Konrad Buchwald

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Konrad Buchwald (* 16. Februar 1914 in Jena; † 9. März 2003 in Flensburg) war ein deutscher Botaniker, Naturschützer und Landschaftsplaner.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Pädagogen und Germanisten Reinhard Buchwald und Elisabeth Buchwald, geborene Leo, besuchte die Volksschule, die „deutsche“ Oberschule in Jena und die Odenwaldschule in Oberhambach. 1932 legte er das Abitur ab.[1] Danach studierte er von 1932 bis 1937 an der Universität Heidelberg Biologie, Botanik, Geografie, Geologie, Mineralogie, Chemie und Physik.

K. Buchwald war in seiner Jugend Mitglied der „Deutschen Freischar“ und der „Schwarzen Front“ Otto Strassers. Am 1. Mai 1937 stellte er den Mitgliedsantrag zur Aufnahme in die NSDAP.[2]

Sein Mitstudent Heinz Ellenberg machte ihn mit der Arbeitsstelle für Vegetationskartierung der Provinz Hannover bekannt.[3]

Ab 1934 arbeitete er dort mit und erlernte vor allem die Methoden der Bodenkunde und der Pflanzensoziologie. 1938 begann er mit einer Dissertation mit dem Titel „Die nordwestdeutsche Heiden. Ihre Erforschungsgeschichte, Pflanzengesellschaften und deren Lebensbedingungen“, und beendete sie 1940. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. W. Penzer in Heidelberg und Reinhold Tüxen in Hannover. Aufgrund der Einberufung zum Wehrdienst musste er die Arbeit an seiner Dissertation im September und Oktober 1938 und im August 1939 unterbrechen.[4]

1939 war er weiterhin für die Zentralstelle für Vegetationskunde des Reiches unter R. Tüxen tätig.[5]

Buchwald sollte im August 1941 mit der Vegetationskartierung des von den deutschen Truppen besetzten sogenannten „Warthegau“ beginnen.[6] Ob er diese Arbeiten auch durchführte, ist bisher nicht bekannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es ihm, die Stelle eines Referenten beim Innenministerium des Landes Württemberg-Hohenzollern in Tübingen zu erhalten. Er war dort zuständig für Standort- und Vegetationskartierung, Straßen und Gewässerbepflanzung sowie Ingenieurbiologie. In Nordwürttemberg fungierte er als Bezirksnaturschutzbeauftragter.[7]

1949 promovierte er an der Universität Heidelberg mit seiner Arbeit Die nordwestdeutschen Heiden, ihre Erforschungsgeschichte, Pflanzengesellschaften und deren Lebensbedingungen zum Doktor der Naturwissenschaften. Nach dem Wehrdienst war er Leiter des Sachgebiets Ingenieurbiologie bei der Regierung Württemberg-Hohenzollern in Tübingen.

Buchwald habilitierte sich 1955 an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen in Geobotanik. Anschließend war er von 1955 bis 1960 Direktor der Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg sowie Privatdozent an der Universität Tübingen. Von 1960 bis zu seiner Pensionierung 1979 war er ordentlicher Professor für Landespflege und Direktor des Instituts für Landschaftspflege und Naturschutz an der Technischen Universität Hannover.

Er entwickelte dort ein neues Fachgebiet mit dem Titel „Landespflege“, das bundesweit andere Fakultäten beeinflusste.[8]

K. Buchwald nahm in bedeutenden Gremien des deutschen Natur- und Umweltschutzes Funktionen ein: Er war Gründungsmitglied des Deutschen Rat für Landespflege und des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung. Zudem führte er den Landesverband des BUND in Niedersachsen von 1983 bis 1991. Politisch engagierte er sich u. a. 1986 bis 1988 als stellvertretender Bundesvorsitzender der „Ökologisch-demokratischen Partei“ (ÖDP).[9]

1971 hat Buchwald am ersten Entwurf für ein Bundesnaturschutzgesetz entscheidend mitgewirkt. Zudem widmete er sich dem Schutz von Seen und Meeren, wobei das Wattenmeer und die Ostfriesischen Inseln Schwerpunkt seines Interesses waren.

Buchwald war einer der 16 Unterzeichner der Grünen Charta von der Mainau. Mitte der 1990er Jahre steuerte Buchwald der BUND-MISEREOR-Studie "Zukunftsfähiges Deutschland" Beiträge zu einer Politik der Nachhaltigkeit bei. 1997 erhielt er den Reinhold-Tüxen-Preis.

