Johannes Nepomuk Neumann

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Johann Nepomuk Neumann
Wappen

Johannes Nepomuk Neumann CSsR (* 28. März 1811 in Prachatitz; † 5. Januar 1860 in Philadelphia, (Pennsylvania, USA)) war katholischer Priester, Redemptorist, vierter Bischof von Philadelphia (1852–60) und ist seit 1977 ein Heiliger der römisch-katholischen Kirche. Er ist der erste heiliggesprochene amerikanische Bischof. Als Bischof von Philadelphia gründete er das erste katholische Pfarrschul-System in den Vereinigten Staaten.

Leben[Bearbeiten]

Familiärer Hintergrund[Bearbeiten]

Johannes Nepomuk Neumann war Sohn des aus Obernburg am Main (Unterfranken) zugewanderten Strumpfwirkers Johann Philipp Neumann und der Agnes Lebisch aus Prachatitz.

Sein Vater Phillip Neumann vollzog seine Umsiedlung nach Böhmen um das Jahr 1799 aufgrund der napoleonischen Feldzüge, da sonst die damals übliche Zwangsrekrutierung junger Männer durch die französische Armee drohte. So ist eine Hinterlegung der bedeutenden Geldsumme von 2000 Gulden im März 1800 im Magistrat von Netolitz belegt. Am 22. April 1802 bat Phillip Neumann beim Ortsmagistrat von Prachatitz um Aufnahme als Bürger und Strumpfwirkermeister, ein Antrag dem auf der Magistrats-Sitzung zwei Tage darauf stattgegeben wurde. Daraufhin verheiratet Phillip Neumann sich mit Antonia Strachotinsky. Die Ehe blieb kinderlos und die erste Frau verstarb am 26. November 1804 an Kindbettfieber. Das Stammhaus in der Oberen Strasse erwarb er 1806 durch ein Höchstgebot bei der Versteigerung des Hauses eines kürzlich verstorbenen Schneidermeisters. In zweiter Ehe heiratete er am 17. Juni 1805 Agnes Lebisch. Die Tochter eines Sattlermeisters war tief religiös und besuchte täglich die heilige Messe. Als Strumpfwirkermeister bildete er Lehrlinge und Gesellen aus und war er Mitglied der Reichzunft, der er von 1820 bis 1841 als einer der Zunftmeister diente. Im Jahr war 1813 einer der drei Prachatizter Stadtheger. Freizeitmässig war das Ehepaar ab 1819 im Prachatitzer Buchklub aktiv, eine Bibliophilie, die sich auf die Nachkommen übertrug.

Johannes Nepomuk Neumann hatte sechs Geschwister, Katharina (* 8. April 1806; † 14. Juni 1889), Phillip (* 1. Februar 1808; † 6. Mai 1808), Veronika (* 3. Februar 1809; † 25. Juni 1850), Johanna (* 19. April 1813; † 22. April 1887), Aloisa (* 13. Mai 1815; † 27. Juli 1886) und Wenzel (* 4. September 1817; † 10. April 1896). Der jüngere Bruder Wenzel ging bei seinem Vater als Strumpfwirker in die Lehre, wanderte 1839 nach Nordamerika aus, schloss sich ebenfalls den Redemptionisten an, war unter anderem als Koch tätig, und verstarb in New Orleans.

Ausbildung[Bearbeiten]

Johannes Nepomuk Neumann wurde am 1. November 1817 in der Prachatitzer Stadtschule eingeschult. Schon in der ersten Klasse wurde ihm vom Lehrer die Anleitung seiner Mitschüler anvertraut. Ausserhalb der Schule erlernte 1822-1823 er beim Katecheten Grundlagen der lateinische Sprache.

Ab 1824 ging er ins Piaristengymnasium in Budweis, in dem er 1829–-1831 ein zweijähriges philosophisches Studium absolvierte.

Ab Herbst 1831 wollte er in Prag Medizin zu studieren, ein Vorhaben, das auf die Zustimmung seines Vaters, aber auch auf die grundsätzliche Ablehnung seitens seiner tief religiösen Mutter stoss. Sie wollte unbedingt, dass er sich einer geistlichen Laufbahn widmet. Weil sich die Mutter durchsetzen konnte trat der folgsame Sohn am 1. November 1831 in das Priesterseminar in Budweis ein.

Im Herbst 1833 begann er sein Theologiestudium im Prager erzbischöflichen Seminar mit Vertiefungen in Philosophie, Theologie, Mathematik, Naturwissenschaften und Latein. Die Abschlussprüfungen bestand er am 6. Juli 1835. Da damals in der Diözese Budweis Priesterüberschuss herrschte, wurde für den gesamten Weihejahrgang die Priesterweihe um Monate hinausgeschoben.

