Hochwasser in Henan 2021

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Hochwasser in Henan 2021
Niederschläge pro Stunde in Zhengzhou am 20. Juli [mm]
Niederschläge pro Stunde in Zhengzhou
am 20. Juli [mm]
Unwetter Starkregen mit folgendem Hochwasser
Großwetterlage Ausläufer Taifun In-Fa
Daten
Beginn 17. Juli 2021
Höhepunkt 20. Juli 2021
Folgen
Betroffene Gebiete Henan
Opfer 71 (Stand 28. Juli)[1]
Schadenssumme ca. $10 Milliarden [2]
5 Vermisste (Stand 24. Juli)[3]

Im Juli 2021 kam es in der zentralchinesischen Provinz Henan zu schweren Unwettern und in der Folge zu einer Hochwasserkatastrophe, bei der offiziellen Meldungen zufolge mindestens 71 Menschen ums Leben kamen (Stand 28. Juli).[3] In Folge der Überschwemmungen wurden über 200.000 Einwohner evakuiert. Drei Millionen Menschen seien von den Auswirkungen der Flut betroffen gewesen.[4][5][6][7]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederschläge pro Minute, 20. Juli 2021, 16:00 – 17:00 [mm]

Die Starkregen, zurückzuführen auf Ausläufer der Taifunsysteme „In-fa“ und „Cempaka“, begannen am 17. Juli und dauerten mehrere Tage an.[8] Im Laufe weniger Tage fiel zwischen 17. und 20. Juli in der Region um Zhengzhou mit 617 mm Regen pro Quadratmeter eine dem mittleren Jahresniederschlag von 640 mm entsprechende Regenmenge. Allein am 20. Juli fielen in einer Stunde über 200 mm.[6] Laut Meteorologen handelte es sich um die schwersten Regenfälle seit Gründung des Wetterbüros in Zhengzhou 60 Jahre zuvor.[8] Die Wasserstände von Zuflüssen des Gelben Flusses und des Hai He überschritten in der Folge Alarmstufen.[9] In Xinxiang fielen zwischen 8 Uhr am 17. Juli und 6 Uhr am 22. Juli 907 mm Niederschlag im Vergleich zum mittleren Jahresniederschlag von 573 mm.[2]

In China kommt es alljährlich zu Überschwemmungen, so hatte es auch im Vorjahr mehrere starke Hochwasser mit mindestens 219 Todesopfern gegeben.[10] Die globale Erwärmung führt jedoch immer häufiger zu extremen Niederschlägen.[11][12] Die rasante Urbanisierung in China steigert zudem das Risiko von Überschwemmungen.[13] Durch die zunehmende Versiegelung der Flächen haben die Wassermassen bei Starkregen nicht ausreichend Möglichkeiten abzufließen.[12]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trauergaben an der U-Bahnstation Shakolu, 28. Juli 2021

Besonders betroffen war die Millionenmetropole Zhengzhou, Hauptstadt der Provinz, wo das Hochwasser während des abendlichen Berufsverkehrs in das U-Bahnsystem der Stadt eindrang. Etwa 1000 Menschen konnten aus dem in Tunneln und U-Bahn-Wagen schnell steigenden Wasser gerettet werden, mindestens 14 Menschen starben jedoch in einem überfluteten U-Bahn-Zug.[7][3] Lokalen Behörden zufolge sammelte sich das Wasser nahe einem Parkplatz an der U-Bahnlinie 5, wo es gegen 18 Uhr durch eine Stützmauer brach und in den U-Bahn-Tunnel gelangte. Der Abschnitt zwischen den Stationen Shakoulu, wo vermutlich mindestens 5 Menschen starben, und Haitansi wurde betroffen.[13] Einige der bis zur Brust im Wasser in den Waggons Eingeschlossenen machten über ihre Smartphones Videoaufnahmen und schickten Hilfe- und Abschiedsnachrichten.[14] Gegen 21 Uhr konnten Rettungskräfte schließlich die Waggondächer aufbrechen und die Eingeschlossenen bergen, kurz bevor im Inneren der Sauerstoff ausging.[15]

Die Wasser- und Stromversorgung war vielerorts unterbrochen.[9] Aus dem Krankenhaus der Zhengzhou-Universität mussten nach einem Stromausfall 600 Kranke evakuiert werden. Der Regen überflutete Bahnlinien und Straßen und spülte zahlreiche Autos weg. Der Verkehr wurde weitgehend lahmgelegt, der Betrieb von Bahnhof und Flughafen unterbrochen.[5][4] In Dengfeng kam es um 6 Uhr morgens zu einer Explosion in einer Aluminiumlegierungsfabrik, als nach Berichten Wasser aus dem nahe gelegenen Ying-Fluss eine Fabrikmauer durchbrach und sich mit hochtemperierten Chemikalien mischte.[16] Der Pegel des Flusses überstieg um 4 Uhr morgens die höchste Alarmstufe.[17] In der Nachbarstadt Gongyi gab es nach bisherigen Berichten 4 Todesopfer in den überfluteten Straßen.[5] In Xinxiang überliefen mehrere Wasserreservoire und beeinträchtigten 58 Kreise und 470.000 Menschen.[15] Im Norden Zhengzhous wurde auch ein berühmter Shaolin-Tempel vom Unwetter betroffen und im Westen die als Unesco-Weltkulturerbe-Stätte ausgezeichneten Buddhastatuen der Longmen-Grotten am Yi-Fluss von Überflutung bedroht.[9] Im Süden von Zhengzhou ist am Morgen des 21. Juli der Damm des Guojiaju-Wasserreservoirs gebrochen. Weitere zum System der Xiaolangdi-Talsperre gehörende Dämme in der Nähe der Stadt Luoyang seien akut bedroht.[18]

Der durch das Hochwasser verursachte Sachschaden wird auf etwa 10 Milliarden US-Dollar geschätzt.[2] Mehr als 200.000 Hektar Land wurden überschwemmt.[19] Die Schäden für die Landwirtschaft durch die Überflutungen gehen in die Millionen.[11] Fabriken in Zhengzhou beginnen nach dem Hochwasser, dort wo die Strom- und Internetversorgung wieder hergestellt ist, allmählich wieder zu produzieren. Zwei große Fabriken von Foxconn begannen am 23. Juli wieder zu arbeiten, während eine weitere im Kreis Zhongmu, die PC-Anschlüsse herstellt, schwer getroffen wurde. In Zhengzhou befindet sich die weltgrößte iPhone-Fabrik, die an drei Standorten mit etwa 350.000 Arbeitern mehr als die Hälfte der Geräte produziert. Die Stadt ist außerdem einer der wichtigsten Standorte für Autohersteller in China. Länger anhaltende Probleme und Verzögerungen werden wegen der stark beschädigten Transportwege in und um der Stadt erwartet.[20]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westliche Medien thematisierten vielfach wahrgenommene Inkonsistenzen in der offiziellen Berichterstattung und die offensichtliche intensive Zensur von Beiträgen in den chinesischen Social Media. Kritisiert wurde in der Berichterstattung insbesondere die späte Schließung des U-Bahn-Betriebs, die erst um 18 Uhr erfolgte, Stunden nach dem ersten Wassereinbruch.[7] Zuvor hatte die Wetterstation in Zhengzhou bereits fünf aufeinander folgende rote Alarme wegen Starkregen ausgegeben. Nach Angaben der China Meteorological Administration hätte die Warnung die Behörden dazu veranlassen sollen, Versammlungen einzustellen und Unterricht und Geschäfte zu schließen.[1] Außerdem wurde offiziell von einem erfolgreichen Abschluss der Rettungsarbeiten berichtet, während zugleich noch Bilder von Fahrgästen in überschwemmten Tunneln und U-Bahn-Zügen gepostet wurden.[7]

Weitere Unwetterkatastrophen in China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positionskarte
Überflutung in Zhengzhou am Dihu-See, 20. Juli 2021

