Jirina Prekop

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jirina Prekop

Jirina Prekop, eigentlich Jiřina Prekopová (* 14. Oktober 1929 in Prostějov) ist eine tschechische Psychologin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jirina Prekop verließ nach dem Studium der Psychologie, Philosophie und Pädagogik 1970 die Tschechoslowakei und ließ sich in der Bundesrepublik Deutschland nieder. Sie war als Psychologin im Olgahospital in Stuttgart tätig. 1981 übernahm sie von der amerikanischen Psychologin Martha Welch die Grundsätze der Festhaltetherapie zur Heilung von Autismus und entwickelte sie, unter Einbeziehung des „systemischen Ansatzes“ des ebenfalls umstrittenen Bert Hellinger[1], zur „Festhaltetherapie nach Prekop“ weiter. Daneben veröffentlichte sie mehrere Erziehungsratgeber und unterstützt den familienpolitisch, christlich-konservativen Interessenverband Familiennetzwerk, der sich vornehmlich gegen außerfamiliäre Kinderbetreuung engagiert.[2] Heute lebt Jirina Prekop in Lindau.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker halten den therapeutischen Ansatz Prekops für pseudowissenschaftlich. Die Therapie basiert auf der Annahme, Autismus werde durch eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung verursacht; damit steht dieser Ansatz in einer Erklärungstradition, die von Bruno Bettelheim und Nikolaas Tinbergen begründet wurde. Viele Eltern von autistischen Kindern empfanden Schuldgefühle aufgrund der Entwicklung der Kinder und wurden von Psychologen, die in Erziehungsfehlern von „Kühlschrankmüttern“ die Ursache des Autismus sahen, in ihren Schuldgefühlen bestätigt. Eine Therapieform, die die Heilung unter aktiver Mitwirkung der Mütter versprach, führte bei einigen Müttern zu der Hoffnung, das vermeintlich begangene Fehlverhalten wiedergutzumachen. Dass die autistischen Kinder sich hierbei massiv wehrten, wurde dabei in Kauf genommen. Ziel der Vorgehensweise ist, den Willen des autistischen Kindes zu brechen. Mittlerweile wird als Ursache für Autismus hauptsächlich eine genetische Disposition gesehen, sodass der tiefenpsychologische Ansatz in der Fachwelt als überholt gilt.

Kinder, die dieser Therapie unterworfen würden, zeigten eher Symptome des sogenannten Stockholm-Syndroms, als dass echte Therapieerfolge erzielt würden.[3] Letztlich werde praktisch durch teilweise stundenlanges Festhalten der Kinder Gewalt auf die Kinder ausgeübt.[4] Autistische Menschen, die dieser Art der Therapie unterzogen wurden, berichten von Traumatisierungserfahrungen.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Bücher von Jirina Prekop sind im Kösel-Verlag, München, erschienen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

zur Person[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kürschners Deutscher Sachbuch-Kalender, Jg. 2003/2004, Band 2

zur Festhaltetherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lutz Dietrich Herbst, Wider die Zwänge des "Autisten". Anmerkungen zur Mutter- und Kind-Haltetherapie bei beziehungsauffaelligen Kindern, in: Zeitschrift fuer Heilpaedagogik, Jg. 1986, S. 180-188; auch in: Behindertenpaedagogik, Jg. 1988, S. 197-206
  • Georg Feuser, Aspekte einer Kritik des Verfahrens des "Erzwungenen Haltens" (Festhaltetherapie) bei autistischen und anders behinderten Kindern und Jugendlichen, in: Georg Feuser, Wolfgang Jantzen (Hg.), Jahrbuch für Psychopathologie und Psychotherapie, Jg. 1987, S. 73-134
  • Wolfgang Hinte, Die kleine Tyrannin oder: Zwei Stunden mit Frau Prekop in einem Zimmer (Rezension zu Prekops Buch Der kleine Tyrann), in: Päd. extra & Demokratische Erziehung, Jg. 1988, S. 45-48
  • Ulrich H. Rohmann, Ulrich Elbing, Festhaltetherapie und Körpertherapie : Beschreibung und kritische Würdigung der Mutter-Kind-Haltetherapie, Wut-Reduktions-Methode, Festhaltetherapie, basalen Kommunikation, modifizierten Festhaltetherapie, Musik-Körpererfahrungstherapie, integrativen Körpertherapie, körperkonzentrierten Interaktion, 1990, ISBN 3-8080-0206-9.
  • Falk Burchard, Festhaltetherapie in der Kritik, 1992, ISBN 3-89166-139-8.
  • Ute Benz (Hg.), Gewalt gegen Kinder. Traumatisierung durch Therapie?, 2004, ISBN 3-936411-60-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. Tagung des Familiennetzwerks, 2010
  3. Udo Schuster, Festhaltetherapie nach Prekop - Wirksame Hilfe oder pseudowissenschaftlich verbrämte Kindesmisshandlung?, www.religio.de
  4. Adelheid Müller-Lissner, Und bist du nicht willig, tagesspiegel vom 8. Oktober 2004