International Neuroscience Institute

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International Neuroscience Institute GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1998
Sitz Hannover, Deutschland
Leitung Martin Kohnert, Madjid Samii
Mitarbeiter 120 (Stand 22. Juli 2005)[1]
Branche Gesundheitswesen
Website www.ini-hannover.de
Das International Neuroscience Institute an der Rudolf-Pichlmayer-Straße in Hannover

Die International Neuroscience Institute GmbH (INI) in Hannover im Stadtteil Groß-Buchholz ist eine neurochirurgische Privatklinik, die 1998 von dem Neurochirurgen Madjid Samii gegründet wurde. Sie dient der Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des menschlichen Nervensystems. Daneben verfügt die Klinik über Einrichtungen für (tier-)experimentelle und klinische Forschung.[2] Wegen ihrer außergewöhnlichen Architektur wird die Klinik im Volksmund auch „Hirn von Hannover“ genannt.

Gründung und Finanzierung[Bearbeiten]

Gesellschafter der GmbH sind unter anderem Madjid Samii, der Siemens-Konzern, die private Klinikkette Asklepios sowie ein Bankenkonsortium aus Norddeutscher Landesbank und Sparkassen.

Die Grundsteinlegung des Klinikgebäudes auf dem Gelände des Medical Park Hannover in unmittelbarer Nachbarschaft zur Medizinischen Hochschule Hannover erfolgte am 1. Dezember 1998, Richtfest war am 18. Juni 1999.[3] Das privatfinanzierte 140 Millionen DM teure Projekt wurde am 21. Juli 2000 im Rahmen der EXPO 2000 eröffnet.[4] Es wurde vom Land Niedersachsen durch eine Bürgschaft in Höhe von 83,2 Millionen DM[5] unterstützt, nach anderen Quellen von 104 Millionen DM[6]. Bereits ein halbes Jahr nach Eröffnung drohte der Klinik wegen mangelnder Auslastung die Insolvenz.[7] In Ermangelung der Aussicht auf eine wirtschaftliche Betriebsführung forderte die niedersächsische Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Februar 2002 das Fälligwerden der Landesbürgschaft.[8]

Klinikbetrieb[Bearbeiten]

Die Klinik verfügt über 100 Patientenbetten. Zwischen 2001 und 2005 wurden rund 15.000 Patienten aus 80 Ländern ambulant oder stationär behandelt.[1] Unter den Patienten waren Prominente wie der usbekische Innenminister Sakir Almatow (Dezember 2005, s.u.) oder der spanische Schauspieler Javier Bardem (Juni 2009)[9]. Die Firma Biizi.de organisiert die Behandlung von Patienten aus Russland und der GUS im INI.

Zum 1. Januar 2003 gründete Ulrich Bosch das Zentrum für Orthopädische Chirurgie und Sporttraumatologie als Privatpraxis im Gebäude des INI.[10]

Entgegen den Erklärungen bei der Eröffnung[6] werden die Leistungen des INI weiterhin in der Regel nicht von den deutschen gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Forschung und Lehre[Bearbeiten]

Im Dezember 2008 vermeldete das INI ein neues Verfahren für die Behandlung von Schlaganfallpatienten mithilfe genetisch veränderter adulter Stammzellen, die in einer Art Teebeutel in die betroffene Gehirnregion implantiert werden, um dort mit abgesonderten Eiweißen die Regeneration zu fördern.[11] Diese Meldung einer Pilotoperation wurde bundesweit unter großer Beachtung von den Medien aufgenommen. Gemeinsam kritisierten kurz darauf die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) die Öffentlichkeitsarbeit der Beteiligten und nannten sie unseriös: „Es ist mit guter wissenschaftlicher Arbeit nicht vereinbar, einen Pilotversuch an einem einzigen Patienten in die Öffentlichkeit zu tragen mit der Unterstellung, einen spektakulären Therapieerfolg erzielt zu haben. Dies gilt auch für neue Verfahren, die wie hier tierexperimentell getestet und von einer Ethik-Kommission positiv begutachtet wurden.“[12] Anfang 2009 begann eine klinische Studie zu dem Verfahren in Hannover und Erlangen.[13]

Die Forschungsarbeit des INI wird durch die 1995 gegründete Internationale Stiftung Neurobionik unterstützt. Präsident der Stiftung ist Madjid Samii.[14] Durch die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurde das INI im Dezember 2005 zu einem An-Institut.[15] Das INI hat einen eigenen Hörsaal.

Architektur[Bearbeiten]

Der architektonische Entwurf des INI-Klinikgebäudes vom Münchener Büro SIAT will den abstrahierten Umriss des menschlichen Gehirns darstellen. Der Bau hat einen elliptischen Grundriss mit der größten Ausdehnung von etwa 68 mal 47,2 Metern (Kellergeschoss und 5. Obergeschoss) und verjüngt sich sowohl vom 5. zum 8. Obergeschoss als auch vom 5. Obergeschoss zum Erdgeschoss. Insgesamt ist er 38 m hoch und hat neun Vollgeschosse und ein Kellergeschoss. Das Gebäude wurde von der Philipp Holzmann AG als Generalunternehmer bezugsfertig auf einem Grundstück von rund 27.000 m² mit einer Bruttogeschossfläche von 19.000 m² zwischen November 1998 und Juni 2000 errichtet. Die Fassade mit einer Fläche von 6.000 m² besteht überwiegend aus zum Teil farbig bedruckten Glaselementen.[16] Die Außenanlagen bestehen aus einem kleinen Park mit Teichanlage, Farnbereich und japanischen Zierkirschenbäumen.

