Allerseelen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Allerseelen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Geschmückter Friedhof zu Allerseelen in Auschwitz (1984)
Jules Bastien-Lepage: Allerseelen (ca. 1882)


An Allerseelen (lateinisch in commemoratione omnium fidelium defunctorum) begeht die römisch-katholische Kirche das Gedächtnis ihrer Verstorbenen. Das Gedächtnis aller Seelen wird im Kirchenjahr am 2. November begangen, einen Tag nach dem Hochfest Allerheiligen. Durch Gebet, Fürbitte, Almosen und Friedhofsgänge gedenken die Menschen Armen Seelen im Fegefeuer und wenden ihnen Ablässe zu. In der römisch-katholischen Kirche hat der Allerseelenablass daher eine besondere Bedeutung.

Wo die Gräbersegnung nicht bereits am Nachmittag von Allerheiligen stattgefunden hat, findet sie an Allerseelen statt, wohin sie eigentlich gehört. Da Allerseelen in der liturgischen Rangordnung den Hochfesten des Herrn gleichgestellt ist, verdrängt der Gedenktag in Jahren, in denen er auf einen Sonntag fällt, den Sonntag im Jahreskreis.

In der evangelischen Kirche wird der Verstorbenen am Ewigkeitssonntag gedacht. In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche kann der Gedenktag der Entschlafenen ebenfalls am 2. November gottesdienstlich begangen werden.

In Österreich ist Allerseelen zwar kein gesetzlicher Feiertag, es findet jedoch an den öffentlichen Schulen kein Unterricht statt und an einigen Universitäten ist der Tag vorlesungsfrei.

Ursprung[Bearbeiten]

Der Allerseelentag am 2. November geht auf Abt Odilo von Cluny zurück; er hat diesen Gedenktag in allen von Cluny abhängigen Klöstern eingeführt. Das Dekret Odilos vom Jahr 998 ist noch erhalten. Bald wurde der Allerseelentag auch außerhalb der Klöster gefeiert. Für Rom ist er seit Anfang des 14. Jahrhunderts bezeugt. Von Cluny aus verbreitete sich der Allerseelentag in der ganzen katholischen Kirche. Er steht theologisch in enger Verbindung mit der Lehre vom Fegefeuer (Reinigungsort, Purgatorium) als Ort der Läuterung der Verstorbenen, die Hilfe von den Lebenden durch Gebet, Fasten und Almosen erhalten. Allerseelen ist vor allem in den Alpenländern mit zahlreichen Volksbräuchen verbunden.

Das mexikanische Totenfest Día de los muertos ging aus einer Vermischung indigener Traditionen mit dem christlichen Allerseelentag hervor.

Brauchtum[Bearbeiten]

Nach altem Volksglauben stiegen die Seelen der Verstorbenen an Allerseelen vom Fegefeuer auf und ruhten für kurze Zeit aus. Daher gibt es in vielen Regionen vor allem in Süddeutschland und Österreich Gebildebrote, wie Allerseelenbrot, -zöpfe und ähnliches. Diese wurden den Seelen an besonderen Plätzen, meist den Gräbern, hingelegt.

Auf den britischen Inseln gab es einen Brauch, bei dem arme Kinder Allerseelenkuchen erbetteln konnten.[1] Die Vermutung liegt nahe, dass dieser Brauch über irische Auswanderer nach Amerika gelangte und hier die Wurzeln des Brauchs "Trick or Treat" liegen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Jürgen Bärsch: Allerseelen. Münster 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Meyer, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Berlin 1935, S.210


 Commons: Allerseelen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Allerseelen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen