Klein-Gerau

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Klein-Gerau
Ortsteil von Büttelborn
Wappen der früheren Gemeinde Klein-Gerau
Koordinaten: 49° 55′ 5″ N, 8° 31′ 10″ O
Höhe: 91 m ü. NHN
Fläche: 5,93 km²
Einwohner: 3849 (31. Dez. 2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 649 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64572
Vorwahl: 06152

Klein-Gerau (mundartlich: Kloa–Gere)[2] ist ein Ortsteil der Gemeinde Büttelborn im südhessischen Kreis Groß-Gerau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klein-Gerau liegt in der Westlichen Untermainebene[3] im sogenannten Hegbach-Apfelbach-Grund und ist noch heute durch seinen überwiegend ländlichen Charakter geprägt. Durch die räumliche Entfernung und baulichen Trennung von den anderen Gemeindeteilen Büttelborns vermittelt Klein-Gerau den Eindruck einer gewissen Eigenständigkeit. Der Ort befindet sich innerhalb des Ballungsraumes Rhein-Main und zeichnet sich durch gute Verkehrsanbindungen aus. Dazu zählt neben der Rhein-Main-Bahn mit dem Bahnhof Klein-Gerau (Richtung Mainz, Wiesbaden und Darmstadt) auch die südwestlich des Ortes verlaufende A 67 inkl. Anschlussstelle (5) Büttelborn. Weiterhin führte der Ausbau des Frankfurter Flughafens zwischen 1981 und 1984 (Startbahn West) zu einer Fluglärmbelastung des Ortes. Die Hauptabflugroute der Startbahn verläuft fast direkt über den Ort hinweg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Evangelische Kirche
Das Alte Rathaus

Klein-Gerau wurde erstmals im Jahre 1246 als villa Weneghgerahe urkundlich erwähnt. Weitere Erwähnungen folgen unter den Ortsnamen parvum Gerahe 1280, Wenigen Gera 1318, Gera minor und Clein Gerau 1355, Cleynen Gerauwe 1383 und Wenigen Gerauw 1391.[4] Es gehörte zur Mark Gerau und die Herrn von Dornberg hatten das Dorf zu Lehen. Seine Bewohner waren weitgehend von ihrem Grundherrn abhängig. Getreideanbau und Viehzucht standen im Vordergrund und die Wälder nördlich des Mühlbach dienten als Weideflächen. Die beiden Mühlen, von denen die Eichmühle noch heute existiert, werden bereits 1303 in den Urkunden erwähnt.

Das ausgehende Mittelalter und die beginnende Neuzeit waren sehr unruhig. So wird 1342 das Dorf in die Auseinandersetzungen zwischen Katzenelnbogen mit Kurmainz gezogen und gebrandschatzt. Dem Schadensregister zufolge war Klein-Gerau damals stark zerstört. 1395 erfolgte erneut eine Schatzung durch die Hanauer. Damals war der größte Teil der Bevölkerung noch Leibeigen, wie Unterlagen belegen. Das Dorf lag zwischen zwei Höfen, der ältere im Bereich des heutigen Rathauses und der jüngere an der Einmündung der heutigen Bahnhofstraße in die Hauptstraße. Dort befand sich auch ein kleiner Friedhof und die Kapelle St. Wendelin. Der Schmalkaldische Krieg führte zur Zerstörung jener Kapelle und des gesamten Dorfes durch die Völker des Generals von Bueren.

Der Charakter des Dorfes hatte sich bis zum Dreißigjährigen Krieg nicht wesentlich verändert. Klein-Gerau hatte 150 Einwohner, als 1622 der Heerführer Peter Ernst II. von Mansfeld für einige Zeit das Gerauer Land heimsuchte. Dann kamen noch die Schweden unter Gustav II. Adolf und in ihrem Gefolge die Pest, sodass es mehr als 50 Jahre dauerte, bis sich das Dorf von den Kriegsfolgen erholt hatte.

