Hermann Mai

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Hermann Mai (* 2. Januar 1902 in München; † 10. März 2001 in Münster) war ein deutscher Pädiater und Hochschullehrer.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Studium der Chemie (Promotion 1925 in Würzburg)[1] und der Humanmedizin (Promotion 1930 in München)[2] habilitierte sich Mai. 1937 war er an der Universitätskinderklinik in München tätig[3]. 1939 war er Leiter der Kinderkliniken der Reichsuniversität Prag. Hermann Mai nahm Kontakt zu den tschechischen Kollegen, insbesondere zu Jiří Brdlík (1883 – 1965), dem Leiter der 1., der tschechischen Kinderklinik der Karlsuniversität Prag auf, begrüßte sie als Kollegen und warb um Unterstützung. Sein Benehmen wurde als „überraschend angenehm“ bezeichnet, weil „wir nie früher und später noch weniger ähnliches erlebten“. Es gab gemeinsame Fallvorstellungen und eine gute Zusammenarbeit.[4] Nach Mays Abberufung änderte sich das Klima. May gab nach weniger als einem Jahr diese Position auf und ging zur Wehrmacht. Sein Nachfolger wurde Carl-Gottlieb Bennholdt-Thomsen.[5] Hermann Mai nahm bald nach dem Krieg wieder Kontakt zu seinen tschechischen Kollegen auf, übersandte seine Veröffentlichungen und warb um Zusammenarbeit. Seine Frau, Heilgymnastin, half beim Aufbau der Heilgymnastik und der Rehabilitation in der Tschechoslowakei.

Hermann Mai wurde 1943 zum Ordinarius für Kinderheilkunde an der Universität Münster berufen und leitete diese bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1970.

Hermann Mai war Mitglied der SA seit 1933, der NSDAP und der SS seit Mai 1937 (seit April 1940 SS-Untersturmführer) sowie Mitglied des NSD-Dozentenbundes, der DAF, der NS-Volkswohlfahrt und des NSDÄB.[6]

Nach seiner Emeritierung ging Mai an das Urwaldhospital Albert Schweitzers in Lambarene. Er half, das Biafra-Kinderdorf zu bauen, dessen erster Leiter er wurde. Im Jahr 1976 übernahm Mai für einige Zeit als Chefarzt die Leitung für das Gesamthospital Lambarene. Mehrere Jahre lang war Hermann Mai Vorsitzender des Deutschen Hilfsvereins und Vizepräsident der Internationalen Albert- Schweitzer-Gesellschaft.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin gründete 1983 die Hermann-Mai-Stiftung. Erkenntnisse zur nationalsozialistischen Verstrickung Mais zeigten, dass er nicht nur überzeugter Nationalsozialist war, der u. a. zumindest Kandidat für den Sicherheitsdienst der SS gewesen ist. Er betätigte sich freiwillig als Beisitzer am Erbgesundheitsgericht München, wo er an Urteilen zur Zwangssterilisation von mindestens 12 Frauen und Männern beteiligt war. Unter den sogenannten Urteilsgründen wurde dort u. a. "Widerspruchsgeist" angeführt.[7] Die Erkenntnisse führten zu einer Umbenennung der Stiftung, die nun Stiftung für internationale Kindergesundheit der DGKJ (vormals Hermann-Mai-Stiftung) heißt. In der Präambel heißt es: „Die DGKJ hat im Jahre 1983 eine Stiftung gegründet, die darauf abzielt, die Kindergesundheitspflege in Entwicklungsländern zu unterstützen. Sie hat diese Stiftung nach dem Kinderarzt Prof. Dr. Hermann Mai benannt, der auch nach seiner Emeritierung als Direktor der Universitätskinderklinik in Münster/Westf. zeitweise mit Albert Schweitzer in Lambarene/Gabun zusammen gearbeitet hat, und dem die Tropenpädiatrie ein besonderes Anliegen war. Im Jahr 2017 wurde die Stiftung umbenannt, nachdem neuere Untersuchungen gezeigt haben, dass Hermann Mai die NS-Ideologie aktiv unterstützt hat. Insbesondere die aktive Rolle Hermann Mais in Verfahren zur Zwangssterilisierung von Frauen und Männern muss als ärztliches Fehlverhalten gewertet und auch in Erinnerung gehalten werden.“[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald Steffahn: Der Oganga aus Münster. Eine Würdigung von Corpsbruder Hermann Mai. In: Mainländer-Nachrichten. Band 182, November 2001, S. 34–44.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Mai: Über Wolframsäure-brenzkatechin (pyrogallol) sowie über Uranyl-salicylsäure-Verbindungen. Inaugural-Dissertation Universität Würzburg 1925
  2. Hermann Mai: Über die Bedeutung der Hexosediphosphorsäure und der Diphosphoglycerinsäure für die Skelettverkalkung. München, Med. Diss., 1930
  3. Hermann Mai: Über die körpereigene Ultraviolettstrahlung und ihre Beziehungen zur Rachitis Ein Versuch zur Deutg d. Entstehg d. engl. Krankheit sowie d. Vorgänge bei d. Heilung ; (Aus d. Universitätskinderklinik München). Berlin S. Karger 1937
  4. Svejcar J.: Betrachtungen über die deutsche Pädiatrie in der Prager Findelanstalt. Der Kinderarzt 15 (1984) 389-394
  5. Eduard Seidler:Jüdische Kinderärzte 1933-1945. Entrechtet/Geflohen/Ermordet. Karger Medical and Scientific Publishers, 2007: Seite 45
  6. Sascha Topp: Geschichte als Argument in der Nachkriegsmedizin: Formen der Vergegenwärtigung der nationalsozialistischen Euthanasie zwischen Politisierung und Historiographie. Vandenhoeck & Ruprecht, 2013: Seite 153
  7. Topp S (2016) „Und jetzt nach Lambarene“ Hermann Mai – Direktor der Universitäts-Kinderklinik Münster (1943) 1950–1970. Monatsschr Kinderheilkd S1:164:34–40
  8. https://www.dgkj.de/unsere-arbeit/projekte-fuer-die-kindergesundheit/stiftung-fuer-internationale-kindergesundheit/die-stiftung-fuer-internationale-kindergesundheit-der-dgkj/ abgerufen am 20.7.2018
  9. Universität Münster: Ehrendoktoren der Fakultät der Uni Münster. Abgerufen am 15. Februar 2016.
  10. Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde: Ehrenmitglieder
  11. Bundesärztekammer: Träger der Paracelsus-Medaille