiner Art. Mit dem Aufkommen von keramischen Farben wurden vermehrt Platinprodukte für die Herstellung benötigt und Heraeus belieferte die elektrochemische sowie die Kunststoffindustrie. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte der eigentliche Boom in der Platinverarbeitung ein, da die chemische Industrie in großen Mengen Platin-Thermoelemente sowie Platin-Rhodium-Katalysatoren zur Produktion von Salpetersäure benötigte.

Ab 1927[Bearbeiten]

Mit Wilhelm Heinrich Heraeus und seinem Vetter Reinhard Heraeus übernahm ab 1927 die dritte Generation die Führung des Unternehmens für nahezu 40 Jahre. In dieser Epoche wurden neue physikalische Erkenntnisse von Heraeus umgesetzt – beispielsweise in der Fertigung von ersten Dentallegierungen. Die Firma entwickelte sich damit kontinuierlich zum Multi-Produkt-Unternehmen.

Eine bedeutende technische Innovation der 1920er Jahre entstammte dem Unternehmen Heraeus: Das Schmelzen von metallischen Werkstoffen unter Vakuum. Für kurze Zeit besaß Heraeus ein selbstständiges Unternehmen in diesem Bereich, die Heraeus Vakuumschmelze, die innerhalb von zehn Jahren 84 deutsche Patente anmeldete. Doch es gab auch Rückschläge. Bedingt durch Ersten Weltkrieg, Inflation und den Zusammenbruch des Edelmetallmarktes in Russland waren die Preise für Platin extremen Schwankungen unterworfen. Bei Heraeus richtete man deshalb die Forschungsaktivitäten vor allem auf Recyclingtechniken aus und versuchte zeitgleich, geeignete Werkstoffe und Materialien als Ersatz für die Edelmetalle zu finden.

Ungeachtet dieser externen Probleme wuchs das Unternehmen stetig und beschäftigte im Jahr 1939 rund 1.000 Mitarbeiter, die einen Jahresumsatz von 20 Millionen Mark erzielten. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Mitarbeiter zum Militär eingezogen. Der Konzern beschäftigte 1500 Zwangsarbeiter aus dem Zivilarbeiterlager Hanau [5], ein Umstand, der in der Firmengeschichte auf der Website des Unternehmens unerwähnt bleibt [6]. Die Produktion verlagerte sich auf Produkte wie elektrische Kontakte in edelmetallsparender Bauweise, Katalysatoren sowie Rhodiumspiegel für FLAK Scheinwerfer. Bei Luftangriffen in den Jahren 1944 und 1945 wurde die Stadt Hanau, und damit die Betriebsanlagen des Unternehmens, fast völlig zerstört.

Ab 1945[Bearbeiten]

Kinder unter Höhensonne 1950

In den Jahren des Wiederaufbaus stand vor allem die Herstellung bewährter Produkte und der Ausbau von neuen Fertigungsbereichen im Mittelpunkt. Die Basis für die Internationalisierung und den Vorstoß in ausländische Märkte war bereits vor der Jahrhundertwende vom Firmengründer geschaffen worden. Auf diese Kontakte konnte der Konzern in der Nachkriegszeit zurückgreifen und damit z.B. den amerikanischen Markt für den Absatz optischen Quarzglases gewinnen.

Ab 1958 gründete der Konzern erste ausländische Vertriebsgesellschaften in Frankreich und Italien, ab 1972 folgten Tochtergesellschaften und internationale Beteiligungen. In Japan und den USA wurden neue Quarzglaswerke gegründet, gefolgt von Produktionsstätten in Korea und auf den Philippinen für Kontaktierungsdrähte aus hochreinem Gold für Halbleiterbauelemente, sogenannte Bonddrähte. 1970 übernahm Helmut Gruber, ein in der Metallkunde angesehener Physiker, die Leitung der Geschäftsführung sowie konzernübergreifend die Verantwortung für das Technik-Ressort. Er förderte die Aktivitäten in den Bereichen Quarzglas, Edelmetallchemie und Sondermetalle sowie den Aufbau von Tochtergesellschaften im Ausland. Erstmals im Jahr 1979 lag der Umsatz im Ausland über dem Inlandsumsatz.

Ab 1983[Bearbeiten]

Eine Feinunze Gold mit Prägung von Heraeus

Jürgen Heraeus, Sohn von Reinhard Heraeus und seit 1970 Mitglied der Geschäftsführung, übernahm ab 1983 bis 2000 in vierter Generation die Unternehmensleitung. Unter seiner Führung wurde die Internationalisierung verstärkt fortgeführt. Die Voraussetzungen hierzu wurden durch eine tiefgreifende Reorganisation des Unternehmens sowie moderne Managementstrukturen geschaffen.

Nach der Gründung der Heraeus Holding im Jahr 1985 folgte 1990 eine umfassende Dezentralisierung. Hierfür wurden unter dem Dach der Management Holding die Kernarbeitsbereiche Edelmetalle, Dentalwerkstoffe, Quarzglas, Sensoren und Medizintechnik in fünf dezentrale, selbständige Führungsgesellschaften umgewandelt. Der Konzern expandierte vor allem im asiatischen Wirtschaftsraum. Darüber hinaus wurden strategische Wettbewerbspositionen besetzt, z. B. durch den Erwerb von Electro-Nite. Umsatz und Betriebsergebnis des Konzerns erreichten die Größe einer weltweit agierenden Unternehmensgruppe und 2001 wurden erstmals 74 Prozent des Produktumsatzes außerhalb Deutschlands erwirtschaftet.

Im Jahr 2001 feierte der Heraeus Konzern sein 150-jähriges Jubiläum. Um Synergiepotenziale der verschiedenen Konzerngesellschaften zu nutzen, erfolgte eine Konzentration auf das Kerngeschäft. Zu diesem Zweck wurde die Heraeus Noblelight 2001 als eigenständige operative Führungsgesellschaft aufgestellt. Heraeus Med wurde 2002 verkauft, ebenso die Anteile an Kendro Laboratory Products. Dagegen verstärkte der Heraeus-Konzern sein Engagement im industriellen Edelmetallbereich: W. C. Heraeus vergrößerte den Bereich Dünnfilmtechnik/Thin Film Materials. Die Bonddrahtaktivitäten in China wurden erweitert und in Südafrika wurde im Bereich Edelmetallchemikalien ein Joint Venture gegründet, das kurz darauf in eine Tochtergesellschaft umgewandelt werden konnte. Mit der Akquisition der schweizerischen Metalor Medical Division baute das Unternehmen seine Aktivitäten auch in der Medizintechnik weiter aus.

Der Geschäftsbereich W.C. Heraeus wurde ab 2009 in die neuen Geschäftsbereiche Heraeus Precious Metals und Heraeus Materials Technology aufgeteilt. Im Sommer 2013 verkaufte Heraeus den Geschäftsbereich Dentalprodukte an den japanischen Chemiekonzern Mitsui. Zur Heraeus Holding gehören nun sechs Geschäftsbereiche.

Konzernstruktur[Bearbeiten]

  • Heraeus Metal Management
  • Heraeus Chemicals
  • Heraeus Electronics
  • Heraeus Photovoltaics
  • Heraeus Medical Components
  • Heraeus Performance Products
  • Heraeus Medical
  • Heraeus Electro-Nite
  • Heraeus Quarzglas
  • Heraeus Noblelight
  • Heraeus New Businesses

Aufgegebene, verkaufte oder umstrukturierte Geschäftsbereiche sind:

  • W.C. Heraeus
  • Heraeus Kulzer
  • Vakuumschmelze
  • Heraeus Instruments
  • Heraeus Med

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2008 Sonderpreis für betriebliche Kinderbetreuung im Bundeswettbewerb „Erfolgsfaktor Familie“[7]
  • 2010 am 30. August zum 150. Geburtstag von Richard Küch einer der „365 Orte im Land der Ideen“[8][9]
  • 2013 Auszeichnung als Barrenhersteller des Jahres 2013 (Goldbarren) zusammen mit Argor-Heraeus[10][11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heraeus (Unternehmen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Rinnert, in: Internationales Biographisches Archiv 11/2014 vom 11. März 2014, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Hermann Simon erwähnt Heraeus in seinem Buch als Beispiel für einen „Hidden Champion“: Hidden Champions des 21. Jahrhunderts. Die Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer. Campus, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-593-38380-4, S. 20.
  3. http://konzern.heraeus.de/de/berheraeus/zahlendatenfakten_1/kennzahlen_2/kennzahlen_2.aspx
  4. http://www.wirtschaftsblatt.de/data/pdf/Top500-2013.pdf
  5. "Die Firmen, die nicht entschädigen wollen". Abgerufen am 18. Februar 2015.
  6. [1], Heraeus Holding Unternehmensgeschichte, abgerufen am 5. Februar 2015
  7. Website des Bundesfamilienministeriums. Abgerufen am 27. Februar 2011.
  8. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  9. Website einer Initiative der Bundesregierung und der Deutschen Bank. Abgerufen am 27. Februar 2011.
  10. Goldbarren - Hersteller des Jahres 2013. Abgerufen am 11. Januar 2013.
  11. Argor-Heraeus News 2014. Abgerufen am 11. Januar 2013.