Klaus Malettke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Klaus Malettke (* 30. Mai 1936 in Rastenburg) ist ein deutscher Historiker mit dem Schwerpunkt Frühe Neuzeit. Malettke lehrte als Professor für Neuere Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin (1971–1980) und für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Frühe Neuzeit an der Philipps-Universität Marburg (1980–2001). Malettke gehört zu den führenden deutschen Experten der frühneuzeitlichen französischen Geschichte. Er gilt über seine wissenschaftliche Arbeit hinaus durch die Förderung bilateraler Forschungsprojekte und des europäischen Studentenaustausches als einer der wichtigsten wissenschaftlichen Vermittler zwischen Deutschland und Frankreich im späten 20. Jahrhundert.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater war Ostpreuße und als Lehrer tätig, die Mutter war aus Westfalen. Die Mutter stammte aus einer alten elsässischen Familie. Dies brachte Malettke schon früh mit einem besonderen Problemkomplex der deutsch-französischen Beziehungen in Kontakt.[1] Schon während seiner Schulzeit interessierte sich Malettke für Frankreich. Eine intensive Brieffreundschaft führte zu einem Aufenthalt in Nancy. Er studierte Geschichte, Romanistik und Pädagogik an den Universitäten Marburg, Dijon und bei Pierre Renouvin an der Sorbonne in Paris. Renouvin befasste sich mit der systematischen Auswertung von Zeitungen und Zeitschriften als historischen Quellen. Dies hatte auch Einfluss auf Malettkes Forschungen. Die fast zwei Jahre in Paris nutzte Malettke für ein intensives Studium der Zeitungen und der zugänglichen Archive. Während seines Studiums wurde Malettke Mitglied der Marburger Burschenschaft Rheinfranken.[2] Er wurde 1965 in Marburg bei Wilhelm Mommsen promoviert und machte im gleichen Jahr ein Staatsexamen als Lehrer für Geschichte und Französisch. Nach seiner Promotion wechselte er als wissenschaftlicher Assistent von Fritz Dickmann an die Freie Universität Berlin. Dort habilitierte er sich 1972 und erhielt an der Freien Universität Berlin eine Professur für Neuere Geschichte. Im Jahr 1980 folgte er als Nachfolger von Gerhard Oestreich einem Ruf auf den Lehrstuhl für Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der westeuropäischen Geschichte an der Philipps-Universität Marburg. Im Wintersemester 1989/90 unterrichtete er als Gastprofessor an der Universität Paris X (Nanterre).

Durch sein ehrenamtliches Engagement in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gremien und seine guten Kontakte zu verschiedenen französischen Universitäten kam es zu einem regen Austausch mit französischen Universitäten sowohl auf der Seite der Studenten wie auch der Forschung. Malettke war ein großer Initiator und Förderer der europäischen Erasmus- bzw. Sokratesprogramme. Im Jahre 2007 wurde er dafür mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.[3] Auf französischer Seite wurde er 1998 Ritter der Ehrenlegion der Republik Frankreich, 2005 folgte eine Beförderung zum Offizier der Ehrenlegion.

Er war von 1984 bis 2001 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Historischen Instituts Paris. Von 1993 bis 1999 übernahm er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Seit 1997 ist Malettke Vizepräsident der Internationalen Kommission zur Herausgabe von Quellen zur Europäischen Geschichte „Monumenta Europae Historica“. Im Jahr 1995 war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Sonderausstellung des Europarats „1648 - Krieg und Frieden in Europa“. Im Jahr 2000 wurde er Mitglied des „Centre des Recherche sur l’Histoire de l’Europe centrale“ der Universität Sorbonne in Paris. Malettke ist assoziierter Professor und Ehrendoktor der Sorbonne.

