Joseph Dahlmann

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Joseph Dahlmann SJ (* 14. Oktober 1861 in Koblenz; † 23. Juni 1930 in Tokio) war ein deutsch-luxemburgischer katholischer Theologe, Indologe und Orientalist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dahlmann trat am 30. September 1878 der Ordensgemeinschaft der Jesuiten bei und studierte Katholische Theologie und Philosophie am Ignatiuskolleg in Valkenburg (Holland) und am Jesuiten-Collegium Ditton-Hall, Shropshire (England). Schwerpunkt seiner Studien war die Philologie und die Vergleichende Sprachwissenschaft. 1891/93 studierte er Orientalistik mit Vertiefung Sanskrit an der Universität Wien, an der Berliner Universität vertiefte er 1893 bis 1900 die Fächer indische Altertumskunde und Chinesische Literatur und wurde ebenda promoviert.[1]

Nach kurzem Aufenthalt im luxemburgischen Schriftstellerheim des Ordens unternahm er 1902/05 an Forschungsreisen nach China und Indien teil, wo er unter anderem Sanskrit erlernt.[2] Einem Wunsch von Papst Pius X. folgend, wurde er von der Ordensleitung als erster deutscher Jesuit nach Japan berufen. Am 18. Oktober 1908 kam er mit Henri Boucher, vorheriger Leiter einer Jesuitenakademie in Schanghai, und dem Amerikaner James Rockliff, ein in Österreich ausgebildeter gebürtiger Engländer und ehemaliger Superior in einer Jesuitenprovinz in den Vereinigten Staaten, in Yokohama an.[2] 1913 gehörte er zu den Mitgründern der Jōchi Daigaku (der heutigen Sophia-Universität), der katholischen Privatuniversität in Tokio und lehrte Deutschsprachige Literatur und Indische Philosophie. Von 1914 bis 1921 war er zudem Professor für Deutsche Sprache und Literatur sowie klassisches Griechisch an der Kaiserlichen Universität Tokio.[2][1]

In Luxemburg war er an einem Projekt zur Gründung einer Jesuiten-Universität beteiligt, das scheiterte.[3]

Joseph Dahlmann veröffentlichte zahlreiche Werke zur Japanologie und Indologie, zum Buddhismus und Thomaschristentum. Er war persönlich befreundet mit Georg Cantor.[1] Sein jüngerer Bruder war Franz Dahlmann SJ, der als Missionar in Brasilien wirkte.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Sprachkunde und die Missionen, 1891
  • Nirvana. Eine Studie zur Vorgeschichte des Buddhismus, 1896[4]
  • Das altindische Volkstum und seine Bedeutung für die Gesellschaftskunde, 1899[5],
  • Der Idealismus der indischen Religionsphilosophie im Zeitalter der Opfermystik, 1901
  • Indische Fahrten (2 Bände), 1908
  • Die Thomas-Legende und die ältesten historischen Beziehungen des Christentums zum fernen Osten im Lichte der indischen Altertumskunde, 1912
  • Auf den Fluten des Ganges, 1914
  • Japans älteste Beziehungen zum Westen 1542-1614 in zeitgenössischen Denkmälern seiner Kunst 1923

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Joseph Dahlmann – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Christian Tapp: Kardinalität und Kardinäle: wissenschaftshistorische Aufarbeitung der Korrespondenz zwischen Georg Cantor und katholischen Theologen seiner Zeit, Franz Steiner Verlag, 2005, Seite 285 ff.
  2. a b c Harald Fuess: „Deutsche Jesuiten in Japan“ (PDF; 99 kB), abgerufen am 3. März 2012
  3. Volker Zotz: “Joseph Dahlmann. Ein Buddhismusforscher in Luxemburg.” In: forum für Politik, Gesellschaft und Kultur Nr. 212 (Dezember 2001), S. 39-41, ISSN 1680-2322.
  4. Joseph Dahlmann: Nirvana. Eine Studie zur Vorgeschichte des Buddhismus. Adamant Media Corporation, 2005, ISBN 1-4212-2371-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – Nachdruck).
  5. archive.org