James Risen

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James Risen (2014)

James E. Risen (* 27. April 1955) ist ein US-amerikanischer Journalist der New York Times, dort für den Bereich Nationale Sicherheit zuständig und Autor zweier Bücher über den US-Auslandsgeheimdienst Central Intelligence Agency. Er ist zweifacher Pulitzerpreisträger. 2002 gehörte er dem Journalistenteam an, das mit dem Pulitzer-Preis für die Hintergrundberichterstattung zum 11. September 2001 geehrt wurde. 2004 berichtete er als erster Reporter über das „Waterboarding“, eine Ertränkungsfolter bis zur Besinnungslosigkeit, die die CIA ausübte. Mit seinem Kollegen Eric Lichtblau zusammen deckte er bereits 2004 die umfassende NSA-Überwachungsprogramme gegen die eigenen Bürger auf, für seine Berichterstattung wurde er mit dem zweiten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Für seine Weigerung eine Quelle preiszugeben steht er seit 2008 vor Gericht.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

James Risen wuchs in Bethesda, Maryland auf, schloss die Brown University 1977 mit einem Bachelor in Geschichte und 1978 die Medill School of Journalism an der Northwestern University mit einem Master ab. Er lebt in Maryland, ist verheiratet und hat drei Kinder.[1]

Journalistische Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Angestellter der The Detroit Free Press zwischen 1981 und 1984 deckte er Themen um die örtliche Automobilindustrie und den Arbeitsmarkt allgemein ab. Darauf arbeitete er seit 1984 für die Los Angeles Times und war dort u. a. leitender Korrespondent für Ökonomie, Leiter des Büros in Detroit (1984–1990) und in Washington, D.C. (1990–1995), bevor er 1998 zur New York Times wechselte; dort schreibt er über Innenpolitik, insbesondere Innere Sicherheit und Nachrichtendienste der Vereinigten Staten.[1]

State of War[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch „State of War: The Secret History of the CIA and the Bush Administration“ (2006) beinhaltet weitreichende Informationen über die Operation MERLIN (2000), in der gefälschte Schlüssel-Informationen für den Bau von Atomwaffen durch die Central Intelligence Agency (CIA) an den Iran geleitet wurden. Diese konnten schnell enttarnt und eventuell korrigiert werden, so dass die USA unabsichtlich wohl möglich dem Atomprogramm elementare Unterstützung zukommen ließ. Risen erhielt die Details durch den ehemaligen CIA Angestellten Jeffrey Alexander Sterling, allerdings wurde die Kommunikation abgehört und Sterling wegen seines Leaks angeklagt[2] und Risen selbst in der Folge vollständig überwacht.[3]

NSA vor Snowden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Risen deckte die NSA-Überwachungsprogramme im Inland vor den Enthüllungen Edward Snowdens auf, in einen Bericht im Jahre 2005 in der New York Times. Bill Keller, der damalige verantwortliche Herausgeber der Zeitung verhinderte eine Veröffentlichung des Berichts vor der Präsidentschaftswahl im Jahre 2004, da sie der Regierung Bush hätte schaden können. Dass Keller sein Erscheinen im Folgejahr zuließ, war nur darauf zurückzuführen, dass Risen damit gedroht hatte, sein Material einem Buchverlag zu übergeben und die Times wegen Zensur anzuprangern.

United States v. Sterling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im seit 2010 laufenden Verfahren nach dem Espionage Act von 1917 gegen Sterling wurde mehrfach unter Anwendung von Subpoenas angeordnet, dass Risen die Übergabe von Dokumenten und eine Zeugenaussage zu tätigen hat, um „zu beweisen, dass die Quelle Jeffrey Sterling war[4]. Nach längerer juristischer Auseinandersetzung, einer Verjährung der ersten Subpoena der Regierung George W. Bushs 2008/2009 und einer Verlängerung der Regierung Barack Obamas 2010 entschied der United States Court of Appeals 2013 Risen habe Folge zu leisten, der Quellenschutz seit zweitrangig, auch wenn ein Richter der aus drei Personen bestehenden Abstimmung schrieb:

“[…] so long as the subpoena is issued in good faith and is based on a legitimate need of law enforcement, the government need not make any special showing to obtain evidence of criminal conduct from a reporter in a criminal proceeding. The majority exalts the interests of the government while unduly trampling those of the press, and in doing so, severely impinges on the press and the free flow of information in our society.”

