Prostějov

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Prostějov
Wappen von Prostějov
Prostějov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Historischer Landesteil: Mähren
Region: Olomoucký kraj
Bezirk: Prostějov
Fläche: 4658 ha
Geographische Lage: 49° 28′ N, 17° 7′ OKoordinaten: 49° 28′ 19″ N, 17° 6′ 42″ O
Höhe: 223 m n.m.
Einwohner: 43.798 (1. Jan. 2018)[1]
Postleitzahl: 796 01
Struktur
Status: Statutarstadt
Ortsteile: 8
Verwaltung
Oberbürgermeister: František Jura (ANO) (Stand: 2018)
Adresse: nám T. G. Masaryka 12-14
796 01 Prostějov
Gemeindenummer: 589250
Website: www.mestopv.cz

Prostějov (deutsch Proßnitz in Mähren) ist eine Stadt in der Olmützer Region in Tschechien. Sie ist die Bezirksstadt des Bezirks Prostějov.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prostějov liegt in der mährischen Hanna-Ebene, 18 km südwestlich von Olomouc in 223 m ü. M. Nahe der Stadt befindet sich der Zusammenfluss der Romže und der Hloučela.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Prostějov gehören die Ortsteile:

  • Čechovice (Tschechowitz) – 1050 Ew.
  • Čechůvky (Tschechuwek) – 163 Ew.
  • Domamyslice (Domamislitz) – 1056 Ew.
  • Krasice (Krassitz) – 2046 Ew.
  • Vrahovice (Wrahowitz) – 3402 Ew.
  • Žešov (Scheschow) – 325 Ew.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Proßnitzer Schloss (1903)
Das neue Rathaus

Als Siedlung Prostějovice wurde der Ort 1141 erstmals erwähnt. Seit dem Jahr 1213 ist der Name Proßnitz belegt. Bereits vor 1300 war es ein Marktdorf. Ab 1390 durfte ein Jahrmarkt abgehalten werden, was einer Erhebung zur Stadt gleichkam. Zu dieser Zeit gehörte der Ort den Herren von Krawarn und war Teil der Herrschaft Plumlov. Da die Stadt während der Hussitenkriege die Hussiten unterstützte, wurde sie 1431 von den Katholiken geplündert und gebrandschatzt. Weitere Besitzer der Herrschaft waren von 1495 bis 1599 die Herren Pernstein und von 1599 bis 1848 das Haus Liechtenstein. 1857 war die Bevölkerung "mährischer und teutscher Sprache".[2]

Im 19. Jahrhundert ist Proßnitz der Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts und hatte damals vier Vorstädte, eine deutsche und eine tschechische Oberrealschule, eine Webschule, ein städtisches Krankenhaus und ein Spital der Barmherzigen Brüder, Gasbeleuchtung und 18.417 Einwohner (1880), darunter 1800 Juden. 1892 wurde erstmals ein Tscheche, Karel Vojáček, zum Bürgermeister gewählt. Um 1900 hatte Proßnitz bereits 25.466 vorwiegend tschechische Einwohner.

Fabrik F. Wichterle im Jahr 1900

In der Protektoratszeit war die Stadt bis 1940 Sitz des Oberlandratsbezirks Proßnitz. Danach zählte bis 1945 der Bezirk Proßnitz zum Oberlandratsbezirk Mährisch Ostrau.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besetzung wurden 1945 die deutschsprachigen Einwohner der Stadt vertrieben. Bei einem Schusswechsel mit den Interventionstruppen des Warschauer Paktes starben 1968, während des so genannten Prager Frühlings, drei Menschen. 1990 wurde das historische Stadtzentrum zur Denkmalschutzzone erklärt. Mittlerweile ist die Stadt der Mittelpunkt der tschechischen Textilindustrie.

2012 wurde Prostějov zur Statutarstadt erhoben.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1837 08.552 ohne die Judengemeinde (1.742 Einwohner in 58 Häusern), in 778 Häusern, bis auf drei Evangelische sämtlich katholische Einwohner, die beide Landessprachen sprechen[3]
1854 11.174 Katholiken mährischer und deutscher Sprache nebst 2.000 Juden[2]
1857 12.542 [4]
1880 18.417 darunter 1.800 Juden
1900 25.466 mit der selbständigen Israelitengemeinde, vorwiegend tschechische Einwohner[5]

Garnisonsstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort war Garnison folgender militärischer Einheiten:

Während des Zweiten Weltkrieges waren auf dem Fliegerhorst Kosteletz bei Proßnitz stationiert:

  • 1944: Schlachtflieger-Ergänzungsgruppe 154
  • August 1944 – Februar 1945: IV./Schlachtgeschwader 151
  • Dezember 1944: 5./Jagdgeschwader 300
  • Januar 1945: I. und II./Jagdgeschwader 77

Als Garnison der Streitkräfte der Tschechischen Republik

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narodní dům (städtisches Museum)
Altes Rathaus
Das Schloss

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind das Proßnitzer Schloss, die Pestsäule mit Jungfrau-Maria-Statue (1714), die Barockkirche des hl. Johannes von Nepomuk, das Kloster der Barmherzigen Brüder, die Pfarrkirche der Heiligen Peter und Paul und die Kirche der Heiligen Kyrill und Method. Ein imposanter Jugendstilbau ist das 1905–07 nach Entwürfen von Jan Kotěra gebaute Volkshaus Narodní dům. Das neue Rathaus des Brünner Architekten Karel Hugo Kepka wurde in den Jahren 1911–1914 errichtet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtshaus von Jiří Wolker
Masaryk-Denkmal

In der Stadt wirkten und lebten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften
Schulen
  • Schulpartnerschaft zwischen dem Gymnázium Jiřího Wolkera Prostějov und dem Léon-Foucault-Gymnasium Hoyerswerda (seit 7. November 2009)
  • Schulpartnerschaft zwischen der Základni Skola a Materská Skola Prostějov und der Grundschule "An der Elster" und der Mittelschule "Am Stadtrand", beide in Hoyerswerda (seit 7. November 2009)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptbahnhof liegt an der Mährisch-Schlesischen Nordbahn. Der Stadtbahnhof Prostějov auch an den Linien Nezamyslitz-Olmütz-Sternberg der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn und Proßnitz-Triebitz (78 km) der Mährischen Westbahn.

Die Schnellstraße R46 (Rychlostní silnice 46) ist die direkte Verbindung zur Autobahn D1. Durch die Stadt verläuft auch der internationale Radweg Bernsteinstraße.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 fanden in Prostejov das internationale Tennisturnier WTA Prostějov und einige Spiele der U-16-Fußball-Europameisterschaft 1999 statt. 2001 wurden die Spiele der Gruppe F des IIHF Continental Cup 2001/02 in der Stadt ausgetragen. Anfang Juni finden hier auch die tschechischen Meisterschaften im Discotanz statt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Prostějov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  2. a b Gregor Wolny: Kirchliche Topographie von Maehren. Teil I: Olmuetzer Erzdioecese, Band 2, Nitsch und Gross'esche Buchhandlung, Brünn 1857, S. 2
  3. Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren, topographisch, statistisch und historisch geschildert. Brünn 1839, S. 671.
  4. Carl Kořistka: Die Markgrafschaft Mähren und das Herzogthum Schlesien in ihren geographischen Verhältnissen. Wien und Olmüz 1861, S. 268–269.
  5. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 16, Leipzig und Wien 1908, S. 389.