Kirchhain

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kirchhain (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kirchhain
Kirchhain
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kirchhain hervorgehoben
Koordinaten: 50° 49′ N, 8° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Marburg-Biedenkopf
Höhe: 208 m ü. NHN
Fläche: 90,91 km2
Einwohner: 16.294 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 179 Einwohner je km2
Postleitzahl: 35274
Vorwahl: 06422
Kfz-Kennzeichen: MR, BID
Gemeindeschlüssel: 06 5 34 011
Stadtgliederung: 13 Stadtbezirke
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 6/8
35274 Kirchhain
Webpräsenz: www.kirchhain.de
Bürgermeister: Olaf Hausmann (SPD)
Lage der Stadt Kirchhain im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Münchhausen (am Christenberg) Biedenkopf Breidenbach Steffenberg Angelburg Bad Endbach Dautphetal Gladenbach Lohra Fronhausen Wetter (Hessen) Lahntal Rauschenberg Wohratal Cölbe Weimar (Lahn) Marburg Ebsdorfergrund Neustadt (Hessen) Kirchhain Amöneburg Stadtallendorf Nordrhein-Westfalen Landkreis Waldeck-Frankenberg Schwalm-Eder-Kreis Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen VogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Kirchhain ist eine Stadt im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Sie liegt an den Flüssen Ohm, Wohra und Klein.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchhain liegt in Mittelhessen am Nord(ost)rand des Amöneburger Beckens. Die Kernstadt liegt etwa 12 km östlich von Marburg, nordöstlich der Einmündung der Wohra in die Ohm, an der sich west- und südlich Kirchhains zum Schutz der am Fluss gelegenen Ortschaften das Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm ausbreitet.

Die höchste Erhebung des Stadtgebietes ist der 380 m ü. NN hohe, mit einem Aussichtsturm versehene Burgholz im Norden, an dessen Gipfel sich auch der gleichnamige Ortsteil befindet. Der Burgholz ist der südwestlichste Ausläufer der Gilserberger Höhen, die den Norden der Oberhessischen Schwelle bilden und entlang der Rhein-Weser-Wasserscheide den Kellerwald nach Süden abdachen. Auch der nordöstlichste Ortsteil Emsdorf liegt, auf etwa 300 m Höhe, innerhalb dieses Höhenzuges, an dessen Südhängen sich auch noch von Talhöhe aus der nordöstliche Ortsteil Langenstein (bis 270 m) und der äußerste Norden von Kirchhain-Stadt (bis etwa 280 m) in Richtung Kirchhainer Stadtwald ziehen.

Nordwestlich der Kernstadt, jenseits der Wohra und an den Flanken des Südlichen Burgwalds liegen die Ortsteile Himmelsberg und Sindersfeld in Höhen von je um 280 m. Hier befindet sich auch der Staatsforst Rauschenberg, zu dem auch der nördliche Großteil des Waldes bei Burgholz (nördlich des Stadtwaldes) gehört.

Östlich der Kernstadt führt die Bundesstraße 454 in Richtung Stadtallendorf unmittelbar über den zur Oberhessischen Schwelle zählenden Neustädter Sattel, der vergleichsweise sanft ansteigt.

Die Gebiete westlich und südlich der Stadt sind durch die Ackerflächen und Auenlandschaften des Amöneburger Beckens geprägt, die nur durch den Basaltkegel der Amöneburg, 3 km südlich der Kirchhainer Kernstadt, unterbrochen werden. Hier liegen – neben Großteilen der Kernstadt – alle bisher nicht aufgeführten Ortsteile auf Höhen von etwa 190 bis 220 m, wobei sich die westlichen Ortsteile bereits in unmittelbarer Nähe der Lahnberge befinden, während die nördlichen Ortsteile Betziesdorf, Anzefahr und Stausebach mit dem (südlichen) Burgwald benachbart sind.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cölbe Rauschenberg
Marburg Nachbargemeinden Stadtallendorf
Ebsdorfergrund Amöneburg

Alle Nachbargemeinden gehören zum Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtgebiet von Kirchhain mit Lage der zwölf Ortsteile

Neben der Kernstadt Kirchhain mit ca. 8300 Einwohnern verteilen sich weitere 8900 Einwohner auf die zwölf Stadtteile:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Menhir von Langenstein

Bereits zu prähistorischer Zeit durchliefen das heutige Stadtgebiet Kirchhains viele Fern- und Verbindungswege. Schon seit der frühen Jungsteinzeit lassen sich dort fast kontinuierlich verschiedene Siedlungsepochen nachweisen. Der eponyme Menhir von Langenstein ist das herausragende Zeugnis dieser Epoche. Der Höhepunkt des Siedlungsausbaues lag in der jüngeren Eisenzeit (5. Jahrhundert v. Chr.).

Erste territoriale Bildungen entstanden jedoch erst im 12. Jahrhundert n. Chr. Im Jahr 1146 wird die Siedlung erstmals urkundlich unter dem Namen „Werphloh“ erwähnt. Die Region gehörte seinerzeit zur Landgrafschaft Thüringen bzw. ab 1247 Hessen, während die benachbarte Amöneburg und weite Teile des Umlandes im Besitz der Erzbischöfe von Mainz waren. Immer wieder kam es seit dieser Zeit zu Auseinandersetzungen zwischen den Mainzern und Hessen um die Landeshoheit. Ab dem 13. Jahrhundert förderten daraufhin die Landgrafen von Hessen den Ausbau Kirchhains als hessisches Bollwerk gegen das mainzische Amöneburg, um die Region kontrollieren zu können. Kirchhain entwickelte sich fortan zum wirtschaftlichen Zentrum des Amöneburger Beckens. Die Stadtrechte erhielt Kirchhain vermutlich vor 1348, als offizielles Stadtgründungsjahr wird jedoch mangels früherer urkundlicher Nachweise erst das Jahr 1352 angesehen.

Kirchhain – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655

Seit dem 15. Jahrhundert bildeten die wichtigen Handelsstraßen „Lange Hessen“ und Köln-Leipziger-Handelsstraße in Kirchhain einen Straßenknoten und begünstigten damit die weitere wirtschaftliche Erschließung der Stadt. Die gute Verkehrsanbindung führte jedoch im Dreißigjährigen Krieg dazu, dass Kirchhain einige Male besetzt wurde, zeitweilig Hauptquartier verschiedener Armeen war, und damit unter der häufigen Einquartierung von Truppen zu leiden hatte. 1636 waren in und um die Stadt etwa 12.000–14.000 Soldaten untergebracht. Für die damalige Stadtbevölkerung von ca. 1.000 Einwohnern war dies eine enorme Belastung. Über den Krieg in und um Kirchhain berichtet auch Caspar Preis in seiner Stausebacher Ortschronik.

Ebenfalls unter den Kriegswirren zu leiden hatte Kirchhain im Siebenjährigen Krieg, auch hier führte die gute Verkehrslage die Truppen immer wieder in die Stadt.

Von 1806 bis 1813 war Kirchhain Verwaltungssitz des Kantons Kirchhain im Königreich Westphalen. Von 1821 an war Kirchhain Kreisstadt des neu geschaffenen Verwaltungskreises Kirchhain, bis dieser 1932 mit dem Kreis Marburg zusammengelegt wurde.

Von der jüdischen Bevölkerung Kirchhains, welche vom Ende des 16. Jahrhunderts in Kirchhain ansässig war, ist Elchanan Henle Kirchhain, der bekannteste. Sein Grabstein ist auf dem jüdischen Friedhof Kirchhains erhalten.

Stolpersteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem Jahr 2015/16 sollen die ersten Stolpersteine im Stadtgebiet als Erinnerung an die jüdische Bevölkerung bzw. die Opfer des Holocaust gesetzt werden. Dies ist vor allem dem Engagement einiger Schüler und Lehrer der Alfred-Wegener Schule aus Kirchhain zu verdanken.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Februar 1971 wurden im Rahmen der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Anzefahr, Betziesdorf, Burgholz, Himmelsberg, Kleinseelheim, Niederwald und Schönbach eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Langenstein, Sindersfeld und Stausebach hinzu. Emsdorf und Großseelheim folgten am 1. Juli 1974.[2]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Kirchhain im Überblick:[3][4]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Im Kirchhain wurde der Kreis Kirchhain für die Verwaltung eingerichtet und das Justizamt Kirchhain war als Gericht für Kirchhain zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für das Justizamt Kirchhain.[8]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Kirchhain. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Kirchhain. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[10]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[11] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[12][13]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
     
Von 37 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 36,2 13 39,9 15 40,6 15 39,3 15
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 46,1 17 38,8 14 40,3 15 47,1 17
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 7,7 3 14,6 5 9,6 4 7,4 3
FDP Freie Demokratische Partei 5,1 2 3,8 2 5,7 2
DIE LINKE Die Linke 4,9 2 2,8 1
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft 3,9 1 6,2 2
Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 57,7 50,5 53,6 60,5
Rathaus
Flagge Kirchhains

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der hessischen Kommunalverfassung ist der Bürgermeister Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Kirchhain neben dem Bürgermeister acht ehrenamtliche Stadträte angehören. Bürgermeister ist ab 1. August 2016 Olaf Hausmann (SPD).[14][15] Seine direkt gewählten Amtsvorgänger waren

  • 2004 bis 2016 Jochen Kirchner
  • 1998 bis 2004 Klaus Hesse (SPD)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. November 1986 erteilte das Hessische Ministerium des Innern der Stadt die Genehmigung, das nachstehend beschriebene Wappen zu führen.

Blasonierung: „In Rot ein silberner Spangenhelm mit goldenen Helmdecken und zwei silbernen Büffelhörnern als Helmzier, die außen mit je sechs silbernen Lindenzweigen besteckt sind, zwischen den Büffelhörnern ein goldenes ‚K‘.“

Das Stadtwappen wurde vom Heraldiker Heinz Ritt aus Bad Nauheim entworfen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parks und Grünanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenmal im Annapark

Am nordwestlichen Rand der Kirchhainer Altstadt befindet sich der Annapark, ein ehemaliger (1828 bis 1899) Friedhof, der vom Marburger Brauereibesitzer Bopp als Park hergerichtet und nach seiner Frau benannt wurde. Neben der Skulptur "Die Wartende" (von Hermann Pohl, Kassel)[16] befindet sich dort seit Juni 2015 die Bronzeskulptur Lesendes Mädchen (Spitzname "Anneliese") des Münsterländer Bildhauers Bernhard Kleinhans. Dessen Witwe, eine gebürtige Kirchhainerin, hatte sie der Stadt gestiftet.[17]

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe der Kernstadt Kirchhains befindet sich das Naturerlebnisgebiet Erlensee. Einige Bereiche davon gehören zum Naturschutzgebiet Brießelserlen. Dieses ist ein beliebter Rückzugsort für Vögel. Darüber hinaus bietet der Erlensee auch für Spaziergänger und Naturliebhaber einige Attraktionen. So gibt es hier eine Info- und Akustikstation in der Tierstimmen und Klangbilder anzuhören sind, einen Baum-des-Jahres-Pfad, wo alle seit 1989 gekürten Bäume des Jahres als gepflanzte Exemplare zu bewundern sind, eine Beobachtungsplattform und einen Jahreszeitenpfad an dem zur jeweiligen Jahreszeit passend Schautafeln mit Informationen zum Erlensee und der heimischen Flora und Fauna aufgehängt sind. Des Weiteren versteht sich der Erlensee als außerschulischer Lernort an dem ganzjährig auf Wunsch Führungen angeboten werden. Für Blinde wurde ein Leit- und Führsystem rund um den See erbaut.