Sonstiges[Bearbeiten]

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Im Juni 2006 wurde im Pekinger Stadtbezirk Xuanwu neben dem bereits bestehenden Krankenhaus der Grundstein für das China-INI gelegt,[17] die Universität Peking ist Kooperationspartner.[1] Das Gebäude soll dem hannoverschen INI architektonisch gleichen. Es wird zehn OP-Säle haben und 254 Betten, die Fertigstellung soll 2013 sein.[18]

Im Februar 2009 begann Samii in Teheran/Iran mit der Projektentwicklung für ein INI nach hannoverschem Muster.[19] Das I-INI wird mit rund 500 Betten und 54.000 Quadratmetern etwa viermal so groß sein wie das hannoversche.[18] Die Grundsteinlegung für das ebenfalls einem menschlichen Gehirn ähnelnde Gebäude erfolgte im April 2010,[20] als Termin für die Eröffnung wird März 2014 angestrebt.[21]

Das INI fand im Rahmen islamistischer Terrordrohungen im Umfeld der Bundestagswahl 2009 durch Bekkay Harrach und andere Erwähnung. Eine etwa zehnminütige Videobotschaft vom 25. September 2009, die al-Qaida zugerechnet wird und in der auch der deutschsprachige Ayyub Almani spricht,[22] zeigt unter anderem Bilder des INI[23] und nimmt Bezug auf die im Dezember 2005 erfolgte Behandlung des damaligen usbekischen Innenministers Sakir Almatow in der Klinik. Dessen Einreise und anschließende Behandlung erfolgte entgegen einem EU-Einreiseverbot aus „humanitären Gründen“, die Ausreise trotz einer Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft.[24]

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Wörner: Architekturführer Hannover, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2000, ISBN 3496012102

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Pressemeldung zum fünfjähigen Bestehen vom 22. Juli 2005, abgerufen am 30. September 2009
  2. Eigendarstellung, abgerufen am 29. September 2009
  3. Baunetz-Meldung vom 18. Juni 1999, abgerufen am 30. September 2009
  4. EXPO-2000: Projektdarstellung, abgerufen am 30. September 2009
  5. Baunetz-Meldung vom 3. Dezember 1998, abgerufen am 29. September 2009
  6. a b Erste Operation im "Hirn von Hannover", Bericht von Spiegel Online vom 2. Oktober 2000, abgerufen am 29. September 2009
  7. Spiegel 16/2001, S. 50
  8. Pressemitteilung Nr. 1270 der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Niedersächsischen Landtag vom 11. Februar 2002, abgerufen am 29. September 2009
  9. Javier Bardem macht Reha in Regensburg, ap-Meldung in: Hamburger Abendblatt vom 16. Juni 2009, abgerufen am 30. September 2009
  10. Orthopädische Chirurgie und Sporttraumatologie im INI, abgerufen am 7. August 2014
  11. Stammzellen im Teebeutel - Neue Therapie bei Schlaganfällen, nach einer dpa-Meldung in: Ärztezeitung.de vom 2. Dezember 2009, abgerufen am 1. Oktober 2009
  12. Pressemeldung in Uni-Protokolle vom 11. Dezember 2008, abgerufen am 1. Oktober 2009
  13. Arzneimittelfabrik im Kopf, in: Niedersächsisches Ärzteblatt vom 9. Februar 2009, abgerufen am 1. Oktober 2009
  14. Webseite der Internationale Stiftung Neurobionik, abgerufen am 29. September 2009
  15. Pressemeldung der Universität Magdeburg, abgerufen am 30. September 2009
  16. Firma Philipp Holzmann AG zum Gebäude mit Grundriss und Schnitt (PDF, 415 kB), abgerufen am 29. September 2009
  17. Marcel Grzanna: Ein neues Gehirn für Peking, in: Neue Presse, Hannover 9. Juni 2006, S. 4
  18. a b Nicola Zellmer: Das INI in aller Welt, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 3. Juli 2010, abgerufen am 26. November 2012
  19. Reinhard Urschel: Schröder fordert neues Denken im Iran, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 20. Februar 2009, abgerufen am 30. September 2009
  20. Juliane Kaune: INI in Teheran geht in die Bauphase, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 13. April 2010, S. 15
  21. World’s best neurosurgical center to be built in Tehran, in: Tehran Times vom 6. Oktober 2012, abgerufen am 26. November 2012
  22. Souad Mekhennet: Al Qaida und Taliban nehmen Deutschland ins Visier, in: FAZ Online vom 26. September 2009, abgerufen am 30. September 2009
  23. Vivien-Marie Drews/Tobias Morchner: Polizei nimmt Terrordrohung ernst. Sicherheitsexperten sehen aber keine konkrete Gefahr für Neuroklinik INI, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 30. September 2009, S. 18
  24. Alwin Schröder/Viktor Funk: Anzeige von Menschenrechtlern: Usbekischer Innenminister flieht aus Deutschland, in: Spiegel online vom 19. Dezember 2005, abgerufen am 30. September 2009

52.3903389.798336Koordinaten: 52° 23′ 25″ N, 9° 47′ 54″ O