Malettke gehört zu den besten Kennern der französischen Geschichte der Frühen Neuzeit im deutschsprachigen Raum. Zunächst befasste er sich mit der Geschichte von Hof, Adel und Institutionen im Frankreich des 16. und 17. Jahrhunderts. Seit Ende der achtziger Jahre erforschte er zunehmend auch die deutsch-französischen Beziehungen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Malettke arbeitete auch zur Geschichte des Alten Reiches, zur Entwicklung der Burschenschaft, zu Preußen und zur Geschichte Hessens. In seiner Dissertation befasste er sich mit den Einstellungen der Pariser Presse zu der Außen- und Innenpolitik Otto von Bismarcks von 1862 bis zum preußisch-österreichischen Krieg von 1866.[4] Malettke konnte die verschiedenen politischen Einstellungen der Zeitungen heraus arbeiten. Das Urteil der Presse über Otto von Bismarck war unterschiedlichen Schwankungen unterworfen. Es war eine Mischung aus harscher Kritik und widerwilliger Bewunderung. Die Arbeit wurde in der Fachwelt überwiegend positiv aufgenommen.[5] In seiner 1976 veröffentlichten Habilitation erforschte er die Opposition gegen Ludwig XIV.[6] Anders als die bisherige Forschung geht Malettke in den ersten Jahren von Ludwigs Herrschaft davon aus, dass Opposition und Konspiration doch existiert hätten.[7] Er befasste sich wiederholt mit Ludwig XIV. und veröffentlichte über ihn 1994 eine Biographie.[8] Im Unterschied zur bisherigen Forschung setzte Malettke in seiner Biographie den Schwerpunkt stärker auf wirtschaftliche, finanzpolitische und soziale Aspekte.[9] Kurze Zeit nach der Habilitation erschien von Malettke eine Biographie über Jean-Baptiste Colbert,[10] der als wichtigster Minister Ludwigs XIV. durch sein Finanz- und Steuersystem den absolutistischen Herrschaftsstil erst den Weg ebnete. Nach seiner Habilitation führte Malettke seine Forschungen mit internationalem Bezug weiter. Im November 1978 wurde an der FU Berlin im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Soziale Mobilität im frühmodernen Staat“ ein internationales Kolloquium zum Problem Ämterkäuflichkeit und sozialer Mobilität im europäischen Vergleich abgehalten. Erstmals wurde damit das weitgehend unberücksichtigte Phänomen in der Geschichtswissenschaft eingehend untersucht.[11] Malettke gab den Sammelband 1980 heraus.[12] In seiner Einleitung befasste sich Malettke mit der Ämterkäuflichkeit in Frankreich und ähnlichen Erscheinungen in Venedig, im Kirchenstaat, in Kastilien und in mehreren deutschen Territorien.[13] Mit Jürgen Voss veranstaltete er 1987 ein deutsch-französisches Kolloquium über Humanismus und höfisch-städtische Elite im 16. Jahrhundert. Bereits ein Jahr nach dem Erscheinen des Sammelbandes erfolgte eine zweite Auflage.[14] Malettke veröffentlichte 2001 in Französisch eine umfassende Untersuchung über die deutsch-französischen Beziehungen im 17. Jahrhundert.[15] Ein Jahr später erschien von Malettke und Ullrich Hanke die Edition von Théodore Godefroys Description d'Alemagne, die für die Erforschung der Perzeption des Deutschen Reiches in Frankreich um 1630 zu den wichtigsten Quellen zählt. Die Quelle wurde erstmals ediert und dadurch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Jahr 2008 erschien von ihm eine dreibändige Geschichte der Bourbonen. Für das von Heinz Duchhardt und Franz Knipping herausgegebene Handbuch der Geschichte der internationalen Beziehungen veröffentlichte er 2012 den dritten Band. Darin behandelte er den Zeitraum vom Westfälischen Frieden (1648) bis zum Frieden von Utrecht (1713/1714).[16]

Malettke lernte seine Frau in Paris kennen.[17] Er ist seit 1965 verheiratet. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor.[18]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Schriftenverzeichnis erschien in: Jörg Ulbert, Sven Externbrink (Hrsg.): Formen internationaler Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Frankreich und das Alte Reich im europäischen Staatensystem. Festschrift für Klaus Malettke zum 65. Geburtstag (= Historische Forschungen. Bd. 71). Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-10277-0, S. 531–546.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Ulbert, Sven Externbrink (Hrsg.): Formen internationaler Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Frankreich und das Alte Reich im europäischen Staatensystem. Festschrift für Klaus Malettke zum 65. Geburtstag (= Historische Forschungen. Bd. 71). Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-10277-0.