„[…] solange die Subpoena in gutem Glaube und basierend auf legitimem Anspruch der Exekutivkräfte ausgestellt werden, muss die Regierung keine besonderen Aufwendungen vollziehen, um Beweise einer kriminellen Handlungsweise eines Journalisten während einer strafrechtlichen Verfolgung zu erlangen. Unsere Mehrheit verherrlicht die Interessen der Regierung, während die der Presse niedergetrampelt werden - mit harten Auswirkungen auf die Presse und den freien Fluss an Informationen in unserer Gesellschaft.“

Richter Roger Gregory[5]

Eine erneute Berufung vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten wurde Juni 2014 abgelehnt, allerdings steht es der Regierung Obama, sowie der Anklagebehörde frei, die Inhaftierung zu vollziehen.[4] Der Attorney General Eric Holder ließ sich auf eine Frage nach dem Subpoena von Risen zitieren, ohne in seiner Antwort direkten Bezug auf den Fall zu nehmen:

“As long as I’m attorney general, no reporter who is doing his job is going to go to jail.”

„So lange ich Attorney General bin wird kein Journalist, der seinen Job macht, ins Gefängnis gehen.“

Eric Holder[6]

James Risen hat die Position, seine Quelle nicht zu nennen, bekräftigt.

Breach at Los Alamos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit Jeff Gerth veröffentlichte Risen 1999 den Artikel „BREACH AT LOS ALAMOS: A special report.; China Stole Nuclear Secrets For Bombs, U.S. Aides Say“ (Bruch bei Los Alamos National Laboratory: Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung sagt: China stahl Atom-Geheimnisse für Bomben) in der New York Times, in dem die Autoren beschreiben, wie ein chinesisch-amerikanischer Wissenschaftler geheime Unterlagen über Atomwaffen gestohlen und an die chinesische Regierung weitergegeben hat. In der Folge wurde der taiwanesische Amerikaner Wen Ho Lee identifiziert, gegen den 58 der 59 Anklagepunkte im resultierenden Gerichtsverfahren fallen gelassen wurden, lediglich für unangemessenes Handhaben von Informationen, welche die Nationale Sicherheit betreffen bekannte sich Lee schuldig. Vorwürfe zur Spionage konnten nicht bewiesen werden, der urteilende Richter entschuldigte sich bei Lee für das von diesem gezwungener Maßen erduldete Bloßstellen, wie auch die Isolationshaft.

Zusammen mit Helen Zia veröffentlichte Lee das Buch „My Country Versus Me“ (Mein Land gegen mich), in dem Risen und Gerth schlampige Arbeit und Axt-im-Walde-Mentalität vorgeworfen wird. Zusammen mit der Los Angeles Times und drei anderen Zeitungen leistete die New York Times Zahlungen in Höhe von 750.000 US-Dollar zur Wiedergutmachung, durch die eine Klage und die erzwungene Preisgabe von Quellen verhindert wurde, bevor die Nachrichtenkonzerne überhaupt angeklagt waren. Die US-Regierung zahlte 895.000 Dollar Entschädigung in einer außergerichtlichen Entscheidung.[7]

Pay Any Price: Greed, Power, and Endless War[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem 2014 erschienenen Buch Pay Any Price: Greed, Power, and Endless War (Jeden Preis zahlen: Habgier, Macht und endloser Krieg), schreibt Risen das Post-9/11-Amerika sehe sich mit einer Angstindustrie in einem endlosen Krieg, in dem Korruption und Demokratieabbau die USA in einen Sicherheitsstaat verwandelt hätten. Der von George W. Bush ausgerufene Krieg wurde dreizehn Jahre später unter Barack Obama vehementer ausgefochten, als sein Vorgänger es sich hätte träumen lassen. Das Pentagon und die Geheimdienste waren dafür mit mehr Geld ausgestattet, als sie ausgeben konnten. Dieser endlose Krieg sei vergleichbar mit dem Dreißigjährigen Krieg in Europa im 17. Jahrhundert, als eine „neue Klasse von Söldnern“ entstanden sei, für den endlosen Krieg. [8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

“[…] revelations of excessive government surveillance to exposing the CIA's controversial 'Operation Merlin' in Iran […] Risen has fought bravely to protect his sources […]”

„[…] Enthüllungen über übermäßige öffentliche Überwachung und das Aufdecken der umstrittenen CIA-Operation „Merlin“ im Iran […] Risen hat tapfer gekämpft, um seine Quellen […] zu schützen.“

Fertel Foundation[9]

“[…] courage in his commitment to protect his sources and combat pressures that would undermine his work and that of other journalists.”

„[…] [den] Mut in seiner Hingabe seine Quellen zu schützen und dem Druck, der seine Arbeit und die anderer Journalisten untergräbt, zu widerstehen.“

Colby College[10]

“[…]their carefully sourced stories on secret domestic eavesdropping that stirred a national debate on the boundary line betrween fighting terrorism an protecting civil liberty.”

„ihre gründlich bequellten Artikel über das heimliche inländische Abhören, welche die nationale Debatte über die Grenzlinie zwischen Terrorismusbekämpfung und Bürgerrechten umrührten.“

pulitzer.org[1]

“[…] distinguished example of explanatory reporting that illuminates a significant and complex subject.”

„außergewöhnliches Beispiel erforschenden Journalismus, der ein bedeutsames und komplexes Thema beleuchtet.“

pulitzer.org[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • James Risen: Krieg um jeden Preis. Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror. Westend, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-86489-107-6.
  • James Risen: Pay Any Price. Greed, Power, and Endless War. Houghton Mifflin Harcourt, 2014, ISBN 978-0-544-34141-8.
  • James Risen: State of War: The Secret History of the CIA and the Bush Administration. Simon & Schuster, 2006, ISBN 0-7432-7066-5.
  • Milton Bearden, und James Risen: The Main Enemy: The Inside Story of the CIA's Final Showdown with the KGB. Random House, 2004, ISBN 0-345-47250-0.
  • James Risen, Judy Thomas: Wrath of Angels: The American Abortion War. Perseus Publishing, 1999, ISBN 0-465-09273-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

“The pursuit of Risen is a warning to potential sources that journalists cannot promise them confidentiality for disclosing Executive Branch criminality, recklessness, deception, unconstitutional policies or lying us into war.”

„Die Verfolgung Risens ist eine Warnung an alle potentiellen Quellen, dass Journalisten ihren Quellenschutz nicht versprechen können, wenn es um Kriminalität, Rücksichtslosigkeit, Irreführung oder Verfassungswidrigkeiten oder das uns-in-den-Krieg-lügen geht.“

Daniel Ellsberg

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c The 2006 Pulitzer Prize Winners: James E. Risen and Eric Lichtblau, pulitzer.org. Abgerufen am 10. August 2014.
  2. Michael Isikoff: Ex-CIA Officer Charged with Leak to Reporter, nbcnewyork.com, 6. Januar 2011. Abgerufen am 10. August 2014.
  3. Michael Isikoff: DOJ gets reporter's phone, credit card records in leak probe: Trying to show ex-CIA officer leaked agency secrets, feds target newspaperman nbcnewyork.com. Abgerufen am 10. August 2014.
  4. a b Adam Liptak: Supreme Court Rejects Appeal From Times Reporter Over Refusal to Identify Source, The New York Times – Website, 2. Juni 2014. Abgerufen am 10. August 2014.
  5. United States Court of Appeals for the fourth Circuit: Appeal: 11-5028 Doc: 78 (PDF) typepad.legaltimes.com, 19. Juli 2013. Abgerufen am 10. August 2014.
  6. Charlie Savage: Holder Hints Reporter May Be Spared Jail in Leak, The New York Times – Website, 27. Mai 2014. Abgerufen am 10. August 2014.
  7. Paul Farhi: U.S., Media Settle With Wen Ho Lee: News Organizations Pay To Keep Sources Secret, The Washington Post – Website, 3. Juni 2006. Abgerufen am 10. August 2014.
  8. [Johanna Adorján: Amerikas Krieg Warum 9/11 kein Ende nimmt. Wem nützt der Krieg gegen den Terror? Warum dauert er immer noch an? Der Journalist James Risen hat ein erschütterndes Buch über Amerikas Krieg geschrieben.] F.A.Z. vom 25. Dezember 2014
  9. The Ridenhour Courage Prize 2015, ridenhour.org – Website. Abgerufen am 31. Juli 2015.
  10. colby.edu/lovejoy, Colby College – Website. Abgerufen am 10. August 2014.
  11. The 2002 Pulitzer Prize Winners, pulitzer.org. Abgerufen am 4. August 2014.