Amazonas-Regenwald

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Amazonas-Regenwald

Der Amazonas-Regenwald bedeckt große Teile des Amazonasbeckens in Südamerika, welches sechs Millionen Quadratkilometer in neun Ländern umfasst. Der weitaus größte Teil des Waldes (etwa 60 Prozent) befindet sich in Brasilien. Weitere 13 Prozent befinden sich in Peru, 10 Prozent in Kolumbien sowie kleinere Teile in Venezuela, Ecuador, Bolivien, Guyana, Suriname sowie Französisch-Guyana. Bundesstaaten und Verwaltungseinheiten von vier Ländern tragen den Namen Amazonas.

Der Amazonas-Regenwald umfasst mehr als die Hälfte des weltweit verbliebenen Tropenwaldes und weist die größte Biodiversität aller tropischen Wälder auf. Amazonien ist eines der sechs großen Biome Brasiliens und nimmt rund 49 Prozent des brasilianischen Territoriums ein.[1] Es erstreckt sich über drei der fünf statistischen Regionen des Landes (Norte, Nordeste und Centro-Oeste). Ein 52.000 km² großes Gebiet im zentralen Amazonas-Regenwald, das den Nationalpark Jaú umfasst, wurde von der UNESCO 2000 (mit Erweiterung 2003) zum Welterbe erklärt.[2] Sozialgeographisch ist das Amazonasbecken in Brasilien der Region Amazônia Legal zugeordnet. Zum Zweck der wirtschaftlichen Entwicklung der Region wurde 1966 die Superintendência do Desenvolvimento da Amazônia (SUDAM) geschaffen.

Die langfristige Fortexistenz des Amazonas-Regenwald im Anthropozän steht im Konflikt mit den Interessen einer mächtigen Agrarindustrie:[3] Alleine der brasilianische Regenwald schrumpfte nach Regierungsangaben durch Raubbau zwischen August 2017 und Juli 2018 um insgesamt 7900 km² Wald, was der Fläche von mehr als einer Million Fußballfeldern entspricht.[4]

Geschichte

Teil des brasilianischen Amazonien nahe Manaus
Sicht auf den Nationalpark Manú, in Peru

Der Wald bildete sich vermutlich während des Eozäns. Er entstand in Folge eines globalen Temperaturrückgangs in den Tropen, nachdem der Atlantische Ozean so groß geworden war, dass ein feuchtwarmes Klima im Amazonasbecken möglich wurde. Der Tropenwald existiert seit mindestens 55 Millionen Jahren; der überwiegende Teil der Region war in der Zeit vor dem jetzigen Eiszeitalter, als das Klima trockener und Savannen verbreiteter waren, frei von savannenartigen Biomen.[5][6]

Am Übergang von der Kreidezeit zum Paläogen starben die Dinosaurier aus und wurde das Klima feuchter, was möglicherweise eine Ausbreitung des Tropenwaldes über den ganzen Kontinent begünstigte. Vor 66 bis 34 Millionen Jahren reichte der Wald über den 45. südlichen Breitengrad hinaus. Klimaschwankungen während der letzten 34 Millionen Jahre ermöglichten eine Ausdehnung der Savannengebiete bis in die Tropen. So existierte etwa während des Oligozäns nur ein relativ schmaler Waldgürtel oberhalb des 15. nördlichen Breitengrades. Während des mittleren Miozäns breitete sich der Wald aus, in der letzten Kaltzeit zog er sich weitestgehend ins Landesinnere zurück.[7] Dennoch konnte der Wald in dieser Zeit weiterhin gedeihen, was das Überleben und die Evolution zahlloser Arten ermöglichte.[8]

Es wird angenommen, dass das Einzugsgebiet des Amazonas während des mittleren Miozäns in der Mitte des Kontinents durch den Purus-Bogen geteilt war. Das Wasser auf der östlichen Seite floss dem Atlantik zu, während das Wasser im Westen durch das Amazonasbecken Richtung Pazifik floss. Durch die entstehenden Anden wurden die Wassermassen zu einem See gestaut, dem heutigen Solimões-Becken. Vor fünf bis zehn Millionen Jahren durchbrachen die Wassermassen den Purus-Bogen und vereinigten sich mit den östlichen Wasserläufen zum heutigen Amazonas, der in den Atlantik entwässert.[9][10]

Es gibt Belege dafür, dass es in den letzten 21.000 Jahren durch das letzteiszeitliche Maximum und das darauffolgende Gletscherschmelzen beträchtliche Veränderungen der Vegetation des amazonischen Tropenwaldes gegeben hat. Analysen von Sedimentablagerungen durch Paläoseen im Amazonasbecken deuten darauf hin, dass es im Amazonasbecken während des letzteiszeitlichen Maximums weniger regnete als heute, was sehr wahrscheinlich eine reduzierte tropische Feuchtvegetation zur Folge hatte.[11] Umstritten ist jedoch, wie groß der Rückgang der Feuchtvegetation tatsächlich ausfiel. Einige Wissenschaftler meinen, dass der tropische Wald auf kleine und isolierte, durch offenen Wald und Grasland getrennte Refugialräume reduziert wurde;[12] andere sind hingegen der Ansicht, dass der Regenwald weitgehend intakt blieb, aber im Norden, Süden und Osten nicht bis an seine heutige Ausdehnung heranreichte.[13] Keiner dieser beiden Standpunkte hat sich bisher durchsetzen können, da wissenschaftliche Untersuchungen im tropischen Regenwald nur eingeschränkt möglich sind und daher mehr Daten für die Randregionen des Amazonasbeckens vorliegen. Die vorhandenen Daten lassen beide Argumentationen zu.

Menschliche Präsenz

Geoglyphen in entwaldeten Gebieten, ehemals des amazonischen Waldes des Bundesstaats Acre, in Brasilien

Archäologische Untersuchungen in der Höhle von Pedra Pintada legen nahe, dass Menschen seit mindestens 11.200 Jahren in der Amazonasregion leben.[14] Später entstanden in Randregionen des Waldes bis etwa 1250 n. Chr. spätprähistorische Siedlungen, die mit menschlichen Eingriffen in den Wald verbunden waren.[15]

Lange Zeit wurde angenommen, dass der Amazonasregenwald immer nur sehr spärlich bevölkert war, da die schlechten Böden keinen Ackerbau und damit keine größeren Bevölkerungszahlen erlaubten. Eine der bekanntesten Vertreterinnen dieser Forschungsmeinung war die Archäologin Betty Meggers, die ihre Theorien unter anderem in dem Buch Amazonia: Man and Culture in a Counterfeit Paradise darlegte. Sie behauptete, dass der Regenwald nur auf die Jagd spezialisierte Gesellschaften mit einer Bevölkerungsdichte von höchstens 0,2 Bewohnern pro Quadratkilometer zuließe, für größere Bevölkerungsdichten jedoch Landwirtschaft notwendig sei.[16] Jüngere anthropologische Erkenntnisse deuten allerdings darauf hin, dass die Amazonasregion dichter besiedelt war. Um das Jahr 1500 könnten in Amazonien ca. fünf Millionen Menschen gelebt haben, verteilt auf dicht besiedelte Küstengebiete wie die Insel Marajó sowie das Hinterland. 1900 betrug die Einwohnerzahl der Region nur noch rund eine Million, Anfang der 1980er Jahre weniger als 200.000.[17]

Der erste Europäer, der dem Verlauf des Amazonas folgte, war 1542 der Spanier Francisco de Orellana.[18] In der BBC-Dokumentationsreihe Unnatural Histories wurden Belege präsentiert, wonach Orellanas Bericht, dass entlang des Amazonas eine komplexe Gesellschaft existiere, keineswegs wie zuvor angenommen übertrieben, sondern für die 1540er Jahre durchaus zutreffend gewesen sei. Wahrscheinlich ging diese Kultur durch aus Europa eingeschleppte Infektionskrankheiten wie Pocken unter.[19] Seit den 1970er Jahren wurden in entwaldeten Gebieten mehrere auf den Zeitraum 1 bis 1250 n. Chr. datierte Geoglyphen entdeckt, was Theorien über größere präkolumbische Kulturen in der Region Auftrieb gab.[20][21] Dem brasilianischen Geografen Alceu Ranzi wird die erste Entdeckung von Geoglyphen bei einem Flug über den brasilianischen Bundesstaat Acre zugeschrieben.[22] Die BBC präsentierte Belege, wonach der Amazonasregenwald keine unberührte Wildnis sei, sondern seit mindestens 11.000 Jahren durch die Anlage von Waldgärten sowie durch künstlich mit Nährstoffen angereicherte Böden (Terra preta) vom Menschen geformt wurde.[19] Terra preta findet sich in weiten Teilen des Regenwaldes und wird heute weithin als Ergebnis der Bodenbewirtschaftung durch die indigene Bevölkerung aufgefasst. Solche fruchtbaren Böden ermöglichten Land- und Forstwirtschaft unter ansonsten ungünstigen natürlichen Voraussetzungen, was heißt, dass ein großer Teil des amazonischen Regenwaldes vermutlich das Ergebnis jahrhundertelanger menschlicher Eingriffe und nicht, wie früher angenommen, Resultat eines natürlichen Prozesses ist.[23] Im Gebiet der Xingu-Indianer entdeckte 2003 eine Forschergruppe von der University of Florida um Michael Heckenberger Reste großer Siedlungen mitten im amazonischen Wald. Zu den Funden gehörten Überreste von Straßen, Brücken und großen Plätzen.[15]

