Johann VI. (Nassau-Dillenburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg

Johann VI. von Nassau-Dillenburg, genannt der Ältere, (* 22. November 1536 in Dillenburg; † 18. Oktober 1606[1] ebenda) war Statthalter von Gelderland von 1578 bis 1581. Er war der Sohn des Grafen Wilhelm des Reichen von Nassau-Dillenburg und dessen Ehefrau Juliana von Stolberg. Er regierte ab 1559 die nassau-dillenburgischen Stammlande und wurde als der „beste Regent, den Nassau jemals besessen“, bezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann VI. studierte in Straßburg. Sein älterer Bruder Wilhelm der Schweiger war Erbe des Fürstentums Orange in Südfrankreich geworden und so folgte Johann in den deutschen Besitztümern des Vaters, als dieser 1559 starb. Er wurde dadurch Graf von Nassau-Dillenburg, Katzenelnbogen, Dietz, Siegen und Hadamar. Als 1561 mit dem Grafen Johann III. die Linie Nassau-Beilstein ausstarb, erbte Johann auch Beilstein.

Seinen Bruder Wilhelm unterstützte er nicht nur politisch, sondern auch finanziell erheblich, bis an die Grenze seiner Zahlungsfähigkeit. Er gab dessen Familie Zuflucht, als diese vor Ausbruch des Achtzigjährigen Kriegs aus den Niederlanden fliehen musste. Nach der Stabilisierung der Lage in den Niederlanden forderte Johann die gewährten Kredite für den Krieg gegen Spanien zurück. 1594 wurde diese Rückzahlung vereinbart, aber erst nach 30 Jahren konnte sie abgeschlossen werden.

Im Auftrag seines Bruders wirkte er an der Gefangenhaltung und Auslieferung von Wilhelms zweiter Ehefrau Anna von Sachsen und der Inhaftierung ihres Anwalts Jan Rubens mit, dem eine Liebesaffäre mit Anna vorgeworfen wurde. Später war er der Einzige, der Verantwortung für die Tochter aus dieser Affäre, Christine von Diez, übernahm, die ihn als einen Ersatzvater betrachtete. Rubens kam in Dillenburg in zweijährige Haft und anschließend in Siegen unter Hausarrest, wo 1577 sein berühmter Sohn Peter Paul Rubens zur Welt kam. Jan Rubens' Ehefrau Maria Pypelinckx hielt stets loyal zu ihrem Mann.

Drei seiner Söhne und seine vier Brüder fielen im Kampf um die Niederlande. Als Einziger unter seinen Brüdern starb er 69-jährig eines natürlichen Todes.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal Johanns in Utrecht

Johann bemühte sich um eine umfassende Verwaltungsorganisation. 1562 regelte er durch die Holz- und Waldordnung die Haubergwirtschaft des Siegener Landes.[2] Seit 1572 und endgültig 1577 ging das Land vom lutherischen zum calvinistischen Bekenntnis über.

1582 erließ er auf Drängen seiner Untertanen ein Hexenmandat, das vergleichsweise zurückhaltend war, genaue Untersuchung auch entlastender Tatsachen forderte und keine eigenständige lokale Prozessführung zuließ.[3] Der Graf selbst war kein Befürworter der Hexenverfolgungen, hielt Zauberei aber für möglich. Während seiner fast 50-jährigen Regierungszeit wurden 70 Hexenprozesse geführt, die zu 40 Hinrichtungen einschließlich dreier Selbstmorde führten; diese Gesamtzahl liegt deutlich unter den umliegenden Herrschaften.[4]

1584 gründete Johann VI. die Hohe Schule Herborn als geistiges Zentrum des Calvinismus. Er belebte das Wetterauische Reichsgrafenkollegium neu, dessen Führer er wurde. Er initiierte ein „Landrettungswerk“ (Miliz), das auf die umliegenden Länder ausgedehnt werden sollte, wie er auch eine politische Union aller evangelischen Stände zu erreichen suchte. Er unterstützte entscheidend seinen Bruder Wilhelm den Schweiger in den Niederlanden, wo er 1577 bis 1580 als Statthalter der Provinz Gelderland tätig war und 1579 die Utrechter Union zustande brachte.

Ehen und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann VI. heiratete 1559 in Dillenburg in erster Ehe Elisabeth von Leuchtenberg (1537–1579), Tochter des Landgrafen Georg von Leuchtenberg. Elf Kinder wurden in dieser Ehe geboren:

Johanns zweite Ehefrau wurde 1580 in Dillenburg Prinzessin Kunigunde Jakobäa von der Pfalz (1556–1586), mit der er zwei Töchter hatte:

Seine dritte Ehe schloss er 1586 in Berleburg mit Gräfin Johannetta von Sayn-Wittgenstein (1561–1622), mit der er folgende sieben Kinder hatte:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Johann VI. von Nassau-Dillenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann VI. von Nassau-Siegen: Gestorben 6. Oktober 1605, nach Europ. Stammtaf. NF I, 116. - Esser 1933 S. 25f.: 08.10.1606
  2. Adolf Müller: Meilensteine aus der Siegerländer Vergangenheit. In: Siegerländer Heimatkalender. Bd. 41, 1966, ZDB-ID 529717-5, S. 96.
  3. Grafen Johanns zu Nassau Mandat die der Zauberey und Hexerei beschuldigte Personen betr. In: Friedrich Wilhelm Cuno: Johann der Aeltere von Nassau-Dillenburg. Georg Schwabe, Halle an der Saale 1869, S. 121–123, vgl. S. 101 (Google-Books).
  4. Vgl. im Einzelnen Johanna Koppenhöfer: Hexenverfolgungen in der Grafschaft Nassau. Die Reichsgrafschaft Nassau und ihr Regent (2003), In: Gudrun Gersmann, Katrin Moeller, Jürgen-Michael Schmidt (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung (Online bei historicum.net, abgerufen am 22. Oktober 2014).