Kakaobaum

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Kakaobaum
Kakaobaum (Theobroma cacao) mit Früchten

Kakaobaum (Theobroma cacao) mit Früchten

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Malvenartige (Malvales)
Familie: Malvengewächse (Malvaceae)
Unterfamilie: Byttnerioideae
Gattung: Kakaobäume (Theobroma)
Art: Kakaobaum
Wissenschaftlicher Name
Theobroma cacao
L.
Theobroma cacao. A. Bernecker, 1864. Herbarium Leiden.
Stamm eines Kakaobaums mit Blüten (Kauliflorie)
Blüten am Stamm des Kakaobaums
Geschlossene, geöffnete und verwelkte Blüten sowie sich entwickelnde Früchte am Stamm eines Kakaobaums (ÖBG Bayreuth)

Der Kakaobaum (Theobroma cacao) gehört zur Gattung Theobroma (Kakaobäume) in der Familie der Malvengewächse (früher Sterkuliengewächse). Diese Gattung umfasst rund 20 Arten: immergrüne Büsche und kleine Bäume, die im Unterholz der Regenwälder Lateinamerikas wachsen. Der Kakaobaum verdankt seinen botanischen Namen dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné, der ihm den Namen Theobroma cacao gab (aus griechisch θεός theos ‚Gott‘ und βρῶμα broma ‚Speise‘).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl der Baum bis zu 15 Meter erreichen kann, wird er auf den Plantagen auf 4 Meter gestutzt. Die Blätter können an der Blattader bis zu 35 cm messen.

Die fünfzähligen Blüten stehen an den Ästen des Baumes und auch direkt am Stamm (man nennt dies Kauliflorie).

Ein Baum kann tausende von Blüten hervorbringen, aber nur bei 0,5 bis 5 Prozent der Blüten ist die Bestäubung erfolgreich. Von den sich entwickelnden Früchten verkümmern darüber hinaus bis zu 75 Prozent. Weitere Früchte können in einem frühen Stadium durch Insekten, Pilze und Stramenopile verloren gehen. Nur wenige Früchte erreichen die Reife.[1]

Die Früchte haben eine ledrige, sehr harte Schale, sind gelb bis rot, 15 bis 20 Zentimeter lang und wiegen bis zu 500 Gramm. Unter der Schale befinden sich in fünf Reihen angeordnet 30 bis 60 weißliche Samen, die von einem weißen, süßen und schleimigen, sehr schmackhaften Fruchtfleisch (Pulpa) umgeben sind.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[2]

Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Criollo und Forastero[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Kakaobaum unterscheidet man zwischen zwei Grundtypen bzw. Varietäten:

  • Criollo („Einheimischer“): Der Criollo besitzt längliche, spitz zulaufende Früchte mit zehn ausgeprägten Längsfurchen und rauer Oberfläche. Die Früchte enthalten weiße Samen. Der Criollo liefert qualitativ hochwertige Kakaos, ist jedoch anfällig gegenüber Krankheiten und Schädlingen.
  • Forastero („Fremdling“): Die Früchte des Forastero sind breiter und kaum gefurcht, ihre Oberfläche ist glatt. Sie enthalten dunkelviolette Samen. Die aus dem Forastero gewonnenen Kakaos sind weniger aromatisch als die des Criollo. Er ist aber robuster und liefert höhere Erträge, weshalb er heutzutage überwiegend angebaut wird.

Diese Einteilung hat ihren Ursprung in Venezuela, wo man die einheimische Sorten von fremden Sorten, die später aus Nachbarstaaten eingeführt wurden, begrifflich unterschieden hat. Ursprünglich wurden Criollo und Forastero einer eigenen Art der Gattung Theobroma zugeordnet. Allerdings können alle Sorten fruchtbar miteinander gekreuzt werden, weshalb man sie heute unter der Art Theobroma cacao zusammenfasst. Die grobe Einteilung in Criollo und Forastero wird aufgrund der Fruchtform und der Samenfarbe vorgenommen und geht auf Cheesman (1944) zurück.[3]

Lange Zeit wurden Criollo und Forastero als Unterarten des Kakaobaumes (Theobroma cacao) mit verschiedenen Ursprungsorten angesehen.[4] Durch die Landenge von Panama getrennt sollen sich in Mittelamerika der Criollo (Theobroma cacao ssp. cacao) und in Südamerika der Forastero (Theobroma cacao ssp. sphaerocarpum (A. Chev.) Cuatrec.) mit ihren eigenen charakteristischen Merkmalen entwickelt haben. Analysen des Erbgutes scheinen dieser These zu widersprechen.[5] Demnach soll der alleinige Ursprung des Kakaobaumes in Südamerika liegen, wobei in präkolumbischer Zeit durch den Menschen einzelne Pflanzen nach Mittelamerika gebracht wurden, die man heute zum Criollo zählt. Als Ursprungsregion des Criollo wird der Südwesten Venezuelas vermutet, wo noch heute reinerbiger Criollo zu finden ist.

Trinitario[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Trinitario, ein Hybride aus Criollo und Forastero, der im 18. Jahrhundert auf der Insel Trinidad entstanden ist, kombiniert einige vorteilhafte Eigenschaften dieser beiden Grundtypen.

Einteilung nach van Hall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine differenziertere Einteilung der Varietäten nach dem Aussehen der Früchte geht auf van Hall zurück.[3] Sie wird heute noch für die Beschreibung der Fruchtform verwendet und umfasst folgende Typen:

  • Angoleta: Längliche Frucht mit starken Längsfurchen
  • Cundeamor: wie Angoleta, jedoch mit flaschenhalsähnlicher Einschnürung
  • Amelonado: Breite, melonenförmige Frucht mit flaschenhalsähnlicher Einschnürung
  • Calabacillo: Kurze, kalebassenförmige, glatte Frucht
  • Pentagona: Dünnschalige Frucht, deren Oberfläche der Haut eines Alligators ähnelt.

