Kalterer See

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Kalterer See
Kalterer See, von Altenburg aus
Kalterer See, von Altenburg aus
Geographische Lage Südtirol
Orte in der Nähe Kaltern, Tramin
Daten
Koordinaten 46° 22′ 39″ N, 11° 15′ 45″ OKoordinaten: 46° 22′ 39″ N, 11° 15′ 45″ O
Kalterer See (Südtirol)
Kalterer See
Höhe über Meeresspiegel 215 m s.l.m.
Fläche 1,47 km²f5
Volumen 6.000.000 m³f8
Maximale Tiefe 5,6 mf10
Mittlere Tiefe 4 mf11

Der Kalterer See (italienisch Lago di Caldaro) ist ein See im Überetsch in Südtirol (Italien).

Der See ist 1,8 km lang, 0,9 km breit und an der tiefsten Stelle 5,6 m tief. Die Fläche beträgt 1,47 km2. Er liegt auf einer Höhe von 215 m ü. NN in einer von einem alten Flussbett der Etsch gebildeten Senke, etwa 14 km südlich der Stadt Bozen, 4 km südlich von Kaltern und 4 km nördlich von Tramin. Östlich wird er unmittelbar vom Mitterberg überragt, westseitig steigen die Hänge zum Mendelkamm hin an.

Der Kalterer See ist einer der größten Seen Südtirols (das allerdings an Seen eher arm ist) und gilt – mit dem Klopeiner See – als der wärmste Badesee der Alpen. Die Wassertemperatur beträgt im Sommer bis zu 28 °C, die Badesaison ist von Mai bis September.

Touristisch erschlossen sind hauptsächlich Ost- und Westufer, das Südufer ist verschilft. Als Sportarten werden neben dem Baden auch das Fahren mit Ruder- und Tretbooten sowie Segeln und Windsurfen betrieben. Letztere profitieren von der vorherrschenden Berg- und Talwind-Zirkulation und der nachmittäglich auftretenden Ora. Motorboote sind nicht zugelassen. Zudem existiert um den See ein ausgeschilderter und leicht begehbarer Rundwanderweg.

Fischfauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kalterer See wird vom Fischereiverein Kaltern (Associazione Pesca di Caldaro) bewirtschaftet.[1] Das warme und sehr nährstoffreiche Gewässer bietet zahlreichen Fischarten ideale Lebensbedingungen. Im Kalterer See kommen Karpfen sowie Graskarpfen,[2] Silberkarpfen, Marmorkarpfen, Schleien, Rotaugen, Rotfedern, Karauschen und Brassen vor. Als Raubfische findet man hauptsächlich die wärmeliebenden Spezies wie Forellenbarsche und Sonnenbarsche sowie Hechte, Zander und Aale.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um einen jungen See, der nach der letzten Eiszeit entstanden ist und dessen Alter sich demzufolge auf 12.000 Jahre schätzen lässt. Noch vor der Würm-Eiszeit floss die Etsch durch das Lavason-Tal und durch das Gebiet des heutigen Sees südwärts. Ursprünglich war die Wasserfläche des Sees um das Ausmaß des Schilfgürtels größer und verlandete mit der Zeit.

Der See wurde schon im Vigiliusbrief (ca. 10. Jahrhundert) als lacus Caldari erwähnt. Starke Niederschläge führten zur Überschwemmung der Umgebung und daher entschloss man sich schon 1242 zum Bau eines künstlichen Abzugsgrabens, der bei Vill (Neumarkt) in die Etsch mündete. Jahrzehnte später wurde die Mündung weiter nach Süden verschoben, da bei Rückstau sich das Etschwasser in den See ergoss. Diese Lösung erwies sich noch nicht als optimal, da immer noch zu wenig Gefälle war. Nach einer großen Überschwemmung wurde unter der Regierungszeit der Kaiserin Maria Theresia entschieden, einen großen Abzugsgraben von 5 m Breite und etwa 20 km Länge zu bauen, der erst bei San Michele in die Etsch mündete. Die dem See am nächsten liegende Stelle an der Etsch liegt 6 m höher als der Seespiegel. Der zuletzt gebaute Graben existiert noch als „Großer Graben“, der frühere Graben ist noch zu sehen („Alter Graben“).

