Kälberau

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Kälberau
Stadt Alzenau
Wappen von Kälberau
Koordinaten: 50° 5′ 30″ N, 9° 5′ 41″ O
Höhe: 139 m
Einwohner: 1341 (1. Mai 2009)
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 63755
Vorwahl: 06023
Wallfahrtskirche Maria zum rauhen Wind

Kälberau ist ein Stadtteil der unterfränkischen Stadt Alzenau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kälberau liegt im unteren Kahlgrund ca. zwei Kilometer nordöstlich von Alzenau am Fuß des Hahnenkamms. Der Ort Kälberau hat 1341 Einwohner[1] und ist ländlich geprägt. Der topographisch höchste Punkt der Dorfgemarkung befindet sich unterhalb des Gipfels des Hahnenkamms mit 433 m ü. NN (Lage), der niedrigste liegt südwestlich des Ortes an der Kahl auf 129 m ü. NN (Lage).[2]

Durch Kälberau verlaufen die Kahlgrundbahn und der Kahltal-Spessart-Radweg. Die Hauptstraße durch Kälberau war bis in die 1970er Jahre als Staatsstraße 2305 ausgewiesen.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird fälschlicherweise angenommen, dass der Name Kälberau von einer mit jungen Rindern bestandenen Wiese stammt. Der Name geht aber aus den mittelhochdeutschen Wörtern Kalde und ouwe hervor und bedeutet Flussaue der Kahl.[3] Im Kahlgründer Dialekt wird der Ort Kelwere genannt.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:

  • 1136 Kelberowe
  • 1157 Kelberowa
  • 1361 Kelbera
  • 1592 Kelberau

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kälberauer Elle (1763)

Die ältesten schriftlichen Quellen der Region stammen aus dem 12. Jahrhundert. Ein Adelsgeschlecht „von Kelberau“ ist Lehensnehmer von Kurmainz und bis um 1400 nachweisbar. Es hatte auch Besitz in Krombach und an der Randenburg. Nach Aussterben der Linie Kälberau-Krombach-Rannenberg gingen die Besitzungen auf die Herren von Buchenau über. Dort verblieben sie bis zum Ende des Alten Reiches. 1830 starb mit Wilhelm von Buchenau das letzte männliche Mitglied dieser lokalen Adelsfamilie.

Kälberau gehörte zum Gericht Alzenau, das wiederum Teil des Freigerichts Alzenau war. Das Freigericht war zwar reichsunmittelbar, aber das Reich verpfändete oder vergab das Gebiet immer wieder. So wechselten die Landesherren, zu denen die Herren und späteren Grafen von Hanau, die Herren von Randenburg und die Herren von Eppstein zählten.

Mittelpunkt des Ortes war eine erstmals 1372 erwähnte Kapelle, die 1603 als wehrhafte Wallfahrtskirche mit fester Ringmauer nachgewiesen ist. Wie andere Wallfahrtsorte entwickelte auch Kälberau eine rege wirtschaftliche Tätigkeit mit Straßenmärkten und Handel. Davon zeugt noch die vor der Kirche aufgestellte Kälberauer Elle von 1763 als verbindliche Maßeinheit.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1500 belehnte der römisch-deutsche König Maximilian I. den Erzbischof von Mainz und den Grafen von Hanau-Münzenberg gemeinsamen mit dem Freigericht, das sie nun als Kondominat verwalteten. Da im Freigericht auch zur Zeit des Kondominats die kirchliche Jurisdiktion bei den Erzbischöfen von Mainz verblieb, konnte sich die Reformation – im Gegensatz zur Grafschaft Hanau-Münzenberg – hier nicht durchsetzen. Kälberau blieb römisch-katholisch.

Als Graf Johann Reinhard III. 1736 als letzter männlicher Vertreter des Hauses Hanau starb, war dessen Erbe hinsichtlich der Grafschaft Hanau-Münzenberg aufgrund eines Erbvertrages der Landgraf von Hessen-Kassel. Ob das Erbe sich auch auf den Hanauer Anteil an dem Kondominat erstreckte, war in den folgenden Jahren zwischen Kurmainz und Hessen-Kassel heftig umstritten. Der Streit endete in einem Kompromiss, dem „Partifikationsrezess“ von 1740, der eine Realteilung des Kondominats vorsah. Es dauerte allerdings bis 1748 bis der Vertrag umgesetzt war. Kälberau fiel dabei an Kurmainz.

Der Reichsdeputationshauptschluss des Jahres 1803 schlug das Amt Alzenau der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zu, die es aber nur 13 Jahre behielt. Im Jahr 1816 trat das Großherzogtum das Amt an das Königreich Bayern ab. Die Gemeinde Kälberau gehörte zum Bezirksamt Alzenau, das am 1. Juli 1862 gebildet wurde. Dieses wurde am 1. Januar 1939 zum Landkreis Alzenau in Unterfranken. Am 1. Januar 1972 wurde Kälberau in die Stadt Alzenau eingemeindet.[4]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs ergab sich Kälberau gemeinsam mit Alzenau kampflos den alliierten Truppen, als diese bei Kahl über den Main vorrückten.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätgotisches Gnadenbild in der Wallfahrtskirche Maria zum rauhen Wind

Seit der Schließung der Grund- und Teilhauptschule gibt es als einzige Kälberauer Bildungseinrichtung den Kindergarten an der Kahlaue.

Wallfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kälberau ist als Wallfahrtsort bekannt für seine spätgotische Marienstatue und die Wallfahrtskirche Maria zum rauhen Wind, die ganzjährig das Ziel vieler Wallfahrer ist. Einen besonderen Aufschwung erlebte die Wallfahrt nach dem Zweiten Weltkrieg mit großen Wallfahrten für Kriegsheimkehrer. Auch im 21. Jahrhundert finden jährlich noch einige organisierte Wallfahrten mit mehreren tausend Teilnehmern statt: zwei Krankenwallfahrten zu Pfingsten und Mariä Heimsuchung sowie am Patronatsfest Mariä Geburt. Mehrere Einkehrtage und Jugendgottesdienste runden das Programm ab.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Wallfahrt werden durch diverse Feste und Veranstaltungen viele Touristen in den Ort gelockt. So erfreut sich das jährlich stattfindende Pfarrfest, welches meistens im Sommer Sonntags und Montags stattfindet großer Beliebtheit. Unter Anderem gibt es außerdem noch die Kälberauer Kerb, das Feuerwehrfest, das Oktoberfest im grünen Baum und das Heckenfest des Obst- und Gartenbauvereins Kälberau.

Wissenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Durch seine Lage am Europäischen Kulturweg Alzenau 2 findet Kälberau zunehmend Beachtung bei Wanderern und Radfahrern.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kälberau (Alzenau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner Alzenau (Stand: 1. Mai 2009)
  2. BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise)
  3. Unser Kahlgrund 1980. Heimatjahrbuch für den Landkreis Alzenau. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft zur Heimatforschung und Heimatpflege des Landkreises Alzenau, Landrat des Kreises. ISSN 0933-1328.
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 417.