Kapitalproduktivität

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Die Kapitalproduktivität ist als volkswirtschaftliche Kennzahl ein Produktivitätsmaß. Sie gibt das Verhältnis zwischen der Produktionsmenge (Stromgröße) einerseits und dem dafür erforderlichen Kapitalstock (Bestandsgröße) andererseits an. Statt des Kapitalstocks könnte auch die Abnutzung des Kapitalstocks der zugrundeliegenden Periode (Stromgröße) verwendet werden.

Das Statistische Bundesamt im Rahmen seiner Veröffentlichungen zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung weist eine Kapitalproduktivität aus, indem es das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in konstanten Preisen (zuletzt des Jahres 1995) ins Verhältnis setzt zum Kapitalstock. Letzterer ist das Bruttoanlagevermögen ebenfalls berechnet in konstanten Preisen.

Kapitalkoeffizient[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kehrwert der Kapitalproduktivität wird als Kapitalkoeffizient bezeichnet.

Kapitalproduktivität als Formel dargestellt:

Kapitalkoeffizient als Formel dargestellt:

Inkrementaler Kapitalkoeffizient[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Kapitalproduktivität oder ihren Kehrwert, den Kapitalkoeffizienten, empirisch zu ermitteln, muss der Kapitalstock bekannt sein. Da dessen Messung nicht so einfach ist, behilft man sich bisweilen mit dem inkrementalen Kapitalkoeffizienten. Als "inkrementaler Kapitalkoeffizient", englisch "incremental capital-output ratio" (ICOR), wird definiert:

Für kann die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts vom Jahr t zum Jahr t+n verwendet werden und für die entsprechende Veränderung des Kapitalstocks, dargestellt durch die Bruttoanlageinvestitionen der Jahre t bis t+n. (Streng genommen müsste man die Nettoinvestitionen verwenden und das Nettoinlandsprodukt. Da dies jedoch an den Ergebnissen kaum etwas ändern würde, werden vereinfacht das Bruttoinlandsprodukt und die Bruttoanlageinvestitionen genommen.)

Inkrementaler Kapitalkoeffizient, 1960 bis 2004, USA, BRD und Japan

Ein steigender inkrementaler Kapitalkoeffizient gibt an, dass eine immer größer werdende Erhöhung des Kapitalstocks notwendig ist, um eine bestimmte Erhöhung des BIP zu erreichen. Die Grafik gibt die Entwicklung des inkrementalen Kapitalkoeffizienten, berechnet jeweils über einen Zeitraum von 4 Jahren von (1960–1964) bis (2000–2004). Die Entwicklung ist für die Länder der Triade, also die drei größten Volkswirtschaften der Welt, die zusammen knapp die Hälfte des Welt-BIPs auf sich vereinigen, dargestellt.

Erläuterungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapitalproduktivität definiert als (Brutto-)Inlandsprodukt im Verhältnis zum Kapitalstock (Kapitaleinsatz) stellt eine Art Obergrenze für die gesamtwirtschaftliche Rentabilität (Profitrate) dar. Das Inlandsprodukt setzt sich zusammen (bis auf einige grenzüberschreitende Einkommensströme) aus den Gewinn- und den Lohneinkommen. Die Gewinneinkommen im Verhältnis zum Kapitalstock können als gesamtwirtschaftliche Rentabilität (Profitrate) verstanden werden. Wenn nun die Kapitalproduktivität abnimmt, dann kann diese Rentabilität nur aufrechterhalten werden, indem gleichzeitig der Anteil der Lohneinkommen am Inlandsprodukt (Lohnquote) zurückgedrängt wird. Wünschenswert ist also eine stabile Kapitalproduktivität, da andernfalls Verteilungskonflikte angesagt sind. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass der Kapitaleinsatz nicht nur aus dem Wert des Kapitalstocks besteht, sondern auch Vorleistungen, Kassenhaltung usw. zu berücksichtigen sind. Außerdem können Steuernachlässe für die Unternehmen die Rentabilität nach Steuern auch stabilisieren. Alle diese Maßnahmen laufen aber irgendwann aus, wenn der Trend sinkender Kapitalproduktivität anhält.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Datenquelle: Ameco Ameco-Datenbank der Dienststellen der EU-Kommission