Iferouane

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Landgemeinde Iferouane
Landgemeinde Iferouane (Niger)
Landgemeinde Iferouane
Landgemeinde Iferouane
Koordinaten 19° 4′ N, 8° 25′ O19.06258.42Koordinaten: 19° 4′ N, 8° 25′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Agadez
Departement Iférouane
Einwohner 13.655 (2012)

Iferouane (auch: Iférouane, Iferouâne) ist eine Landgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Iférouane in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Landschaft von Témet nördlich von Iferouane

Das Gemeindegebiet ist in drei administrative Dörfer, zwei traditionelle Dörfer, vier Lager und 22 Wasserstellen gegliedert.[1] Der Hauptort der Landgemeinde ist das administrative Dorf Iferouane.[2] Iferouane ist Hauptverwaltungssitz des Aïr und Ténéré Naturreservats, des mit 77.000 km² größten Schutzgebiets Afrikas.

Iferouane ist die Hauptoase im nordwestlichen Teil des Aïr-Gebirges. Die Siedlung liegt im Irhazar-Tal (auch: Ighazar-Tal). Die Umgebung ist sehr gebirgig und rau. Quarz-, Granit- und Gneisgesteine prägen die Gegend. Zumeist liegen sie lose verstreut, gelegentlich in großen Blockformationen.[3] Der kleine ruhige Ort liegt am Fuße des bis zu 1988 Meter hohen Tamgak-Massivs (ein kreisrunder granitener Pluton und Teil des ausgedehnten Aïr-Gebirges) und wird durch Lehmhäuser, Mattenzelte und Gärten geprägt. Zum Gemeindegebiet gehört die vor allem im 19. Jahrhundert bedeutende Siedlung Tintellust. Die Nachbargemeinden Iferouanes sind Gougaram im Norden, Djado, Dirkou und Fachi im Osten, Assodé und Timia im Süden und Dannet im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Als Gründerväter des Orts gelten die vornehmen Kel-Ferwan-Tuareg, die mittlerweile in die Gegend von Agadez abgewandert sind. Der Name des Oasenortes wird aus dem Tamascheq hergeleitet und bedeutet in der Sprache der dort angesiedelten Tuareg: „die Felder“.

1899 verbrachte eine französische Militärexpedition, die Foureau-Lamy Mission, mehrere Monate in Iferouane. Im Februar jenes Jahres sollten hier zusätzliche Packtiere zugezogen werden, damit die beschwerliche Weiterreise nach Agadez bestritten werden konnte. Erst deutlich verspätet, nämlich im Juni, konnte die Expedition tatsächlich aufzubrechen. Tuareg-Nomaden hatten das Unterfangen der Expedition durch eine Vielzahl von Angriffen torpediert, sodass an einen Aufbruch nicht zu denken war. Daneben wurden die versprochenen Lasttiere nicht geliefert, sodass die Expeditionsleiter sich auf eigene Faust mit Nachschub eindecken mussten. Parallel dazu starben viele der mitgebrachten Kamele. Unter schwierigsten Bedingungen konnte die Expedition im Juni aufbrechen.[4] Während der französischen Kolonialzeit hatte Iferouane die Funktion des nördlichsten Militärpostens in Niger.[5] Die französische Verwaltung richtete 1947 eine Schule speziell für die nomadische Bevölkerung ein.[6]

1964 gliederte eine Verwaltungsreform Niger in sieben Departements, die Vorgänger der späteren Regionen, und 32 Arrondissements, die Vorgänger der späteren Departements. Iferouane wurde dem neu geschaffenen Arrondissement Agadez zugeschlagen, erhielt jedoch – wie Ingall – den Status eines Verwaltungspostens (poste administratif) im Gebiet des Arrondissements. Verwaltungsposten waren besondere Gebietseinheiten eine Ebene unterhalb von Arrondissements, die als eine Art Vorstufe zu einer späteren Umwandlung in ein eigenes Arrondissement galten.[7] Das Gebiet des Arrondissements Agadez wurde 1969 auf die Arrondissements Arlit und Tchirozérine aufgeteilt.[8] Iferouane wurde dem Arrondissement Arlit zugeschlagen. 1998 wurden die bisherigen Arrondissements Nigers in Departements umgewandelt.[9]

Während der 3. Tuareg-Rebellion (2007–2009) war Iferouane Eröffnungsschauplatz der Rebellion durch die ersten Angriffe des MNJ.[10] Zahlreiche Zusammenstöße zwischen Rebellen und Regierungstruppen erschütterten die Region in und um Iferouane. Im Oktober 2007 vermeldete der Präsident der SOS Iférouane Initiative, dass die Aufstandsbewegungen wochenlanges Hungern im Dorf ausgelöst hätten, da die Versorgungswege abgeschnitten waren. Daneben seien massiv Malaria und Diarrhoe aufgetreten. Wassermangel und Schikanen durch die Armeekräfte verschlimmerten die Situation noch mehr.[11][12] Im November 2008 ließ sich feststellen, dass die Stadt leer war und niemand mehr dort lebte. Eine Fluchtwelle der Einwohner nach Arlit und Agadez war dafür verantwortlich. Im Jahr 2009 waren die meisten Einwohner allerdings wieder zurückgekehrt. Seitdem werden die zerstörten Infrastrukturen restrukturiert und die Landwirtschaft reaktiviert.[13] Seit 2011 gehört die Landgemeinde nicht mehr zum Departement Arlit, sondern zum neugeschaffenen Departement Iférouane. Der bisherige Verwaltungsposten wurde zum Hauptort des Departements erhoben.[14]

Bevölkerung[Bearbeiten]

1964 lebten rund 10.000 Menschen im Gebiet um Iferouane.[15] Bei der Volkszählung 2001 hatte Iferouane 8108 Einwohner, davon 1918 im administrativen Dorf Iferouane.[16] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 13.655.[17] In der Gemeinde wird die Tamascheq-Varietät Tayart gesprochen.[18]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Besuche der prähistorischen Funde im Aïr werden zumeist von Iferouane aus geplant. Nördlich der Siedlung liegen jungsteinzeitliche Felsmalereien. Giraffen, Rinder und Antilopen zieren deutlich erkennbar Felsbrocken und -nasen. Bis hoch ins 90 km entfernte Tezirek entdeckt man immer wieder Felsmalereien.[19]

In Iferouane fand von 2001 bis 2006 alljährlich zwischen dem 27. bis 29. Dezember das Aïr-Festival statt, bis es nach Tchirozérine übersiedelte. Die Region versucht sich damit kulturell für den Tourismus stark zu machen. Die Tuareg versuchen anlässlich dieses Festes Nützliches und Gesellschaftliches zu verknüpfen, denn es werden Probleme und mögliche Hilfestellungen für die Tuareg diskutiert.[20] Weiterhin werden Wettbewerbe ausgetragen. So sind Preise zu gewinnen, für den schönsten Tagelmust, das am besten angeschirrte Kamel, das schönste traditionelle Kostüm und andere Wettbewerbsgegenstände. Tanz, Dichtung, Musik und farbenfrohe Präsentationen der verschiedenen Festdelegationen runden das dreitägige Fest ab.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Über unbefestigte Straßen und Pisten findet die Oase Anschluss an die Verbindungsstraße zwischen Arlit und Agadez, dem Wirtschaftszentrum im traditionellen Handel und Handwerk sowie Treffpunkt im Karawanenfernhandel der saharischen Völker und Stämme. In Iferouane befindet sich ein ziviler Flughafen mit unbefestigter Start- und Landebahn, der Flughafen Iférouane (ICAO-Code: DRZI).[21] Im Hauptort gibt es einen lokalen Bürgerhörfunk (radio communautaire).[22]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Maximilien Bruggmann/Hans Ritter: Ténéré (Durch die südliche Sahara). Verlag C. J. Bucher, ISBN 3-7658-1078-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Iferouane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  2. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF; 108 kB).
  3. Scottish geographical magazine, Band 17, abgerufen am 19. Juni 2011.
  4. Fergus Fleming: The Sword and the Cross: Two Men and an Empire of Sand, abgerufen am 19. Juni 2011.
  5. JSTOR: The Geographical Journal, Vol. 71, Nr. 6 (Juni 1928), abgerufen am 19. Juni 2011.
  6. Conférence Régionale sur la Problématique de l’éducation en milieu nomade dans l’espace sahélo-saharien. SE SDS Sahel Niger, 2013, S. 2, abgerufen am 7. Januar 2015 (PDF-Datei, französisch).
  7. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 275.
  8.  Aboubacar Adamou: Agadez et sa Région (= Études Nigériennes. Nr. 44). Pr. de Copédith, Paris 1979, S. 2.
  9. Historique de la décentralisation. ANIYA. Réseau des collectivités nigériennes et françaises, archiviert vom Original am 6. April 2012, abgerufen am 28. Januar 2014 (französisch).
  10. Tuareg Rebels Gathering Strength in Niger, abgerufen am 19. Juni 2011.
  11. NIGER: Humanitarian crisis feared in north, abgerufen am 19. Juni 2011.
  12. Niger raids leaves 'ghost town' , abgerufen am 19. Juni 2011.
  13. Niger: Lull in conflict favours return in the north, abgerufen am 19. Juni 2011.
  14.  Une nouvelle loi sur le redécoupage administratif. In: L’Arbre à Palabres. Nr. 13, 11. August 2011, S. 2 (PDF-Datei, abgerufen am 28. Januar 2014).
  15. JSTOR: The Geographical Journal, Vol. 62, Nr. 1 (Januar 1972), abgerufen am 19. Juni 2011.
  16. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF; 3,1 MB), S. 53.
  17. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 18. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  18. Niger map. In: Ethnologue: Languages of the World. Seventeenth edition. SIL International, 2013, abgerufen am 18. Juli 2013 (englisch).
  19. Jim Hudgens, Richard Trillo The rough guide to West Africa, abgerufen am 19. Juni 2011.
  20. Jolijn Geels, Niger: The Bradt Travel Guide, abgerufen am 19. Juni 2011.
  21. Airports in Niger. Website Aircraft Charter World, abgerufen am 23. Januar 2012.
  22. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLa situation de la communication pour le développement au Niger (Etat des lieux). Tome 1. Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, 2003, S. 117, abgerufen am 2013-04-35 (PDF-Datei; 461 KB, französisch).