Hermann Stenner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Selbstbildnis mit roter Jacke (1911)

Hermann Stenner (* 12. März 1891 in Bielefeld; † 5. Dezember 1914 an der Ostfront in Iłów (deutsch:Enlau)) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Stenner gehört zu den herausragenden Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts, obwohl ihm durch seinen frühen Tod im Ersten Weltkrieg nur eine kurze Schaffensphase von fünf Jahren vergönnt war. In dieser Zeit schuf der junge Künstler ein umfangreiches Œuvre: Annähernd 280 Gemälde und weit über 1500 Arbeiten auf Papier sind bekannt. Nach impressionistischen Anfängen um 1909 wurde Stenners Malweise ab 1911 zunehmend ausdrucksstärker mit hartem Kontur und kräftigen Farben. Diese Hinwendung zum Expressionismus geschah unter dem Einfluss Kandinskys, ab 1912/13 aber vor allem durch seinen Lehrer Adolf Hölzel.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon während seiner Realschulzeit malte der Sohn des Bielefelder Malermeisters Hugo Stenner Kopien alter Gemälde. Danach besuchte er ab 1908 die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld. Im April 1909 wurde er zur Aufnahmeprüfung für die Kunstakademie in München zugelassen und trat in die Zeichenklasse von Heinrich Knirr ein. Den Sommer 1909 verbrachte Stenner bei Hans von Hayek an dessen Malschule in Dachau und machte dort ganz erhebliche Fortschritte in seiner Malerei. Von Hayek und Knirr empfahlen ihm daraufhin nicht mehr, wie zuvor, den in München lehrenden Hugo von Habermann als geeigneten Malereiprofessor, sondern den in Stuttgart lehrenden Christian Landenberger.

Kaffeegarten am Ammersee - 1911

Ende März 1910 zog Hermann Stenner nach Stuttgart, wo er an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in die Malklasse von Landenberger aufgenommen wurde. Im Oktober 1911 wechselte er in die Komponierklasse von Adolf Hölzel, dessen Vorlesungen völlig abwichen vom Unterricht Landenbergers und von Hayeks. Zunächst folgte Stenner ihnen mit großer Begeisterung, da sie ihm eine neue Welt eröffneten und die Malerei als eine Art Wissenschaft nahebrachten. Später löste er sich von der allzu starken Beeinflussung durch die Vorlesungen und entwickelte seinen eigenen Stil weiter. Schon nach einem Semester bot Hölzel Hermann Stenner an, in eines der begehrten Meisterschülerateliers in den Unteren Anlagen umzuziehen, was dieser im März 1912 auch mit großer Freude tat. Während des Sommersemesters nahm Stenner noch an einer längeren Exkursion nach Monschau (Montjoie) mit Hölzel teil, bei der einige Gemälde mit einem gesteigerten Grad futuristischer Synapsis sowie eine große Zahl an Zeichnungen entstanden.

Im August 1912 verbrachte er mit seinem Freund Hans Hildebrandt, einem Kunsthistoriker, und dessen Frau Lily vier Wochen in Paris.

1913 wurde er zur Ersten deutschen Expressionisten-Ausstellung in Dresden eingeladen. Im selben Jahr gab Adolf Hölzel den Auftrag zur Ausführung der Wandmalereien für die Vorhalle des Hauptgebäudes der Kölner Werkbundausstellung 1914 an Stenner, Oskar Schlemmer und Willi Baumeister. Der Wandfries erregte großes Aufsehen und rief die unterschiedlichsten Reaktionen hervor, von enthusiastischer Begeisterung bis zu kategorischer Ablehnung. Im selben Jahr war er auch bei der großen Stuttgarter Ausstellung des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein mit zwei Werken im sogenannten „Expressionisten-Saal“ vertreten, den Hölzel im Auftrag des Verbandes eingerichtet hatte.[1]

Am 7. August 1914 meldete Stenner sich zusammen mit Oskar Schlemmer als Kriegsfreiwilliger und trat in das Grenadier-Regiment Nr. 119 ein. Nach zwei Monaten an der Westfront wurde er Ende November mit seinem Regiment „Königin Olga“ an die Ostfront verlegt, wo er in den frühen Morgenstunden des 5. Dezembers 1914 in Polen bei einem Angriff auf die Stadt Iłów im heutigen Powiat Sochaczewski in der Woiwodschaft Masowien fiel.

