Hubertus Siegert

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Hubertus Siegert auf dem Max Ophüls Festival 2015

Hubertus Siegert (* 4. Oktober 1959 in Düsseldorf) ist ein deutscher Regisseur und Produzent von Kino-Dokumentarfilmen.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hubertus Siegert studierte an der FU Berlin Geschichte und Kunstgeschichte, Theater- und Filmwissenschaften, im Anschluss Landschaftsarchitektur an der TU Berlin.

In den 1990er-Jahren begann er in verschiedenen Bereichen der Filmproduktion als Produktionsleiter, Sounddesigner und Schnittassistent zu arbeiten (u. a. “Neues Deutschland” von Philip Gröning, 1993; “Der Trinker” von Tom Toelle 1995).[1] Seine ersten Regiearbeiten waren Kurzfilme, u. a. der Film "Zwischen den Zeiten – Berlin Gleisdreieck", in dem der diplomierte Landschaftsplaner die Themen Landschafts- und Stadtgeschichte filmisch dokumentierte und mehrere Preise erhielt.[2]

1992 gründete Siegert die Produktionsfirma S.U.M.O. Film und konzentriert sich seitdem auf die Arbeit als Regisseur und Produzent von Kinodokumentarfilmen. Sein erster Kinofilm Berlin Babylon, noch auf 35 mm gedreht, war Eröffnungsfilm der Panorama-Sektion der Berlinale 2001.[3][4] und einer der fünf erfolgreichsten deutschen Dokumentarfilme im selben Jahr[5] In diesem Film setzt Siegert seine Auseinandersetzung mit den Themen Stadtgeschichte und Architektur in einer fünfjährigen Beobachtung der wichtigsten Akteure des Baubooms nach dem Fall der Berliner Mauer fort.[6][7]

Die Dokumentation zahlreicher gleichberechtigter Protagonisten findet sich auch in seinem Film Klassenleben von 2004. Hier begleitet Siegert ein halbes Jahr lang eine Berliner Grundschulklasse, in der behinderte und nicht behinderte Schüler gemeinsam lernen.[8]

2014 produzierte er den Film "Dirigenten! – Jede Bewegung zählt" (Regie: Götz Schauder) über den Dirigentenwettbewerb George Solti.[9][10]

Im Juni 2015 kam sein erster internationaler Dokumentarfilm Beyond Punishment in die Kinos, der die Bewältigung dreier Gewaltverbrechen in unterschiedlichen Strafsystemen verfolgt. Dieser wurde für den Deutschen Filmpreis als Bester Dokumentarfilm nominiert.[11] und als bester Dokumentarfilm beim Filmfestival Max Ophüls Preis ausgezeichnet[12]

2015 startet Siegert – begleitet durch eine aufwendige, speziell entwickelten Cinema-on-Demand-Kampagne – seinen Film "Die Kinder der Utopie", an nur einem einzigen Abend vor 20.000 Zuschauern in 170 deutschen Kinos. Der Film kehrt 12 Jahre später zu den mittlerweile erwachsenen Protagonisten des Filmes Klassenleben zurück.[13]

Seit 2018 entwickelt und produziert er eine Langzeitdokumentation über die AfD unter dem Arbeitstitel Spektralfarbe Blau[14] (Regie: Simon Brückner).

2009 bis 2017 war er Vorstandsmitglied der Deutschen Filmakademie.

Siegert war von 2000 bis 2020 verheiratet und hat einen Sohn. Siegert lebt in Berlin.

Kinofilme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berlin Babylon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film Berlin Babylon ist ein einzigartiges stadtgeschichtliches Zeitdokument und dokumentiert den rauschhaften Bauboom in Berlin nach dem Mauerfall. Man erlebt die Verwandlung zentraler Berliner Orte: u. a. Potsdamer Platz, Pariser Platz, Hauptbahnhof, das jüdische Museum, das Ku’damm-Eck. Berühmte Architekten, Bauherren und Politiker sind Protagonisten des Filmes, unter anderem Ieoh Ming Pei, Helmut Jahn, Rem Koolhaas, Meinhard von Gerkan, Renzo Piano, Hans Stimmann, Helmut Kohl und Eberhard Diepgen. Den Soundtrack komponierte die deutsche Band Einstürzende Neubauten.

Kamera: Ralf K. Dobrick, Thomas Plenert

Schnitt: Peter Przygodda, Anne Schnee

Klassenleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inklusion von Anfang an: Die Berliner Flämingschule ist deutschlandweit die erste Schule, die seit 1975 behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam beschult.[15] Wie und ob das gelingt, dokumentiert der Film Klassenleben; ein halbes Jahr lang werden die Schüler der Klasse 5d von der Kamera begleitet – ohne Kommentar auf Augenhöhe der Kinder.

Kamera: Armin Fausten

Schnitt: Bernd Euscher, Heike Parplies

Beyond Punishment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der internationale Dokumentarfilm beobachtet anhand von Beispielen in den USA, Norwegen und Deutschland, wie Mörder und Angehörige der Mordopfer aktiv in eine Auseinandersetzung miteinander gehen. Neben den persönlichen Schicksalen werden die Rechts- und Strafsysteme der jeweiligen Länder beleuchtet und die Möglichkeiten der Restorative Justice untersucht.

Kamera: Marcus Winterbauer, Börres Weiffenbach, Jenny Lou Ziegel

Schnitt: Anne Fabini

Die Kinder der Utopie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 12 Jahren treffen sich die Protagonisten des Filmes Klassenleben wieder: Sechs junge Erwachsene schauen zurück auf ihre gemeinsame Grundschulzeit in einer Inklusionsklasse. Dass die inklusive Schulzeit sie prägte, wird in dem Film mehr als deutlich. Ob Inklusion funktioniert hat, lässt der Regisseur die Zuschauer selbst entscheiden. Eine einzigartige Langzeitstudie zum Thema Inklusion in der Schule.

Kamera: Thomas Eirich-Schneider, Marcus Winterbauer, Frank Marten Pfeiffer, Michel Links

Musik: F. S. Blumm

Weitere dokumentarische Filmarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

24h Berlin – Ein Tag im Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Format 24h Berlin ist die erste in Echtzeit erzählte Dokumentation im Fernsehen. Konzeptentwickler und leitender Regisseur ist Volker Heise, Produzent ist Thomas Kufus. 80 Dreh-Teams drehten von morgens um 6:00 bis zum nächsten Morgen 24 Stunden lang in allen Bezirken Berlins.

Siegert dokumentiert in der Justizvollzugsanstalt Tegel einen Tag im Leben eines zu lebenslanger Freiheitsstrafe bei besonderer Schwere der Schuld verurteilten Mörders.

24h Berlin wurde ab dem 5. September 2009 ab 6 Uhr morgens im rbb Fernsehen, europaweit auf ARTE, dem niederländischen Sender VPRO und im finnischen Digitalsender YLE Teema ausgestrahlt.[16]

24h Jerusalem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dokumentarische TV-Format zeigt das Leben von Menschen in Jerusalem – 24 Stunden lang. 70 Filmteams verfolgen vom 18. bis 19. April 2013 innerhalb von 24 Stunden die Lebensgeschichten von rund 90 Protagonisten in der geschichtsträchtigen und umkämpften Stadt.

Siegert begleitet Philippe Agret, den Chef der Nachrichtenagentur AFP in Jerusalem und den palästinensischen Territorien. Man erlebt Agret von den ersten Telefonaten am Frühstückstisch, in der Agentur, auf einer Fahrt nach Ramallah zum Mausoleum von Jassir Arafat, bis in die späten Abendstunden; die konfliktreiche Arbeits- und Lebenssituation des Journalisten wird spürbar.

24h Jerusalem wurde im April 2014 24 Stunden lang auf ARTE und im Bayerischen Fernsehen, sowie auf NRK und YLE ausgestrahlt.[17][18][19][20]

24h Bayern – Ein Tag Heimat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den erfolgreichen Formaten “24h Berlin” und “24h Jerusalem” dokumentiert 24h Bayern in Echtzeit das Leben von Menschen eines ganzen Bundeslandes. Gedreht wurde vom 3. Juni 2016 bis 4. Juni 2016 und die Erstausstrahlung erfolgte am 5. und 6. Juni 2017 im Bayerischen Rundfunk. Siegert dokumentiert ab 6 Uhr früh den Tag eines Binnenschiffs-Kapitäns auf einem Gütermotorschiff im Rhein-Main-Donau-Kanal.[21][22]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hubertus Siegert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ÜBER UNS – S.U.M.O. Film. Abgerufen am 2. Februar 2021 (deutsch).
  2. KURZFILME – S.U.M.O. Film. Abgerufen am 2. Februar 2021 (deutsch).
  3. Programm 2001. Abgerufen am 2. Februar 2021.
  4. "Berlin Babylon": Einstürzende Altbauten. Abgerufen am 2. Februar 2021.
  5. Hubertus Siegert | filmportal.de. Abgerufen am 2. Februar 2021.
  6. Berlin Babylon | Film 2001. Abgerufen am 2. Februar 2021.
  7. Berlin Babylon – BERLIN BABYLON ist ein Muss für alle Berlinentdecker und -kenner. Abgerufen am 2. Februar 2021 (deutsch).
  8. KLASSENLEBEN – S.U.M.O. Film. Abgerufen am 2. Februar 2021 (deutsch).
  9. DIRIGENTEN: Jede Bewegung zählt! – S.U.M.O. Film. Abgerufen am 2. Februar 2021 (deutsch).
  10. DIRIGENTEN • mindjazz pictures. In: mindjazz pictures. Abgerufen am 2. Februar 2021 (deutsch).
  11. Beyond Punishment • Deutscher Filmpreis. Abgerufen am 2. Februar 2021 (deutsch).
  12. Die Preise beim 36. Filmfestival Max Ophüls Preis | Filmfestival Max Ophüls Preis. Abgerufen am 2. Februar 2021.
  13. 2019: A Germany-wide, year-long, on-demand impact campaign. Abgerufen am 2. Februar 2021 (englisch).
  14. Staatsministerin Monika Grütters fördert Dokumentarfilmvorhaben mit rund 1,1 Millionen Euro. Abgerufen am 2. Februar 2021.
  15. Fläming Grundschule - Inklusion. Abgerufen am 2. Februar 2021.
  16. 24h Berlin. Abgerufen am 2. Februar 2021 (deutsch).
  17. Bayerischer Rundfunk: BR und ARTE: "24h Jerusalem" erfolgreich trotz Boykottversuchen. 19. April 2013 (br.de [abgerufen am 2. Februar 2021]).
  18. Kaspar Heinrich: Echtzeitdoku "24h Jerusalem": Ein Tag in der Stadt der Gegensätze. In: Die Zeit. 12. April 2014, abgerufen am 2. Februar 2021.
  19. DOK - «24h Jerusalem» – Die Protagonisten. 20. März 2015, abgerufen am 2. Februar 2021.
  20. 24h Jerusalem. Abgerufen am 2. Februar 2021 (deutsch).
  21. 24 STUNDEN BAYERN : 24 STUNDEN BAYERN. Abgerufen am 2. Februar 2021.
  22. Bayerischer Rundfunk: 24 STUNDEN BAYERN | Ein Tag Heimat. 5. Oktober 2017, abgerufen am 2. Februar 2021.
  23. Archivlink (Memento vom 3. Juli 2015 im Internet Archive)
  24. http://www.neissefilmfestival.de
  25. Archivierte Kopie (Memento vom 4. November 2016 im Internet Archive)
  26. http://www.film-des-monats.de/filme/dirigenten-jede-bewegung-zaehlt