Schwere Unwetter wurden auch aus Südchina gemeldet, wo der Taifun „In-fa“ in den Provinzen Zhejiang und Fujian für Unwetter sorgte.[9] In der Provinz Guangdong traf ein weiterer Taifun mit dem Namen „Cempaka“ mit Windgeschwindigkeiten bis zu 110 Kilometern pro Stunde bei der Stadt Yangjiang auf Land.[8] In der Küstenstadt Zhuhai starben 14 Arbeiter, als Wassermassen in den Shijingshan-Tunnel eindrangen. Im Tunnel kam es bereits zuvor zu Sicherheitsproblemen, als im März in einem anderen Teil des Tunnels zwei Bauarbeiter ums Leben kamen.[21] Auch im Norden Chinas gab es in der Inneren Mongolei schwere Überschwemmungen.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hochwasser in Henan 2021 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b China floods: thousands trapped without fresh water as rain moves north, Bericht in The Guardian vom 23. Juli 2021, abgerufen am 23. Juli 2021
  2. a b c Zhengzhou gets over flood, but Xinxiang faces troubles, Artikel vom 24. Juli 2021 auf China Daily, abgerufen am 24. Juli 2021
  3. a b c Mourners pay respects to 14 subway riders who drowned after floods hit central China, Artikel vom 28. Juli 2021 in South China Morning Post, abgerufen am 29. Juli 2021
  4. a b Like Making a Horror Movie: Severe Flooding in China Inundates a Subway, Artikel vom 20. Juli 2021 in The New York Times, abgerufen am 21. Juli 2021.
  5. a b c Süddeutsche Zeitung: Tote bei Überschwemmungen in China - Hunderte stecken in U-Bahn fest. Abgerufen am 21. Juli 2021.
  6. a b Death toll rises and thousands flee homes as floods hit China, Bericht in The Guardian vom 21. Juli 2021, abgerufen am 21. Juli 2021
  7. a b c d China floods: death toll climbs as questions raised over preparedness, Bericht in The Guardian vom 22. Juli 2021, abgerufen am 22. Juli 2021
  8. a b c d Typhoon In-fa strengthening while on track to impact Japan, Taiwan and China, Beitrag auf CNN-News, abgerufen am 21. Juli 2021
  9. a b c d Mindestens 25 Tote nach Überschwemmungen in China, Beitrag vom 21. Juli 2021 auf BR24, abgerufen am 21. Juli 2021
  10. 219 people dead or missing in China's flood season this year, Artikel vom 13. August 2020 auf CGTN, abgerufen am 24. Juli 2021
  11. a b DER SPIEGEL: Schwere Überschwemmungen in China – Hunderte in U-Bahn eingeschlossen. Abgerufen am 21. Juli 2021.
  12. a b Why is China facing record floods?, Artikel vom 21. Juli 2021 auf phys.org, abgerufen am 22. Juli 2021
  13. a b China floods: death toll climbs as questions raised over preparedness, Bericht in The Guardian vom 22. Juli 2021, abgerufen am 22. Juli 2021
  14. MAJOR Floods in Zhengzhou, China! Subway Flooded! - Jul. 20, 2021 auf YouTube, abgerufen am 21. Juli 2021.
  15. a b Nectar Gan, Zixu Wang: Death toll rises as passengers recount horror of China subway floods, Artikel auf CNN vom 22. Juli 2021, abgerufen am 22. Juli 2021
  16. Claire Parker: Severe floods inundate parts of central China, leaving at least one dead. Washington Post, 20. Juli 2021, abgerufen am 21. Juli 2021.
  17. Wan Lin:Explosion at a plant in Central China city after flood pours into alloy tank, no casualties reported: local government, Artikel vom 20. Juli 2021 in Global Times, abgerufen am 23. Juli 2021
  18. Flutwelle in Zhengzou lässt Damm von Guojiaju brechen, Beitrag auf Ingenieur.de, abgerufen am 21. Juli 2021
  19. Mindestens 33 Tote bei Überschwemmungen, 22. Juli 2021 tagesschau.de, abgerufen am 22. Juli 2021
  20. Zhengzhou factories resume operations, but shipping issues may delay iPhone 13 delivery, 23. Juli 2021, abgerufen am 24. Juli 2021
  21. All 14 workers lost in tunnel flood in China confirmed dead, Artikel vom 22. Juli 2021 in New York Post, abgerufen am 22. Juli 2021