Küchen (Hessisch Lichtenau)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Küchen
Koordinaten: 51° 10′ 36″ N, 9° 49′ 1″ O
Höhe: 301 m ü. NHN
Fläche: 4,58 km²[1]
Einwohner: 223 (26. Nov. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 37235
Vorwahl: 05656

Küchen ist ein Stadtteil von Hessisch Lichtenau im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Es liegt am Fuß des Hohen Meißners und an der Mündung des Steinbachs in die Wehre.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tafel mit dem Küchner Heimatlied

Küchen ist aus verschiedenen Wüstungen, wie Weißner, Welbach und Geisenroder, entstanden. Dies sind heute noch Flurnamen. Die erste urkundliche Erwähnung ist von 1363, als die Gebrüder von Kappel das halbe Dorf an die Herren von Hundelshausen und ein weiteres Viertel des Dorfes und des Gerichts „Kuchen“ an die von Schlutwinsdorf verkauften, die es 1383 zu einem Viertel an den Landgrafen Hermann II. von Hessen weiterverkauften. Im Jahr 1391 wurde Küchen ein landgräfliches Lehen derer von Hundelshausen. Im Jahr 1403 versetzte Lotze von Kappel seinen Oheimen von Hundelshausen seine Rechte zu Küchen und zehn Jahre später verkaufte er ihnen seine Rechte zu Küchen. Küchen befand sich von 1480 bis 1527 im Besitz des Klosters Germerode. Das Klostergut umfasste im Jahr 1519 zwölf Hufen. Landgraf Wilhelm VI. von Hessen-Kassel verschrieb denen von Hundelshausen im Jahr 1571 Einkünfte aus dem Vorwerk zu Küchen. Landgraf Karl von Hessen-Kassel belehnte die von Hundelshausen im Jahr 1715 mit Gütern zu Küchen.

Der Ort gehörte bis 1821 zum hessischen Amt Lichtenau und danach zum Landkreis Witzenhausen. Während der französischen Besetzung gehörte der Ort zum Kanton Bischhausen im Königreich Westphalen (1807–1813).[1]

Am 1. Januar 1974 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin zum Landkreis Witzenhausen gehörende Gemeinde kraft Landesgesetz in die Stadt Hessisch Lichtenau im neu gebildeten Werra-Meißner-Kreis eingegliedert.[3][4]

Schulgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche Küchen
Dorfkirche Küchen, Innenansicht anlässlich einer Hochzeit

Bis zur Schulreform in den 1960er Jahren in Hessen hatte Küchen eine eigene Schule. Die bis 1901 genutzte alte Schule stand neben der Kirche. Dieses Gebäude wurde von der politischen Gemeinde übernommen, verkauft und anschließend zum Wohnhaus umgebaut. Es ist als solches heute noch erhalten. Das neue Schulgebäude wurde an der Hauptstraße errichtet. Es enthielt zwei Klassenräume, eine Wohnung für den Lehrer und einen Stall. Als Schule wurde es bis zum Ende in den 1960er Jahren genutzt. Der bekannteste Lehrer war K. F. Deys. Er dichtete das Küchener Heimatlied, war auch Kantor und unterrichtete viele Jahre an der Schule in Küchen. Das Gebäude wird heute als Dorfgemeinschaftshaus genutzt, die angrenzende ehemalige Scheune dient als Feuerwehrhaus. Heute gehen die Kinder nach Waldkappel in die dortige Grundschule; die weiterführende Schulen ab der 5. Klasse befinden sich in Hessisch Lichtenau und Eschwege.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ew.
1961 290
1970 290
2011 243
2015 223

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrzeichen des Ortes ist die im Jahre 1827/28 von Landbaumeister Johann Friedrich Matthei erbaute Querkirche. Sie ist (k)lassizistischer Quersaal mit regelmäßiger zweigeschossiger Fensteranordnung. Über dem leicht risalitartig vorgezogenen Eingang verschieferter Fachwerkturm; die Laterne mit vier kleinen vorgestellten Ädikulen. - Im Innern protestantischer Predigtraum: Kanzel an der rückwärtigen Längswand hinter dem Altar, die ansteigenden Bankreihenund die von toskanischen Säulen getragenen Emporen halbkreisförmig angeordnet (...). Orgel mit pfeifenlosem Ornamentprospekt mit reichem Schnitzwerk, in den drei Feldern auch Lyramotive, 1840 von K. Ziese.[5]

Diese Kirche wurde mitten im Ort an der Stelle gebaut, an der zuvor eine verfallende Holzkirche stand. In den Jahren 1999 bis 2003 wurde die Kirche vollständig renoviert. Dafür wurde sie zum Rohbau zurückgebaut und anschließend wieder neu mit alten und neuen Materialien aufgebaut. Die Kirche wurde seit 1570 von dem Pfarrer aus Harmuthsachsen betreut.

Zum 1. September 2011 wurde das Kirchspiel Harmuthsachsen, Hasselbach und Küchen aufgelöst. Seit dem 1. Mai 2013 ist die evangelische Kirchengemeinde Küchen in das Kirchspiel Walburg eingegliedert und wird von dem Walburger Pfarrer betreut.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt einige landwirtschaftliche Betriebe, ein Tattoo-Studio und einen Holzpellets-Handel.

Von 1899 bis 1985 lag Küchen an der Bahnlinie KasselEschwege und teilte sich die auf halber Strecke nach Hasselbach liegende Station mit Hasselbach. Mit der Einführung des Busverkehrs wurde die Bahnstrecke Kassel–Waldkappel immer unattraktiver und 1985 wurde der Verkehr zugunsten des Linienbusses eingestellt. In den 1980er Jahren wurde eine Ortsumgehung für die zuvor durch den Ort verlaufende B 7 gebaut. Im Zuge des Baus der Bundesautobahn 44 wurde im Herbst 2010 mit dem Bau von zwei Grünbrücken zwischen Hasselbach und Küchen begonnen. Der Bau des Tunnel Küchen im Verlauf der A 44 begann im Herbst 2012. Der Tunnel führt teilweise unter der Wohnbebauung hindurch, was beim Bau zu Schäden an Gebäuden führte.[6] Für die A 44 wird die Trasse der alten Eisenbahnlinie teilweise verwendet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Küchen, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 26. Februar 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Haushaltsatzzung Hessisch Lichtenau 2016 Vorbericht S. 16 [PDF].
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Eschwege und Witzenhausen (GVBl. II 330-21) vom 28. September 1973. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1973 Nr. 25, S. 353, §§ 8 und 13 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,3 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 410.
  5. Dehio. Hessen I. 2008, S. 528.
  6. Schwere Schäden an Haus durch Bauarbeiten an der Autobahn 44, Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) vom 28. Januar 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Küchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien