Karl Biedermann (Politiker)

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Karl Biedermann (um 1845)

Friedrich Karl Biedermann (* 25. September 1812 in Leipzig; † 5. März 1901 ebenda) war ein deutscher Philosoph und Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Biedermann sechs Jahre alt war, heiratete seine Mutter den Beamten Martin aus Breitenhof. Zu ihm zog sie in das Erzgebirge, so dass Karl Biedermann in der Abgeschiedenheit einer entlegenen Hammerwerkssiedlung im Mittelgebirge aufwuchs.

Biedermann studierte von 1830 bis 1834 in an den Universitäten Leipzig und Heidelberg Philosophie, bereits in Leipzig wurde er Mitglied der demokratisch gesinnten Alten Leipziger Burschenschaft.[1][2] Nach seiner Promotion arbeitete er ab 1835 als Privatdozent, ab 1838 als a.o. (außerordentlicher) Professor in Leipzig. Er lehrte die Staatswissenschaften.

Aufgrund seiner liberalen Publikationen und seines Einsatzes für Bürgerrechte geriet er ab den 1840ern zunehmend mit den Zensurbehörden in Konflikt, 1847 wurde er wegen Majestätsbeleidigung angeklagt.

Im Zuge der Märzrevolution 1848 nahm Biedermann am Vorparlament teil, wurde anschließend Schriftführer des Fünfzigerausschusses und gehörte mehreren Vorbereitungskommissionen zur Frankfurter Nationalversammlung an. Dort war er vom 18. Mai 1848 bis zum 26. Mai 1849 auch Abgeordneter für Zwickau. Biedermann gehörte den Fraktionen Württemberger Hof, Augsburger Hof und Nürnberger Hof an. Ab dem 22. Mai 1848 war er Mitglied der Protokollkommission, ab dem 3. Juni 1848 Schriftführer des Parlaments. Dieses Amt legte er am 14. Mai 1849 nieder, als er zum ersten Vizepräsidenten des Parlaments gewählt wurde. Er gehörte ebenfalls der Kaiserdeputation an.

Nachdem er sein Mandat in der Paulskirche niedergelegt hatte, nahm er im Juni 1849 am Gothaer Nachparlament teil und war bis 1850 Abgeordneter im sächsischen Landtag.

1851 wurde er wegen Beleidigung ausländischer Regenten zu Festungshaft verurteilt und 1853 endgültig seines Amtes als Professor enthoben. Das wiederum brachte für ihn einen Umzug nach Weimar mit sich. Daraufhin arbeitete Biedermann als Publizist und Herausgeber verschiedener Zeitungen. Nach 1859 wurde er auch Mitglied der Leipziger Burschenschaft Germania. 1865 wurde er wieder zum a.o. Professor in Leipzig berufen. 1869 wurde er erneut sächsischer Landtagsabgeordneter, 1871 zog er für die Nationalliberale Partei, zu deren Gründern in Sachsen er zählte, in den Reichstag (Deutsches Kaiserreich) ein.

Biedermann war Mitglied der Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen in Leipzig. Er hielt zahlreiche Vorträge im Leipziger Kaufmännischen Verein. Für die Geschichte des Historischen Seminars an der Universität Leipzig ist zudem bedeutsam, dass er ein Kulturhistorisches Institut einrichten wollte. Mit seinem Ansinnen ein selbständiges kulturhistorisches Institut zu errichten, das methodisch doch im Kontrast zu der vorherrschenden Politischen Geschichte stand, stieß er an der philosophischen Fakultät auf Ablehnung. Zu denen, welche diese Institutsform ablehnten, gehörte Georg Voigt. Die Einrichtung eines solchen Instituts erfolgte erst einige Jahre nach seinem Tode durch Karl Lamprecht im Jahr 1909.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard J. Bazillion: Modernizing Germany. Karl Biedermann’s career in the Kingdom of Saxony. 1835–1901. (= American university studies, Ser. 9; History; Vol. 84). Lang, New York u. a. 1990, ISBN 0-8204-1185-X
  • Heinrich Best, Wilhelm Weege: Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49. Droste, Düsseldorf 1998, ISBN 3-7700-0919-3, S. 98–99.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 1: A–E. Winter, Heidelberg 1996, ISBN 3-8253-0339-X, S. 96–97.
  • Herbert Helbig: Biedermann, Friedrich Carl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 223 f. (Digitalisat).
  • Joachim Müller: Friedrich Karl Biedermann. In: Männer der Revolution. Verlag das europäische Buch, Westberlin 1970, S. 441–462 ISBN 3-920303-46-6
  • Harald Lönnecker: Friedrich Carl Biedermann (1812–1901), in: Gerald Wiemers (Hrsg.): Leipziger Lebensbilder. Der Stadt Leipzig zu ihrer Ersterwähnung vor 1000 Jahren 1015–2015 (Sächsische Lebensbilder, Bd. 7 = Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte, Bd. 39), Leipzig/Stuttgart 2015, S. 43–61.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Karl Biedermann – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 1: A–E. Winter, Heidelberg 1996, ISBN 3-8253-0339-X, S. 96.
  2. Horst Grimm, Leo Besser-Walzel: Die Corporationen. Handbuch zu Geschichte, Daten, Fakten, Personen. Umschau-Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-524-69059-9