Geografie

Satellitenbild des Amazonischen Regenwaldes

Amazonien ist der größte der drei großen Tropenwälder der Erde. Das zweitgrößte Regenwaldgebiet sind die tropischen Regenwälder des Kongobeckens.

Der Amazonische Wald besitzt von oben betrachtet das Erscheinungsbild einer fortlaufenden Schicht von Baumkronen etwa 30 Meter oberhalb des Bodens. Der größte Teil seiner rund 3,5 Millionen Quadratkilometer, oder 42 % des brasilianischen Territoriums, sind mit Wald, der nie überflutet wird, bedeckt, in einer Ebene auf 130 bis 200 Meter Höhe, durch Sedimente des Sees Belterra, der das Amazonasbecken vor 1,8 bis 25 Millionen Jahren bedeckte. Als die Anden entstanden, gruben die Flüsse ihr Bett.

Klima

Amazonas-Delta mit „Popcorn-Wolken“ über den feuchteren Regenwaldgebieten, die dort wegen der Verdunstung entstehen, weniger jedoch über dem Fluss selbst und über den bereits entwaldeten teils braunen Landflächen links im Bild (während der Trockenzeit im August 2017).

Im Pleistozän wechselte das Klima Amazoniens zwischen trocken-kalt, schwül und heiß-trocken. In der letzten trocken-kalten Phase, vor etwa 12–19 Tausend Jahren, war das amazonische Klima semiarid, das Feuchtigkeitsmaximum trat vor 7000 Jahren auf. In der semiariden Phase herrschten mit dem Cerrado und der Caatinga offene Vegetationsformen vor, mit Refugialräumen, wo der Wald überlebte. Derzeit überlebt der Cerrado in Restgebieten im Inneren des Waldes.

Aktuell ist das Klima im amazonischen Wald tropisch, heiß und feucht, wegen der Nähe zum Äquator mit einer innerhalb des Jahres wenig schwankenden Temperatur (fortlaufend zur Mata Atlântica nach Süden hin etwas stärker jahreszeitlich ausgeprägt). Die Regenfälle sind von beträchtlichem Ausmaß, mit einem Jahresdurchschnittsniederschlag von 1 500 mm bis 1 700 mm, der 3 000 mm an der Quelle des Amazonas und an der Küste von Amapá überschreiten kann. Die Regenzeit dauert sechs Monate.

Amazonien wird von der Wissenschaftsgemeinde als wichtiger Bestandteil des Gleichgewichts fast ganz Südamerikas angesehen. Ein wichtiger Teil der Luftfeuchtigkeit (die sich danach in Regen verwandelt) in den Regionen des mittleren Westens, im Süden und Südosten Brasiliens stammt direkt aus Amazonien, wird in mehreren Monaten des Jahres vom Wind in diese Regionen geweht. Amazonien ist wichtig für das Gleichgewicht des Klimas von Brasilien, Paraguay, Uruguay bis nach Argentinien.[24][25]

Boden

Der amazonische Boden ist recht arm und enthält eine dünne Schicht Nährstoffe. Jedoch halten sich Flora und Fauna aufgrund des Gleichgewichtszustands (Klimaxstadium), den das Ökosystem erreicht hat. Die Nutzung der Ressourcen ist mit einem Minimum an Verlusten optimal. Ein deutliches Beispiel ist die betonte Verteilung der Mykorrhizae durch den Boden, die den Wurzeln eine schnelle Absorption von Nährstoffen, die mit dem Regen aus dem Wald abfließen, garantieren. Auch formt sich im Boden eine Schicht der Verwesung von Blättern, Ästen und toten Tieren, die schnell in Nährstoffe verwandelt werden. Diese Verwandlung geschieht durch die Tatsache, dass die dort anzutreffenden Pilze saprophytisch sind.

Biodiversität

Hellroter Ara, Vogel des tropischen Amerika

Tropische Regenwälder sind Biome mit hoher Biodiversität; die tropischen Wälder Amerikas haben durchgehend eine höhere Biodiversität als die Regenwälder Afrikas und Asiens.[26] Mit der größten Fläche tropischen Waldes Amerikas besitzen die tropischen Wälder Amazoniens eine einzigartige Biodiversität. Eine von zehn bekannten Arten lebt im Amazonas-Wald.[27] Dies stellt die größte Zahl lebender Pflanzen und Tierarten der Welt dar.

Das Gebiet ist die Heimat von 2,5 Millionen Arten Insekten,[28] Zehntausenden Pflanzen und 2.000 Vögeln und Säugetieren. Bis 2005 wurden mindestens 40.000 Pflanzen, 3.000 Fische, 1.294 Vögel, 427 Säugetiere, 428 Amphibien und 378 Reptilien in der Region wissenschaftlich klassifiziert.[29]

Einer von fünf aller Sperlingsvögel lebt in den tropischen Wäldern Amazoniens. Wissenschaftler haben bis 2005 zwischen 96.660 und 128.843 Arten Wirbellose allein in Brasilien beschrieben.[30]

Die Vielfalt an Pflanzenarten ist die höchste der Erde, einige Spezialisten schätzen, dass ein Quadratkilometer Amazonien über tausend Bäume und Tausende anderer Arten höherer Pflanzen haben könnte. Laut einer Studie von 2001 hat ein Viertelquadratkilometer tropischen Waldes mehr als 1.100 Baumarten.[31]

Ein Quadratkilometer amazonischen Waldes könnte etwa 90.790 Tonnen lebender Pflanzen beinhalten. Bisher sind etwa 438.000 Pflanzen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interesses in der Region entdeckt worden, wobei noch viele zu entdecken und katalogisieren sind.[32]

Die Entwaldung bedroht viele Arten Baumfrösche, die sehr empfindlich gegenüber Umweltveränderungen sind. Der Gelbgebänderte Baumsteiger ist abgebildet.

Das Gebiet grüner Blätter von Pflanzen und Bäumen im Wald variiert um etwa 25 %, ein Ergebnis jahreszeitlicher Schwankungen. Dieses Gebiet dehnt sich während der Trockenzeit aus, wenn das Sonnenlicht maximal ist, dann erleidet es eine Abszission während der bewölkten feuchten Zeit. Diese Veränderungen bewirken einen Ausgleich des Kohlenstoffs zwischen Photosynthese und Atmung.[33]

Der Wald zählt verschiedene Arten, die eine Gefahr darstellen können. Zu den größeren Raubtieren gehören der Mohrenkaiman, der Jaguar, der Puma und die Anakondas. Im Amazonas können elektrische Aale einen Elektroschock erzeugen, der betäuben oder töten kann, während die Piranhas dafür bekannt sind, Menschen zu beißen und zu verletzen. In seinen Gewässern ist es auch möglich, einen der größten Süßwasserfische, den Arapaima, zu beobachten.[34] Mehrere Arten Baumsteigerfrösche sondern lipophile Alkaloide, Toxine durch ihr Fleisch ab. Es gibt auch zahllose Parasiten und Krankheitsvektoren. Vampirfledermäuse leben im Wald und können das Tollwut-Virus übertragen.[35] Malaria, Gelbfieber und Denguefieber können in der Amazonasregion zugezogen werden.

Die amazonischen Fauna und Flora wurden in der beeindruckenden Flora Brasiliensis (15 Bände), von Carl von Martius beschrieben, einem deutschen Naturwissenschaftler, der im 19. Jahrhundert einen guten Teil seines Lebens der Erforschung Amazoniens widmete. Dennoch, die Vielfalt der Arten und die Schwierigkeit des Zugangs zu den hohen Baumkronen führen dazu, dass ein großer Teil des tierischen Reichtums unbekannt ist.

Vegetation

Amazonas-Landschaft westlich von Manaus, in Brasilien
Luftbild einer Gegend bei Manaus

Amazonien ist einer der größten tropischen Wälder der Welt. Die hileia amazônica (wie sie Alexander von Humboldt definierte) besaß von oben betrachtet das Aussehen einer fortlaufenden Schicht Baumkronen, etwa 50 Meter über dem Boden.

