Inzens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das schwingende Weihrauchfass in der Kathedrale von Santiago de Compostela

Als Inzens (m.[1] oder f.[2], von lat. incendere „anzünden, verbrennen“, mittellat. incensumWeihrauch, Brandopfer“), umgangssprachlich Beweihräuchern, bezeichnet man in der Kirche das feierliche Beräuchern mit Weihrauch, wie es in der katholischen und orthodoxen Liturgie in einem Gottesdienst geschieht. Dabei wird das Weihrauchfass an den Ketten über dem Fass angefasst und hochgehoben, dann erfolgen je nach Art der Inzens unterschiedlich viele sogenannte Züge mit dem Weihrauchfass. Dabei sollen die Ketten hörbar anschlagen.

Den Priester oder den Diakon begleiten zu diesem Zweck meist zwei Ministranten, der Thuriferar (zusammengesetzt aus lat. thus „Weihrauch“ und ferre „tragen“) und der Navikular (lat. naviculum, Diminutiv zu navis „Schiff“), die das Rauchfass mit der glühenden Kohle darin und das Schiffchen mit dem Weihrauch tragen und anreichen.

Die Inzens ist in der Liturgie vor allem in heiligen Messen, im Stundengebet der Vesper, bei sakramentalen Andachten und kirchlichen Begräbnisfeiern gebräuchlich. Ausgeführt wird die Inzensierung durch den zelebrierenden Priester, den Diakon oder die Messdiener.

Mit Weihrauch geehrt werden die eucharistischen Gaben (bei der Gabenbereitung und zur Elevation (Liturgie) nach der Wandlung), alle Christussymbole – also Altar, Osterkerze, Kreuz, Evangeliar, Krippe, Zelebrant, Konzelebrant(en), die Gemeinde – Reliquiare, Bilder und Heiligenfiguren. Die eucharistischen Gaben, die Osterkerze und Kreuze sowie alle Personen werden mit drei Doppelzügen, Reliquien, Bilder und Statuen von Heiligen mit zwei Doppelzügen inzensiert. Der Altar wird während des Umschreitens mit einfachen Zügen beweihräuchert.[3][4]

Die Bedeutung der Inzensierung variiert je nach Kontext. Sehr geläufig ist die Interpretation als Gebet nach Psalm 141 („Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet zu dir auf“), aber auch als Ausdruck von Verehrung, als Segnung oder Reinigung. Ebenfalls kann die Inzens als Herausgehobensein von heiliger Handlung und Liturgie aus der sündigen Welt in eine Atmosphäre des Heiligen gedeutet werden.[5]

Einsatz in der heiligen Messe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der heiligen Messe wird inzensiert

Regional bzw. bei bestimmten Gelegenheiten wird auch zum feierlichen Segen und zum Auszug Weihrauch verwendet.

An Hochfesten und zu besonderen Gelegenheiten wird oft zusätzlich inzensiert:

Weitere Anlässe in der Liturgie bzw. bei der Spendung von Sakramentalien, bei denen die Inzensierung eingesetzt wird:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. duden.de
  2. Grundordnung des römischen Messbuchs von 2007
  3. vgl. Ceremoniale Episcoporum Nr. 92.
  4. vgl. Grundordnung des Römischen Messbuchs Nr. 276.
  5. Josef Andreas Jungmann SJ: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Band 1, Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, S. 413; vgl. Räucherwerk im Christentum. Abgerufen am 22. März 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Pfeifer: Der Weihrauch. Geschichte, Bedeutung, Verwendung. Pustet, Regensburg 1997, ISBN 3-7917-1566-6.
  • Ralph Regensburger: Weihrauch. Duft der Erkenntnis Christi. Eine Hilfestellung zum Hintergrund und Gebrauch des Weihrauchs in der Liturgie. R. Regensburger, Berchtesgaden 2008, ISBN 978-3-00-024715-6 (Digitalisat (PDF; 335 KB)).