Museum Hermann-Stenner-Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2015 wurde bekannt, dass eine Stiftung den Betrieb eines Stenner-Museums in der Bielefelder Villa Weber ermöglichen wird. Das Museum, das am 12. März 2016, zum 125. Geburtstag des Künstlers, teileröffnet wurde, wird unter anderem als Dauerleihgabe die Sammlung des Juristen Hermann-Josef Bunte beherbergen.[2]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er schuf in fünf Jahren rund 300 Gemälde und mehr als 1500 Aquarelle und Zeichnungen.[3][4]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
Auferstehung - 1914

„[...] Stenner war ein frischer, heiterer Mensch und Künstler. Seine Leistungen waren ausgezeichnet. [...] Ich schätze die Malereien von Hermann sehr, auch Oskar Schlemmer war durchaus dieser Meinung. Seine Kunst war ein grosses Aufblühen ohne Hemmung und Unterbrechung. [...] Hermann Stenner wäre einer der besten Maler Deutschlands geworden, wenn nicht der sinnlose, verbrecherische Krieg seine Opfer geholt hätte. [...]“

Willi Baumeister[6]

„Die Natur gab Stenner als wertvolles Geschenk die Leichtigkeit der Hand, die frühe Beherrschung des Handwerklichen mit auf den Weg. Sie verlieh seinen Malereien und Zeichnungen die Frische des Unmittelbaren, den Eindruck des freudigmühelos Geschaffenen, wozu sein Temperament und seine Lust am Dasein in lebenssprühendem, an Gegensätzen reichem Farbenspiel das Ihre beitrug.“

Hans Hildebrandt

At twenty-three Hermann Stenner was the youngest expressionist painter to die in the war. His development as a painter really only began when he was twenty and became a pupil of Adolf Hölzel in Stuttgart in the autumn of 1911. … Hermann Stenner began to eschew theory and follow his own instincts, taking only what suited him from Hölzel's teachings, and began to look further afield for his inspiration.

Hans-Georg Gmelin

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stenner, Hermann. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 31, E. A. Seemann, Leipzig 1937, S. 593.
  • Stenner, Hermann. In: Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 4. E. A. Seemann, Leipzig 1958, S. 357
  • Jutta Hülsewig-Johnen, Nicole Peterlein: Hermann Stenner – Aquarelle und Zeichnungen. Hrsg.: Freundeskreis Hermann Stenner e. V., Prestel Verlag, München 2010, ISBN 978-3-7913-6149-9.
  • Hermann Stenner 1891–1914. Von Bielefeld nach Meersburg – Ein Maler an der Schwelle zur Moderne. Ausstellungskatalog Schloss Achberg 2007, ISBN 3-9809999-5-5.
  • Karin von Maur, Markus Pöhlmann: Der Maler Hermann Stenner im Spiegel seiner Korrespondenz. Briefe 1909–1914. Prestel Verlag, München 2006, ISBN 3-7913-3731-9.
  • Jutta Hülsewig-Johnen, Christiane Reipschläger: Hermann Stenner – Werkverzeichnis der Gemälde. Herausgegeben vom Freundeskreis Hermann Stenner e. V. 2. Auflage. 2005, ISBN 3-00-015755-7.
  • Hölzel und sein Kreis. Der Beitrag Stuttgarts zur Malerei des 20. Jahrhunderts. Eröffnungsausstellung des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart im wiederaufgebauten Kunstgebäude am Schlossplatz, Stuttgart 1961.
  • Friederike Weimar: Verglühte Träume: Werke junger Künstler – Opfer des Ersten Weltkriegs. Benno Berneis, Hans Fuglsang, Franz Henseler, Wilhelm Morgner, Franz Nölken, Otto Soltau, Hermann Stenner und Albert Weisgerber. Herausgegeben von Helga Gutbrod. Gebr. Mann Verlag/Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2014, ISBN 978-3-7861-2712-3.
  • David Riedel: „Noch einen Sommer intensives Schaffen“ – Hermann Stenners Werk vor dem Ersten Weltkrieg. In: Sie starben jung! Künstler und Dichter, Ideen und Ideale vor dem Ersten Weltkrieg. Herausgegeben von Friederike Weimar und Burcu Dogramaci, Gebrüder Mann Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-7861-2704-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermann Stenner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ausstellungskatalog Kunst-Ausstellung Stuttgart 1914, Kgl. Kunstgebäude, Schloßplatz, Mai bis Oktober, hrsg. vom Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein, Stuttgart 1914, S. 47, Kat.-Nr. 405 („Kaffeekonzert“, Ölgemälde) und Kat.-Nr. 410 („Komposition“, Ölgemälde).
  2. Heimat für Stenner. In: FAZ vom 3. Juli 2015, Seite 11.
  3. Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. (Hrsg.): „Lasst meine Bilder nicht sterben.“ Künstlerporträts. Kassel 2010, S. 11.
  4. Werkverzeichnis Hermann Stenners.
  5. Sein erstes letztes Meisterwerk in FAZ vom 27. September 2016, Seite 11
  6. Wolfgang Kermer (Hrsg.): Aus Willi Baumeisters Tagebüchern: Erinnerungen an Otto Meyer-Amden, Adolf Hölzel, Paul Klee, Karl Konrad Düssel und Oskar Schlemmer: mit ergänzenden Schriften und Briefen von Willi Baumeister. Ostfildern-Ruit: Cantz, 1996 (= Beiträge zur Geschichte der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, hrsg. von Wolfgang Kermer; 8) ISBN 3-89322-421-1, S. 52–53.