Ilex guayusa

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Ilex guayusa
Photo of Ilex Guayusa tree.jpg

Ilex guayusa

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Stechpalmenartige (Aquifoliales)
Familie: Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae)
Gattung: Stechpalmen (Ilex)
Art: Ilex guayusa
Wissenschaftlicher Name
Ilex guayusa
Loes.

Ilex guayusa, die Guayusa-Pflanze (gesprochen Gwhy-You-Sa englisch), ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Stechpalmen (Ilex). Guayusa ist ein in Südamerika, hauptsächlich im nordwestlichen Amazonas-Regenwald beheimateter Baum. Guayusa ist eine von mehreren koffeinhaltigen Stechpalmen-Arten deren Blätter sowohl frisch als auch getrocknet zur Zubereitung eines Aufgussgetränks (Tee) verwendet werden.

Guayusa ist das traditionelle Getränk der Quechua (Kichwa)-Ureinwohner in den Anden. Diese verwenden in der Regel frische Blätter, um daraus noch vor Sonnenaufgang einen anregenden Guayusa-Tee zu kochen.[1]

In den USA und Europa werden zur Zubereitung des Guayusa-Tees die getrockneten Blätter verwendet.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laubblätter

Ilex guayusa ist ein immergrüner, reich verzweigter Baum der 5 bis 30 Meter hoch wachsen und einen Stammdurchmesser von 50 bis 100 cm erreichen kann. In Kultur wird er aber deutlich kleiner(gehalten).

Die kurz gestielten und glänzenden und wechselständigen Blätter sind bis 22 cm lang und bis 8 cm breit. Sie sind glatt bis spärlich behaart und eiförmig, elliptisch bis länglich oder lanzettlich. Die Spitze ist abgerundet oder rundspitzig bis zugespitzt. Die Blattränder sind mehr oder weniger gesägt oder gezähnt. Es sind Nebenblätter vorhanden.

Ilex guayusa ist zweihäusig diözisch. Die vierzähligen, kurz gestielten Blüten mit doppelter Blütenhüllen sind klein und weiß. Sie sitzen an achsenständigen, kurz gestielten, eingeschlechtigen Thyrsen. Es sind an den Blüten und Blütenständen jeweils Deckblätter vorhanden. Der Kelch ist klein. Bei den männlichen Blüten ist ein verkümmerter, kissenförmiger Fruchtknoten und vier bis fünf[2] alternipetale Staubblätter vorhanden. Die weiblichen Blüten besitzen Staminodien und einen oberständigen, vier- bis sechskammerigen Fruchtknoten mit sitzender Narbe.[3][4][5]

Die Steinfrüchte sind kugelförmig und grün[5] (rot)[4] und haben einen Durchmesser von etwa 8 bis 10 mm.

Die ersten männlichen Blüten wurden 1975 in einer Expedition von Alberto Ortega gefunden und in einem Herbarium der Universität Central in Quito archiviert. Zuvor war nicht bekannt wie Ilex guayusa sich fortpflanzt. Denn kultivierte Pflanzen produzieren kein Blüten. 1979 fand eine weitere Expedition durch die Harvard-Universität statt, bei der ebenfalls frische männliche Blüten und nur eine weibliche gefunden wurden, jedoch keine Samen. Es wird angenommen, dass Guayusa seine Fähigkeit zur sexuellen Fortpflanzung weitestgehend verloren hat. Diese Annahme kommt auch daher, dass Guayusa seit Generationen durch die Eingeborenen stets als Steckling vermehrt wird.[2]

Verbreitung und Anbaugebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ilex guayusa wächst natürlich in den oberen Amazonasgebieten im brasilianischen Bundesstaat Acre, im südwestlichen Kolumbien, Ecuador und nordöstlichen Peru in Höhenlagen von 200 bis 2000 Meter.[3] Sie kommt in immergrünen oder laubwechselnden, prämontanen Wäldern vor, insbesondere in jenen, die von Dictyocaryum-Palmen dominiert werden. Guayusa wurde von Botanikern nur selten in freier Natur gesammelt und ist fast ausschließlich als Kulturpflanze bekannt, insbesondere aus den ecuadorianischen Provinzen Napo and Pastaza. Kommerzieller Anbau findet in der peruanischen Provinz Loreto statt.[6]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ilex guayusa wurde durch Ludwig Eduard Theodor Loesener in Nova Acta Acad. Caes. Leop.-Carol. German. Nat. Cur. 78:310, 1901 erstbeschrieben.[7][8]

Anbau und Kultivierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ilex Guayusa Anbau

Guayusa wird traditionell in sogenannten „Chakra“ im Amazonas-Regenwald angebaut. Chakra sind Waldgärten, die durch ihre botanische Artenvielfalt einer Permakultur ähneln. Es werden neben Guayusa z. B. Kakao, Mais, Maniok, Bananen und verschiedene Heilkräuter kultiviert. Die Pflanzen werden auf einem Gebiet so miteinander kombiniert, dass der Einsatz von Fungiziden, Insektiziden und Herbizide nicht gebraucht wird.[1]

Anders als bei Yerba Mate oder Kaffee macht diese Anbaumethode bei Guayusa immer noch den größten Teil der Produktion aus.

In den ersten 1 bis 3 Jahren nach der Pflanzung bedarf Guayusa der Beschattung. Guayusa kann daher nicht in Monokulturen kultiviert werden, da die Sonneneinstrahlung dabei keine optimale Entwicklung zulassen würde.[3]

Vermehrt wird Ilex guayusa ausschließlich über Klone. Hierfür werden junge Triebe von älteren Pflanzen genommen und als Steckling gepflanzt. Der gepflanzte Trieb bildet nach wenigen Wochen bereits neue Wurzeln und fängt nach einer anfänglichen Stagnationsphase an, wieder neue Blätter zu bilden.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die getrockneten Blätter von Ilex guayusa enthalten bis zu 7,6 % Koffein, durchschnittlich etwa 1,7–2 %. Diese sehr hohe Konzentration ist die höchste in Pflanzen bekannte.[9][10][11] Koffein wirkt gegen Schläfrigkeit und stimuliert das zentrale Nervensystem. Sie enthalten außer Koffein L-Theanin, Theobromin, Phenole und Flavonoide, sowie viele Aminosäuren in geringeren Mengen u. a. Auch hohe ORAC-Werte wurden ermittelt, sowie antibakterielle und -parasitäre Wirkungen wurden festgestellt.[5][12][13]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guayusa als Aufgussgetränk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anbau und Kultivierung traditionell: Die Kichwa-Indianer trinken Guayusa fast täglich. Vor Sonnenaufgang stehen sie auf und treffen sich am Feuer, um den zubereiteten Guayusa-Tee gemeinsam zu trinken. Hierfür werden in der Regel frische Guayusa-Blätter auf offenem Feuer in einem Kessel gekocht. Getrunken wird aus einer flachen Kalebasse. In der Runde sprechen alle Mitglieder einer Familie oder eines Stammes über ihre Träume und die anstehenden Aufgaben des Tages. Guayusa wird traditionell für verschiedene Zwecke genutzt, so z. B. gegen Kopfschmerzen. Hauptsächlich wird Guayusa jedoch auch von den Kichwa genutzt, um mehr Energie, Tatendrang und eine positive Einstellung am Tag oder in der Nacht und bei der Jagd zu gewinnen. Guayusa wird bereits den Kindern gegeben, damit sie in der Schule besser lernen können.[1]
  2. USA und Europa: Hierzulande und auch in den USA findet Guayusa hauptsächlich Anwendung als wachmachendes Getränk. Dabei werden die getrockneten Blätter entweder am Stück oder zerkleinert als loser Tee oder Beuteltee verkauft. Die bekanntesten Unternehmen sind in den USA RUNA, WAYKANA und in Europa GUYA, KALLARI-FUTURO und 4ABILITEA. Guayusa-Tee gewinnt auch in Deutschland immer mehr an Beliebtheit und wird als Kaffee-Alternative genutzt.

Guayusa als Fertiggetränk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eistee: In Ecuador und den USA wird Guayusa zusätzlich als Eistee in PET-Flaschen abgefüllt und getrunken.
  2. Energydrinks: Ebenfalls wird in den USA aus Guayusa ein Energydrink hergestellt. In Deutschland entwickelte die Firma 4Abilitea im Jahre 2015 den ersten Energydrink auf Guayusa-Basis und brachte ihn 2018 auf den Markt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Guayusa-Blätter wurden im Grab eines Medizinmannes in Bolivien gefunden. Ihr Alter wird auf 500 n. Chr. datiert. Dieser Fund ist äußerst interessant, da der Ursprung von Ilex guayusa in Ecuador liegen soll. Die Verbreitung von Guayusa war also bereits 500 n. Chr. in Südamerika verbreitet. Die Ausstattung im Grab des Medizinmannes lässt zudem darauf schließen, dass Guayusa zu dieser Zeit nicht nur getrunken, sondern auch geschnupft wurde. Es gibt Berichte das die Pflanze schon um 700 n. Chr. als Anästhetikum verwendet wurde.[5][14]

1683 berichtete der Jesuit Juan Lorenzo Lucero an den Vizekönig von Peru Melchor de Navarra y Rocafull das die Shuar Ilex guayusa zusammen mit anderen Kräutern und Tabak zu einem Getränk brauten und zu rituellen Zwecken nutzten.

Von den indigenen Völkern ist außerdem bekannt, das Guayusa in hohen Dosen auch vor Zeremonien als Reinigung und Stärkung getrunken wird. Bei Malaria, Syphilis, Bauch- und Leberschmerzen findet Guayusa unter den Ureinwohnern ebenso Anwendung wie bei Menstruationsbeschwerden und gegen den Hunger.[5][10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ilex guayusa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c V. Scherrer: Guayusa. Wie und mit welchen Konsequenzen wird eine traditionelle Kulturpflanze in Ecuador marketisiert? Masterarbeit, Geographisches Institut Zürich, 2016. GRIN, 2016, ISBN 978-3-668-21180-3.
  2. a b Melvin Shemluck: The Flowers of Ilex guayusa. In: Botanical Museum Leaflets. Vol. 27, No. 5/6, 1979, S. 155–160, JSTOR 41762819, archive.org.
  3. a b c Juan F. Dueñas, Christopher Jarrett, Ian Cummins, Eliot Logan–Hines: Amazonian Guayusa (Ilex guayusa Loes.): A Historical and Ethnobotanical Overview. In: Economic Botany. Band 70, Nr. 1, 2016, ISSN 0013-0001, S. 85–91, doi:10.1007/s12231-016-9334-2.
  4. a b P.-A. Loizeau, G. Barriera: Ilex guayusa bei Aquifoliaceae néotropicales: Descriptions, Illustrations, Identification, et Recherche d'Information. Version: 1st march 2007, Conservatoire et Jardin botaniques de la Ville de Genève, abgerufen am 12. Oktober 2018.
  5. a b c d e L. G. Sequeda-Castañeda, G. Modesti Costa, C. Celis et al.: Ilex guayusa (Aquifoliaceae): Amazon and Andean Native Plant. In: Pharmacologyonline. 3(1), 2016, S. 93–202, online auf researchgate.net, abgerufen am 12. Oktober 2018.
  6. Ilex guayusa im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 2. Juli 2016.
  7. Ilex guayusa bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  8. online auf biodiversitylibrary.org, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  9. K. Kubitzki, J. W. Kadereit: The Families and Genera of Vascular Plants. Vol. XIV, Springer, 2016, ISBN 978-3-319-28532-0, S. 33.
  10. a b Ch. Rätsch: The Encyclopedia of Psychoactive Plants: Ethnopharmacology and Its Applications. Simon and Schuster, 2005, ISBN 978-1-59477-662-5.
  11. Graham Wise: Substantial Equivalence Application For The Approval of Guayusa Leaf Tea (Ilex Guayusa LOES.) For Use As A Dry Leaf Infusion. ACNFP - Food Standards Agency, 2017, online (PDF), bei ACNFP, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  12. Matteo Radice, Neyfe Cossio, Laura Scalvenzi: Ilex guayusa: A systematic review of its Traditional Uses, Chemical Constituents, Biological Activities and Biotrade Opportunities. In: Mol2Net. 2, Section M, 2016, doi:10.3390/mol2net-02-03868, online auf researchegate.net, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  13. Almudena García-Ruiz, Nieves Baenas, Ana M. Benítez-González et al.: Guayusa (Ilex guayusa L.) new tea: phenolic and carotenoid composition and antioxidant capacity. In: Journal of the Science of Food and Agriculture. Band 97, Nr. 12, 2017, S. 3929–3936, doi:10.1002/jsfa.8255.
  14. Richard Evans Schultes: Antiquity of the Use of New World Hallucinogens. In: The Heffter Review of Psychedelic Research. Vol. 1. Heffter Research Institute, 1998 (heffter.org [PDF; abgerufen am 12. Oktober 2018]).