Medizinische Hochschule Hannover

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Medizinische Hochschule Hannover
Logo
Gründung 1961
Trägerschaft staatlich
Ort Hannover
Bundesland Niedersachsen
Land Deutschland
Präsident Christopher Baum[1]
Studenten 3.423WS 2016/17[2]
Mitarbeiter 7.557 (Vollzeit)[3]
Jahresetat 320,6 Mio. Kostenträger; 162,6 Mio. öffentliche Hand; 83,3 Mio. Forschungsmittel (2009)
Website www.mh-hannover.de

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist eine Hochschule in Hannover mit den Studienfächern Medizin und Zahnmedizin. Daneben können außer Biochemie und Biomedizin auch postgraduale Studiengänge wie Gesundheitswissenschaften belegt werden. Das Klinikum der Medizinischen Hochschule Hannover ist ein Krankenhaus mit einem überregionalen Einzugsbereich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akademisches Logo der MHH
Moderne Variante des Logos
Kurt Lehmanns Nereide von 1978 zum Schutz der „Schiffbrüchigen“ im MHH-Park

Der Plan, in Niedersachsen neben der Universität Göttingen eine zweite Medizinische Fakultät zu errichten, geht auf das Jahr 1961 zurück. Gründungsrektor der Medizinischen Hochschule Hannover war der Göttinger Internist Rudolf Schoen (1961 bis 1967). Erster gewählter Rektor war der Internist Fritz Hartmann. Der Wissenschaftsrat hatte empfohlen, in Deutschland sieben neue medizinische Lehreinrichtungen zu errichten.

Diese Neugründungen sollten allerdings nicht nur die bestehenden Einrichtungen entlasten, sondern auch dazu genutzt werden, Reformideen in der Ausbildung neuer Ärztinnen und Ärzte zu verwirklichen. Dieser Idee folgend, weicht schon die Organisationsstruktur von der einer klassischen Universität ab und orientiert sich vielmehr an der Department-Struktur amerikanischer Universitäten. Die Abteilungen wurden Zentren zugeordnet, die wiederum in vier Sektionen (Vorklinische Fächer, Große Klinische Fächer, Kleine Klinische Fächer, Klinisch-Theoretische Fächer) zusammengefasst sind.

Als akademische und klinische Einrichtung wurde der Leitspruch In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas gewählt, mit dem Ideale und Zielsetzung als Verpflichtung und Aufgabe umrissen werden sollten. Die Worte unitas libertas caritas finden sich daher auch im akademischen Logo der Hochschule, auf der Amtskette des Rektors und im Siegel wieder. Gestaltet wurde es, ebenso wie das Hochrelief, das sich im Klinischen Lehrgebäude befindet, von dem Bildhauer Kurt Lehmann (1905–2000).[4]

Knapp vier Jahre nach ihrer Gründung wurde im Jahr 1965 den Lehrbetrieb mit 41 eingeschriebenen Studierenden aufgenommen. Mangels eigener räumlicher Möglichkeiten fand der Unterricht zunächst im städtischen Krankenhaus Oststadt in Hannover statt. Parallel dazu erfolgten die Grundsteinlegung und dann die Errichtung neuer Gebäude auf einem rund 400.000 Quadratmeter großen Areal im Roderbruch. Bis zum Jahr 1978 entstanden hier alle wichtigen Einrichtungen, wie Zentralklinikum, Polikliniken, Kinderklinik, Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die Bibliothek, verschiedene Laborgebäude, Lehrgebäude und Hörsäle sowie Versorgungs- und Verwaltungsgebäude, Wohnheime und Wohnhäuser. Erst in den letzten Jahren wurde ein weiteres Gebäude ergänzt, das seit 2004 die Frauenklinik und das „Rudolf Pichlmayr“ Transplantations- und Forschungszentrum beherbergt. Die Abteilung für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie zog zum Jahreswechsel 2006 aus dem Klinikum Oststadt-Heidehaus in das Klinikum der MHH.

Von 1973 bis 1997 betrieb die Hochschule den Forschungsreaktor Hannover, einen Kernreaktor zur Herstellung von Radioaktivität für die Nuklearmedizin.

Die Hochschule ist als Campus-Universität errichtet, mit der Orthopädie im Annastift befindet sich lediglich eine Abteilung in einem externen Krankenhaus.

Wiederholt zur Diskussion stand die Umwandlung in eine Stiftungsuniversität.[5][6]

Rektoren und Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in chronologischer Auflistung

  • 1964–1967 Rudolf Schoen
  • 1967–1969 Fritz Hartmann
  • 1969–1971 Hans-Stephan Stender
  • 1971–1973 Heinz Hundeshagen
  • 1973–1975 Helmut Fabel
  • 1975–1977 Heinz Hundeshagen
  • 1977–1979 Ellen Schmidt
  • 1979–1985 Heinz Hundeshagen
  • 1985–1989 Klaus Alexander
  • 1989–1993 Heinz Hundeshagen
  • 1993–1997 Reinhard Pabst
  • 1997–1999 Karl-Martin Koch
  • 1999–2004 Horst von der Hardt
  • 2004–2013 Dieter Bitter-Suermann[7]

Forschung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangs-Pylon neben der Haupteinfahrt

Schon seit der Gründung wird nach dem Konzept der Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden „in kleinen Gruppen am Krankenbett“ gearbeitet. In diesem Ansatz, bestärkt durch die neue Approbationsordnung für Ärzte, hält die MHH mit ihrem neuen Studienmodell HannibaL (Hannoveraner integrierter, berufsorientierter und adaptiver Lehrplan) an dem erfolgreichen Lehrkonzept fest.[8]

Zum Wintersemester 2016 waren insgesamt 3.423 Studenten, davon 2180 Frauen (63,7 %), aus 82 Nationen eingeschrieben. 490 Studenten (14,3 %) besaßen einen ausländischen Pass. Sie studierten größtenteils Humanmedizin (2.059), gefolgt von Zahnmedizin (522).[9]

Medizinstudenten müssen ihr letztes Studienjahr als Praktisches Jahr am Universitätskrankenhaus ihrer Universität oder einem akademischen Lehrkrankenhaus absolvieren. Die Studenten können ihr Praktisches Jahr an über 50 Lehrkrankenhäusern absolvieren.

Studiengänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden erstgenannten M.Sc.-Programme sowie die PhD-Studiengänge befinden sich unter dem Dach der Abschlussschule Hannover Biomedical Research School, die seit 2006 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes gefördert wird.

Gemeinsam mit der Leibniz Universität Hannover und der Tierärztlichen Hochschule Hannover

  • Biologie (B.Sc.)
  • Biochemie (Dipl. und B.Sc.)
  • Biomedizintechnik (M.Sc.), der frühere Aufbaustudiengang „Biomedizinische Technik“ wurde zum Wintersemester 2005/06 eingestellt
  • Promotionsstudiengang „Systemische Neurowissenschaften“

Gemeinsam mit der GISMA Business School, Hannover, und der Purdue University, Indiana, USA

  • Aufbaustudiengang „Geschäftsführung im Gesundheitsmanagement“

Drittmittelprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 hat die Medizinische Hochschule Hannover rund 82,5 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt.[10] Außerdem sind in der Medizinischen Hochschule Hannover 864 Drittmittelbeschäftigte angestellt.[11]

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftler der MHH sind derzeit an Sonderforschungsbereichen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beteiligt:

Die DFG fördert an der MHH die Graduiertenkollegs

  • Pseudomonas: Pathogenicity and Biotechnology
  • Charakterisierung pathophysiologischer Versuchstiermodelle – funktionale und genetische Analysen
  • Mukosale Erreger-Wirt-Interaktionen
  • Strategies of Human Pathogens to Establish Acute and Chronic Infections

Außerdem fördert die DFG die Forschergruppen

  • Stammzelltherapie und Immunmodulation – molekulare Therapieansätze in der Pädiatrie
  • Molekulare Grundlagen und konsekutive Therapieansätze beim hepatozellulären Karzinom
  • Xenotransplantation
  • Lungentransplantation
  • Polysialinsäure: Evaluation eines neuen Werkstoffs als Gerüstsubstanz für die Herstellung artifizieller Gewebe

Bundesministerium für Bildung und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kompetenzzentrum Kardiovaskuläre Implantate
  • Kompetenznetz Rheuma
  • Kompetenznetz Hepatitis

