Küche Osttimors

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Küche Osttimors bezeichnet man die Ess- und Trinkkultur Osttimors, einem Teil der asiatischen Insel Timor.

Übersicht

Die Küche dieser Familie in Clacuc befindet sich in einer eigenen Hütte
Kochen im Tonkrug auf dem offenen Feuer

Aufgrund der lokal sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen und ethnischen Zersplitterung können sich regional die Ackerpflanzen und Nutztiere sehr unterscheiden. Mal wird Reis angebaut und der Wasserbüffel als Fleischlieferant bevorzugt, andernorts baut man mangels Wasser Mais an und züchtet Schweine.[1] Eine Besonderheit in Oecusse sind verbreitete Nahrungstabus. Je nach Clanzugehörigkeit werden bestimmte Lebensmittel nicht gegessen, was Meeresfrüchte, Kokosnüsse oder auch Eier betreffen kann und ein Grund dafür ist, dass die Fischerei hier wenig entwickelt ist.[2] Fisch (tetum Ikan) hat allgemein aufgrund der Transportschwierigkeiten nur an der Küste für die Ernährung der Bevölkerung eine Bedeutung.

Osttimor liegt in einem Gebiet, in dem die javanische Reiskultur auf die auf Wurzeln basierende Kultur Melanesiens trifft. Allgemein sind Reis und der von den Europäern eingeführte Mais die Hauptnahrungsmittel in Osttimor.[3][4] Süßkartoffeln und Maniok ergänzen den Speiseplan,[3] dazu Erdnüsse, Sago, Taro, Kartoffeln, Brotfrucht und Sorghumhirse angebaut, ebenso Obst wie Jackfrüchte, Melonen, Mangos und Bananen. Einheimische Kürbisse waren vor allem in den Notzeiten des Befreiungskrieges ein wichtiger Teil der Ernährung der Unabhängigkeitskämpfer.[3][5] In Europa eher unbekannte Früchte, wie Salak, Jambul (Jamblang), Uha, Saramalé und Aidák ergänzen den Speisezettel. Als Beilagen zu Hauptgerichten dienen Augenbohnen, Spinat und Kohl. Die Betelpfefferblätter dienen zusammen mit Betelnüssen sowohl als leichtes Rauschmittel als auch als Zugabe zu Gerichten. Daneben züchten die meisten Familien für den Eigenbedarf Vieh, wie Hühner und Schweine, seltener auch Rinder, Büffel und Ziegen.[1] Neben dem Muskelfleisch werden auch die Innereien gegessen.

Gekocht wird traditionell über dem offenen Feuer. Aus Feuerschutzgründen befindet sich die Kochstelle in einem Nebengebäude des Wohnhauses.

Frühstück

Kaffee ist seit seiner Einführung im 18. und 19. Jahrhundert zu einem Hauptexportgut Osttimors geworden und auch im Land selbst zum Frühstück sehr beliebt. Der Arabica-Kaffee wächst vor allem in den Bergen. Ermera ist das Hauptanbaugebiet. Tee wird heiß und süß in Gläsern serviert. Dazu gibt es in der Stadt Brot und Butter. Die Landbevölkerung beginnt den Tag mit gekochten Süßkartoffeln, Tarowurzeln oder Maniok, die mit Chilisauce gegessen werden.[6] Kopi Laku, der Katzenkaffee, wird für den Export produziert. Um Zeit zu sparen, greifen viele Osttimoresen zu billigem Kaffeepulver eines Weltkonzerns, bereits fertig mit Zucker und Milchpulver gemischt in der Plastiktüte.

Lokale Gerichte

Ikan Sabuko mit Batar Da′an, Reis und Budu

Chilipasten (ai-manas), die von Ort zu Ort variieren, dienen als Würze für die traditionellen timoresischen Gerichte, jenseits der aus Portugal, China und Indonesien übernommenen Gerichte. Gerade die einfachen Speisen auf dem Land sind oft schlicht gekocht und erhalten durch die Paste ihren Geschmack.[6] Abgesehen von Huhn gibt es Fleisch für den Großteil der Bevölkerung nur zu besonderen Anlässen, wie religiösen Feiern und Zeremonien. Ein Snack, den Kinder auf der Straße verkaufen und der auch als Vorspeise dient, sind hartgekochte Eier mit Chilisauce.[7]

Thunfisch wird als gegrilltes Steak serviert. In den Dörfern an der Küste wird Ikan Soboko zubereitet. Dies sind Sardinen mit Tamarindesauce und Gewürzen, die in Palmenblättern am Feuer gekocht werden. Der Geschmack kann von mild bis sehr scharf reichen. Manchmal wird Fisch auch getrocknet, um ihn auf dem Markt weiter verkaufen zu können. Garnelen gelten als Delikatesse. Ikan Pepes ist Fisch, der in Bananenblätter gewickelt etwa eine halbe Stunde über Wasserdampf gegart wird. Zuvor wird der Fisch eingeschnitten und mit Chilipulver, Zwiebeln, Gewürznelken, Knoblauch, Ingwer, Kurkuma, Pfeffer und Tamarinde gewürzt.[8]

