Jeseník

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Jeseník (Begriffsklärung) aufgeführt.
Jeseník
Wappen von Jeseník
Jeseník (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Olomoucký kraj
Bezirk: Jeseník
Fläche: 3822 ha
Geographische Lage: 50° 14′ N, 17° 12′ OKoordinaten: 50° 13′ 47″ N, 17° 12′ 17″ O
Höhe: 432 m n.m.
Einwohner: 11.396 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 790 01
Verkehr
Bahnanschluss: Hanušovice–Głuchołazy
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 3
Verwaltung
Bürgermeister: Marie Fomiczewová (Stand: 2011)
Adresse: Masarykovo nám. 1
790 27 Jeseník
Gemeindenummer: 536385
Website: www.mujes.cz

Jeseník, bis 1947 Frývaldov (deutsch Freiwaldau), ist eine Stadt im tschechischen Olomoucký kraj (Olmützer Region) mit 38,22 km² Fläche und 11.471 Einwohnern.

Freiwaldau südlich von Breslau, westlich von Leobschütz und nordwestlich von Troppau auf einer Landkarte von 1909

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im Sudetenland, im Altvatergebirge an der Einmündung des Staritz (Staříč) in die Biela (Bělá) auf 423 m ü. NN, etwa 61 Kilometer nordwestlich von Troppau (Opava). Nordöstlich erhebt sich die Goldkoppe (Zlatý Chlum) mit 875 m, südöstlich der Orlík mit 1204 m und südlich der Altvater (Praděd) mit 1491 m. Südwestlich befindet sich das Kepernik-Bergland mit dem 1423 m hohen Kepernik. Westlich liegt das Reichensteiner Gebirge.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bukovice (Buchelsdorf)
  • Dětřichov (Dittershof)
  • Jeseník (Freiwaldau) – Stadt
  • Lázně Jeseník (Bad Gräfenberg)
Rynek (Marktplatz)
mit Rathaus
Blick vom Stadtrand
zum Hrubý Jeseník

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiwaldau entstand in der Mitte des 13. Jahrhunderts bei der Kolonisation des Altvatergebirges und wurde 1267 erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit besaß der zum Neisser Bistumsland gehörende Ort bereits Stadtrechte und seit 1290 ist auch das Weichbildrecht überliefert, das zehn Dörfer einschloss. Freiwaldau war eine unbefestigte Stadt mit einer Wasserburg, die Sitz des Stadtvogtes war. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich eine florierende Eisenmetallurgie mit Eisenhütten und Hammerwerken, die das in der Umgebung gewonnene Erz verarbeiteten. Daneben wurde Gold und Silber abgebaut. Wegen der ergiebigen Erzlagerstätten erwarben die Fugger die Stadt. 1506 wurde Freiwaldau durch Johannes V. Thurzo zur Bergstadt erhoben und erhielt das Stadtwappen.

Nachdem der Bergbau vor der Mitte des 16. Jahrhunderts seine Blüte überschritten hatte, verkauften die Fugger 1547 ihren Besitz im Altvatergebirge an den Breslauer Bischof Balthasar von Promnitz, der das Gebiet wiederum dem bischöflichen Fürstentum Neisse eingliederte. Mit dem Rückgang des Bergbaus wurden das Handwerk und die Leinenweberei zur Existenzgrundlage der Bewohner der Stadt.

17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Dreißigjährigen Kriegs hatte die Stadt, die an einer wichtigen Verbindung von Schlesien nach Mähren lag, unter dem Durchzug von Kriegsvolk zu leiden. In dieser Zeit begannen auch die Hexenverfolgungen, bei denen zwischen 1622 und 1684 102 Einwohner der Stadt auf den Scheiterhaufen verbrannt wurden.

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Teilung Schlesiens im Frieden von Breslau verblieb Freiwaldau ab 1742 bei Österreichisch-Schlesien.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Grenzziehung verloren die Leineweber viele ihrer schlesischen Märkte, und erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. 1822 gründete Adolf Raymann seine Leinwandmanufaktur, die sich später zum größten Unternehmen der Stadt entwickelte und weltweit exportierte. Die Firma Regenhart & Raymann umfasste auch mechanische Webereien und Spinnereien sowie eine Bleicherei. Zu dieser Zeit begann Vincenz Prießnitz in Gräfenberg (Lázně Jeseník) mit seinen Kaltwasserkuren und in Gräfenberg entstand die erste Wasserheilanstalt.

Nach der Abschaffung der Grundherrschaft in Österreich wurde Freiwaldau 1850 zum Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, zu der auch die Städte Zuckmantel und Weißwasser gehörten. Mit der 1890 gegründeten Handschuhfabrik Blühdorn entstand ein weiteres bedeutsames Unternehmen. Grundlage für den industriellen Aufschwung war der Bau der Eisenbahn von Hannsdorf nach Ziegenhals, die 1888 den Betrieb aufnahm.

Durch den Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgsverein (MSSGV) begann die touristische Erschließung des umliegenden Gebirges. 1899 entstand auf der Goldkoppe (Zlatý Chlum) mit der Freiwaldauer Warte (Frývaldovská stráž) ein 26 m hoher massiver Aussichtsturm.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der k.k. Monarchie kam Freiwaldau 1918 zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Ab 1919 wurde die Stadt zu einer Hochburg der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. In dieser Zeit erfolgte ein staatlich verordneter verstärkter Zuzug von tschechischer Bevölkerung in das zuvor rein deutschsprachige Gebiet, zumeist Militärs und Verwaltungsbeamte. 1931 kam es durch einen Polizeieinsatz während einer Demonstration arbeitsloser Arbeiter zu zehn Toten, darunter eine 60-jährige Frau und ein 14-jähriges Mädchen. Durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise gewann die Sudetendeutsche Partei ab 1933 immer mehr an Einfluss. Nach dem Münchner Abkommen wurde die Stadt zusammen mit dem Sudetenland in das Deutsche Reich eingegliedert.

Von 1938 bis 1945 war Freiwaldau Sitz des deutschen Landkreises Freiwaldau im Reichsgau Sudetenland, Regierungsbezirk Troppau, des Deutschen Reichs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Freiwaldau an die Tschechoslowakei zurück. Die Deutschen wurden 1945 vertrieben. 1947 wurde der Name der Stadt von Frývaldov in Jeseník geändert. In dieser Zeit siedelten sich hier viele Tschechen aus dem Landesinneren, Slowaken, Repatrianten und Roma an.

Während der anschließenden kommunistischen Herrschaft wurde das Stadtbild durch die Errichtung von Neubauten an Stelle der historischen Bausubstanz beeinträchtigt. Am 1. Juli 1960 verlor Jeseník den Status als Bezirksstadt und wurde in den Okres Šumperk eingegliedert. Nach der samtenen Revolution wurde am 1. Januar 1996 der Okres Jeseník wiedererrichtet und die Stadt Bezirkssitz.

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1834 1.422 deutsche katholische Einwohner[2]
1900 4.953 als Gemeinde 6.333[3]
1921 6.722 davon 6.055 Deutsche[4]

[5]

1930 8.251 davon 1.257 Tschechen[6]
1939 7.440 [6]
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1947 05.873
2006 12.510

Stadtname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Freiwaldau (ursprünglich Vriwald) stammt aus der Gründungszeit des Ortes, der in einem unbewaldeten Talkessel an der Einmündung des Staritz in die Biele angelegt wurde. Der heutige Name ist derjenige der umgebenden Landschaft Jeseníky, bestehend aus Hrubý Jeseník (Altvatergebirge) und Nízký Jeseník (Niedere Gesenke).

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1921–1933: Alois Bulla
  • 1933–1936: Adolf Hanig
  • 1936–1936: Hans Schlögl
  • 1936–1938: Max Groß
  • 1939–1945: Karl Bittmann
  • 2006–2010: Petr Procházka
  • seit 2010: Marie Fomiczewová[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rathaus
  • Schloss des Fürstbischofs von Breslau
  • katholische Kirche
  • evangelische Kirche

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtpark und am Gräfenberg wurden vor allem zwischen ca. 1840 und 1930 rund 100 natürliche Quellen gefasst, benannt und – meist von dankbaren Kurgästen – mit Quellenmonumenten, oft aufwendigen Steinmetzarbeiten, versehen. 1945 wurden diese Denkmäler entweder gewaltsam zerstört, oder es wurden zumindest die deutschen Inschriften herausgeschlagen.

  • Polnische Quelle
  • Preußen-Quelle
  • Englische Quelle
  • Eintracht-Quelle
  • Geschwister-Quelle

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Ort Fabriken für Leinen- und Damastwaren, Bleich- und Appreturanstalten, Handschuhfabrikation und eine Bierbrauerei. Die Firma Regenhart & Raymann war eine Leinen- und Damastweberei von Weltruf mit Niederlassungen in allen Erdteilen und Belieferung fast aller Fürstenhöfe Europas.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof befindet sich an der ehemaligen Staatsbahnstrecke Hannsdorf–Ziegenhals (Bahnstrecke Hanušovice–Głuchołazy). Es verkehren Züge der ČD nach Olmütz und Mährisch Ostrau.

Durch den Ort führen die Straßen I/44 (von Mohelnice nach Mikulovice) und I/60 (nach Javorník).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Jeseník verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunst und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Faustin Ens: Das Oppaland, oder der Troppauer Kreis, nach seinen geschichtlichen, naturgeschichtlichen, bürgerlichen und örtlichen Eigenthümlichkeiten. Band 4: Ortsbeschreibungen der Fürstenthümer Jägerndorf und Neisse österreichischen Antheils und der Mährischen Enclaven im Troppauer Kreise. Gerold, Wien 1837, S. 212–220.
  • Gustav Krause: Quellen und Denkmäler in der Kurstadt Freiwaldau-Gräfenberg. Mährisch-Schlesischer Sudetengebirgsverein, Kirchheim unter Teck 1999.
  • Konrad Badenheuer: Die Sudetendeutschen. Eine Volksgruppe in Europa. Sudetendeutscher Rat, München 2007, ISBN 978-3-00-021603-9.
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jeseník – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Faustin Ens: Das Oppaland, oder der Troppauer Kreis, nach seinen geschichtlichen, naturgeschichtlichen, bürgerlichen und örtlichen Eigenthümlichkeiten. Band 4: Ortsbeschreibungen der Fürstenthümer Jägerndorf und Neisse österreichischen Antheils und der Mährischen Enclaven im Troppauer Kreise. Gerold, Wien 1837, S. 214.
  3. Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 7: Franzensbad bis Glashaus. 6., gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage, neuer Abdruck. Bibliographisches Institut, Leipzig u. a. 1907, S. 78.
  4. Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland. Helmut Preußler, Nürnberg 1987, ISBN 3-925362-47-9, S. 135.
  5. Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon (= Deutsche Landschaften im Lexikon. Bd. 4). 2. Auflage. Adam Kraft, Mannheim 1985, ISBN 3-8083-1163-0, S. 152.
  6. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/sud_freiwaldau.html
  7. Jesenik rada mesta