Amazonien hat drei Arten Wald. Die beiden letzten bilden das brasilianische Amazonien: Andine Bergwälder, Terra-Firme-Wälder und Überflutete Flusswälder. Der Terra-Firme-Wald, der sich bis auf seine geringere Dichte nicht viel vom Andenwald unterscheidet, befindet sich in wenig hohen Hochebenen (30–200 Meter) und weist einen an Nährstoffen extrem armen Boden auf. Dies erzwang eine Adaption der Wurzeln der Pflanzen, die durch Symbiose mit einigen Pilzen dazu kamen, organisches Material, das sich im Boden befand, zu zersetzen, um die Nährstoffe zu absorbieren, bevor sie ausgelaugt werden. Der überflutete Flusswald zeigt auch einige Anpassungen an die Bedingungen der Umwelt, wie Atmungswurzeln, die Poren besitzen, die eine Sauerstoffatmung ermöglichen. Die niedriger gelegenen und periodischen Überschwemmungen durch klares oder trübes Wasser, das aus an organischer Materie reichen Regionen laufenden Flüssen stammt, ausgesetzten Gebiete werden Várzea-Wälder genannt. Die von dunklem Wasser, das durch an Sand reiche, an Mineralen arme Böden fließt und durch vorhandene organische Materie eine dunkle Färbung annimmt, überschwemmten Gebiete werden Igapó-Wälder genannt. Die Oszillation der Wasserhöhe kann zu einer Höhe von bis zu 10 Metern führen.

Die Schwierigkeit des Lichteinfalls durch die Fülle der Kronen führt dazu, dass der Unterholzbewuchs sehr knapp ist, wie auch die Tiere, die den Boden bewohnen und dessen Vegetation benötigen. Der überwiegende Teil der amazonischen Fauna besteht aus Tieren, die 30 bis 50 Meter hohe Bäume bewohnen.

Die Artenvielfalt und die Schwierigkeit des Zugangs zu hohen Kronen führen jedoch dazu, dass ein großer Teil der Fauna unbekannt ist.

Amazonien ist nicht homogen, im Gegenteil, es ist aus einem Mosaik ziemlich distinkter Lebensräume zusammengesetzt. Die Vielfalt von Lebensräumen umfasst Übergangswälder, Trockenwälder und Mischwälder; Bambuswälder (Guadua spp.), Cerrado-Enklaven, Buriti-Palmen, überschwemmbare Wälder (Igapó und Várzea) und Terra-Firme-Wald.

Der Amazonas

Satellitenbild des Amazonas

Der Amazonas ist ein großer südamerikanischer Fluss, der in den Anden, in Peru entspringt und bei der Insel Marajó in Brasilien in den Atlantik mündet. In seinem Verlauf trägt er die Namen Tunguragua, Apurímac, Marañón, Ucayali, Amazonas (ab dem Zusammenfluss der Flüsse Marañon und Ucayali, in Peru), Solimões und wieder Amazonas (ab dem Zusammenfluss der Flüsse Solimões und Rio Negro in Brasilien). Lange Zeit wurde gedacht, der Amazonas sei der an Volumen reichste und zweitlängste Fluss der Welt.[36] Neue Untersuchungen jedoch zeigen ihn als den längsten Fluss der Welt.[36][37] Er ist der Fluss mit dem größten Zuflussgebiet der Welt, welches 7 Millionen Quadratkilometer überschreitet, ein großer Teil davon Tropischer Wald.

Die vom Amazonas und seinen Nebenflüssen mit Wasser bedeckte Fläche mehr als verdreifacht sich während der Jahreszeiten. Im Durchschnitt sind während der Trockenzeit 110 000 km² überflutet, während diese Fläche während der Regenzeit 350 000 km² erreicht. An seinem breitesten Punkt erreicht er während der Trockenzeit eine Breite von 11 km, die sich in der Regenzeit bis zu 45 km ausdehnt.

Bedrohung

Entwaldung

Video einer Serie Satellitenbilder zur Entwaldung in Rondônia

Die Hauptursachen der Entwaldung in Amazonien sind menschliche Siedlungen und die Entwicklung des Bodens,[38] mittlerweile infolge Versteppung auch die globale Erwärmung.[39][40] Die Kombination von globaler Erwärmung und Entwaldung macht das regionale Klima trockener und könnte große Teile des Regenwalds in eine Savanne verwandeln.[41][42]

Vor Anfang der 1960er Jahre war der Zugang zum Innern des Walds sehr eingeschränkt, der Wald war im Wesentlichen intakt.[43]

Während der 1960er Jahre errichtete Fazendas beruhten auf Brandrodung. Jedoch waren die Siedler wegen des Verlusts von Fruchtbarkeit des Bodens und des Eindringens von Unkraut nicht in der Lage, ihre Felder und Früchte zu bestellen.[44] Die Böden Amazoniens sind nur für kurze Zeit produktiv, sodass die Landwirte ständig in neue Gegenden fort ziehen und weitere Wälder roden.[44] Diese Praktiken führen zur Entwaldung und verursachen beträchtliche Umweltschäden.[45] Die Entwaldung ist beträchtlich, entwaldete Gebiete sind mit bloßem Auge vom Weltraum aus sichtbar.

Zwischen 1991 und 2000 stieg die Gesamtfläche verlorenen Waldes von 415 000 auf 587 000 Quadratkilometer, wobei der überwiegende Teil des entwaldeten Waldes für die Viehhaltung in Weide verwandelt wurde.[46] 70 % der vorher entwaldeten und 91 % der seit 1970 entwaldeten Böden Amazoniens werden als Weide für Vieh verwendet.[47][48] Außerdem ist Brasilien nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Produzent von Soja. Die Bedürfnisse von Sojalandwirten werden verwendet, um viele umstrittene Verkehrsprojekte in Amazonien, die derzeit in der Entwicklungsphase sind, zu rechtfertigen. Die beiden ersten Autostraßen öffneten den tropischen Wald und führten zu einer Zunahme der Entwaldung. Die mittlere jährliche Entwaldungsrate zwischen 2000 und 2005 (22.392 km² pro Jahr) war 18 % höher als in den letzten fünf Jahren (19.018 km² pro Jahr).[49] Die Entwaldung im brasilianischen Amazonien hat sich seit 2004 deutlich verringert,[50] aber sie nimmt unter dem neuen Präsidenten Bolsonaro wieder zu.[51][52]

Aktuelle Lage

Satellitenbild des Amazonasbeckens am 20. August 2019, mit mehreren Waldbränden und dem entstehenden Rauch, welcher sich unter die Wolken mischt.

Möglicherweise werden laut dem Bericht Assessment of the Risk of Amazon Dieback der Weltbank vom Februar 2018 etwa 75 % des Amazonasregenwalds bis 2025 dauerhaft verloren sein. 2075 seien möglicherweise nur noch 5 % des Waldes im Westen Amazoniens übrig. Der Vorgang ist eine Folge der Entwaldung, des Klimawandels, der Brandrodungen und aufgrund der durch die verstärkte Erosion einsetzenden Wüstenbildung teilweise irreversibel.[39]

Nach Angaben des brasilianischen Umweltministeriums wurden zwischen August 2017 und Juli 2018 insgesamt 7900 Quadratkilometer Wald abgeholzt, besonders in den Bundesstaaten Pará und Mato Grosso. Auch der seit Mai 2016 amtierende Präsident Michel Temer (MDB) konnte die weitere Abholzung nicht eindämmen.[53]

Nach dem Wahlsieg des Präsidenten Jair Bolsonaro (PSL) 2018 wurde, wie in seinem Wahlkampf angekündigt, ein Austritt Brasiliens aus dem 2015 beschlossenen Pariser Weltklimaabkommen nach seinem Amtsantritt am 1. Januar 2019 nicht ausgeschlossen.[54][55] Ein Schritt, den 2016 bereits für die USA Trump vollzogen hatte. Zudem kündigte Bolsonaro auch ein härteres Vorgehen gegen Aktivisten und indigene Gruppen an, die sich zum Schutz des Amazonas-Regenwalds engagieren, sowie die Einschränkung entsprechender Aktivitäten internationaler Organisationen. Hier solle nach Medienberichten eine Art rechtsfreier Raum geschaffen werden, in dem staatliche Sicherheitskräfte legal lokale Proteste mit Waffengewalt bekämpfen und damit zu einem „geordneten“ Brasilien beitragen könnten. Darüber werden Bergbauaktivitäten in Naturschutzgebieten wieder zugelassen.[56][57] Nach Medienangaben betrachtet Bolsonaro den Regenwald als wirtschaftlich ungenutztes Potenzial. Er habe angekündigt, keine neuen Schutzgebiete im Amazonasgebiet auszuweisen und weitere Rodungen zuzulassen.[58]