Ab 1700 führte die Bevölkerungszunahme zu Rodungen nördlich des Mühlbach, die erst im 20. Jahrhundert endgültig eingestellt wurden. 1729 wurde das Rathaus und 1753 ein neues Schulhaus errichtet, die heutige evangelische Kirche.[5]

Klein-Gerau gehört nun zu Hessen und wird bis 1820 vom Amt Rüsselheim verwaltet, das seit 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtum Hessen gehört, welches unter dem Druck Napoleons gegründet wurde. Danach wird es durch den Landratsbezirk Dornberg verwaltet, der durch die Verwaltungsreform 1821 geschaffen wurde.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Klein-Gerau:

»Kleingerau (L. Bez. Dornberg) luth. Filialdorf; liegt 34 St. von Dornberg und 12 St. von Großgerau, und hat 76 Häuser und 461 Einw., die außer 2 Kath. und 27 Juden lutherisch sind. Dieses Dorf, früher Wenigengerau genannt, gehörte den Grafen von Katzenellenbogen; und als dieselben 1318 ihr Land mutscharten erhielt es Graf Berthold II. zu seinem Antheil.«[6]

1832 wird dann die Provinz Starkenburg in Kreise aufgeteilt und Klein-Gerau wird dem Kreis Groß-Gerau zugeteilt. Die Zugehörigkeit zu diesem Kreis wird nur zwischen 1848 und 1852 unterbrochen als die Provinz Starkenburg durch Regierungsbezirke verwaltet wird und Büttelborn zum Regierungsbezirk Darmstadt gehört. Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen, von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und seit 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Groß-Gerau.[4]

Der Bau der Rhein-Main-Bahn zwischen Darmstadt und Mainz verbesserte ab 1858 die angespannte Situation im Dorf ganz wesentlich. (Das heutige Empfangsgebäude des Bahnhofs stammt aus der Zeit um 1955.[7]) Nun waren in den umliegenden Städten Arbeitsplätze erreichbar und der Absatz der Agrarerzeugnisse auf den Märkten der benachbarten Städte verbesserte das Einkommen breiterer Bevölkerungsschichten. Besonders der durch den ortsansässigen Lehrer Berz begründete Obstbau brachte zwischen 1850 und 1950 einen bescheidenen Wohlstand. Auch der Spargelanbau nahm für die nähere Region seinen Anfang in Klein-Gerau. So konnten die schlimmsten Nöte zu Zeiten der industriellen Revolution dem Dorf und seiner Bevölkerung erspart bleiben.[5]

In der Nacht vom 17. auf den 18. April 1932 brach im Rathaus ein Feuer aus, wobei das gesamte Dachgeschoss, Teile des Obergeschosses, sowie das Uhrwerk des Glockenturms nebst Glocke zerstört wurden. Daraufhin wird das Rathaus noch im selben Jahr wieder aufgebaut und unter Denkmalschutz gestellt.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts trat die nebenerwerbliche Landwirtschaft immer mehr in den Vordergrund und aus dieser Umstrukturierung ging dann Klein-Gerau als ländliche Wohngemeinde hervor.

Am 1. Januar 1977 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Klein-Gerau im Rahmen der Gebietsreform in Hessen durch Gesetz mit den Nachbargemeinden Büttelborn und Worfelden zusammengeschlossen.[8] Seither ist Klein-Gerau einer von drei Ortsteilen der neuen Gemeinde Büttelborn. Im Sommer 1996 wurde das 750-jährige Ortsjubiläum u. a. mit einem großen Straßenfest rund um das renovierte Historische Rathaus gefeiert.[5]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Klein-Gerau lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[4][9][10]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1629: 33 Hausgesesse[4]
• 1791: 336 Einwohner[11]
• 1800: 348 Einwohner[12]
• 1806: 420 Einwohner, 73 Häuser[13]
• 1829: 461 Einwohner, 76 Häuser[6]
• 1867: 536 Einwohner, 94 Häuser[14]
Klein-Gerau: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
  
