Chemiepark Gendorf

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Der Chemiepark Gendorf (Eigenschreibweise Chemiepark GENDORF), ehemals Industriepark Werk Gendorf, liegt im oberbayerischen Burgkirchen an der Alz, mitten im Bayerischen Chemiedreieck. Er ist der größte Chemiepark Bayerns und Standort für über 30 Unternehmen aus den Bereichen Basis- und Spezialitäten-Chemie, Kunststoffe, Energieversorgung und Dienstleistungen.[1]

Der 188 Meter hohe Werkskamin des Chemieparks Gendorf, welcher auch als Sendeturm von „Radio ISW“ dient

Die produzierenden Standortunternehmen nutzen die gemeinsame Chemieparkinfrastruktur und sind durch einen Produktions- und Stoffverbund eng miteinander vernetzt. Am Standort sind ca. 4.000 Mitarbeiter beschäftigt; etwa 400 Menschen werden vor Ort ausgebildet.

Der Chemiepark Gendorf ist 197 Hektar groß. Eine Fläche von 50 Hektar steht für Ansiedlungen und Erweiterungen zur Verfügung.

Die speziell auf die Chemieproduktion zugeschnittene Infrastruktur wird von der Betreibergesellschaft InfraServ Gendorf bereitgestellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundsteinlegung des Werks Gendorf erfolgte kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Die Wehrmacht benötigte eine Produktionsanlage für kriegswichtige Produkte. Sie wird 1939 in Gendorf gebaut. Das sogenannte Bereitschaftswerk Gendorf stellte u. a. Frostschutzmittel, Vorprodukte für Sprengstoff, Chlor und Natronlauge her. Die beabsichtigte Produktion von Senfgas kam nicht über Versuchsmengen hinaus.[2] Während des Zweiten Weltkriegs setzte die deutsche Industrie in vielen Bereichen Zwangsarbeiter ein. Auch in Gendorf arbeiteten Zwangsarbeiter, darunter KZ-Häftlinge aus Dachau.[3]

Auf Anordnung der Alliierten wurde der Betrieb in Gendorf nach Kriegsende eingestellt. Die Alliierten demontieren große Teile der Anlagen und der Infrastruktur. Das Werk Gendorf wird anschließend als selbständige Firmeneinheit, „Independent Unit“, unter alliierter Kontrolle weitergeführt. Im Jahr 1953 erwirbt der Freistaat Bayern das Werk Gendorf. 1955 erfolgte der Weiterverkauf des Werks an die Hoechst AG.[4]

Mit der seit 1993 begonnenen Umgestaltung der Hoechst AG wurde das Werk Gendorf 1998 in einen Chemiepark umgewandelt, wobei die verschiedenen operativen Geschäftsbereiche der Hoechst AG in selbstständige Unternehmen überführt wurden.

Um Infrastruktur und Dienstleistungen am Standort sichern zu können, wurde als Betreibergesellschaft die InfraServ GmbH & Co Gendorf KG gegründet, die den Chemiepark Gendorf bis heute betreibt.

Standortunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Chemiepark Gendorf ist (Stand 2017) Standort für über 30 Unternehmen.[5] Zu den bekanntesten Produktionsunternehmen zählen:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Internetpräsenz Chemiepark Gendorf, Profil, (aufgerufen am 14. Mai 2017).
  2. Michael Kamp und Florian Neumann: VERANTWORTUNG leben – Vom Gendorfer Werk zum Industriepark. August Dreesbach Verlag München 2014, S. 9 ff.
  3. Ebd., S. 12 ff.
  4. Ebd., S. 27 f.
  5. Internetpräsenz Chemiepark Gendorf, Standortunternehmen, (aufgerufen am 14. Mai 2017).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dietmar Grypa: Studien zu Kriegsende und Neuanfang im Landkreis Altötting. Burghausen 1991 (= Burghauser Geschichtsblätter, 46. Folge).
  • Michael Kamp und Florian Neumann: VERANTWORTUNG leben – Vom Gendorfer Werk zum Industriepark. August Dreesbach Verlag München 2014.
  • Wolfgang Metternich: Ideenfabrik. Von den Farbwerken zum Industriepark Höchst. Verlag Waldemar Kramer Frankfurt am Main 2007.
  • Edith Raim: Gendorf [aka Emmerting], in: Geoffrey P. Megargee (Hg.): The Encyclopedia of Camps and Ghettos, 1933–1945. Vol. 1: Early Camps, Youth Camps, and Concentration Camps and Subcamps under the SS-Business Administration Main Office (WVHA), Part A. Indiana 2009, S. 476–478.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 10′ 47″ N, 12° 43′ 46″ O