Hermann Heimpel (Mediziner)

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Hermann Heimpel (* 29. September 1930 in Freiburg im Breisgau; † 7. Oktober 2014) war ein deutscher Hämatologe, Onkologe und Hochschullehrer.[1][2][3][4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimpel studierte Medizin in Göttingen, Heidelberg, Innsbruck, Freiburg und Chicago.[4][3] Er promovierte 1957 mit der Dissertation zum Thema Untersuchungen über die Durchblutungsregulation in der Hundeniere[5] und absolvierte seine internistische Facharztausbildung in Freiburg bei Ludwig Heilmeyer. Nach seiner Habilitation mit einer Arbeit zum Thema Untersuchungen mit Cr51 und DFP32 über den Erythrozytenumsatz bei verschiedenen Blutkrankheiten in Freiburg ging er 1967 nach Ulm.[3] Dort wurde er 1969 Professor an der Universität Ulm

1972 gründete Heimpel zusammen mit Wolfgang Schreml den Onkologischen Arbeitskreis am Universitätsklinikum Ulm. Der Onkologische Arbeitskreis diente der Zusammenarbeit von Chirurgie, Strahlentherapie, Pathologie, Innerer Medizin und Grundlagenforschung bei der Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen. Aus diesem Arbeitskreis ging Anfang der 1980er Jahre das Tumorzentrum Ulm hervor.[6] Dieses Tumorzentrum entwickelte sich 2006 zum Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU).[7][8]

Heimpel war 1981 bis 1991 Prorektor der Universität Ulm. Von 1969 bis 1996 war er Ärztlicher Direktor für Innere Medizin am Universitätsklinikum Ulm[4] und leitete als Direktor die Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Infektionskrankheiten am Zentrum für Innere Medizin.[3] Von 1970 bis 1982 war er Studiendekan, von 1983 bis 1985 Dekan der Medizinischen Fakultät und Mitglied des Senates der Universität Ulm.[4]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimpel war das zweitälteste Kind des deutschen Historikers Hermann Heimpel (1901–1988) und der deutschen Pädagogin und Sozialpädagogin Elisabeth Heimpel, geborene Sophie Elisabeth Michel (1902–1972).[9] Das Ehepaar hatte 5 Kinder:

  • Erika (* 1929) verheiratet mit Ulrich Huber (* 1936)
  • Hermann (1930–2014)
  • Elisabeth, verheiratet mit Hans Erich Troje (1934–2017)
  • Christian (* 1937), Autor des Buches Bericht über einen Dieb in dem er die falsche Anschuldigung, ein Dieb zu sein, verarbeitet, deren Opfer er im Alter von 8 Jahren wurde.[10]
  • Wolfgang (* 1940)

Die Familie hielt sich ab 1943 einige Jahre zusammen mit der Familie von Ernst Rudolf Huber, der ebenfalls 5 Kinder hatte, in der Nähe von Falkau im Schwarzwald auf. Dort hatte Elisabeth Heimpel ein größeres Haus geerbt.[11] Die 10 Kinder erhielten während dieser Zeit Unterricht von den Eltern, wobei Elisabeth Heimpel den Naturkundeunterricht erteilte.[12][9]

Heimpel war verheiratet und hatte 4 Kinder.[13]

Forschungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimpel forschte auf dem Gebiet der Bluterkrankungen wie Leukämien und seltenen angeborenen Formen der Blutarmut, besonders der Aplastischen Anämie. Er beschäftigte sich mit der Diagnostik und Therapie der Agranulozytose und der Leukämie. Zusammen mit Klaus Schwarz entdeckte er das Gen, das bei der Kongenitalen Dyserythropoetischen Anämie (CDA) verändert ist.[4] Er klassifizierte die dyserythropoetischen Anämien und gründete ein Register zu ihrer weiteren Erforschung. Heimpel gehörte zu den Wegbereitern der erfolgreichen Knochenmarktransplantation.[3] Durch seine Aktivitäten wurde die DFG-Forschergruppe experimentelle und klinische Leukämieforschung ins Leben gerufen. Außerdem entstanden so die Sonderforschungsbereiche „Zellsystemphysiologie“ und „Lympho-Hämopoese“.[4]

Mitgliedschaften und gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimpel war von 1990 bis 1996 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie und Herausgeber der Fachzeitschrift „Blut“.[3][4] Als ihr Vorsitzender förderte er die Schaffung medizinischer Leitlinien zur besseren Patientenversorgung.[1] 12 Jahre gehörte Heimpel dem Landesbeirat Onkologie an, den er 1983 mit begründet hatte.[14] Noch im Alter von über 80 Jahren war er Patienten-Ombudsperson am Universitätsklinikum.[4]

Ein weiteres großes Anliegen Heimpels war die Verbesserung der Ausbildung von Medizinern. Er vertrat dieses Anliegen als Studiendekan, Dekan, im Präsidium des Fakultätenrates und als Mitglied des Murrhardter Kreises.[14][5] Bis an sein Lebensende hielt Heimpel die Vorlesung "Klinik für Vorkliniker". Hier ging er auch auf die "sozialen und psychosomatischen Aspekte" von Kranksein und Krankheit ein.[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1997 erhielt Heimpel das Bundesverdienstkreuz.[4] 2010 ehrte die Arbeitsgemeinschaft der Tumorzentren, Onkologischen Schwerpunkte und Onkologischen Arbeitskreise Baden-Württemberg Heimpel für sein Lebenswerk und seine Verdienste in der Krebsheilkunde.[14] 2014 wurde Heimpel der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg für die verbesserte Versorgung von Krebspatienten in Baden-Württemberg, den Aufbau des Ulmer Tumorzentrums und des Landesbeirats Onkologie verliehen.[4][15]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klinische Hämatologie zusammen mit Reinhard Andreesen, Urban + Fischer, 2009, ISBN 978-3437314988
  • Hämatologie in der Praxis zusammen mit Dieter Hoelzer, Hans-Peter Lohrmann, Elsevier, München, 1996, ISBN 978-3334608159
  • Palliative Krebsbehandlung und terminal care: eine Empfehlung für Ärztinnen und Ärzte, Pflegende und psychosoziale Fachkräfte, Stuttgart: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung Baden-Württemberg, 1995, OCLC 75698790
  • Metastasen: Pathobiologie-Diagnostik-Therapiemöglichkeiten zusammen mit Christian Herfarth und Wolfgang Schreml, Bern: H. Huber, 1980, ISBN 9783456808758
  • Aplastic Anemia: Pathophysiology and Approaches to Therapy zusammen mit Edward C. Gordon-Smith, Springer Berlin Heidelberg, 1979, ISBN 978-3540097723
  • Physiologie und Pathophysiologie der Erythropoese, München Lehmann, 1969, OCLC 614818198

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Prof. em. Dr. med. Hermann Heimpel verstorben bei dgho.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  2. Prof. Dr. med. Hermann Heimpel bei trauer.sueddeutsche.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  3. a b c d e f Hermann Heimpel †: Prägende Persönlichkeit der Hämatologie bei aerzteblatt.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  4. a b c d e f g h i j Forscher, Lehrer und Anwalt der Patienten Prof. Hermann Heimpel im Alter von 84 Jahren verstorben bei uni-ulm.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  5. a b Zentrale Akteure: Der „Murrhardter Kreis“ - „Arbeitskreis Medizinerausbildung der Robert Bosch Stiftung“ bei bosch-stiftung.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  6. Auswirkungen von Krebstherapie auf den Alltag der Patienten 50. Onkologisches Seminar des Tumorzentrums Ulm bei oparu.uni-ulm.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  7. Wolfgang Schreml, Franz Porzsolt, Bettina Brass: Telefonische Beratungsstelle des Tumorzentrums Ulm - Bericht über 6 Jahre Tätigkeit, 1985, Münchener Medizinische Wochenschrift
  8. Comprehensive Cancer Center am Universitätsklinikum Ulm bei ccc-netzwerk.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  9. a b Peter Herde: Zwei gescheiterte Berufungen: Hermann Heimpel nach München (1944–1946) und Franz Schnabel nach Heidelberg (1946–1947) in Schriftenreihe des Wilhelm-Fraenger-Instituts Potsdam, Band 10, Verlag für Berlin-Brandenburg GmbH, 2007, ISBN 978-3-86650-001-3, S. 710, 711 kann als herde.pdf heruntergeladen werden
  10. Christian Heimpel: Bericht über einen Dieb, Wallstein Verlag, 2008, ISBN 978-3892447283
  11. In memoriam Hans Erich Troje bei degruyter.com. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  12. Traudel Weber-Reich (Hrsg.): Des Kennenlernens werth. Bedeutende Frauen Göttingens, Göttingen 1995, S. 303–319. teilweise online
  13. Prof. Dr. Hermann Heimpel bei bztrauer.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  14. a b c d Professor Hermann Heimpel für sein Lebenswerk geehrt bei lifepr.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.
  15. Verleihung am 3. Mai 2014 im Schloss Ludwigsburg bei stm.baden-wuerttemberg.de. Abgerufen am 16. Juni 2020.