Klinikum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bettenhaus der Klinik

Das Klinikum der Medizinischen Hochschule Hannover ist ein Krankenhaus mit überregionalem Einzugsbereich. Das Universitätsklinikum verfügt über 90 Stationen mit 1.518 Betten (2013). Weitere Betten der MHH befinden sich in anderen Krankenhäusern in Hannover. 2013 wurden 58.943 Patienten stationär behandelt. 452.783 Patienten wurden 2013 in den 35 Polikliniken ambulant versorgt.[12] Die MHH ist Deutschlands größtes Transplantationszentrum. Im Jahr 2012 wurden hier 423 Transplantationen vorgenommen.[13]

Pastoralklinikum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pastoralklinikum – Zentrum für Klinische Seelsorgeausbildung an der MHH[14] ist eine Einrichtung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und Arbeitsbereich im Zentrum für Seelsorge der Landeskirche. Das Klinikum bietet Aus-, Fort- und Weiterbildungen für Pastoren und kirchliche Mitarbeiter an, die als Seelsorger in Gemeinden, Krankenhäusern, Gefängnissen oder Diakonischen und Sozialen Einrichtungen arbeiten. Das Pastoralklinikum kooperiert eng mit der MHH und anderen Einrichtungen, z. B. dem Zentrum für Gesundheitsethik und Diakonischen Krankenhäusern.[15] Die Leitung des Klinikums hat seinen Dienstsitz im Dienstgegebäude des Zentrums für Seelsorge in der Blumhardtstraße 2.[16] An der MHH ist das Klinikpfarramt angesiedelt.[17]

Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die MHH hat folgende Partneruniversitäten:

Bilaterale Verträge im Rahmen des Sokrates/Erasmus-Programms bestehen mit Universitäten in Belgien, Estland, Finnland, Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Spanien und der Schweiz.

Professoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Kategorie:Hochschullehrer (Medizinische Hochschule Hannover)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Medizinische Akademie Hannover (Hrsg.): Zentralklinik (Vorentwurf Juli 1963)
  • Medizinische Hochschule Hannover, Sonderdruck der Bauverwaltung, Hannover, 1972
  • 40 Jahre Medizinische Hochschule Hannover. Eine Ausstellung der Abteilung Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizinischen Hochschule, in der Reihe MHH Info, Sonderausgabe September 2005
  • Rainer Kasties M.A.: Medizinische Hochschule Hannover, in: Stadtlexikon Hannover, S. 435f.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Medizinische Hochschule Hannover – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Sparprogramm-ist-lebenswichtig-fuer-die-MHH
  2. Studium: Entwicklung der Studierenden. Abgerufen am 4. November 2017.
  3. Personal: Entwicklung des Personalbestandes. Abgerufen am 4. November 2017.
  4. MHH Alumni e.V.: Die Geschichte der MHH.
  5. Im zweiten Anlauf zur Stiftung Infobroschüre der MHH (PDF; 891 KB)
  6. MHH als Stiftung – unabhängiger und flexibler Bericht von Christian Beneker in der Ärzte Zeitung vom 15. Juni 2011
  7. https://www.mh-hannover.de/rektoren.html
  8. "HannibaL" kommt - MHH reformiert Medizinstudium, Informationsdienst Wissenschaft vom 7. Oktober 2013. Abgerufen am 28. Juli 2015.
  9. Studium: Entwicklung der Studierenden. Abgerufen am 4. November 2017.
  10. Forschung & Lehre: Daten und Fakten. Abgerufen am 4. November 2017.
  11. Personal: Entwicklung des Personalbestandes. Abgerufen am 4. November 2017.
  12. MHH Hannover - Daten Zahlen. Abgerufen am 28. Juli 2015.
  13. Die MHH bleibt Deutschlands größtes Transplantationszentrum
  14. http://www.pastoralklinikum.de/goprofliste.asp
  15. http://www.evlka.de/media/texte/leben/Kapitel/mitarbei.pdf
  16. http://www.zentrum-seelsorge.de/arbeitsbereiche/pastoralklinikum
  17. http://www.pastoralklinikum.de/goprofdetail.asp?ID=189

Koordinaten: 52° 23′ 2″ N, 9° 48′ 17″ O