Margreid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Margreid an der Weinstraße
(ital.: Magrè sulla Strada del Vino)
Wappen
Wappen von Margreid an der Weinstraße
Karte
Location of Margreid (Italy).png
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Überetsch-Unterland
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2016)
1.281/1.290
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
84,33 % deutsch
15,22 % italienisch
0,45 % ladinisch
Koordinaten 46° 17′ N, 11° 13′ OKoordinaten: 46° 17′ N, 11° 13′ O
Meereshöhe: 207–1260 m s.l.m. (Zentrum: 241 m s.l.m.)
Fläche: 13,86 km²
Dauersiedlungsraum: 5,7 km²
Fraktionen: Unterfennberg
Nachbargemeinden: Neumarkt, Kurtatsch, Kurtinig, Roverè della Luna (Eichholz, TN), Salurn
Partnerschaft mit: Ottobrunn bei München
Postleitzahl: 39040
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021045
Steuernummer: 80010550210
Bürgermeister (2015): Theresia Degasperi (SVP)

Margreid an der Weinstraße ([marˈgraɪ̯t]; italienisch Magrè sulla Strada del Vino) ist eine Gemeinde mit 1290 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) im Südtiroler Unterland (Italien).

Das bauliche Erscheinungsbild des Ortes lässt dessen bäuerlich bestimmtes Gepräge erkennen. Noch heute spielen Obst- und Weinbau im von der Südtiroler Weinstraße durchquerten Margreid eine bedeutende Rolle.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht des Ortskerns von Margreid

Die Gemeinde Margreid, insgesamt 13,86 km² groß, liegt ungefähr gleich weit von Bozen und Trient entfernt im Unterland, einem Abschnitt des Etschtals im Süden Südtirols. Das Gemeindezentrum (210–240 m s.l.m.) befindet sich auf der westlichen, orographisch rechten Talseite auf dem flachen Schwemmkegel des Fenner Bachs. Der zu Margreid gehörende Abschnitt der Talsohle erstreckt sich zu kleinen Teilen auch bis zum Ostufer der Etsch und grenzt an die Gebiete der Nachbargemeinden Neumarkt, Kurtatsch, Kurtinig, Salurn sowie Roverè della Luna.

Unmittelbar südwestlich des Gemeindezentrums erhebt sich der Fennberg, ein dem Mendelkamm (Teil der Nonsberggruppe) vorgelagerter Plateauberg. Der Fennberg, der südöstlich gegenüberliegende Geier sowie die Salurner Klause sind die Südgrenze Südtirols zum Trentino und damit zugleich des deutschen zum italienischen Sprachraum. Während die nördliche Hälfte des Fennberger Hochplateaus zu Kurtatsch gehört, befindet sich der Südteil mit den verstreuten Höfen von Unterfennberg und dem Fennberger See (1034 m) auf dem Gemeindegebiet von Margreid.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Margreid wird ersturkundlich im Jahr 1181 als „Magretum“ erwähnt.[1] 1215 taucht der heutige italienische Name „Magre“ in den Urkunden auf. Namen, von denen wohl die heutige deutsche Ortsbezeichnung stammt („Margrid“ und „Margreit“), sind erstmals 1292 genannt.[2] Der Name „Margreid“ in seiner modernen Form ist erstmals 1409 bezeugt.[3]

Der erste schriftliche Eintrag zur Margreider Pfarrkirche stammt aus dem Jahr 1343, 1370 wird dieselbe erweitert. 1513/14 wurde der Turm der Pfarrkirche um zwei Stockwerke erhöht, 1526/30 wurden die reich verzierten „Löffler“-Glocken gegossen, von denen heute nur mehr die große Glocke im Turm hängt. Noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden in der alten Pfarrkirche Stilformen der süddeutschen Gotik gepflogen, wenig später beeinflusste die Renaissance aus dem Süden den Baustil. Die heutige Pfarrkirche von Margreid wurde 1681 gebaut, da der Vorgängerbau der wachsenden Gemeinde zu wenig Platz bot (die gotische Kirche wurde abgerissen, die Pfarrkirche der Hl. Gertraud geweiht). Im Jahr 1612 wurde der Pfarrsitz von St. Florian, der jenseits der Etsch lag (heute Gemeinde Neumarkt), nach Margreid verlegt. 1774 wurde unter Leitung von Ing. v. Zallinger der Talboden entsumpft und fruchtbar gemacht. 1779 wurden Margreid und Kurtatsch gerichtlich mit Tramin vereinigt und den Grafen Zenobio zu Lehen gegeben. Im Jahr 1895 wird in Margreid Karl Felderer, der Komponist des Bozner Bergsteigerliedes, geboren. 1968 wurde der Gemeinde das Wappen verliehen: Die Schildfarben entsprechen dem Wappen des einstmals ansässigen Geschlechts „Ob der Platten“, das Horn scheint bereits im Gemeindesiegel von 1780 auf. Die Schutzpatronin von Margreid ist die Hl. Gertraud, dementsprechend fällt der Kirchweihtag auf den 17. März.

Margreid gehörte bis 1913 zum Gerichtsbezirk Kaltern und wurde mit 1. Jänner 1914 dem Gerichtsbezirk Neumarkt in Tirol zugeschlagen. Diesem gehörte die Gemeinde bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als Teil des Bezirks Bozen an.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Margreid gibt es eine deutschsprachige Grundschule. Diese ist dem Schulsprengel der Nachbargemeinde Neumarkt angeschlossen.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage an der Sprachgrenze bedingt auch südliche Stileinflüsse in der Architektur – geschwungene Gassen, Torbögen und Bauten sowie gotische Erker, sieben steinerne Dorfbrunnen und steingerahmte Rundbogenfenster mit schmiedeeisernen Gittern verdeutlichen dies. Die älteste datierte Weinrebe Europas (1601) beim Augustin-Haus in der Grafengasse trägt noch immer Früchte. Sie ist als Naturdenkmal ausgewiesen.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Kraftverkehr ist Margreid in erster Linie durch die Weinstraße und die Bahnhofstraße erschlossen, die nahe am Dorfzentrum vorbeiführen. Wo das Gemeindegebiet an die Etsch heranreicht, wird es von der A22 durchquert. Parallel zur Autobahn verläuft dort die Brennerbahn, die am Bahnhof Margreid-Kurtatsch eine Zugangsstelle bietet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister seit 1952:[6]

  • Emil Ranigler: 1952–1957
  • Alois Barcatta: 1957–1967
  • Alois Cavos: 1967–1977
  • Kurt Pfaffstaller: 1977–1980
  • Arnold Stimpfl: 1980–2000
  • Johann Puntscher: 2000–2005
  • Theresia Degasperi: 2005–

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemeinde Margreid (Hrsg.): Margreid – Entstehung, Entwicklung und Gegenwart. Arkadia, Auer 2001, ISBN 88-8300-018-8 (online)
  • Martin Schweiggl: An der südlichen Weinstraße: Tramin, Kurtatsch, Margreid, Kurtinig. Land und Leute zwischen Kalterer See und Salurner Klause. In: Südtiroler Gebietsführer. Band 17. Athesia, Bozen 1978, ISBN 978-88-7014-055-2 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Margreid an der Weinstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Huter (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch, I. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des deutschen Etschlandes und des Vintschgaus. Band 1. Hrsg. vom Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner 1939, Nr. 398.
  2. Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Band 1. Bozen: Athesia 1991. ISBN 88-7014-634-0, S. 237.
  3. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 44–45, Nr. 922.
  4. Grundschulsprengel Neumarkt. Südtiroler Bürgernetz; abgerufen am 25. Oktober 2014.
  5. Margreid-St. Gertraud
  6. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159; abgerufen am 16. November 2015 (PDF; 15 MB).