Es ist bezeugt, dass schon um 1600 bei Klughammer ein Wirtshaus stand. Im Jahr 1978 wurde der Schilfgürtel unter Schutz gestellt, da er ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel und ein beliebter Nistplatz für Vögel ist sowie ein Standort für seltene Sumpfpflanzen. 1979 wurde eine Ringkanalisation in Betrieb genommen. Auch eine Schlammkatze (Gerät zum Entschlammen des Bodens) und eine Schilfmähmaschine wurden gekauft, um den See zu pflegen.

Es gibt geologische Hinweise, dass vor langer Zeit am südlichen Mitterberg ein See existierte, dessen Spiegel um einige Dutzend Meter höher war als der des heutigen Sees.

Sagen und Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dort, wo sich der Kalterer See befindet, stand einst eine Stadt, deren Bewohner boshaft und unbarmherzig waren. Lediglich ein Haus war von einer gutmütigen Familie bewohnt. Genau dort machte Christus Halt, als er mit seinen Jüngern auf Reisen war, um für Wasser und Brot zu bitten. Doch aufgrund seiner Armut konnte der alte Mann ihm nur Wasser anbieten. So ging Petrus in die Stadt, um Essen zu bitten, doch er kehrte mit leeren Händen zurück, da keiner der Stadtbewohner bereit war, das Brot mit ihm zu teilen. Darüber erbost verschüttete Christus das Wasser, welches sich in einen reißenden Strom wandelte, die Stadt überschwemmte und den See entstehen ließ, in welchem der gutherzige Mann von nun an fischen konnte und reich wurde.

Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der See ist Namensgeber für den in der Umgebung angebauten Wein aus der Vernatsch-Traube. Die Weine mit der Bezeichnung Kalterer See, Kalterersee oder Kalterer (italienisch Lago di Caldaro oder Caldaro) besitzen seit 1970 eine „kontrollierte Herkunftsbezeichnung“ (Denominazione di origine controllata – DOC), die zuletzt am 7. März 2014 aktualisiert wurde.[3] Die Weine werden aus den Vernatsch-Varietäten Großvernatsch oder Kleinvernatsch und Grauvernatsch hergestellt. Höchstens 15 % andere analoge Rebsorten, die für den Anbau in Südtirol oder im benachbarten Trentino zugelassen sind, dürfen zugesetzt werden.[3] Der Wein darf in Südtirol in den Gemeinden Kaltern, Eppan, Kurtatsch, Margreid, Tramin und Pfatten sowie im Trentino in den Gemeinden Roverè della Luna und Mezzocorona produziert werden.[3] Im Jahr 2016 wurden von 391 Hektar Rebfläche 33.134 Hektoliter DOC-Wein hergestellt.[4]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1989 wird hier jährlich im Mai der Kalterer See Triathlon ausgetragen. Bei diesem Wettbewerb über die Olympische Distanz haben die teilnehmenden Athleten 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen zu absolvieren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl F. Zani: Zur Geschichte des Kalterer-See-Grabens. In: Der Schlern Nr. 56, 1982
  • Bruno Mahlknecht: Kaltern und Umgebung. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1979
  • Arbeitskreis Südtiroler Mittelschullehrer: Naturkundliche Wanderungen 3. Athesia, Bozen 1990

Fotogalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kalterer See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fischereiverein Kaltern
  2. Graskarpfen in Südtirol (Memento vom 28. Januar 2017 im Internet Archive)
  3. a b c Disciplinare di Produzione della Denominazione di Origine Controllata (Produktionsvorschriften und Beschreibung). In: ismeamercati.it. 27. November 2017, abgerufen am 16. Juli 2018 (PDF, italienisch).
  4. Weinbau in Zahlen 2017. In: V.Q.P.R.D. d’Italia 2017. federdoc.com, abgerufen am 21. Juni 2018 (PDF, italienisch).