Irrtum im Jenseits

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Irrtum im Jenseits
Originaltitel A Matter of Life and Death
Produktionsland Großbritannien
Originalsprache Englisch, Französisch
Erscheinungsjahr 1946
Länge 108 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Michael Powell
Emeric Pressburger
Drehbuch Michael Powell
Emeric Pressburger
Produktion Michael Powell
Emeric Pressburger
Musik Allan Gray
Kamera Jack Cardiff
Schnitt Reginald Mills
Besetzung

Irrtum im Jenseits (A Matter of Life and Death, in den USA Stairway to Heaven) ist ein Fantasyfilm des Regieduos Michael Powell und Emeric Pressburger. Der 1946 produzierte Film sollte der Festigung der transatlantischen Freundschaft zwischen Großbritannien und den USA dienen. Der Film – der Drama, Liebesfilm und Komödie mit Fantasy-Elementen mischt – handelt von der Liebe zwischen der amerikanischen Fluglotsin June (Kim Hunter) und dem britischen Fliegeroffizier Peter D. Carter (David Niven). Heute gilt Irrtum im Jenseits als Filmklassiker.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flugzeug des Piloten Peter D. Carter wird während einer der letzten Luftschlachten des Zweiten Weltkriegs über England angeschossen. Seine gesamte Besatzung hat er bereits aus dem brennenden Flugzeug herausspringen lassen, sein Kopilot Bob wurde von einem Bombensplitter getötet, und Peter selbst hat keinen funktionierenden Fallschirm mehr zur Verfügung. In stoischer Ruhe erwartet Carter den sicher scheinenden Tod. Sein letzter Kontakt zur Außenwelt ist die Stimme der amerikanischen Funkerin June, die ihm Mut zuspricht, und in die er sich verliebt. Als Carter zuletzt aus seinem Flugzeug ohne Fallschirm abspringt, überlebt er auf wunderbare Weise und wird an Land gespült. Peter selbst ist am meisten darüber verwundert, dass er überlebt hat. Wenig später begegnet er zufällig June und die Beiden werden schnell ein Paar.

Doch tatsächlich hätte Peter beim Absturz sterben müssen: Wie sich herausstellt, hatte der Engel Nr. 71 – ein extravaganter, in der Französischen Revolution geköpfter Adeliger – sich im britischen Nebel verirrt und konnte daher nicht rechtzeitig Peter in Richtung Himmel abholen. Im Himmel ist man über die Panne keineswegs glücklich und der Engel Nr. 71 wird heruntergeschickt, um Peter abzuholen. Doch dieser weigert sich, da er inzwischen in June die Liebe seines Lebens gefunden hat. Daher beschließt man im Himmel, dass eine Art Prozess stattfinden solle, ob Peter tatsächlich am Leben bleiben darf. Peter berichtet der verwunderten June vom anstehenden Prozess und seinen „Begegnungen“ mit dem Engel Nr. 71. Der befreundete Arzt Dr. Reeves deutet Peters „Visionen“ als Folgen eines Gehirntraumas, weshalb Peter operiert werden soll. Kurz vor der Operation kommt Dr. Reeves selbst bei einem Motorradunfall ums Leben. Während Peter also im Krankenhaus an seinem Gehirn operiert wird, betritt Dr. Reeves den Himmel und darf dort im Prozess als Peters Anwalt auftreten.

Reeves argumentiert vor dem großen Gericht, dass Peter durch einen Fehler des Himmels zusätzliche Lebenszeit auf der Erde gegeben worden sei. Während dieser Zeit habe er sich verliebt, was nun seine Situation auf der Erde verhindert habe und ihn dort binde. Der Ankläger ist der Amerikaner Abraham Farlam, der als erstes Opfer des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges gefallen ist und daher einen besonderen Hass gegen die Briten verspürt. Immer wieder bezieht er daher die Taten der Briten in der Geschichte ein, um gegen Peters Weiterleben zu argumentieren. Farlam gefällt nicht, dass die Amerikanerin June sich in den Briten Peter verliebt hat. Dr. Reeves ändert die Besetzung der Jury, da alle Mitglieder dieser aus Ländern stammen, die irgendwann Krieg gegen die Briten geführt haben. Die Jury wird ersetzt durch moderne Amerikaner unterschiedlicher Herkunft aus allen Ländern. Letztlich werden June und Peter vom Gericht befragt. June verspricht dem Gericht, an Peters Stelle sterben zu wollen, damit dieser weiterleben könne. Dadurch ist die Wahrheit ihrer Liebe besiegelt und beide dürfen weiterleben. Der Richter (gespielt von Abraham Sofear, der auch den Gehirnchirug während der Operation spielt) gibt Peter eine neue Lebenszeit.

Am Ende wacht Peter nach der Operation auf, die glückliche June an seiner Seite. Letztlich bleibt im Film ungeklärt, ob die Himmelsszenen echt sind oder sich nur in Peters Kopf abspielen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irrtum im Jenseits wurde 1946 mit der Intention gedreht, die Bevölkerungen von Großbritannien und den Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg aufeinander freundschaftlich einzustimmen. Daher hat auch der von Vorurteilen besessene Abraham Farlan am Ende das Nachsehen, während die transatlantische Liebe zwischen Peter und June siegt. Nebenbei zeigen Powell und Pressburger aber auch auf ironische Weise die kulturellen Differenzen zwischen den USA und Großbritannien auf: Übers britische Radio hört man die Stimme Winston Churchills, übers amerikanische ertönt Jazz. Für die verstorbenen amerikanischen Soldaten ist im Himmel ein Cola-Automat aufgestellt. Die Tatsache, dass sich der RAF-Captain Carter in seiner Studienzeit in Oxford mit Geschichte befasst hat, gibt Anlass zu weiteren pointierten Dialogstellen.

Auch die Besetzung des Filmes war insofern international, als für den Film die US-Amerikaner Kim Hunter und Raymond Massey aus Hollywood verpflichtet wurden, um die amerikanischen Rollen des Filmes zu spielen. Die damals noch relativ unbekannte Kim Hunter wurde Regisseur Powell durch seinen Freund Alfred Hitchcock empfohlen. Eine seiner ersten Rollen im Film hat Richard Attenborough, der einen im Himmel ankommenden Soldat spielt: „It's Heaven, isn't it?“, ist seine einzige Textzeile. Lois Maxwell, die spätere „Miss Moneypenney“ aus der James-Bond-Filmreihe, machte außerdem in einer kleinen Rolle ihr Filmdebüt.

Besonders aufwendig war die Himmelssteige, die über drei Monate gebaut werden musste und insgesamt 106 Stufen umfasste. Ähnlich aufwendig war der Bau des himmlischen Gerichtes, in dem während der Dreharbeiten über 5000 Statisten Platz nahmen.[1] Das Motiv der Himmelsstiege des in der Nachkriegszeit äußerst erfolgreichen britischen Films wurde satirisch in der Episode Heavenly Puss (1948–49) der Tom und Jerry Trickfilme weitergesponnen. Eine weitere Besonderheit, die bereits 1939 in Der Zauberer von Oz verwendet wurde, ist die „Zweifarbigkeit“ von Irrtum im Jenseits: Während die irdischen Szenen in Technicolor-Farben gedreht sind, sind jene im Jenseits in Schwarzweiß.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Gags jagen einander. Vor allem dies muß man höchlichst an dem Drehbuch und der Regie von Michael Powell und Emeric Preßburger rühmen: sie haben an Einfällen nicht gespart. (...) Das Publikum hatte Sinn für die glänzend servierte, mit scharfem, enorm witzigem, aber total kaltem Intellekt konstruierte irdisch-himmlische Revue. Es gab mit Recht viel Beifall.“

Die Zeit, 1948[2]

„Der Film hält mit Eleganz, satirischem Witz, Sensibilität und Takt die Balance zwischen Realität und Phantasmagorie. Vorzüglich gespielt und wundervoll ausgestattet, hat er alle Attribute einer anspruchsvollen Unterhaltung, deren optische Reize stets filmspezifisch sind.“

Lexikon des internationalen Films[3]

Stairway to Heaven ist einer der kühnsten Filme, die je gemacht wurden – in seiner grandiosen Vision, und dem gemütlich-englischen Weg, in dem diese Vision ausgedrückt wird. (...) Britische Kritiker beklagten sich seinerzeit, dass der Film zu sehr auf Seiten der Amerikaner sei. Was die heutigen Zuschauer allerdings aufregend finden werden, ist die reine Energie seines Einfallsreichtums. Heutige Filme sind mit Spezialeffekten durchzogen, doch oftmals entwerfen sie nur die Sicht auf Dinge, die wir uns leicht vorstellen können: Zusammenstöße, Explosionen, Kämpfe im Weltraum. Die Spezialeffekte in Stairway to Heaven zeigen ein Universum, das nie existiert hat, bis dieser Film gemacht wurde, und diese Vision ist atemberaubend in ihrer Originalität (Wertung: 4/4 Sterne).“

Roger Ebert, 1995[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1948 gewannen Michael Powell und Emeric Pressburger den Bodil Award für den besten europäischen Film. Im Jahre 1999 wurde A Matter of Life and Death vom British Film Institute auf Platz 20 der besten britischen Filme des 20. Jahrhunderts gewählt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. IMDb Trivia
  2. Filmrezension in "Die Zeit"
  3. Irrtum im Jenseits im Lexikon des internationalen Films
  4. Filmrezension bei Roger Ebert