Juri Borissowitsch Milner

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Juri Milner mit seiner Frau Julia

Juri Borissowitsch Milner (russisch Юрий Борисович Мильнер; * 11. November 1961 in Moskau) ist ein russischer Unternehmer und Manager jüdischer Abstammung[1] mit Wohnsitzen in Moskau sowie im Bundesstaat Kalifornien in den USA.[2] Im Jahr 2012 zählte ihn das Finanzmagazin Bloomberg Markets zu den 50 einflussreichsten Personen der Welt.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milner kam am 11. November 1961 als Sohn eines Ökonomen und einer Laborantin in Moskau zur Welt. Im Jahr 1985 beendete er sein Studium für Physik an der Lomonossow-Universität. Danach arbeitete er für das Lebedew-Institut im Bereich der theoretischen Physik, unter der Leitung des späteren Nobelpreisträgers Witali Ginsburg. In dieser Zeit begann er mit dem Verkauf von Computern. 1990 siedelte Milner in die Vereinigten Staaten über. Er studierte dort an der Wharton School, verließ diese jedoch ohne Abschluss.[1] Von 1992 bis 1995 arbeitete Juri Milner für die Weltbank in Washington, wo er als Experte für die Entwicklung des russischen Banksystems tätig war. Anschließend ging er zurück nach Moskau, wo er 1995 Generaldirektor der Firma "Alliance-Menatep" wurde und Ende 1996 zum Vize-Präsidenten und Leiter der Investment-Abteilung der vom russischen Oligarchen Michail Chodorkowski gegründeten Bank Menatep aufstieg. Chodorkowski hatte im April 1996 den Vorstandsvorsitz bei der Bank Menatep aufgegeben um in die Führung von Jukos zu wechseln. Milner war von Februar 1997 bis Dezember 2000 stellvertretender Vorsitzender bei der Moskauer Bank, die bis zur Krise von 1998 zu den zehn größten russischen Banken zählte, jedoch bereits im Mai 1999 ihre Banklizenz verlor und im September 1999 für bankrott erklärt wurde.[4][5]

Internetunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juri Milner wandte sich danach dem Internetgeschäft zu und machte sich einen Namen als Internetinvestor, indem er in mehrere Projekte, sowohl in Russland als auch in den Vereinigten Staaten, investierte. Die herausragendsten Beispiele dafür sind die Mail.ru Group in Russland bzw. Facebook und Twitter in den USA.[6][7] Im Jahr 2008 konnte Milner den russischen Milliardär und Oligarchen Alischer Usmanow für eine Beteiligung an mail.ru gewinnen. Das marktbeherrschende Unternehmen zog im Jahr 2011 circa 70 % des Datenverkehrs im russischen Bereich des Internets auf sich.[2] Im Jahr 2009 wurde Milner von Mark Zuckerberg zu einem Investment bei Facebook eingeladen. Die beiden entwickelten in der Folge ein freundschaftliches Verhältnis. Milner erwarb für 200 Millionen Dollar einen Anteil von zunächst zwei Prozent an Facebook.[2] Ende 2017 teilte Milner jedoch mit, dass sein Management-Unternehmen DST Global die gesamten Anteile sowohl an Facebook wie an Twitter bereits 2014 wieder abgestoßen hätte.[7]

Im November 2017 wurde Milner in den Veröffentlichungen der Paradise Papers aufgelistet.[7] Die zur selben Zeit von der New York Times erhobenen Vorwürfe, dass seine Investitionen bei Facebook und Twitter vom Kreml unterstützt worden seien, wies Milner als "weit hergeholt" zurück.[8][9] Zugleich wies er darauf hin, dass er seine Investition in Facebook im Mai 2009 getätigt habe, zu einer Zeit also, als Hillary Clinton nach Moskau gereist sei, um in den Beziehungen zwischen Moskau und Washington "den Reset-Knopf zu drücken".[9] Die Facebook-Beteiligung von Milner zusammen mit Alischer Usmanow betrug in der Spitze neun Prozent.[8] Zu den weiteren Vorwürfen der NYT teilte er mit, dass sein Kontakt zu Jared Kushner im Jahr 2015 rein geschäftlicher Natur gewesen sei.[9] Darüber hinaus beklagte er einen Klimawandel in den USA. Während bis 2016 seine russische Staatsbürgerschaft keine Rolle gespielt habe, genüge es inzwischen Russe zu sein, um automatisch in Verdacht zu geraten.[10]

Philanthropie und Stiftungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Milner schloss sich der Wohltätigkeitsinitiative The Giving Pledge an.

