Igor Iwanowitsch Setschin

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Igor Setschin, 2016

Igor Iwanowitsch Setschin (russisch И́горь Ива́нович Се́чин; * 7. September 1960 in Leningrad) ist ein russischer Politiker und Manager. Er war bis 2008 ein enger Berater des Präsidenten Wladimir Putin und stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung. Bis zum 21. Mai 2012 war er stellvertretender Ministerpräsident der Regierung der Russischen Föderation in Wladimir Putins Kabinett; derzeit ist er Vorstandsvorsitzender[1] von Rosneft, der russischen staatlichen Ölgesellschaft.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde in Leningrad (jetzt St. Petersburg) in eine Arbeiterfamilie geboren. Die Eltern arbeiteten in einem Stahlwerk. Sie ließen sich scheiden, als Igor und seine Zwillingsschwester Irina noch Schüler waren. Im Jahr 1977 absolvierte er die Mittelschule mit Schwerpunkt Französisch und begann im gleichen Jahr ein Studium für portugiesische Philologie an der Leningrader Universität. Nach dem Uni-Abschluss in 1982 studierte er zuerst zwei Jahre an der speziellen Oberschule des Geheimdienstes KGB, danach war er von 1984 bis 1986 Dolmetscher einer Gruppe sowjetischer Militärberater in Mosambik und Angola.[2] Ab 1988 arbeitete er als Angestellter in der Auslandsabteilung der Staatsuniversität Leningrad, ab 1991 als Wladimir Putins Sekretär in der Leningrader Stadtverwaltung. Dort war er bis 1996 tätig. 1996 wechselte er zusammen mit Putin nach Moskau in die Präsidialverwaltung unter Boris Jelzin. Im August 1999 wurde er zum Leiter des Sekretariats des Ministerpräsidenten befördert. Seit dem Amtsantritt Putins 2000 und bis zum Wechsel in die Regierung am 12. Mai 2008 bekleidete Setschin das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Präsidialverwaltung, seit März 2004 zusätzlich als Präsidentenberater.

Daneben ist Setschin laut Medienberichten einer der Initiatoren der 2003 begonnenen gerichtlichen Verfolgung des Jukos-Konzerns,[3] da er in russischen Regierungskreisen als Fachmann im Erdölexportwesen gilt und 1998 sogar ein Sachbuch zu diesem Thema veröffentlicht hatte. Auf diese Tatsache wird auch Setschins Ernennung zum Rosneft-Vorstandsvorsitzenden am 27. Juli 2004 zurückgeführt. Nach einer Aufforderung durch Präsident Medwedew trat Setschin von diesem Amt im April 2011 zurück.[4] Infolge des Ämtertauschs zwischen Putin und Medwedew wurde Setschin jedoch am 22. Mai 2012 – auf Betreiben des neuen (alten) Präsidenten Putin und per Dekret des Ministerpräsidenten Medwedew – abermals zum Vorstandsvorsitzenden von Rosneft berufen.[5] Zudem wurde er zum Sekretär der Präsidentenkommission für die Entwicklung des Energiesektors ernannt, hat in dieser Funktion aber keine Weisungsbefugnis gegenüber den Ministern.[6]

Im Zuge der Krise in der Ukraine 2014 verhängte die US-Regierung gegen Setschin (und einige andere Männer aus dem engen Umkreis von Putin) ein Einreiseverbot und Kontosperren.[7]

Mithilfe zweier konstruierter Gerichtsprozesse bauten Setschin und die Silowiki einerseits den Staatskapitalismus als auch die Macht von Rosneft weiter aus, als er gegen den enteigneten privaten Eigentümer von Baschneft klagte und gleichzeitig der Wirtschaftsminister Uljukajew entlassen und verhaftet worden war. TASS schrieb, Setschin werde persönlich gegen Uljukjew aussagen und "habe sicher Fragen an alle Beteiligten", was in der NZZ als "bemerkenswerte Auffassung der Rolle eines Zeugen" bezeichnet wurde.[8]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Setschin ist zum zweiten Mal verheiratet und hat zwei Kinder,[9] darunter eine Tochter, die seit November 2003 mit dem Sohn des ehemaligen russischen Justizministers Wladimir Ustinow verheiratet ist.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorstandsvorsitzender
  2. Игорь Степанов. Адъютант его превосходительства. – журнал «Собеседник», 27.03.2007 / Kopie des Artikel an der Webseite "Compromat.ru"
  3. Margareta Mommsen, Angelika Nußberger: Das System Putin. Gelenkte Demokratie und politische Justiz in Russland C.H.Beck, 2007, ISBN 3-406-54790-7.
  4. Ti. Kaiser und E. Steiner: Russischer Vizepremier tritt bei Rosneft zurück, welt.de, 12. April 2011.
  5. RIA Novosti: Russlands Ex-Vizepremier Setschin zum Rosneft-Vorstandschef ernannt, Meldung vom 22. Mai 2012.
  6. Russland-Aktuell: Setschin bekommt doch keine Vollmacht für Energiesektor, Meldung vom 5. Juli 2012.
  7. FAZ.net: Hat der Kreml sich verkalkuliert?
  8. NZZ, 9. August 2017, Seite 23
  9. badische-zeitung.de, Ausland, 20. Januar 2017, Stefan Scholl: Putins Schattenmann (27. Januar 2017)