Imkerei in Deutschland

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Typisches Imkerei-Werbeschild

Die Imkerei in Deutschland zählt aktuell etwa 130.000 Imker mit etwa 870.000 Bienenvölkern.[1][2] Rund 95 % der Imker in Deutschland sind Freizeitimker.[3] Wenige betreiben die Imkerei im Nebenerwerb, und nur etwa 500 sind Berufsimker. Die angenommene Grenze für ein sicheres positives Betriebsergebnis liegt allgemein bei mindestens 30 Bienenvölkern[4].

In Deutschland wird vergleichsweise viel Honig verzehrt (ca. 1,1 kg / Kopf und Jahr).[5] Davon werden etwa 20 % von heimischen Imkern geliefert, der Rest wird aus dem Ausland importiert. Die wichtigsten Lieferländer für Honig sind Mexiko, die Ukraine und China.[6]

Ein wesentliches Problem der Imkerei war lange Zeit der Nachwuchsmangel. Das Durchschnittsalter der Imker in Deutschland liegt derzeit bei 57 Jahren. Seit 2008 steigt die Zahl der Imker wieder. Um dem Nachwuchsmangel, auch speziell unter der weiblichen Imkerschaft entgegenzuwirken und um auch mehr Frauen für die Imkerei zu begeistern, rief der Deutsche Imkerbund das Jahr 2008 zum Jahr der Frau in der Imkerei aus. Hauptprobleme in der Imkerei sind das abnehmende Blütenangebot, die Anwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft sowie die Varroamilbe.

Grundsätzliche Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Imker mit Bienenschwarm an einem Ast

Die Entscheidung, mit der Imkerei zu beginnen, sollte wohl bedacht sein. Es sind, zumindest in Deutschland, kaum juristische Bedingungen an diese Erwerbstätigkeit geknüpft, dennoch bedarf es einiger Überlegungen:

  • Ein Anfänger sollte im ersten Jahr nicht mit einer zu großen Anzahl von Völkern beginnen, sondern sich mit Zeit und ohne Stress an die Arbeit mit den Bienenvölkern gewöhnen. Zwei bis drei Völker sind hier eine gute Richtschnur, langsam in die Imkerei einzusteigen.
  • Ein Bienenvolk ist zwar nicht domestiziert, trotzdem sind regelmäßig gezielte Eingriffe nötig, manchmal auch mehrfach in der Woche und bei der Königinnenzucht sogar auf Tag und Stunde genau.
  • Finanzielle Investitionen für Völker, Beuten und weitere Imkereigeräte sind zu Beginn fällig. Manche selten gebrauchte Geräte (z. B. zur Wachsverarbeitung) sind häufig bei den Imkervereinen vorhanden und können dort ausgeliehen werden oder es haben sich Eigentümergemeinschaften gebildet.
  • Für die Aufstellung der Bienenstöcke wird ein geeignetes Grundstück benötigt, ebenso ein Platz zur Lagerung der Gerätschaften. Auch für das Schleudern des Honigs sollte ein geeigneter Raum vorhanden sein.
  • Die Bienenhaltung ist nach § 1a Bienenseuchen-Verordnung der zuständigen Behörde (meist dem Veterinäramt) unter Angabe der Anzahl der Bienenvölker und ihres Standorts anzuzeigen.
  • Je nach Bundesland ist die Bienenhaltung auch der zuständigen Tierseuchenkasse zu melden.[7] Grundlage dafür ist § 20 TierGesG in Verbindung mit landesspezifischen Ausführungsvorschriften. In manchen Bundesländern wird bei Bienenhaltern ein Beitrag zur Tierseuchenkasse erhoben.

Imkerorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Imkerliche Zusammenschlüsse in Deutschland, die zum Deutschen Imkerbund gehören, haben einen hierarchischen Aufbau. Die unterste Ebene bilden Ortsvereine mit den einzelnen Imkern als Mitglieder. Darüber steht ein Kreisimkerverein, der Mitglied des jeweiligen Imkerlandesverbandes ist. Es gibt 19 Landesverbände, die weitgehend mit den Bundesländern identisch sind. Die Dachorganisation vertritt die Interessen der über 107.000 ihr zugehörigen Imker und überwacht die Qualität des Honigs, der unter der Marke "Echter Deutscher Honig" abgefüllt wird.