Auswanderer und Missionar[Bearbeiten]

Die Entscheidung, nach Beendigung der Priesterstudien als Missionar nach Nordamerika zu gehen, fiel schon im Priesterseminar in Budweis. Ein Beweggrund waren die Ausführungen des slowenischen Missionars Pater Friedrich Baraga in den 'Nachrichten des Leopolsvereins' derLeopoldinenstiftung in Wien, die dort auslagen. Aufgrund der damaligen Einwanderwelle in die Vereinigten Staaten gab es einen immensen Bedarf an deutschsprechenden Priestern. Es lässt sich sogar der Moment der Entscheidung datieren, und zwar auf das Frühjahr 1833, als der Rektor des Priesterseminars, Johann Kröner, aus dem 11 Kapitel des zweiten Korinterbriefs vortrug, in dem Paulus sein Leiden für das Evangelium beschreibt.

Seine englischen Sprachkenntnisse erwarb und vertiefte er in Gesprächen mit englischen Arbeitern der Prager Manufaktur. Er gewann sogar eine Ausschreibung für Englischdolmetscher im diplomatischen Dienst, trat die Stelle aber nicht an. Ausserdem besuchte er französische Vorlesungen im Klementinum.

Nachdem er im Februar 1836 in Budweis den bischöflichen Segen bekommen hatte, reiste er 70 Tage über Linz, München, Stuttgart, Ulm und Strassburg nach Paris. Der Rektor des Strassburger Seminars sicherte eine Empfehlung beim Bischof von New York zu und schenkte ihm eine Kiste mit Büchern. Seinen 25. Geburtstag feierte er in Paris, das damals als Zentrum von Laster und Sünden galt. Dort verpasste er die Abfahrt des gemieteten Stellwagen nach Le Havre. Der als Ersatz angeheuerte Kutscher setzte ihn am Rande von Paris aus. Deswegen ging mit seinen beiden Koffern und der Bücherkiste zu Fuss nach Saint Germain, wo er mit einem anderen Stellwagen zum Hafen in Le Havre gelangte. Dort schiffte er sich am 20. April 1836 für die vierzigtägige Schiffsreise mit dem Dreimaster Europa ein.

Am 1. Juni 1836 kam er in New York an und empfing dort knapp vier Wochen später, am 25. Juni 1836, von Bischof John Dubois die Priesterweihe. Die Sorge um die deutsche Gemeinde und die Frage des Schulwesens ist schon zu Beginn der Missionstätigkeit ein Hauptthema, wie ein Brief vom 27. Juni 1836 belegt:

Die Not der Deutschen ist hier grösser als man sich nur denken kann. Selten brachten sie Religion aus Europa mit, da tolle Freiheitssicht und Geldgier gewöhnliche Ursache ihrer Auswanderung sind. Der Religionsunterricht der Jugend liegt, wovon ich mich selbst zu überzeugen Gelegenheit hatte fast ganz darnieder. Die meisten Kinder werden von den Eltern in englische Schulen geschickt, denn die Deutschen, besonders die schon länger hier sind, schämen sich ihrer Sprache und das Englisch zu kennen ist wirklich sehr vorteilhaft. (...) Indes liess sich am meisten Guts in der Schule wirken. Denn sobald die Elfern bemerken, dass man sich mit ihrer Kindern gerne abgibt und kein gar grossen Forderungen an ihre Kasse macht, so erwacht ihr religiöser Sinn wieder, da das grosse Hindernis der Armut verschwindet, und die Kinder kommen häufiger und öfter.

Zunächst wurde er nach Williamsville (nördlich von Buffalo) gesandt, wo er den Kirchenbau vollendete und seine erste katholische Schule gründete. Das Pfarrgebiet hatte einen Umfang von 1450 Quadratkilometern, welches er unentwegt mit einem Rucksack durchwanderte.

Als er an Ostern 1840 entkräftet zusammenbrach, brachte man ihn zur Erholung in ein Redemptoristenkloster. Am 30. November 1840 trat Neumann in den Redemptoristenorden ein. Nachdem er am 16. Januar 1842 die Profess in Baltimore, Maryland, abgelegt hatte, wurde er dort Pfarrer an St. Alfons. Zu der Gemeinde, in deren Gebiet zumeist deutsche Emigranten lebten, gehörten zehn Außenstationen. Seit 1843 Provinzrat, wurde er 1844 Leiter des Pittsburgher Klosters und schließlich 1846 als Vizeprovinzial der Leiter aller amerikanischen Niederlassungen des Ordens. Er gab zwei Katechismen und eine biblische Geschichte heraus.

Im Herbst 1846 hatte er eine ernsthafte Erkrankung der Atemwege (ununterbrochenes kräftiges Husten, teilweise auch mit Blut), die er sich wahrscheinlich durch die Luftverschmutzung während seines längjährigen Aufenthalts in der Industriemetropole Pittsburg zugezogen hat.

Bischof von Philadelphia[Bearbeiten]

Bischof Johann Nepomuk Neumann

In einer Bulle vom 1. Februar 1852 wurde er von Papst Pius IX. zum Bischof von Philadelphia ernannt, in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen in der Seelsorge und wegen seiner intellektuellen Fähigkeiten. Die Bischofsweihe spendete ihm sein Amtsvorgänger und neuer Erzbischof von Baltimore, Francis Patrick Kenrick, am 28. März desselben Jahres. Mitkonsekrator war der Bischof von Hartford, Bernard O’Reilly und Bischof Dubois. Er war der bis dahin jüngste Bischof der USA. Als Bischof wählte er den Leitspruch: Passio Christi conforta me („Leiden Christi, stärke mich!“). In seiner nur acht Jahre währenden Amtszeit begann er den Bau der Kathedrale von Philadelphia und richtete ein Priesterseminar ein. Er gründete in seinem Bistum über 100 Kirchen und fast ebenso viele Schulen. Zur Amtseinführung hatte Philadelphia 400.000 Einwohner, ein viertel davon waren Katholiken. Schon innerhalb des ersten Amtsjahres war die Zahl der Kinder an katholischen Schulen von 500 auf 5000 gestiegen. Dadurch legte er den Grundstein für das kirchliche Pfarrschulsystem im heutigen Amerika.

Als Bischof kümmerte sich Johannes Neumann vor allem um die einfachen und armen Leute. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass in einer guten Schulausbildung der entscheidende Schlüssel für eine Verbesserung der sozial schwachen Schichten liegt.

Mit der Ernennung zum Bischof erhöhten sich die Chancen eines Heimatbesuches, denn damals hatten die amerikanische Bischöfe die Pflicht, alle zehn Jahre einen Ad-limina-Besuch beim Bischof von Rom abzustatten. Dieser Besuch konkretisierte sich überraschend, als Papst Pius IX im Oktober 1854 alle Bischöfe zu sich nach Rom rief; am 8. Dezember 1854 gab Papst Pius IX. im Petersdom vor 55 Kardinälen, 150 Bischöfen und 50000 Priestern, Ordensbrüdern und Gläubigen das Dogma Ineffabilis Deus von der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria bekannt. Am 16. Dezember hatte Johannes Nepomuk Neu mann eine Privataudienz beim Papst Pius IX, mit der auch der offizielle Teil des Aufenthalts in Rom endete. Auf der Weiterreise machte er unter anderem bei den Redemptoristen in Leoben und Wien halt. In Prag wurde er vom 1848 abgedankten Kaiser Ferdinand zum Mittagessen empfangen, der einen höheren Betrag für den Bau der Kathedrale in Baltimore spendete. Mit dem Schlitten vom budweiser Bischof Jan Valerián Jirsík fuhr er über Netolitz schliesslich in seine Heimatstadt im Böhmerwald, deren Einwohner ihm einen überwältigenden Empfang bereitete.

Während des Regionalkonzils in Baltimore 1858 wurde der Standpunkt der Kirche im Streit um die Sklaverei öffentlich klargestellt und die Gründung einer Schule für Kinder mit afrikanischem Migrationshintergrund beschlossen.

Der typische Tagesablauf in den letzten Jahren war wie folgt: 5 Uhr aufstehen, Gebet in der Hauskapelle, 6 Uhr heilige Messe mit Seminaristen, ab 7 Uhr Abnahme der Beichte, bis zu mehreren Stunden; als Mittagessen gab es eine Tasse Kaffe und ein Stück Brot; am Nachmittag gab es Besuche, Audienzen, Amtshandlungen, teilweise bis in die Abendstunden bis zu Mitternacht, die Nachtruhe verkürzte sich in den letzten Jahren auf zwei, drei Stunden.

Am 5. Januar 1860 um 3 Uhr nachmittags brach der nur 1,60 Meter große Mann wegen eines Herzstillstand auf der Straße zusammen und starb noch am gleichen Tag. Er wurde in der Redemptoristenkirche von Philadelphia bestattet. Der Seligsprechungsprozess wurde 1886 begonnen und am 13. Oktober 1963 mit der Seligsprechung abgeschlossen. Am 19. Juni 1977 wurde Johannes Nepomuk Neumann von Papst Paul VI. heiliggesprochen.

Gedenktag[Bearbeiten]

Verehrung[Bearbeiten]

Der Vater von Bischof Neumann, Johann Philipp Neumann, wurde am 16. Oktober 1774 in Obernburg am Main (Unterfranken/Bayern/Deutschland) geboren. Er wanderte 1802 nach Prachatitz/Böhmen aus.

In Obernburg/Main ist die Unterkirche seinem Namen geweiht. Zwei Glasfenster daselbst zeigen Lebensabschnitte des Bischofs Johannes Nepomuk Neumann. Nach dem Bischof benannt ist die Bischof-Neumann-Schule in Königstein im Taunus.

USA-Staatspräsident Barack Obama überreichte als Gastgeschenk bei seinem Besuch im Juli 2009 im Vatikan Papst Benedikt XVI. eine Stola des heiligen Bischof Neumann. Benedikt revanchierte sich mit einer Buchsonderausgabe seiner Sozialenzyklika Caritas in veritate.

Literatur[Bearbeiten]

  • Augustin Reimann: Böhmerwaldsohn und Bischof von Philadelphia - Johann Nepomuk Neumann. Sudetendeutsches Priesterwerk, Königstein/Taunus 1960, 103 S.
  • Václav Stary: Der Heilige Johann Neumann und Prachatitz. Stadtamt Prachatitz, 75 S.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johannes Nepomuk Neumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien