John E. Woods

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John Edwin Woods (* 16. August 1942 in Indiana) ist ein US-amerikanischer Übersetzer deutschsprachiger Literatur. Neben den Schwerpunkten Thomas Mann und insbesondere Arno Schmidt, orientiert sich das übersetzerische Profil Woods' weitgehend innerhalb der literarischen Zeiträume des mittleren und ausgehenden 20. Jahrhunderts.

Zahlreiche dieser Übertragungen wurden mit Auszeichnungen bedacht, für die Übersetzung von Schmidt's Abend mit Goldrand erhielt Woods im Jahre 1981, sowie 1987 für Süskinds Das Parfum, den renommierten PEN Translation Prize des PEN American Center, 1990 den Schlegel-Tieck Prize for Translation für die Übertragung Christoph Ransmayr's Die letzte Welt, sowie 1995 zweimalig den Helen and Kurt Wolff Prize des Goethe-Instituts und 2008 schließlich die Goethe-Medaille.[1]

Übersetzer[Bearbeiten]

Woods war 1971 aus Ohio nach Tübingen gekommen und nahm dort unter Jürgen Moltmann ein Studium der Theologie auf. Er hegte auch den Wunsch, Schriftsteller zu werden. Im Zustand anhaltender Schreibblockaden, beschloss Woods gleichwohl, die eigenen schriftstellerischen Ambitionen aufzugeben. Die Lektüre von Schmidts Abend mit Goldrand [2] gab Anstoß zu intensiveren Auseinandersetzung mit dem Autor. Woods versuchte sich an einer Übertragung in seine Muttersprache, die mehrere Jahre in Anspruch nahm. Das Manuskript gelangte an die einflussreiche deutsch-amerikanische Verlegerin Helen Wolff, Lebensgefährtin von Kurt Wolff, mit deren Hilfe die Publikation schließlich ermöglicht werden sollte. Die Übertragung wurde mehrfach ausgezeichnet.

In den Folgejahren übernahm Woods die Übersetzung bedeutender deutschsprachiger Belletristik, vornehmlich der literarischen Moderne und der Gegenwartsliteratur. Das Romanwerk Thomas Manns erfuhr damit in Gänze die längst erforderliche Neuübersetzung der heute als überholt geltenden Erstübersetzungen Helen Lowe-Porters. Arno Schmidts vielschichtige und anspielungsreiche, von Woods selbst liebevoll als "fairy tales for adults" umschriebene Prosa, bleibt jedoch sinnstiftend für Woods' übersetzerische Tätigkeit, die er als Liebeserklärung an seine eigene Muttersprache versteht.[3]

Aus der anfänglich rein privaten Leidenschaft wurde durch Jan Philipp Reemtsma ein Dauerauftrag für die Übertragung des erzählerischen Gesamtwerks des als unübersetzbar geltenden Schriftstellers zugesichert, der Woods es seit 1986 ermöglicht, dieser Aufgabe nachzukommen. Den Abschluss des Übereinkommens bildet die Übertragung von Schmidts Opus magnum Zettel's Traum[4], das im Jahr 2014 erschienen ist. Woods gab bereits zuvor bekannt, seine Arbeit damit als vollendet anzusehen und sich danach von der Übersetzertätigkeit gänzlich zurückziehen zu wollen.[5]

Woods lebt in Berlin.[6]

Ausgewählte Übersetzungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Preisträger John E. Woods (Übersetzer). Goethe-Institut, 2008, abgerufen am 22. September 2014.
  2. Mark Harman: A Conversation with John E. Woods. In: Translation Review. 44-45, 1994, S. 4, doi:10.1080/07374836.1994.10523614.
  3. Charlotte Ryland: Of Fiction and Fairy Tales: An interview with John E. Woods. New Books in German, abgerufen am 22. September 2014.
  4. Kathryn Toolan: An Interview with John E. Woods. Dalkey Archive Press, abgerufen am 16. Mai 2015.
  5. Gabi Wuttke: Der begehrliche Wortarbeiter. NZZ, abgerufen am 16. Mai 2015.
  6. Gabi Wuttke: Ein sprachbesessener Amerikaner. Deutschlandradio Kultur, 14. Januar 2014, abgerufen am 22. September 2014.