Herbert Genzmer

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Herbert Genzmer

Herbert Genzmer (* 21. Juni 1952 in Krefeld) ist ein deutscher Schriftsteller und Übersetzer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genzmer studierte Linguistik, Anglistik und Kunstgeschichte an der FU Berlin, in Düsseldorf, Köln und an der University of California, Berkeley, wo er mit einer sprachwissenschaftlichen Dissertation zum Thema „Lügenstrategien in Deutsch, Englisch und Spanisch“ promovierte. Während seiner Studienzeit in Berkeley bot Random House ihm und einem Kollegen die Gelegenheit, ein Sprachlehrbuch für das erste Jahr Deutsch als Fremdsprache basierend auf Tracy Terrells Natural Approach zu schreiben. Das Ergebnis war 1987 das Lehrbuch Kontakte. A Communicative Approach. Ab 1987 unterrichtete Genzmer in der Germanistikabteilung in Berkeley und leitete das Sprachprogramm für Deutsch als Fremdsprache. 1992 folgte die Veröffentlichung der Grammatik Spektrum bei Prentice Hall. Nach einem dreijährigen Aufenthalt als Gastprofessor an der Southwestern University in Georgetown, Texas, lebt Genzmer heute in Tarragona und Krefeld.

Parallel zu seinen linguistischen Aktivitäten schrieb Genzmer seit Jahren Prosa. 1986 erschien sein erstes Buch Cockroach Hotel, eine Kurzgeschichten-Sammlung, im Suhrkamp Verlag in Frankfurt. Die Romane Manhattan Bridge und Freitagabend folgten 1987 and 1988. 1989 verließ er Kalifornien und ließ sich in Tarragona, Spanien, nieder, wo er als freier Autor und Übersetzer lebte. Seitdem hat er dreiunddreißig Bücher veröffentlicht, Romane, Reisebücher, linguistische Arbeiten und andere Sachbücher, von denen einige in zehn Sprachen übersetzt wurden. Er hat zwölf Romane aus dem amerikanischen und britischen Englisch und dem Niederländischen übersetzt. Seine Artikel und Kurzgeschichten erschienen in Zeitungen und Zeitschriften wie Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Bücher-Magazin, Pending, Apero, Entwürfe und Metamorphosen. 2012 veröffentlichte Berlin University Press seinen Roman Das perfekte Spiel und 2014 seine Grammatik der deutschen Sprache hören, sprechen, lesen, schreiben: Unsere Grammatik.

Schreibstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Neue Zürcher Zeitung nannte Genzmer einmal den amerikanischsten aller deutschen Erzähler. Und Christian Jürgens schrieb im Bücher-Magazin, wenn Genzmers Bücher als Übersetzungen aus dem Amerikanischen gelten würden, wären sie allesamt Bestseller. Genzmers Geschichten sind „wie mit der Kamera geschrieben“, schreibt die Wochenzeitung Die Zeit, „minutiöse Detailaufnahmen von Landschaften, Menschen, Zuständen, Handlungen, verbunden mit einem besonderen und tiefen Interesse an der Ausnahmesituation“. Genzmer ist der „atemlose und schonungslose Chronist der allgemeinen Verwahrlosung“, sagt die Westdeutsche Zeitung.

Genzmers Geschichten spielen nicht oder nur selten in Deutschland; die USA, Spanien, Portugal, Frankreich, die Türkei sind ihre Orte, an denen Genzmer lebte und lebt, und darin entfaltet sich dichteste Handlung, die stets verschiedene Genres streift, ohne sich jedoch auf ein bestimmtes festzulegen. Immer ist sein Ton lakonisch, oft zitiert er Elemente aus dem Genre des Krimis, verschreibt sich ihm aber nicht. Die vielschichtige und spannende Handlung spinnt Situationen, die den Menschen vollständig überwältigen, ihn bisweilen lähmen oder ihn in irrationale Handlungen treiben, die seine Lage meist gefährlich verschärfen, wodurch das Spannungselement eine vorrangige Stellung einnimmt.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genzmer erhielt den Förderpreis der Arbeit, Klagenfurt (1991), das Stipendium des Schriftstellerhauses Stuttgart (1994), den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld (1994), das Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen (2000) und den Nettetaler Kurzgeschichten Preis (2001).

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prosa
Sachbücher
  • hören, sprechen, lesen, schreiben: Unsere Grammatik. Berlin University Press, Köln 2014, ISBN 978-3-86280-066-7.
  • Deutsche Sprache. Ein Schnellkurs. Dumont, Köln 2008, ISBN 978-3-8321-9086-6.
  • Kulinarische Wanderungen auf Mallorca. Artwerk Verlag, Dortmund 2007, ISBN 978-3-938927-10-6 (zusammen mit Bernd Ewert).
  • Dalís Katalonien. ein Reisebegleiter. Insel Verlag, Frankfurt/M. 2004, ISBN 3-458-34716-X.
  • Rhetorik. Die Kunst der Rede. Dumont, Köln 2003, ISBN 3-8321-7610-1.
  • Costa-Daurada. Edicions Tarraco, Tarragona 2003, ISBN 84-73200-74-8.
  • Literarische Spaziergänge durch New York. Insel Verlag, Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-458-34583-3.
  • Kalifornien. Ein literarisches Portrait. Insel Verlag, Frankfurt/M. 2001, ISBN 3-458-34336-9 (als Herausgeber)
  • Barcelona (Europa Erlesen). Wieser Verlag, Klagenfurt 1999, ISBN 3-85129-296-0 (als Herausgeber)
  • Dalí und Gala. Der Maler und die Muse; eine Doppelbiographie. Rowohlt Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-87134-338-2.
  • Sprache in Bewegung. Eine deutsche Grammatik. Suhrkamp Taschenbuchverlag, Frankfurt/M. 1998, ISBN 3-518-39326-X (früherer Titel „Deutsche Grammatik“).
  • Kontakte. A Communicative Approach. 3. Aufl. McGraw-Hill, New York 1996, ISBN 0-0722-9710-7 (zusammen mit Brigitte Nikolai, Tracy Terrell und Erwin P. Tschirner).
  • Spektrum. Grammatik im Kontext. Prentice Hall, Englewood Cliffs, N.J. 1992, ISBN 0-13-517293-4 (zusammen mit Helga Bister-Broosen und Penelope Pynes).
  • verlogen, mendacious, mentiroso. Contrastive Discourse Structures in German, English, and Spanish. Verlag Heinz, Stuttgart 1989, ISBN 3-88099-210-X (Stuttgarter Arbeiten zur Linguistik; 206).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]