Im Kirchhainer Ortsteil Himmelsberg befindet sich eine einst als Tanzlinde fungierende alte Sommerlinde, die sogenannte Linde zu Himmelsberg. Sie wird auch als 1000-jährige Linde bezeichnet und ist seit 1971 Naturdenkmal. 2001 erschien ihr Motiv auf einer Sondermarke der Deutschen Post.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kleine Dachmuseum in den Vereinsräumen der Kurhessischen Bürgergarde Kirchhain e.V. (Bahnhofstraße) beherbergt eine heimat- und militärgeschichtliche Sammlung zur Geschichte Kirchhains.[18]

Die Geschichte Großseelheims wird im Heimatmuseum Großseelheim präsentiert. In dem Museum können unter anderem eine komplett eingerichtete Schmiede und eine Schusterwerkstatt besichtigt werden.[19]

Historische Bauwerke und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kernstadt

In der Kernstadt Kirchhains befindet sich ein sogenannter Altstadtbereich bzw. historischer Stadtkern mit einigen sehenswerten erhalten geblieben Bauwerken[20][21]. Dazu zählen unter anderem das um 1450 in Fachwerk erbaute Rathaus und das 1612 erbaute Haus „Zum blauen Löwen“. Ersteres gilt als das Wahrzeichen der Stadt Kirchhain und liegt am Rande des Marktplatzes. Bei Zweitem handelt es sich um das Geburtshaus des Dichters Eberhard Werner Happel. Darüber hinaus sind in der Altstadt noch die Stadtmauerreste mit dem Hexenturm, wo früher Frauen als „Hexen“ inhaftiert wurden bevor sie zur Aburteilung nach Marburg kamen und das heutzutage in den Bau eines Alten- und Pflegeheims integrierte Burgtor als Rest der ehemaligen Stadtburg sehenswert. Des Weiteren lohnt in der Kernstadt auch noch ein Besuch der Evangelischen Stadtkirche St. Michael aus dem 15. Jahrhundert und des Torsos der ehemaligen Synagoge.

Skulptur La Goutte von Luigi Colani am Skulpturenpfad Kirchhain

Seit 2006 existiert der Skulpturenpfad, der die Verbindung der Menschen mit der Natur als zentrales Thema aufgreift. Er erstreckt sich über ca. zwei Kilometer und verläuft vom Erlensee über den Annapark bis zum Bahnhof. Seit seiner Einweihung im Rahmen des Kulturherbstes der Region Burgwald wurde der Pfad um weitere Exponate ergänzt. Die „Freilichtsammlung“ umfasst mittlerweile Skulpturen und Plastiken heimischer sowie international renommierter Künstler. Darunter z. B. die Skulpturen Geloest (von Ortrud Sturm), Jede Menge Grazien (von Werner Berges) oder die Großplastik La Goutte (von Luigi Colani).[16][22]

In Anzefahr zählen das Semmekreuz, die barocke katholische Pfarrkirche St. Michael und die Gebäude der Ordensmühle an der Ohm zu den historisch bedeutendsten Zeugnissen. Darüber hinaus erinnert ein Gedenkstein an die Ausgrabungen im oberen Teil des Kiefernweges. Bei den Ausgrabungen wurden mehrere Urnengräber freigelegt. Sie sind heutzutage jedoch nicht mehr zu sehen.[23]

Als Wahrzeichen des Ortsteils gilt die 1789 erbaute spätbarocke Pfarrkirche.

Westlich des Ortsteils sind einige Reste der Hunburg zu sehen. Sie wurden 1936 bei Ausgrabungen freigelegt. Darüber hinaus ist auch noch der Katharinenbrunnen erhalten. Er versorgte zunächst die Burg mit Wasser und dann später die Burgholzer Bürger. Als Kleinod in Burgholz gilt das restaurierte Spritzenhaus.[24]

Die katholische Kirche Mariae Himmelfahrt in Emsdorf wurde im barocken Stil erbaut und zählt zu den schönsten Barockkirchen Oberhessens. Besonders sehenswert sind ihre Altäre sowie ihr Deckengemälde.[25]

Langenstein besitzt mit der evangelischen St.-Jakobi-Kirche eine von zwei Kirchen in Deutschland, die ein sogenanntes doppeltes freischwebendes sechseckiges wabenförmiges Netzgewölbe haben. Sie ist somit ein herausragendes Kulturdenkmal. Des Weiteren ist der Lange Stein sehenswert. Er zählt zu den bedeutendsten Menhiren Hessens, wenn nicht sogar Deutschlands.

Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortsteils zählen die Kirche St. Matthäus und das Sühnekreuz. Die Kirche ist eine der wenigen Jugendstilkirchen der Region.

Größte Sehenswürdigkeit des Ortsteils ist die spätgotischen Kirche St. Mariae Himmelfahrt. Um die Kirche herum sind einige alte Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert und jünger platziert. Des Weiteren befinden sich nördlich von Stausebach einige teilweise rekonstruierte bronzezeitliche Hügelgräber.

Panorama der Stadt Kirchhain. Blick nach Süden Richtung Amöneburg
Von links nach rechts sind die Ortsteile Kleinseelheim, Bauerbach (zu Marburg), Großseelheim, Schönbach, Niederwald, Anzefahr, Betziesdorf (im Hintergrund), Stausebach und Kirchhain sowie Himmelsberg (links dahinter) zu erkennen

Stadtbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof in Kirchhain nach der Renovierung

Im Zentrum der Stadt Kirchhain befindet sich der Bahnhof Kirchhain. Vom Bahnhofsvorplatz aus verläuft, in Richtung Süden bis zum Marktplatz, die Kirchhainer Fußgängerzone, eine Einkaufsstraße, die über zahlreiche Einzelhandelsläden verfügt, darunter Warenhäuser, Boutiquen, Elektronikgeschäfte und Gastronomiebetriebe. Richtung Emsdorf gibt es ein großes Neubaugebiet, welches in den letzten Jahren ständig erweitert worden ist. Dort befindet sich außer einer großen Anzahl neu gebauter Ein- und Mehrfamilienhäuser auch ein Neubau des Altenhilfezentrums und die Heilpädagogische Gemeinschaft.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alfred-Wegener-Schule ist mit über 1000 Schülern die größte Schule im Stadtgebiet und liegt nordwestlich des Stadtzentrums. Zu ihr gehören zwei Schulsporthallen und ein Stadion. Direkt angrenzend befinden sich die beruflichen Schulen sowie eine Großsporthalle (Heinrich-Weber-Halle), die vom Landkreis Marburg-Biedenkopf betrieben wird. Darüber hinaus gibt es eine Grundschule in der Kernstadt sowie in den meisten Stadtteilen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gebiete am östlichen und westlichen Ende des Stadtgebietes sind als Industriegebiete ausgewiesen, wobei der Industriepark Kirchhain das größere von beiden ist. Die beiden größten herstellenden Betriebe sind die Marburger Tapetenfabrik und der Solaranlagenhersteller Wagner & Co, der im Jahr 2008 in Kirchhain die erste energieneutrale Fabrik zur weitgehend automatisierten Produktion von Solarkollektoren eröffnete.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchhain ist über die Anschlussstellen Kirchhain-West, Kirchhain-Mitte und Kirchhain-Ost an die Schnellstraße B 62 und an die B 454 angebunden und somit ans Bundesfernstraßennetz.

Bahnhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahnverbindungen bestehen ab dem Bahnhof Kirchhain über die Main-Weser-Bahn Richtung Frankfurt und Kassel. In Kirchhain halten der Main-Weser-Express, Main-Sieg-Express und der Mittelhessen-Express.

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem Busbahnhof am Bahnhof Kirchhain gibt es zahlreiche Busverbindungen innerhalb Kirchhains, in alle Stadtteile, sowie zu vielen umliegenden Städten, wie zum Beispiel Marburg.

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amtsgericht Kirchhain hat seinen Sitz in der Stadt.

Märkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Begünstigt durch die Lage an den alten Handelsrouten ist Kirchhain eine traditionelle Marktstadt. Bis heute werden viele Märkte in Kirchhain gehalten. Die größten Märkte mit mehreren zehntausend Besuchern sind der Ostermarkt am Wochenende vor Ostern und der Martinsmarkt, der am letzten Oktoberwochenende abgehalten wird. Am ersten Adventswochenende findet gemeinsam mit dem Weihnachtsmarkt der Kirchhainer Kunstmarkt statt; der Neujahrsmarkt wird am letzten Werktag vor Silvester veranstaltet.[26]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kirchhain geborene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Scheffer

Persönlichkeiten, die in Kirchhain gelebt oder gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Horch (1652–1729), separatistischer Mystiker innerhalb des radikalen Pietismus, wohnhaft in Kirchhain von 1708 bis zu seinem Tod[27]
  • Friedrich Cranz (1792–1840), Verwaltungsbeamter und ehemaliger Landrat im Kreis Kirchhain, verstorben in Kirchhain
  • Ludwig Vogel (1920–2014), römisch-katholischer Priester, Kaplan in Kirchhain-Anzefahr
  • Mathias Schröder (* 1941), Arzt, Schriftsteller und Drehbuchautor, aufgewachsen in Kirchhain
  • Friedrich Bohl (* 1945), Politiker (CDU), von 1991 bis 1998 Bundesminister für besondere Aufgaben Chef des Bundeskanzleramts, wohnhaft in Kirchhain[29]
  • Werner Meuser (* 1952), Weltmeister im Segelfliegen, wohnhaft in Kirchhain[27]
  • Reiner Cunz (* 1958), Historiker und Numismatiker, aufgewachsen in Kirchhain
  • Andreas Blank (1961–2001), Romanist und Sprachwissenschaftler, verstorben in Kirchhain
  • Gabriela Lesch (* 1964), Mittelstreckenläuferin, wohnhaft in Kirchhain

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Dippel, Paul Koch: Kirchhain einst und jetzt. Marburg 2001, ISBN 3-89445-282-X.
  • Heinrich Grün: Chronik der Stadt Kirchhain. Kirchhain 1952.
  • W.G. Soldan, H. Heppe: Geschichte der Hexenprozesse. Band 2, hg. von Max Bauer, Hanau/Main, Nachdruck der 3. Auflage von 1911, S. 96–98.
  • Literatur über Kirchhain in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kirchhain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kirchhain – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2015 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402 und 404.
  3. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  4. Kirchhain, Stadtgemeinde, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 413 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 115 (online bei Google Books).
  7. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August, (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  8. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220)
  11. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  12. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  13. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  14. Hessisches Statistisches Landesamt: Direktwahlen in Kirchhain
  15. Olaf Hausmann im Internet zu seiner Amtseinführung abgerufen am 28. Juli 2016
  16. a b Irmgard Bott: "Kunst und Natur entdecken" – Flyer zum Skulpturenpfad Kirchhain. Magistrat der Stadt Kirchhain, abgerufen am 19. Juli 2017 (deutsch).
  17. Zur Anna im Anna-Park gesellt sich die Anneliese (Memento vom 6. Juli 2015 im Internet Archive)
  18. Die Kurhessische Bürgergarde Kirchhain e. V. abgerufen im August 2017
  19. Heimatmuseum Großseelheim abgerufen im August 2017
  20. Stadt Kirchhain: Für unsere Gäste, abgerufen im August 2017.
  21. Marburg Stadt und Land: Historische Altstadt Kirchhain, abgerufen im August 2017.
  22. Kerstin Ebert: Der Skulpturenpfad Kirchhain – Kunst und Natur entdecken. Stadtverwaltung Kirchhain, abgerufen am 19. Juli 2017 (PDF; 587 KB).
  23. Chronik der Gemeinde Anzefahr, abgerufen im Augst 2017.
  24. Unser Burgholz: Sehenswürdigkeiten, abgerufen im August 2017.
  25. Die Kirche Mariae Himmelfahrt in Emsdorf, abgerufen im August 2017.
  26. Stadt Kirchhain: Märkte in Kirchhain, abgerufen am 15. August 2017
  27. a b c Stadt Kirchhain: Bedeutende Kirchhainer, abgerufen im August 2017.
  28. Forschungsstelle Kulturimpuls: Biographie Lisa de Boor, abgerufen im August 2017.
  29. Munzinger-Archiv: Biographie Friedrich Bohl, abgerufen im August 2017.