Herbarius Moguntinus

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Herbarius Moguntinus (lateinisch; Mainzer Kräuterbuch) oder (entsprechend seiner Vorrede bezeichnet als) Aggregator practicus de simplicibus wird ein bebildertes lateinisches Kräuterbuch genannt, das 1484 bei Peter Schöffer in Mainz (lateinisch Moguntia) gedruckt wurde. Zusammen mit dem 1485 beim selben Drucker erschienenen deutschen Kräuterbuch Gart der Gesundheit und dem 1491 von Jacobus Meydenbach in Mainz aufgelegten lateinischen Hortus sanitatis zählt der Herbarius Moguntinus zur sogenannten „Gruppe der Mainzer Kräuterbuch-Inkunabeln“ und ist nach dem römischen Pseudo-Apuleius-Druck von 1481/1483 die erste bebilderte Kräuterbuch-Inkunabel.

Da im Herbarius moguntinus vor allem Arzneimittel pflanzlicher Herkunft („Kräuter“) und in geringerem Umfang Arzneimittel animalischer und mineralischer Herkunft beschrieben werden, wird das Werk der literarischen Gattung „Kräuterbuch“ zugeordnet.[1]

Mainz 1484, Kapitel XII. Artemisia Bifoiſz. Vorder- (Recto-) Seite
Mainz 1484, Kapitel XII. Artemisia Bifoiſz. Rück- (Verso-) Seite
Titelblatt des Nachdrucks Vicenca 1491

Autor (Kompilator)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Autor bzw. Kompilator ist nicht sicher bekannt. Durch Fehlinterpretation des Titelblattes aus einem Nachdruck (Vicenca 1491) wurde das Buch fälschlich Arnaldus de Villanova zugeschrieben. Als möglicher aber nicht gesicherter Autor (Kompilator) wird der Frankfurter Stadtarzt Johann Wonnecke von Kaub genannt.

Einem bereits 1483 erschienenen Pseudo-Apuleius-Druck folgend, stellt der Herbarius Moguntinus das zweite bebilderte Kräuterbuch-Inkunabel dar.[2]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Quellen des Textes sind bisher nicht bestimmt. Der erste Teil umfasst 150 Kapitel, in denen in Deutschland wild wachsende oder kultivierbare Arzneipflanzen durch Bild und Text abgehandelt werden. In 23 Kapiteln werden zwei, und in drei weiteren Kapiteln sogar drei verschiedene Arten behandelt, sodass sich eine Gesamtsumme von 184 Pflanzenarten ergibt. Diese wurden von B. und H. Baumann (2010, S. 104–109) bestimmt.

Im zweiten Teil sind 96 weitere Arzneimittel, auch ausländischer Herkunft, in gekürzter Form dargestellt. Abbildungen fehlen im zweiten Teil.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mainz. Peter Schöffer 1484.[3]
  • Speier. Anonym 1484.[4]
  • Löwen. Johann Veldener. Den Herbarius in Dyetsche. 1484.
  • Löwen. Johann Veldener 1485–86.[5]
  • Leipzig. Markus Brand 1484.[6][7]
  • Passau. Anonym 1485.[8]
  • Passau. Anonym 1486.[9]
  • Passau. Anonym 1486 (weitere Auflage).[10]
  • Paris. Anonym 1486.
  • Vicenca. Achates et Gul. Papia 1491.[11]
  • Venedig. Bevilaqua (Simon Papia) 1499.[12]
  • Venedig. Francesco Bindoni und Maffeo Pasini. Herbolario volgare. 1536[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Baumann und Helmut Baumann. Die Mainzer Kräuterbuch-Inkunabeln – „Herbarius Moguntinus“ (1484) – „Gart der Gesundheit“ (1485) – „Hortus Sanitatis“ (1491). Wissenschaftshistorische Untersuchung der drei Prototypen botanisch-medizinischer Literatur des Spätmittelalters. Hiersemann, Stuttgart 2010 ISBN 978-3-7772-1020-9
  • Hermann Fischer. Mittelalterliche Pflanzenkunde. Verlag der Münchner Drucke. München 1929, S. 74–79.
  • Gundolf Keil: ‘Herbarius Moguntinus’ (‘Aggregator practicus de simplicibus’; ‘Herbarius latinus’). In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, ISBN 3-11-022248-5, Band 3: Gert van der Schüren – Hildegard von Bingen. Berlin/ New York 1981, Sp. 1017–1025.
  • Arnold C. Klebs.
    • Herbal facts and thoughts. L’art ancien S. A., Lugano 1925
    • Incunabula scientifica et medica. Brügge 1938 (Nachdruck Olms, Hildesheim 2004), S. 169–170.
  • Ulrich Stoll: ‚Herbarius Moguntinus‘. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 571 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herbarius Moguntinus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. G. Keil und P. Dilg. Kräuterbücher. In: Lexikon des Mittelalters. Metzler, Stuttgart 1999, Band V, Sp. 1476-1480-
  2. Gundolf Keil: ‘Gart der Gesundheit’. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, 2. Aufl., Band 2, Berlin/ New York 1980, ISBN 3-11-007699-3, Sp. 1072–1092; hier: Sp. 1073.
  3. Mainz. Peter Schöffer 1484. Teil I und II (Digitalisat). Teil I (Digitalisat). Teil II (Digitalisat)
  4. Speier. Anonym 1484. Teil I (Digitalisat)
  5. Löwen. Johann Veldener 1485-6. Teil I und II (Digitalisat)
  6. Leipzig. Markus Brand. Teil I und II (Digitalisat)
  7. Explicit Blatt 230v: Magistri Albici arte medici nec non ecclesie pragens archiepiscopi Regimen sanitatis quod alio nomine Uetularius nuncupatur finit feliciter Impressum in Lipczk per Marcum brand Anno lxxxiiij. xxvi die Mens Augusti.
  8. Passau. Anonym 1485. Teil I und II (Digitalisat)
  9. Passau. Anonym 1486. Teil I und II (Digitalisat)
  10. Passau. Anonym 1486. (weitere Auflage). Teil I und II (Digitalisat)
  11. Vicenca. Achates et Gul. Papia 1491. Unvollständiges Exemplar (Digitalisat)
  12. Venedig. Bevilaqua (Simon Papia) 1499. Teil I und II (Digitalisat)
  13. Herbolario volgare, nel quale se dimostra a conoscer le herbe et le sue virtu ... Venedig 1536 (Digitalisat) Darin 19 zusätzliche Kapitel. Siehe auch: Hermann Fischer 1929, S. 78–79