Joseph Muscat

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Joseph Muscat, 2010

Joseph Muscat (* 22. Januar 1974 in Pietà, Malta) ist ein maltesischer Politiker und Vorsitzender der sozialdemokratischen Partit Laburista (PL). Seit dem 11. März 2013 ist er Premierminister von Malta.[1] Vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2017 war Muscat turnusgemäß für ein halbes Jahr Präsident des Rates der Europäischen Union.

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muscat studierte bis 1996 Betriebswirtschaftslehre und Politikwissenschaften an der Universität Malta, wo er anschließend einen Master in Europawissenschaften absolvierte. 2007 promovierte er in Managementlehre an der Universität Bristol.

Muscat arbeitete als Journalist bei Super One Radio, der Radiostation der Partit Laburista, sowie bei dem parteieigenen Fernsehsender Super One TV, dessen stellvertretender Nachrichtenchef er 1996 wurde. 2001 bis 2004 war er Herausgeber der parteieigenen Internetzeitung maltastar.com.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muscat war Mitglied des Labour Youth Forum, der Jugendorganisation seiner Partei, deren Finanzsekretär (1994–1997) und geschäftsführender Vorsitzender (1997) er war. Später war er in der Partit Laburista selbst Sekretär für Bildung (2001–2003) und leitete den Parteitag 2003. Während der Regierungsphase der PL 1996–1998 war er Mitglied der Nationalen Kommission für Steuermoral.

2003 wurde er als Mitglied einer Arbeitsgruppe zur PL-Politik gegenüber der Europäischen Union ernannt, die – nachdem die Partei noch kurz zuvor im Referendum über den geplanten EU-Beitritt für ein Nein geworben hatte – eine freundlichere Politik gegenüber den EU-Institutionen entwickelte. Im November dieses Jahres wurde Muscat auch als Kandidat der PL für die Europawahl 2004 aufgestellt, die erste, an der Malta teilnahm.

2004 wurde Muscat mit 36.958 Stimmen als einer von fünf maltesischen Abgeordneten ins Europäische Parlament gewählt und war damit der meistgewählte Kandidat seiner Partei. Im Parlament gehörte er der Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas an und war Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Währung.

Nach der Niederlage der PL bei den maltesischen Parlamentswahlen im März 2008 und dem Rücktritt des Parteivorsitzenden Alfred Sant wurde Muscat am 6. Juni 2008 zu dessen Nachfolger gewählt. Daraufhin schied er am 25. September 2008 aus dem Europäischen Parlament aus, um am 1. Oktober anstelle von Joseph Cuschieri ins maltesische Repräsentantenhaus nachzurücken und dort die Rolle des Oppositionsführers zu übernehmen. Nachfolger Muscats als Europaabgeordneter wurde Glenn Bedingfield.

Joseph Muscat errang bei den Parlamentswahlen am 9. März 2013 die Mehrheit.[2] Er ist der zweitjüngste Premierminister in der Geschichte Maltas und der jüngste seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft über Malta im Jahr 1964. 2015 wurde ihm das Großkreuz des Bundesverdienstkreuzes verliehen.[3] Im Mai 2017 wurden im Rahmen der so genannten Malta Papers Korruptionsvorwürfe gegen Muscat und seine Familie bekannt.[4] Aufgrund der oppositionellen Kritik setzte Muscat daraufhin vorgezogene Neuwahlen an,[5] die am 3. Juni 2017 durchgeführt wurden. Da seine Partei ihre absolute Mehrheit verteidigen konnte wurde Muscat am 5. Juni 2017 auf eine zweite Amtszeit vereidigt.[6]

Turnusgemäß war Muscat als Premierminister seines Landes vom 1. Januar bis 30. Juni 2017 Präsident des Rates der Europäischen Union, der erste Ratsvorsitz Maltas nach dessen Beitritt zur EU im Jahre 2004.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muscat ist verheiratet und hat Zwillingstöchter.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joseph Muscat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Machtwechsel in Malta: Opposition gewinnt Parlamentswahl. NZZ.ch, 11. März 2013
  2. Malta Times online: Malta's second youngest prime minister vom 10. März 2013
  3. http://www.valletta.diplo.de/Vertretung/valletta/de/03Botschaft/Aktuelles__Botschaft/Ordensverleihung.html
  4. Frankfurter Rundschau: Malta Files: Steuerpraktiken setzen Muscat unter Druck. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 5. Juni 2017]).
  5. Neuwahlen statt Aufklärung - Malta als das "Panama Europas"? In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 5. Juni 2017]).
  6. Malta: Muscat trotz Korruptionsverdachtwiedergewählt. RP Online, 6. Juni 2017, abgerufen am selben Tage.