Bei einem Treffen Ende April 2019 mit Bolsonaro sprach Deutschlands Außenminister Heiko Maas, der als erster Vertreter einer EU-Regierung Brasilien besuchte, auch die Haltung zu Minderheiten und die Klimapolitik an, und Brasiliens Außenminister Ernesto Araújo bezeichnete die Partnerschaft mit Deutschland als „wichtiger als sie je war“.[59] Seit über 20 Jahren verhandeln südamerikanische Staaten des Abkommens Mercosur, bei dem auch Brasilien Mitglied ist, ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union abzuschließen. Im April 2019 forderten 600 europäische Wissenschaftler zusammen mit 300 indigenen Gruppen in einem offenen Brief die EU auf, Umwelt- und Menschenrechtsstandards auf die Agenda zu setzen. Die Herkunft der Güter müsse transparent gemacht und die indigene Bevölkerung geschützt werden.[60]

Das brasilianische Institut für Weltraumforschung (INPE) erklärte 2019 auf Basis einer Auswertung von Satellitenbildern, dass die Entwaldung im brasilianischen Amazonas deutlich zugenommen habe. So seien 2019 im Monat Juni 88 % mehr Flächen gerodet worden als im Juni des Vorjahres.[61] Den Daten der INPE zufolge gab es allein von Januar bis August 2019 mehr als 71.000 Waldbrände im Amazonas-Regenwald, ein Rekordwert.[62][63] Nachdem Bolsonaro dem INPE Irreführung und ausländische Einflussnahme durch Umweltschutzorganisationen vorwarf,[58] stellten sich die brasilianische Akademie der Wissenschaften sowie Forschungs- und Hochschulverbände in einem offenen Brief hinter das INPE und bezeichneten seine Datenerhebungen als transparent und präzise. Anfang August erklärte Bolsonaro, „Mitarbeiter bei INPE, die Brasilien bewusst schaden wollten“, würden entlassen, und enthob den Direktor des INPE, Ricardo Galvão, seines Amtes, da er die Regierung vor der Veröffentlichung der Daten nicht vorgewarnt habe.[64]

Legenden

Die Legenden mit Amazonienbezug sind mannigfaltig: das Eldorado, eine Stadt, bei der man dachte, dass alle ihre Bauwerke aus massivem Gold seien und deren Schätze unvorstellbare Mengen hatten, und der Parima-See (als Jungbrunnen erachtet). Vermutlich beziehen sich diese zwei Legenden auf den tatsächlich existierenden Lago Amaçu, der eine von Glimmerschiefer bedeckte kleine Insel hatte. Dieses Gestein, das glänzt bzw. glitzert, wenn das Sonnenlicht darauf scheint, hat bei den Europäern wohl eine Illusion von Reichtümern hervorgerufen.

Siehe auch

Literatur

  • Aziz Ab’Saber: Os domínios de natureza no Brasil. potencialidades paisagísticas. Ateliê Editorial, São Paulo 2003, ISBN 85-7480-099-6.
  • AMAZÔNIA REVELADA: os descaminhos ao longo da BR-163 (Film). Thieres Mesquita. Brasília, CNPq, 2005. 90 min.
  • Maurício Torres: Amazônia revelada. os descaminhos ao longo da BR-163. Brasília: CNPq, 2005. Bibliografie. 496 Seiten, Fotografien. ISBN 85-86821-63-2.
  • UM DIA NA AMAZÔNIA-2006- Gilson Barreto- Literatura Infantil (Buch der campanha da fraternidade 2007)