Daneben gibt es weitere Imkerorganisationen, in denen sich Imker aufgrund der von ihnen gehaltenen Bienenrasse (Gemeinschaft der Buckfast-Imker) oder aufgrund einer ökologischen Bienenhaltung zusammengeschlossen haben.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung zum Berufsimker in der DDR 1970: Imkerlehrmeister und Lehrlinge am Lehrbienenstand des VEG Kalkreuth im Kreis Großenhain

Die Ausbildung zum Imker(-gesellen) unter der Bezeichnung Tierwirt, Fachrichtung Imkerei erfolgt durch staatlich anerkannte Ausbildungsbetriebe. Derzeit sind 42 privatwirtschaftliche Betriebe und zwölf Bieneninstitute bzw. andere staatliche Institutionen anerkannt. Größter Ausbildungsbetrieb ist das Bieneninstitut Celle mit acht Ausbildungsplätzen. Die Ausbildung dauert regulär drei, durch Anerkennung bestimmter Voraussetzungen zwei Jahre. Nach § 45 Abs. 2 BBiG ist ein sogenannter „Seiteneinstieg“ zur Gesellenprüfung möglich. Dabei sind viereinhalb Jahre Imkererfahrung mit mindestens 25 bzw. 50 Völkern bei der zuständigen Landwirtschaftskammer nachzuweisen. Eine Weiterbildung zum Tierwirtschaftsmeister (Imkermeister) ist möglich.[8]

Die Anleitung zum Freizeitimker erfolgt in der Regel durch einen Imkerverein. Dieser stellt Jungimkern einen „Imkerpaten“ zur Seite, der praktische Unterstützung in der Anfangszeit leistet. Daneben bieten die Imkerlandesverbände jahresbegleitende Schulungen an.

Imkern wird empfohlen, sich einem Imkerverein anzuschließen. Über den Verein und den Dachverband besteht ein Versicherungsschutz im Bereich des Rechtsschutzes und der Haftpflicht. Die Haftpflichtversicherung (2006 etwa ein Euro pro Bienenvolk und Jahr) ist wegen möglicher Schadensansprüche Dritter, zum Beispiel wegen Bienenstichen, von Bedeutung.

Ausbildende Institutionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Vereine und deren Imker sowie Berufsimker und auch öffentliche Institutionen (u. a. teilweise auch Volkshochschulen, Naturschutzorganisationen etc.) haben sich zum Ziel gesetzt, über Lehrgänge und sogenannte 'Schnupperkurse' allen Interessierten (auch Kindern und Jugendlichen) die Biene und das Imkern nahezubringen und Starthilfen zu bieten. Hier eine kleine Auswahl von Orten, in denen man die Gelegenheit hat, unverbindlich das Imkern zu erlernen:

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl der Imker im DIB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landesverband 1991 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Baden 8.722 7.054 7.075 7.102 7.192 7.260 7.362 7.604 7.712 8.040 8.472 8.820 9.739
Bayern 27.225 22.784 22.716 ? 22.454 22.773 23.249 23.761 24.370 25.589 26.679 27.821 29.117
Berlin 587 485 488 527 564 591 679 743 834 978 1.115 1.198 1.334
Brandenburg 2.396 1.588 1.585 1.717 1.802 1.846 1.852 1.940 2.046 2.147 2.335 2.512 2.640
Hamburg 448 328 327 335 444 497 515 541 586 738 797 830 912
Hannover 6.450 5.350 5.343 5.391 5.452 5.511 5.682 5.670 6.101 6.467 6.732 7.213 7.688
Hessen 7.887 7.042 6.963 6.932 6.954 7.172 7.387 7.608 7.932 8.433 8.893 9.266 9.669
Mecklenburg-Vorpommern 1.925 1.495 1.461 1.479 1.405 1.431 1.442 1.438 1.455 1.501 1.509 1.595 1.675
Nassau 577 437 434 439 442 459 460 458 493 522 549 567 594
Rheinland 6.434 5.288 5.311 5.419 5.595 5.746 6.078 6.368 6.801 7.371 7.966 8.376 9.245
Rheinland-Pfalz 2.030 1.491 1.545 1.526 1.518 1.537 1.621 1.551 1.524 1.837 1.941 2.077 2.190
Saarland 1.553 1.261 1.202 1.178 1.130 1.255 1.273 1.371 1.389 1.559 1.669 1.765 1.833
Sachsen 3.114 2.825 2.806 2.908 2.292 3.101 3.236 3.392 3.565 3.723 3.918 4.094 4.271
Sachsen-Anhalt 2.478 1.257 1.269 1.270 1.275 1.322 1.351 1.454 1.535 1.604 1.667 1.851 1.975
Schleswig-Holstein 3.374 2.626 2.471 2.447 2.435 2.536 2.534 2.650 2.724 2.736 2.953 2.980 3.097
Thüringen 2.650 1.923 1.779 1.798 1.840 1.929 2.021 2.063 2.141 2.299 2.443 2.557 2.680
Weser-Ems 2.476 2.500 2.647 2.664 2.732 2.799 2.929 3.003 3.200 3.444 3.667 3.859 4.163
Westfalen-Lippe 6.746 5.647 5.735 5.835 5.932 6.145 6.383 6.578 6.929 7.409 7.830 8.372 8.622
Württemberg 10.496 8.866 8.935 9.206 9.300 9.501 10.035 10.285 10.748 11.003 12.235 12.461 13.056
Deutschland 97.568 80.247 80.092 58.173 +? 80.758 83.411 86.089 88.478 92.085 97.400 103.370 108.214 114.500

Anzahl der Bienenvölker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anzahl der Bienenvölker betrug in Deutschland 1900: 2.605.350, 1913: 2.311.277, 1921: 1.930.382, 1922: 1.831.005.[9]

Landesverband 1991 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Baden 112.014 69.788 67.295 64.915 62.837 62.169 62.289 62.256 63.283 64.242 67.589 70.504 73.390
Bayern 350.463 198.569 187.428 165.640 162.922 162.116 163.543 155.120 158.586 166.516 164.879 176.646 187.549
Berlin 4.074 2.414 2.464 2.527 2.804 2.984 3.410 3.490 4.407 4.661 5.397 6.346 7.086
Brandenburg 22.697 15.725 15.361 16.582 17.003 17.153 18.346 18.764 19.426 20.643 22.374 24.800 26.063
Hamburg 3.237 2.065 2.123 2.238 3.010 3.358 3.389 3.378 3.452 3.793 4.116 4.615 5.118
Hannover 59.995 46.161 44.898 43.945 43.131 42.377 43.748 43.428 43.925 47.174 48.665 52.289 54.089
Hessen 76.290 51.588 48.954 48.197 46.274 47.479 48.240 48.533 48.657 49.538 52.429 53.813 56.005
Mecklenburg-Vorpommern 23.000 16.251 15.600 15.157 15.050 15.010 14.731 15.510 15.551 16.495 14.961 16.826 18.043
Nassau 4.883 3.294 3.192 3.005 3.041 3.060 3.061 2.988 3.349 3.666 3.718 3.839 4.206
Rheinland 50.561 37.709 36.897 35.755 36.053 35.622 37.283 37.269 41.713 46.099 50.273 54.745 60.378
Rheinland-Pfalz 16.158 11.246 10.477 9.966 9.962 10.216 10.280 10.110 10.598 11.163 11.965 12.483 13.122
Saarland 4.100 8.461 8.303 7.036 7.350 7.539 7.539 7.291 7.608 8.365 8.468 9.272 9.501
Sachsen 28.660 25.741 24.735 24.245 24.651 26.510 28.170 28.019 28.695 31.186 31.905 34.210 36.179
Sachsen-Anhalt 36.993 10.462 10.015 9.932 9.543 9.785 9.825 9.920 10.232 11.412 11.782 13.681 14.931
Schleswig-Holstein 35.254 23.476 23.127 21.114 20.823 21.202 21.176 20.941 20.886 21.216 22.093 23.986 25.904
Thüringen 20.150 15.147 13.876 14.122 13.744 14.855 15.803 15.419 15.435 17.306 18.388 19.330 21.722
Weser-Ems 23.022 22.023 21.818 21.128 21.043 21.138 20.932 20.392 20.947 22.697 23.884 25.634 27.400
Westfalen-Lippe 51.077 38.466 37.572 36.665 36.254 37.908 39.411 39.090 40.767 44.797 48.507 51.931 54.324
Württemberg 131.067 83.654 81.509 79.654 78.467 78.716 80.425 80.254 81.420 83.641 87.794 91.650 97.192
Deutschland 1.055.686 682.240 655.644 621.823 613.962 619.197 631.601 622.172 638.937 674.610 699.187 745.835 792.202