Aufgrund der geographischen Lage Timors kommt es beim Ackerbau zur Mangelzeit zwischen November und Februar. Überbrückt werden diese traditionell mit Sago (tetum Akar), das zubereitet wird, wenn es nichts mehr anderes zu essen gibt. Es handelt sich dabei um die sonnengetrocknete und pulverisierte Rinde der Sagopalme. Das Pulver wird in Wasser zu einem Gelee angerührt und dann über Feuer zu Fladen gebacken. Das Ergebnis ist trocken und geschmacklos. Auch der Nährwert ist nicht sehr hoch, was die Mangelerscheinungen vor allem bei vielen Kindern in Osttimor erklärt. Es enthält vor allem Kohlenhydrate, wobei aber Vitamine, Mineralien und Proteine fehlen. 58 % der Bevölkerung zeigt Defizite beim Körperwachstum aufgrund von Unterernährung.[3]

Beim Mechi-Fest im Februar und März fangen die Fataluku an der Ostspitze Timors maritime Meci-Würmer, die mit Chili und Zitrone roh als Salat gegessen werden.[9]

Tukir, gegart in Bambusstangen

Wie in vielen anderen Teilen Ostasiens ist hier der Verzehr von Hundefleisch üblich. Allerdings soll sich diese Sitte erst in den Achtziger Jahren von Sulawesi kommend hier eingebürgert haben, als in Colmera, einem Stadtteil von Dili, das erste Hundefleisch-Restaurant eröffnete. Hund wird zum Beispiel mit Chili, Zitronengras und Gewürznelken gewürzt und mit weißem Reis serviert.

Tapai ist ein fermentiertes, leicht alkoholisches Reisgericht, das süßlich-scharf schmeckt. Es gilt als Delikatesse und kann in Variationen auch in anderen Teilen Südostasiens gefunden werden. Zur Herstellung wird Reis in Wasser gekocht und abgekaltet mit Hefe versetzt. Die Mischung bleibt zwei bis vier Tage in einem geschlossenen Tonkrug, bis sie wässrig wird und einen charakteristischen Geruch annimmt.

Ein typisches Gericht ist Kaldeirada, gekochtes Fleisch (meist Lamm) mit Kartoffeln, Paprika, Gewürzen und Oliven als Beilage. Auch beliebt ist Tukir, ein Lammgericht, das mit vielen Gewürzen in Bambusstangen am offenen Feuer gekocht wird. Schweinerippen mit Tamarinden und Sojasoße werden Midarsin genannt. Batar Da′an (tetum gekochter Mais) ist eine Mischung aus Mais, Mungbohnen und Kürbis, die mit Reis zusammen gegessen wird. [10] Budu sind Tomaten und Zwiebeln, die in Minze und Zitronensaft eingelegt werden und als Beilage dienen. Das lokale milde Curry wird Caril genannt und kann zum Beispiel Huhn oder Fisch enthalten. Neben Reis wird es auch mit Mais serviert.[11] Aus Portugal stammt Feijoada, ein Eintopf aus Bohnen, Schweine- oder Rindfleisch.

Süßspeisen

Bibinka

Als Nachtisch bekommt man frittierte Bananen, Koibandera, Katupa (Reis mit Kokosnussmilch) und als regionale Spezialität Koirambu, einen Reismehlkuchen, der wörtlich übersetzt „Haarkuchen“ heißt. Er sieht aus wie zu einem Dreieck geformte dünne Haare. Wie auch in China haben sich die portugiesischen Pastéis de Nata hier zum festen Bestandteil des süßen Angebots der osttimoresischen Küche entwickelt. Bibinka ist ein Kokosnusskuchen, der in Bananenblättern gegrillt wird. Ein Kaffee beendet das Essen.

Getränke

Palmsaft wird zur Herstellung von Palmwein aufgefangen

Traditionelle Alkoholika sind verschiedene Palmweine (Tuaka und Tua Mutin) und Palmweinbrand (Tua Sabu). Die Portugiesen brachten in der Kolonialzeit den Wein nach Osttimor und Bier wird aus Australien, Indonesien und Singapur importiert. Seit einigen Jahren hat Heineken eine Brauerei in Hera und produziert auch Limonaden.

Weblinks

 Commons: Küche Osttimors – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  2. Kym Holthouse und Damian Grenfell: Social and Economic Development in Oecusse, Timor-Leste, Oxfam Australia, Globalism Institute und RMIT University, Melbourne, 2008, abgerufen am 17. Juni 2014.
  3. a b c d Seeds of Life: Agriculture in Timor-Leste, abgerufen am 17. Juli 2017.
  4. Claudine Friedberg: Social Relations of Territorial Management in Light of Bunaq Farming Rituals. In: Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde, Rituals and Socio-Cosmic Order in Eastern Indonesian Societies. Part I Nusa Tenggara Timur 145 (1989), no: 4, Leiden, S. 548–563.
  5. Heidi Zajac: The tales of food in Timor Leste, 2014, abgerufen am 5. März 2016.
  6. a b Edibly Asian: Ai-manas (Chillie Paste), abgerufen am 13. Juli 2017.
  7. International Cuisine: East Timor Appetizer, abgerufen am 13. Juli 2017.
  8. International cuisine: East Timor Ikan Pepes (Fish in Curry Sauce), abgerufen am 13. Juli 2017.
  9. Lisa Palmer, Demetrio do Amaral de Carvalho: Nation building and resource management: The politics of ‘nature’ in Timor Leste (PDF; 343 kB), abgerufen am 28. Dezember 2012.
  10. International Cuisine: East Timor Batar Da’an (Pumpkin and Corn Dish), abgerufen am 13. Juli 2017.
  11. Roteiro Gastronómico de Portugal: Caril dos Pescadores do Oe-Cussi, abgerufen am 13. Juli 2017.