  • Wer ist wer? Das deutsche Who's Who. XLVII. Ausgabe 2013/14, S. 719.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henning Köhler: Klaus Malettke - eine Würdigung. In: Jörg Ulbert, Sven Externbrink (Hrsg.): Formen internationaler Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Frankreich und das Alte Reich im europäischen Staatensystem. Festschrift für Klaus Malettke zum 65. Geburtstag. Berlin 2001, S. 13–20, hier: S. 14.
  2. Harald Lönnecker: Quellen und Forschungen zur Geschichte der Korporationen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Ein Archiv- und Literaturbericht. In: Stefan Gerber, Matthias Steinbach (Hrsg.): „Klassische Universität“ und „akademische Provinz“. Studien zur Universität Jena von der Mitte des 19. bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Jena 2004, S. 401–437 (online Abdruck S. 1–32, hier: S. 14)
  3. Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Prof. Dr. Dr. h. c. Klaus Malettke
  4. Klaus Malettke: Die Beurteilung der Außen- und Innenpolitik Bismarcks von 1862–1866 in den großen Pariser Zeitungen. Lübeck u. a. 1966.
  5. Henning Köhler: Klaus Malettke - eine Würdigung. In: Jörg Ulbert, Sven Externbrink (Hrsg.): Formen internationaler Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Frankreich und das Alte Reich im europäischen Staatensystem. Festschrift für Klaus Malettke zum 65. Geburtstag. Berlin 2001, S. 13–20, hier: S. 15.
  6. Klaus Malettke: Opposition und Konspiration unter Ludwig XIV. Studien zu Kritik und Widerstand gegen System und Politik des französischen Königs während der ersten Hälfte seiner persönlichen Regierung. Göttingen 1976.
  7. Henning Köhler: Klaus Malettke - eine Würdigung. In: Jörg Ulbert, Sven Externbrink (Hrsg.): Formen internationaler Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Frankreich und das Alte Reich im europäischen Staatensystem. Festschrift für Klaus Malettke zum 65. Geburtstag. Berlin 2001, S. 13–20, hier: S. 17.
  8. Klaus Malettke: Ludwig XIV. von Frankreich. Leben, Politik und Leistung. Göttingen u. a. 1994.
  9. Henning Köhler: Klaus Malettke - eine Würdigung. In: Jörg Ulbert, Sven Externbrink (Hrsg.): Formen internationaler Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Frankreich und das Alte Reich im europäischen Staatensystem. Festschrift für Klaus Malettke zum 65. Geburtstag. Berlin 2001, S. 13–20, hier: S. 19.
  10. Klaus Malettke: Jean-Baptiste Colbert. Aufstieg im Dienste des Königs. Göttingen u. a. 1977
  11. Henning Köhler: Klaus Malettke - eine Würdigung. In: Jörg Ulbert, Sven Externbrink (Hrsg.): Formen internationaler Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Frankreich und das Alte Reich im europäischen Staatensystem. Festschrift für Klaus Malettke zum 65. Geburtstag. Berlin 2001, S. 13–20, hier: S. 18 f.
  12. Klaus Malettke (Hrsg.): Ämterkäuflichkeit. Aspekte sozialer Mobilität im europäischen Vergleich (17. und 18. Jahrhundert). Berlin 1980.
  13. Klaus Malettke: Ämterkauf und soziale Mobilität. Probleme und Fragestellungen vergleichender Forschung. In: Ders. (Hrsg.): Ämterkäuflichkeit. Aspekte sozialer Mobilität im europäischen Vergleich (17. und 18. Jahrhundert). Berlin 1980, S. 3–30.
  14. Klaus Malettke, Jürgen Voss: Humanismus und höfisch-städtische Eliten im 16. Jahrhundert. 2. Auflage. Bonn 1990
  15. Klaus Malettke: Les relations entre la France et le Saint Empire au XVIIe siècle. Paris 2001.
  16. Klaus Malettke: Hegemonie - multipolares System - Gleichgewicht. 1648/1659–1713/1714. Paderborn u. a. 2012.
  17. Henning Köhler: Klaus Malettke - eine Würdigung. In: Jörg Ulbert, Sven Externbrink (Hrsg.): Formen internationaler Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Frankreich und das Alte Reich im europäischen Staatensystem. Festschrift für Klaus Malettke zum 65. Geburtstag. Berlin 2001, S. 13–20, hier: S. 13 f.
  18. Wer ist wer? Das deutsche Who's Who. XLVII. Ausgabe 2013/14, S. 719.