Vernetzung mit dem nationalsozialistischen Naturschutz vor und nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

K. Buchwald arbeitete eng mit R. Tüxen zusammen, der seinerseits mit Hilfe des Nationalsozialismus die Pflanzensoziologie als Wissenschaft etablierte und sich zu diesem Zweck auf NS-Größen wie Hermann Göring oder Fritz Todt stützte.[10]

Dezidiert stellte Buchwald sich in die Nachfolge von Hans Schwenkel, eines ausgewiesenen Nationalsozialisten und Rassisten.[11] Dieser war 1938 bis 1944 im Referat Landschaftspflege in der Obersten Naturschutzbehörde in Berlin tätig.[12]

Noch 1956 schrieb Buchwald im Vorwort einer Festschrift für H. Schwenkel zusammen mit den beiden anderen Herausgebern „Wir feiern damit nicht nur den Mann, der in 30 Jahren die Naturschutzarbeit in Württemberg aus kleinsten Anfängen aufgebaut hat, sondern auch den vielseitigen und anregenden Initiator und Motor landschaftspflegerischer Arbeit im gesamten Reichsgebiet.“[13] Dass das „Reichsgebiet“ 1956 nicht mehr existierte, schien er nicht zu akzeptieren.

Auch den für Heinrich Himmler im Reichskommissariat für die Festigung deutschen Volkstums arbeitenden Erhard Mäding lobte er ausdrücklich für dessen Tätigkeit, wie auch den eng mit dem NS-System verstrickten Naturschützer Alwin Seifert. Den ebenfalls im Reichskommissariat für die Festigung deutschen Volkstums tätigen Heinrich Wiepking-Jürgensmann sah er ebenfalls als Vorbild an und übernahm dessen Lehrstuhl in Hannover 1960.[14]

In der Bundesrepublik Deutschland publizierte er in der Zeitschrift der Neuen Rechten mit dem Titel „neue zeit.“ Er wandte sich darin u. a. im Sinne einer sogenannten ökologischen Ethik gegen Asylsuchende, die seiner Meinung nach wirtschaftliche Gründe vorschoben, um Schutz zu erhalten und um von der Bundesrepublik unterstützt zu werden. Seiner Ansicht nach sollte sich diese aber vielmehr für das „deutsche Volkstum“ im Ausland einsetzen.[15]

Wissenschaftlicher Ansatz in der Landespflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

K. Buchwald sah die vorindustrielle bäuerliche Kulturlandschaft als Ideal und Vorbild für die Landespflege an. Die entsprechende Gesellschaft beurteilte er als „gesund“ und sprach ihr einen in Bezug auf die Natur „ganzheitlichen“ Lebensstil zu. Die urbane Kultur sah er dagegen als krank, zersetzend und zerstörerisch an. Dabei verharrte er in Denkfiguren des Nationalsozialismus wie z. B. der „Gesundheit der Landschaft“, die wissenschaftlich nicht zu belegen sind, löste sie vordergründig aus dem ideologischen Diskurs und präsentierte sie in der Bundesrepublik Deutschland als selbstverständliche Schlagworte, deren Geschichte er nicht offenlegte. Prototypisch dafür ist der Artikel „Gesundes Land - Gesundes Volk“ von 1956 in der Zeitschrift Natur und Landschaft.[16] Bei der Umsetzung seiner Zielvorstellungen setzte K. Buchwald auf einen autoritären Staat, der mit Hilfe der Landschaftsplanung und ihrer Behörden die Etablierung der bäuerlichen Kulturlandschaft umsetzen sollte. Andere Akteure in Landschaft wie Forsten, Wasserbau- oder Verkehrsplaner sollten sich dem unterordnen.[17]

K. Buchwald wurde insbesondere durch pseudowissenschaftliche Schriften des Arztes Joachim Bodamer beeinflusst. Insbesondere dessen Publikation „Gesundheit und technische Welt“ hatte auf ihn Wirkung. [18]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz-Siegfried Strelow: Konrad Buchwald. Abschied, in: Naturkonservativ heute. Jahrbuch der Herbert-Gruhl-Gesellschaft 2004, Essen: Verlag Die Blaue Eule, 2004, S. 74–77; (online unter: www.naturkonservativ.de)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebenslauf. In: K. Buchwald: Die nordwestdeutsche Heiden. Ihre Erforschungsgeschichte, Pflanzengesellschaften und deren Lebensbedingungen. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der hohen philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg. Heidelberg 1940. S. 54
  2. J. Wolschke-Bulmahn: Naturschutz und Nationalsozialismus. Darstellung im Spannungsfeld von Verdrängung, Verharmlosung und Interpretation. In: S. A. Glienke, V. Paulmann, J. Perels (Hrsg.): Erfolgsgeschichte Bundesrepublik? Die Nachkriegsgeschichte im langen Schatten des Nationalsozialismus. Göttingen 2008. S. 62
  3. T. Potthast: Konrad Buchwald. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Natur und Staat: staatlicher Naturschutz in Deutschland 1906 – 2006. Bearb. v. H.-W. Frohn, F. Schmoll. (Naturschutz und biologische Vielfalt H. 34). Münster 2006. ISBN 978-3-7843-3935-1. S. 405
  4. Lebenslauf. In: K. Buchwald: Die nordwestdeutsche Heiden. Ihre Erforschungsgeschichte, Pflanzengesellschaften und deren Lebensbedingungen. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der hohen philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg. Heidelberg 1940. S. 54
  5. R. Tüxen: Aus der Arbeitsstelle für theoretische und angewandte Pflanzensoziologie der Tierärztl. Hochschule Hannover. Ein Tätigkeitsbericht von Reinhold Tüxen. (Sonderdruck aus dem 92. und 93. Jahresbericht der Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover). Hannover 1942. S. 71
  6. Zentralstelle. In: 10. Rundbrief. Hannover, im Juni 1941. Zentralstelle für Vegetationskunde des Reiches Hannover. Forsteinrichtungsamt Kassel. In: Rundbrief (Pers). Teil 9. 1941 bis 13 (1943). S. 21
  7. T. Potthast: Konrad Buchwald. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Natur und Staat: staatlicher Naturschutz in Deutschland 1906 – 2006. Bearb. v. H.-W. Frohn, F. Schmoll. (Naturschutz und biologische Vielfalt H. 34). Münster 2006. ISBN 978-3-7843-3935-1. S. 405
  8. T. Potthast: Konrad Buchwald. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Natur und Staat: staatlicher Naturschutz in Deutschland 1906 – 2006. Bearb. v. H.-W. Frohn, F. Schmoll. (Naturschutz und biologische Vielfalt H. 34). Münster 2006. ISBN 978-3-7843-3935-1. S. 405
  9. T. Potthast: Konrad Buchwald. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Natur und Staat: staatlicher Naturschutz in Deutschland 1906 – 2006. Bearb. v. H.-W. Frohn, F. Schmoll. (Naturschutz und biologische Vielfalt H. 34). Münster 2006. ISBN 978-3-7843-3935-1. S. 405
  10. A. Seifert: Ein Leben für die Landschaft. Düsseldorf, Köln 1962. S. 71/72; R. Tüxen: Aus der Arbeitsstelle für theoretische und angewandte Pflanzensoziologie der Tierärztl. Hochschule Hannover. Ein Tätigkeitsbericht von Reinhold Tüxen. (Sonderdruck aus dem 92. und 93. Jahresbericht der Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover). Hannover 1942. S. 74/75; Der Reichsforstmeister an den Reichsminister für Finanzen. Berlin W 8, den 2. August 1939. In: Bundesarchiv R 2 RFM 4654. S. 1
  11. Vgl. M. Klein: Naturschutz im Dritten Reich. S. 317-320
  12. E. Heiderich (Hrsg.): 50 Jahre Naturschutzgeschichte in Baden-Württemberg. ISBN 978-3-8001-4472-3. S. 289-290
  13. K. Buchwald, O. Rathfelder, W. Zimmermann (Hrsg.): Festschrift für Hans Schwenkel zum 70. Geburtstag. Veröffentlichungen der Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg und der württembergischen Bezirksstellen in Stuttgart und Tübingen. Heft 24. Ludwigsburg 1956. S. 5
  14. J. Wolschke-Bulmahn: Naturschutz und Nationalsozialismus. Darstellung im Spannungsfeld von Verdrängung, Verharmlosung und Interpretation. In: S. A. Glienke, V. Paulmann, J. Perels (Hrsg.): Erfolgsgeschichte Bundesrepublik? Die Nachkriegsgeschichte im langen Schatten des Nationalsozialismus. Göttingen 2008. S. 63
  15. J. Wolschke-Bulmahn: Naturschutz und Nationalsozialismus. Darstellung im Spannungsfeld von Verdrängung, Verharmlosung und Interpretation. In: S. A. Glienke, V. Paulmann, J. Perels (Hrsg.): Erfolgsgeschichte Bundesrepublik? Die Nachkriegsgeschichte im langen Schatten des Nationalsozialismus. Göttingen 2008. S. 62
  16. K. Buchwald: Gesundes Land - Gesundes Volk. Eine Besinnung zum Gesundheits-und Erholungsproblem. In: Natur und Landschaft. (Heft 32) 1954. S. 94-98
  17. S. Körner: Theorie und Methodologie der Landschaftsplanung, Landschaftsarchitektur und sozialwissenschaftlichen Freiraumplanung vom Nationalsozialismus bis zur Gegenwart. (Schriftenreihe der Fakultät 7 - Architektur Umwelt Gesellschaft der Technischen Universität Berlin Nr. 118). Berlin 2001. S. 119-121
  18. Joachim Bodamer: Gesundheit in der technischen Welt. Demaskierung der Fluchtwege des Menschen vor dem Risiko. (Herder-Bücherei Bd. 277). Stuttgart 1955/K. Buchwald: Fachvortrag: In: H. Poenicke, G. Kragh: Naturschutz im Wandel der Zeit. Bericht über den Deutschen Naturschutztag in Kassel 1957. Bad Godesberg 1958. S. 31