Seine Physics Prize Foundation verleiht seit 2012 eine Reihe hochdotierter Physikpreise (New Horizons in Physics Prize, Fundamental Physics Prize, Physics Frontiers Prize).

Im Jahr 2013 hob Milner zusammen mit Mark Zuckerberg und anderen den Breakthrough Prize aus der Taufe, der in Nachahmung des Nobelpreiskonzeptes Wissenschaftler für herausragende Leistungen mit hohen Preisgeldern in verschiedenen Kategorien belohnt.[10] 2015 startete Juri Milner gemeinsam mit seiner Frau die Breakthrough Initiative, wozu auch das von ihm finanzierte Breakthrough Listen-Projekt zählt.[11][10] Im April 2016 präsentierte Milner gemeinsam mit Stephen Hawking das Forschungs- und Entwicklungsprojekt Breakthrough Starshot, für das er 100 Millionen Dollar bereitstellte. In dem Projekt soll ein Konzept erarbeitet werden, mit dem Nanosatelliten zu Forschungszwecken bis in das der Erde benachbarte Sternsystem Alpha Centauri gesendet werden können.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2011 erregte Milner internationale Aufmerksamkeit, als er eine Villa im Stil eines französischen Schlosses mit 2.370 m² Wohnfläche im Hauptgebäude auf einem sieben Hektar großen Gelände in Los Altos Hills im Silicon Valley im Wert von mehr als 100 Millionen US-Dollar erwarb.[12] Die Kaufsumme soll zu den höchsten gehören, die jemals für ein Einfamilienanwesen in den USA bezahlt worden ist.[10][1]

Juri Milners Vermögen wurde Anfang 2018 auf etwa 3,7 Milliarden US-Dollar geschätzt.[13]

Er ist seit 2004 mit der russischen Ex-Model Julia Bochkova verheiratet, die sich auch als Malerin und Fotografin versucht.[14] Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Milner besucht zwar regelmäßig die Synagoge, beschreibt seine Religiosität ansonsten aber als "sehr begrenzt".[1][10][2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Michael Wolff: How Russian Tycoon Yuri Milner Bought His Way Into Silicon Valley. Wired. 21. Oktober 2011.
  2. a b c d A Day In The Life Of Yuri Milner, Web Billionaire, forbes.com, 10. März 2011
  3. Bloomberg Markets' 50 Most Influential − Juri Milner, Bloomberg, 5. September 2012
  4. Новый зампред МЕНАТЕПа, Kommersant, 11. Febr. 1997
  5. МФО МЕНАТЕП, Kommersant, 2. Nov. 2011
  6. Investor Juri Milner − Russlands starker Mann bei Facebook, Der Spiegel, 3. Januar 2011
  7. a b c Russia funded Facebook and Twitter investments through Kushner investor, The Guardian, 5. Nov. 2017
  8. a b Kremlin Cash Behind Billionaire’s Twitter and Facebook Investments, New York Times, 5. Nov. 2017
  9. a b c Yuri Milner says he was not working for Russia to turn social media against U.S. democracy, recode.net, 5. Nov. 2017
  10. a b c d e Russian billionaire Yuri Milner's early backing of Facebook, Twitter had Kremlin ties, Los Angeles Times 6. Nov. 2017
  11. Juri Milner: Ein russischer Milliardär greift nach den Sternen derstandard.at, abgerufen am 23. Juli 2015
  12. Juri Milner legt für Villa in Silicon Valley 100 Millionen auf den Tisch (Memento vom 19. Juni 2013 im Internet Archive), Wirtschaftsblatt, 1. April 2011
  13. Forbes: Profile: Yuri Milner. Abgerufen am 7. März 2018.
  14. Julia Milner, mamm-mdf.ru