Honigertrag in kg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landesverband 2011 2013 2014 2015 2016 2017
Baden 2.865.294 1.075.811 1.798.776 1.486.958 1.642.743 4.183.230
Bayern 7.281.484 4.821.014 3.963.081 5.358.568 4.822.436 6.449.810
Berlin 143.220 176.280 179.449 145.719 184.034 145.263
Brandenburg 660.456 621.632 660.576 760.716 770.560 547.323
Hamburg 135.560 107.012 130.859 152.292 161.525 112.596
Hannover 1.329.939 1.089.340 1.424.655 1.158.227 1.113.756 1.152.096
Hessen 2.436.120 1.848.966 1.510.909 2.196.775 1.474.476 2.111.389
Mecklenburg-Vorpommern 500.854 435.428 560.830 508.674 587.900 611.477
Nassau 128.562 110.517 131.976 130.130 89.449 119.030
Rheinland 1.790.000 692.436 1.774.812 1.985.784 1.560.233 1.853.605
Rheinland-Pfalz 411.200 243.754 279.075 251.265 254.855 328.050
Saarland 209.244 144.552 167.300 170.207 171.532 185.270
Sachsen 983.133 938.040 925.600 1.033.722 1.148.772 1.314.383
Sachsen-Anhalt 393.000 330.494 435.938 400.588 424.111 559.913
Schleswig-Holstein 823.746 622.403 842.275 795.348 923.461 878.146
Thüringen 749.062 579.121 496.163 737.359 605.029 803.714
Weser-Ems 575.630 439.887 612.819 724.641 538.314 548.000
Westfalen-Lippe 1.261.152 815.340 1.343.910 1.552.224 1.298.275 1.205.993
Württemberg 2.292.113 1.709.820 1.212.795 1.668.086 1.741.350 2.526.992
Deutschland 24.969.769 16.801.847 18.451.789 21.217.283 19.512.811 25.636.280

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die deutsche Imkerei auf einen Blick auf deutscherimkerbund.de, abgerufen am 2. Mai 2018.
  2. Zahlen, Daten, Fakten auf deutscherimkerbund.de, Stand: 31.12.2016, abgerufen am 2. Mai 2018.
  3. DER SPIEGEL 3/2009, S. 123
  4. Dies folgt aus dem Einkommensteuerrecht. Eine Imkerei mit weniger als 30 Bienenvölkern wird als Liebhaberei angesehen und unterliegt nicht der Steuerpflicht (vgl. § 13a Abs. 6 EStG i. V. m. Nr. 2 der Anlage 1a).
  5. Die deutsche Imkerei auf einen Blick auf deutscherimkerbund.de, Stand: 31.12.2016, abgerufen am 15. Juni 2017.
  6. statista.com, Wichtigste Lieferländer für Honigimporte nach Deutschland nach Importmenge im Jahr 2014 (zuletzt abgerufen am 23. Juni 2015)
  7. Portal der Tierseuchenkassen
  8. Berufsausbildung zum Tierwirt, Fachrichtung Imkerei, Bieneninstitut Celle
  9. Berufsimkerei Kremerskothen: Völkerzahlen in Deutschland, abgerufen am 15. April 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]