336
1800
  
348
1806
  
420
1829
  
461
1834
  
461
1840
  
480
1846
  
517
1852
  
514
1858
  
512
1864
  
517
1871
  
532
1875
  
514
1885
  
584
1895
  
654
1905
  
792
1910
  
838
1925
  
905
1939
  
1.075
1946
  
1.407
1950
  
1.585
1956
  
1.638
1961
  
1.844
1967
  
1.884
1972
  
1.920
1985
  
?
1997
  
3.886
2001
  
3.962
2008
  
3.802
2011
  
3.687
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4]; nach 1977: Gemeinde Büttelborn[15]; Zensus 2011[16]
  • Bevölkerung (Stand: 31. Dezember 2011): 3849 Einwohner, davon Ausländer 383[1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 432 lutheranische (= 93,71 %), 27 jüdische (= 5,86 %) und 2 katholische (= 0,43 %) Einwohner[6]
• 1961: 1253 evangelische (= 67,95 %), 528 (= 28,63 %) römisch-katholische Einwohner[4]
• 2002: 1600 evangelische (= 40,33 %), 875 (= 22,06 %) römisch-katholische und 1492 (= 37,61 %) sonstige Einwohner[17]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Beleg für das Vorhandensein einer Kirche stammt aus dem Jahr 1557 als eine Kapelle als zum Wendelinaltar in Groß-Gerau gehörig belegt ist. Als Kirchenpatrone wird Wendelin erwähnt. Das Kirchenpatronat hatten Grafen von Katzenelnbogen inne.[4]

Die heutige evangelische Kirche wurde 1753 als Schulhaus errichtet.

Bis vor dem Zweiten Weltkrieg war Klein-Gerau rein evangelisch. Katholische Gottesdienste werden durch die Katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus von der Flüe von Büttelborn in der evangelischen Kirche abgehalten.

Als kirchliche Verwaltungen sind heute für Klein-Gerau das evangelische Dekanat Groß-Gerau der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und das katholische Dekanat Rüsselsheim des Bistums Mainz zuständig.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sommerfest der Freiwilligen Feuerwehr Klein-Gerau (jährlich)
  • Kerb organisiert vom Sportverein (jährlich)
  • Weihnachtsbaumverbrennen der Jugendfeuerwehr Klein-Gerau (jährlich)
  • Traditionelles Volksradfahren des Rad- und Motorsportvereins Vorwärts 1908 Klein-Gerau jährlich in jedem letzte Juniwochenende
  • Internationales U23-Radballturnier um den Fraport sowie U11/U13-ÜWG-Cup im Oktober in der Großsporthalle Klein-Gerau (jährlich)
  • 2016 hat Klein-Gerau erstmals an der alle zwei Jahre stattfindenden Aktion „Der Kreis rollt“ teilgenommen. Die Fahrradroute verlief mitten durch den Ort, viele Vereine und Institutionen beteiligten sich mit Ständen und Ausstellungen.[18]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Peter Reinheimer (1800–1875), Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen und Bürgermeister von Klein-Gerau.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatpflege Klein-Gerau e.V. (1996): Heimatbuch 750 Jahre Klein-Gerau, Eigenverlag, Klein-Gerau.
  • Heimatpflege Klein-Gerau e.V. (1988): Klein-Gerau. Bilder aus vergangenen Tagen, Geiger-Verlag, Horb a. Neckar.
  • Literatur über Klein-Gerau in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Klein-Gerau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Buettelborn.de: Bevölkerungsstatistik 2011. (PDF; 42 kB)
  2. Darmstädter Echo, Mittwoch, 8. Oktober 2014, S. 20: Rosen für die Damen (Memento vom 19. Oktober 2014 im Internet Archive)
  3. Otto Klausing: Die Naturräume Hessens. Hessische Landesanstalt für Umwelt, Wiesbaden, 1988, ISBN 3-89026-066-7.
  4. a b c d e f g Klein-Gerau, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. a b c Ortsgeschichte von Klein-Gerau (abgerufen im Nov. 2012)
  6. a b c Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829, S. 124 (Online bei Google Books)
  7. Eisenbahn in Hessen. Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Theiss Verlag. Stuttgart, 2005. Bd. 2.1, S. 238. ISBN 3-8062-1917-6.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 366.
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  11. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 126 (Online in der HathiTrust digital library).
  12. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 130 (Online in der HathiTrust digital library).
  13. Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.
  14. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 48 (Online bei google books).
  15. Zahlen und Daten. In: Webauftritt. Gemeinde Büttelborn, archiviert vom Original; abgerufen im April 2019.
  16. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  17. Gemeinde Büttelborn
  18. Autofrei ging’s „Quer durchs Ried“ – Die dritte Auflage von „Der Kreis rollt“ war ein voller Erfolg. Kreisausschuss des Kreises Groß-Gerau, 29. Mai 2016, abgerufen am 16. September 2019.