Neurochirurgie

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Die Neurochirurgie beschäftigt sich mit der Erkennung und mit der operativen Behandlung von Erkrankungen, Fehlbildungen und (Folgen von) Verletzungen und anderen Schädigungen des zentralen und peripheren Nervensystems. Hierzu gehören entsprechende Voruntersuchungen, konservative Behandlungsverfahren und die Rehabilitation.

Historische Darstellung: Hebung einer Schädelimpressionsfraktur. Holzschnitt aus Hans von Gersdorffs Feldbuch der Wundarzney (1517)

Geschichte der Neurochirurgie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste neurochirurgische Operationen in Form von (erfolgreichen, d.h. wieder ausgeheilten) Schädeleröffnungen (Trepanationen) wurden schon für die Neusteinzeit anhand von Skelettfunden bewiesen.[1] Erstmals exakt dokumentiert wurden neurochirurgische Operationsverfahren in dem Werk Chirurgiae libri septem, das Giovanni Andrea della Croce (1514–1575) verfasste und 1573 in Venedig erschienen ist.[2] Die moderne Neurochirurgie konnte sich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickeln.

Neurochirurgie in einzelnen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neurochirurgen in D.JPG

Um nach einem Medizinstudium in Deutschland als Facharzt für Neurochirurgie tätig zu werden, bedarf es einer sechsjährigen Weiterbildungszeit. Für den genauen Modus der Facharztweiterbildung ist die jeweilige Landesärztekammer zuständig. Die Weiterbildung umfasst mindestens vier Jahre im Krankenhaus, angerechnet werden können:

oder

Ein halbes Jahr muss in der neurochirurgischen Intensivmedizin absolviert werden.

Am 31. Dezember 2006 waren in Deutschland 1.561 Neurochirurgen registriert, davon übten 348 eine Tätigkeit im niedergelassenen Sektor aus. 182 übten keine ärztliche Tätigkeit aus. Der Anteil an Frauen unter den berufstätigen Neurochirurgen betrug im Jahr 2006 13 %.

Die Preise für eine Praxisgründung sind mit einem Grundkapital von schätzungsweise 110.000 € bis 150.000 € zuzüglich Gerätepark, Anschaffungskosten 250.000 € bis 1.250.000 €, hoch.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um in der Schweiz Neurochirurg zu werden, muss eine sechsjährige, in zwei Etappen geteilte Weiterbildung absolviert werden.

  • 1 Jahr in einem nicht-neurochirurgischen Fach („Fremdjahr“): Allgemeine Chirurgie oder chirurgische Sub-Spezialität (mit Ausnahme der Neurochirurgie) mit Teilnahme am allgemein-chirurgischen Notfalldienst, Orthopädie, Kieferchirurgie, HNO, Neurologie, Neuroradiologie, Neuroanatomie, Neuropathologie, klinische oder experimentelle Neurophysiologie, experimentelle Chirurgie.
  • 5 Jahre Neurochirurgie, wobei der Ausbildungsort mindestens einmal für ein Jahr gewechselt werden muss.

Im Jahr 2006 waren in der Schweiz 99 Neurochirurgen registriert, davon 51 Ärzte mit Praxistätigkeit.

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um in den Vereinigten Staaten als neurosurgeon tätig zu werden, bedarf es einer siebenjährigen Assistenzzeit (residency).

  • 1 Jahr Praktikum (internship) in Allgemeinchirurgie und auf anderen chirurgischen Abteilungen rotierend
  • 6 Jahre Neurochirurgie

Kanada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um in Kanada neurosurgeon zu werden, muss eine sechsjährige, in zwei Etappen geteilte Weiterbildung absolviert werden.

  • 2 Jahre chirurgische Physiopathologie und chirurgische Grundlagen
  • 4 Jahre Neurochirurgie

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Arnold, Wolfgang Bock, Karl-August Bushe, Hartmut Collmann u. a. (Hrsg.): Neurochirurgie in Deutschland: Geschichte und Gegenwart. 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie. Blackwell, Berlin, Wien u. a. 2001, ISBN 3-89412-482-2.
  • Paul C. Bucy (Hrsg.): Neurosurgical Giants: Feet of Clay and Iron. Elsevier Science, New York, Amsterdam und Oxford 1985, ISBN 0-444-00939-6.
  • W. Seeger, C. L. Geletneky: Chirurgie des Nervensystems. In: F. X. Sailer, F. W. Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen: Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 228–262.
  • Margret Liehn, Martin Brunken, Martin Weißflog, Anett Gudat: Neurochirurgie, in: Margret Liehn, Brigitte Lengersdorf, Lutz Steinmüller und Rüdiger Döhler: OP-Handbuch. Grundlagen, Instrumentarium, OP-Ablauf, 6., aktualisierte und erweiterte Auflage. Springer, Berlin Heidelberg New York 2016, ISBN 978-3-662-49280-2, S. 525–575.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Weißer: Neurochirurgie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1036 f.
  2. Barbara I. Tshisuaka: Croce, Giovanni Andrea della. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 278.