Kakaobäume mit Früchten der Pentagona-Form ordnete man früher einer eigenen Art namens Theobroma pentagonum Bernoulli zu, es handelt sich jedoch um einen ursprünglichen Criollo.[6]

Kultivierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbaubedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kakaoplantage
Kakaofrüchte am Stamm
Kakaofrüchte
Detailaufnahme einer Frucht (Botanischer Garten Hamburg)
Theobroma cacao, Frucht

Der Kakaobaum lässt sich nur unter bestimmten klimatischen Bedingungen kultivieren. Er trägt außerhalb 20° nördlicher und 20° südlicher Breite keine Früchte, braucht guten Boden und ausreichend Wasser; zudem verträgt er keine Temperaturen unter 16 °C und ist anfällig für Krankheiten und Pilze. Da er zur Bestäubung auf Mücken und kleine Fliegen angewiesen ist, liebt er Schatten und verrottendes Laub. Der für den optimalen Wuchs benötigte Schatten wird durch den Einsatz sogenannter Kakaomütter gewährleistet.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kakao

Aus dem Fruchtfleisch (Pulpa) wird in Brasilien frischer Saft (suco de cacao) gewonnen, der in Restaurants bestellt werden kann, er schmeckt süß und fruchtig. Aus den Samen, den Kakaobohnen, wird nach einem mehrstufigen Umwandlungsprozess Kakaomasse, Kakaopulver und Kakaobutter zur Herstellung von Schokolade gewonnen (siehe Gewinnung der Kakaobohnen).

Anbaumengen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbaufläche, über 70.000 km² (27.000 mi²) weltweit. Statistik der FAO für 2005:[7]

Rang Land Produktion Anteil
Tonnen  %
1 ElfenbeinküsteElfenbeinküste Elfenbeinküste 1.330.000 34
2 GhanaGhana Ghana 736.000 18,9
3 IndonesienIndonesien Indonesien 610.000 15,7
4 NigeriaNigeria Nigeria 366.000 9,4
5 BrasilienBrasilien Brasilien 213.774 5,5
6 KamerunKamerun Kamerun 180.000 4,6
7 EcuadorEcuador Ecuador 137.178 3,5
8 KolumbienKolumbien Kolumbien 55.298 1,4
9 MexikoMexiko Mexiko 48.405 1,24
10 Papua-NeuguineaPapua-Neuguinea Papua-Neuguinea 42.500 1,09
11 MalaysiaMalaysia Malaysia 33.423 0,86
12 Dominikanische RepublikDominikanische Republik Dominikanische Republik 32.000 0,82
13 PeruPeru Peru 28.500 0,73
14 VenezuelaVenezuela Venezuela 17.000 0,44
15 Sierra LeoneSierra Leone Sierra Leone 11.000 0,28
16 TogoTogo Togo 8.500 0,22
17 IndienIndien Indien 8.000 0,2
18 PhilippinenPhilippinen Philippinen 5.650 0,14
19 Kongo RepublikRepublik Kongo Republik Kongo 5.630 0,14
20 SalomonenSalomonen Salomonen 5.000 0,13

Schädlinge und Krankheitserreger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genetik und Züchtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die University of the West Indies in Saint Augustine auf der Karibikinsel Trinidad besitzt die größte Kakao-Genbank der Welt (International Cocoa Genebank, ICG) und betreibt auf Trinidad ihre Grundlagenforschung. Neben der Erfassung von DNA-Material betreibt die Universität auch Projekte zur Rekultivierung alter Edelkakao-Plantagen auf Tobago.[8]

Der Schokoriegelhersteller Mars, die Forschungsabteilung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums und der Computerkonzern IBM gaben am 15. September 2010 bekannt, 92 % des Genoms des Kakaobohnen-Genotyps Matina 1-6 entschlüsselt zu haben. Das Genom ist auf einer Website frei zugänglich und soll zukünftig keinen Patentansprüchen unterliegen. Die Entschlüsselung soll Züchtungsfortschritte und Anbau erleichtern.[9][10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Fincke: Handbuch der Kakaoerzeugnisse. 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, 1965
  • Allen M. Young: The chocolate tree. A natural history of cacao. Smithsonian Inst. Press, Washington 1994, ISBN 1-56098-357-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kakaobaum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Rachel L. Melnick: Cherelle Wilt of Cacao: A Physiological Condition. In: Bryan A. Bailey, Lyndel W. Meinhardt (Hg.), Cacao Diseases: A History of Old Enemies and New Encounters. Springer International Publishing Switzerland, 2016, S. 483–499 (Abstract).
  2. Theobroma cacao bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. a b Heinrich Fincke: Handbuch der Kakaoerzeugnisse, 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin 1965, S. 24.
  4. Lanaud, Motamayor, Risterucci: Implications of New Insight into the Genetic Structure of Theobroma cacao L. for Breeding Strategies. Proc. of the Int. Workshop on New Technologies and Cocoa Breeding, INGENIC 2000, S. 93–111
  5. Motamayor, Lanaud: Molecular Analysis of the Origin and Domestication of Theobroma cacao L. Managing Plant Genetic Diversity, IPGRI 2002, S. 77–87
  6. International Cocoa Germplasm Database (ICGD Online), Group name details on PENTAGONA
  7. FAO
  8. The University of the West Indies: Cocoa Research Centre
  9. Das Genom des Kakaos ist entschlüsselt FAZ.net, 15. September 2010.
  10. Cacao Genome Database