Weblinks

 Commons: Amazonischer Regenwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Joberto Veloso de Freitas: Experiences with FRA 2005. Brazil. Präsentation im Rahmen der Expert Consultation on Global Forest Resource Assessment (Organisatoren: FAO, Metla, UNECE), Kotka (Finnland), 12. bis 16. Juni 2006.
  2. Schutzgebiet Zentral-Amazonas auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch und französisch).
  3. Treibhausgase durch Abholzung: Der „Tropen-Trump“ bedroht den Regenwald. FAZ.net, 4. Dezember 2018.
  4. 7900 Quadratkilometer Regenwald binnen einem Jahr abgeholzt. Spiegel online, 24. November 2018.
  5. Robert J. Morley: Origin and Evolution of Tropical Rain Forests. Wiley, 2000, ISBN 0-471-98326-8 (Känozoisches Eiszeitalter.)
  6. Robyn J. Burnham, Kirk R.Johnson: South American palaeobotany and the origins of neotropical rainforests. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. 359, Nr. 1450, 2004, S. 1595–1610. doi:10.1098/rstb.2004.1531. PMID 15519975. PMC 1693437 (freier Volltext).
  7. Mark Maslin, Yadvinder Malhi, Oliver Phillips, Sharon Cowling: New views on an old forest: assessing the longevity, resilience and future of the Amazon rainforest Archiviert vom Original am 1. Oktober 2008. (PDF) In: Transactions of the Institute of British Geographers. 30, Nr. 4, 2005, S. 477–499. doi:10.1111/j.1475-5661.2005.00181.x. Abgerufen am 25. September 2008.
  8. Yadvinder Malhi, Oliver Phillips: Tropical Forests & Global Atmospheric Change. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-856706-5.
  9. João Batista Sena Costa, Bemerguy, Ruth Léa; Hasui, Yociteru; Borges, Maurício da Silva: Tectonics and paleogeography along the Amazon river. In: Journal of South American Earth Sciences. 14, Nr. 4, 2001, S. 335–347. doi:10.1016/S0895-9811(01)00025-6.
  10. Edison José Milani, Zalán, Pedro Victor: An outline of the geology and petroleum systems of the Paleozoic interior basins of South America Archiviert vom Original am 1. Oktober 2008. (PDF) In: Episodes. 22, Nr. 3, 1999, S. 199–205. Abgerufen am 25. September 2008.
  11. P.A. Colinvaux, P.E. De Oliveira: Palaeoecology and climate of the Amazon basin during the last glacial cycle. Wiley InterScience. 2000. (abstract@1@2Vorlage:Toter Link/www3.interscience.wiley.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  12. T. Van der Hammen, H. Hooghiemstra: Neogene and Quaternary history of vegetation, climate, and plant diversity in Amazonia. Elsevier Science Ltd. 2002. doi:10.1016/S0277-3791(99)00024-4
  13. P. A. Colinvaux, P. E. De Oliveira, M. B. Bush: Amazonian and neotropical plant communities on glacial time-scales: The failure of the aridity and refuge hypotheses. In: Quaternary Science Reviews. 19, Nr. 1–5, Januar 2000, S. 141–169. doi:10.1016/S0277-3791(99)00059-1.
  14. A. C. Roosevelt, da Costa, M. Lima; Machado, C. Lopes; Michab, M.; Mercier, N.; Valladas, H.; Feathers, J.; Barnett, W.; da Silveira, M. Imazio; Henderson, A.; Sliva, J.; Chernoff, B.; Reese, D. S.; Holman, J. A.; Toth, N.; Schick, K.;: Paleoindian Cave Dwellers in the Amazon: The Peopling of the Americas. In: Science. 272, Nr. 5260, 19. April 1996, S. 373–384. doi:10.1126/science.272.5260.373.
  15. a b Michael J. Heckenberger, Afukaka Kuikuro, Urissapá Tabata Kuikuro, J. Christian Russell, Morgan Schmidt, Carlos Fausto, Bruna Franchetto: Amazonia 1492: pristine forest or cultural parkland? In: Science. Band 301, Nr. 5640, 19. September 2003, ISSN 1095-9203, S. 1710–1714, doi:10.1126/science.1086112, PMID 14500979.
  16. Betty J. Meggers: Revisiting Amazonia Circa 1492. In: Science. 302, Nr. 5653, 19. Dezember 2003, S. 2067–2070. doi:10.1126/science.302.5653.2067b. PMID 14684803.
  17. Chris C. Park: Tropical Rainforests. Routledge, 2003. (books.google.co.uk)
  18. A. Smith: Explorers of the Amazon. University of Chicago Press, Chicago 1994, ISBN 0-226-76337-4.
  19. a b Unnatural Histories – Amazon. BBC Four, abgerufen am 30. Dezember 2015.
  20. Simon Romero: Once Hidden by Forest, Carvings in Land Attest to Amazon’s Lost World. In: The New York Times. 14. Januar 2012, abgerufen am 1. Januar 2018.
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