Kempinski Hotel Berchtesgaden

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Kempinski Hotel Berchtesgaden
Die zentrale Lobby mit Glasfassade

Die zentrale Lobby mit Glasfassade

Daten
Ort Berchtesgaden, Bayern
Architekt Herbert Kochta
Baujahr 2005 (Eröffnung)
Koordinaten 47° 38′ 2″ N, 13° 2′ 47″ OKoordinaten: 47° 38′ 2″ N, 13° 2′ 47″ O

Das Kempinski Hotel Berchtesgaden, bis 2014 InterContinental Berchtesgaden Resort, ist ein Kempinski-Hotel der Luxusklasse (5-Sterne-Superior) in Berchtesgaden. Der Hotelneubau erfuhr sowohl durch die Lage im ehemaligen „Führersperrgebiet“ am Obersalzberg, als auch im Rahmen der Krise der BayernLB großes Medienecho.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hotel liegt in Alleinlage auf dem Eckerbichl als kleiner Erhebung des Obersalzbergs im gleichnamigen Ortsteil von Berchtesgaden.

Bau und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hotel ist ein hufeisenförmiger, an die Topographie der Bergkuppel angepasster, mehrstöckiger Baukörper. Rechts und links der zentralen Lobby erstrecken sich die beiden gekrümmten Bettentrakte. Die Glasfassade der Lobby im Innenhof gibt den Blick zum Kehlsteinhaus frei. Architektonisch wurde das Hotel im Stil der Neuen Sachlichkeit gestaltet; Natursteinsockel und Holzelemente prägen die Fassade.[1][2][3]

Das Hotel wurde vom Architekturbüro Kochta aus München geplant.[4] Das erste Innendesign-Konzept wurde von Mahmoudieh Design aus Berlin entwickelt. Für die Überarbeitung und die aktuelle Innenarchitektur ist André Behncke aus München verantwortlich.[5][6] Die Baumeisterarbeiten führte die Firma Schmölzl aus Bayerisch Gmain aus, die bereits in den 1950er Jahren mit der Sprengung der Gebäude der Nazigrößen beauftragt war. Die Errichtungskosten lagen in der Größenordnung von 50 Millionen Euro.

Hotelleriebetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berchtesgaden International Resort Betriebs GmbH
Rechtsform GmbH
Sitz Berchtesgaden

Leitung

  • Georg Jewgrafow, Andreas Peter
  • Werner Müller (Hotelmanager)
Branche Hotellerie
Website www.kempinski.com/berchtesgaden

Das Fünf-Sterne-Superior-Hotel verfügt über 126 Zimmer und zwölf Suiten sowie drei Restaurants und einen Wellness- und SPA-Bereich. Unterhalb des Hotels befindet sich der Golfclub Berchtesgaden mit 9-Loch Platz sowie ein kleines Skigebiet. 2007 erfolgte die Einrichtung eines Hubschrauberlandeplatzes für VIP-Gäste und die Erweiterung des Tagungsbereichs.

Das Resort profiliert sich in erster Linie als Resort und als gehobener Standort des Besuchstourismus der Region, von der Festspielstadt Salzburg bis hin zum Nationalpark Berchtesgaden.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Görings Haus auf dem Obersalzberg

Der Obersalzberg war in Berchtesgaden eine der Wiegen des Tourismus in Oberbayern, bis dieser im Zuge der Umwandlung zum Führersperrgebiet zum Erliegen kam. Am heutigen Hotelstandort, dem Eckerbichl, befand sich in der Zeit des Nationalsozialismus das Haus Görings. Der Eckerbichl war fortan auch als Göringhügel bekannt. Das Eigentum an den Grundstücken ging nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Freistaat Bayern über. Ein erster Versuch zur Wiederbelebung des Tourismus am Obersalzberg in den 1950er Jahren scheiterte und mündete in der Steigenbergeraffäre, da der Obersalzberg auch nach dem Krieg durch die Amerikaner belegt blieb. Trotz Verträgen mit Steigenberger standen die Gebäude daher für den allgemeinen Tourismus nicht zur Verfügung.

Als der Freistaat 1996 nach dem Abzug der Amerikaner wieder frei über das Gelände am Obersalzberg verfügen konnte, wurde ein „Zweisäulenkonzept“ beschlossen, bestehend aus einem Hotelprojekt der Luxusklasse und der Dokumentation Obersalzberg – das Hotelprojekt sollte an die touristische Tradition des Obersalzbergs vor dem Dritten Reich anknüpfen und die Dokumentation der „besonderen Geschichte des Ortes“ Rechnung tragen,[8] nachdem am Standort „starke Informationsbedürfnisse (..) lange Zeit fast ausschließlich durch (..) Geschichtsmüll befriedigt bzw. kommerziell ausgebeutet wurden.“[9] Im Rahmen der Ausschreibung des Hotelprojektes zeigte sich auch ein arabischer Bewerber interessiert. Den Zuschlag erhielt aber die Gewerbegrund,[10] eine Tochtergesellschaft der BayernLB. Als Betreiber wurde damals die InterContinental Hotels Group ausgewählt.

Im Jahr 2000 wurde mit dem erstmals 1385 als Steinhauslehen erwähnten Platterhof das größte damals noch erhaltene Gebäude aus der Zeit des Nationalsozialismus abgerissen. Von den Amerikanern wurde er Hotel General Walker genannt. Der Abbruch war in der Region und darüber hinaus nicht unumstritten, ein Bürgerbegehren wurde angestrengt, aber nicht bis zum Bürgerentscheid vorangetrieben. Der Abriss wurde vorgenommen, um Platz für die Verlegung der Kehlsteinhaus-Abfahrtsstelle und damit die Voraussetzung für den Bau des Luxushotels zu schaffen. 2005 konnte das Hotel unter großem Medienecho eröffnet werden.

Im Zuge der Landesbankkrise wurde kritisiert, dass der Freistaat Bayern indirekt am Hotel beteiligt ist. Als Millionenverluste des Hotels bekannt wurden, kündigte der amtierende Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) den „Rückzug der Bayerischen Landesbank (BayernLB) aus der finanziellen Beteiligung an dem Objekt“ an. Kurt Faltlhauser, zur Zeit der Entstehung bayerischer Finanzminister, verteidigte dies als Element des Zweisäulenmodells.[11]

Im Frühjahr 2015 fand ein Betreiberwechsel von der InterContinental Hotels Group[12] auf Kempinski statt.[13][14]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 und 2007 wurde der Wellnessbereich des Hotels mit dem Spa Diamond als bestes deutsches Spa ausgezeichnet. Bei den World Travel Awards 2007, 2008 und im Jahre 2009 wurde das InterContinental Berchtesgaden Resort als Germany's Leading Spa Resort prämiert. In den Jahren 2008, 2009 und 2011 erhielt es die Auszeichnung Deutschlands führendes Resort bei den World Travel Awards. Seit 2007 trägt das Gourmet-Restaurant Le Ciel des Hotels einen Michelin-Stern, es wird von Zwei-Haubenkoch Ulrich Heimann geführt.[15][16]

Gäste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prominente Gäste aus Kultur und bayerischer Landespolitik waren bislang u. a. Anastacia, Depeche Mode und der ehemalige bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser.[17] Am 17. September 2007 tagte in dem Hotel unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Edmund Stoiber das Bayerische Kabinett zum Thema „Tourismusförderung im Hotel“.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Intercontinental Berchtesgaden. Hintergründiges Spiel mit den Dimensionen. In: architektur objekte hotels. Nr. 2. BAUVE Medien, Juni 2005, S. 58 f. (Zeitschr. heute hotel objekte).
  2. Werner Roßkopf: Entspannungswelt unterm Watzmann.Fassadengestaltung beim „Interconti Resorthotel Berchtesgaden“. In: Der Maler und Lackierermeister. Nr. 3, 2006, S. 44–47 (Sachon-Fachzeitschriftenarchiv [PDF; abgerufen am September 2009]).
  3. Ein Juwel in den Bergen. In: KAPO Holding (Hrsg.): KAPO. Dezember 2008, S. 20–24 (kapo.co.at [PDF; abgerufen am September 2009]).
  4. Kochta Architekten Planungsgesellschaft mbH (nur Kundenlogin)
  5. Evelyn Finger: Nie wieder Schnörkel. Zeit online, abgerufen am 23. Januar 2012.
  6. Kochta Architekten Planungsgesellschaft mbH Behncke Architects
  7. Herzlich Willkommen im Kempinski Hotel Berchtesgaden. Abgerufen am 9. September 2009 (Intro der Homepage).
  8. Das Zwei-Säulen-Konzept. Dokumentation Obersalzberg, abgerufen am 11. Mai 2015.
  9. „Täterort“ und historische Aufklärung. Vortrag von Dr. Volker Dahm (Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte; München-Berlin, fachlicher Leiter der Dokumentation Obersalzberg) anlässlich eines Symposiums in zwei Teilen (5. bis 7. Dezember 2002, 16. bis 17. Januar 2003), nachzulesen im Tagungsband S. 198–210, Zitat S. 200–201 (online (Memento vom 28. April 2015 im Internet Archive) auf ns-dokumentationszentrum-muenchen.de; Direktlink zur PDF-Datei mit 1652 Kb in der aufgerufenen Seite).
  10. Gewerbegrund Obersalzberg GmbH & Co., Grundbesitzgesellschaft KG, München
  11. Katharina Wiechers: Der Millionenverlust am Obersalzberg. In: Augsburger Allgemeine. 27. Mai 2009 (online).
  12. berchtesgaden.intercontinental.com
  13. Heiner Effern: Wandel am Obersalzberg. Süddeutsche Zeitung vom 23. April 2015, S. R18
  14. Das InterConti Berchtesgaden wird ein Kempinski
  15. worldtravelawards.com World Travel Award 2007 Auszeichnung für InterContinental Berchtesgaden.
  16. bild.de (Memento vom 23. August 2010 im Internet Archive) Hotel-Oscars der Tourismusbranche verliehen in Bild
  17. Berchtesgaden – Anastacia statt Alt-Nazis. Fokus-Online, zitiert auf der Seite der Dokumentation Obersalzberg
  18. lifepr.de Ministerpräsident Stoiber tagt mit dem bayerischen Kabinett in Intercontinental Berchtesgaden.